Archiv für den Monat Oktober 2010
Iranische Aktivisten in Deutschland: Kampfeslust und bloß kein Mitleid
TAZ: Geflohen, aber nicht versteckt: Vier iranische Aktivisten mobilisieren in Deutschland weiter – gegen das Regime, für die Freiheit ihrer Freunde.
VON CIGDEM AKYOL

Um sie mundtot zu machen, haben ihre Unterdrücker fast alles unternommen. Das Regime hat alle vier drangsaliert, zwei von ihnen inhaftiert, psychisch und physisch misshandelt, ununterbrochen verhört und mit dem Tod gedroht. Parisa Kakaee, 33, saß 48 Tage im berüchtigten Teheraner Evin Gefängnis. Der 38-jährige Saeed Habibi kam gerade von der Arbeit, als er abgefangen und für 70 Tage inhaftiert wurde.
Wann sie Seper Atefi, 21, erwischen würden, war nur noch eine Frage der Zeit. Hesam Misaghi, 22, entschied sich zur Flucht, als ihn das islamische Revolutionsbüro einbestellte. Wer hierhin vorgeladen wird, der kann einfach verschwinden, ohne dass irgendjemand erfährt, wo er ist.
Und jetzt sind die vier fernab vom iranischen Regime, aber doch mittendrin. An einem Septembertag stehen sie gemeinsam vor der iranischen Botschaft in Berlin, schreien auf Farsi, fordern die Freilassung Oppositioneller. Letztes Jahr demonstrierten sie noch in ihrer Heimat, dem Iran. Protestierten als Teil der Grünen Revolution gegen den islamistischen Staat. Damals wurden sie vom Westen gefeiert und bewundert für ihren Mut aufzustehen, gegen die gefälschten Wahlen und den Diktator Ahmadinedschad.
Parisa Kakaee, Saeed Habibi, Seper Atefi und Hesam Misaghi sind vier von 50 Iranern, die die Bundesregierung aufgenommen hat. Sie alle haben eine monatelange Odyssee hinter sich, sind untergetaucht und geflohen.


