arte tv: Ein Augenblick Freiheit – Montag, 19.03.2012, 21.55 Uhr

ARTE F / © Les Films du Losange

Montag, 19. März 2012 um 21.55 Uhr

Wiederholungen:
24.03.2012 um 03:00
Ein Augenblick Freiheit
(Österreich, Frankreich, 2007, 106mn)
ARTE F / WDR

Stereo16:9 (Breitbildformat)

Tempo- und ereignisreich erzählt “Ein Augenblick Freiheit” von der Odyssee dreier iranisch/kurdischer Flüchtlingsgruppen: einem Ehepaar, zwei jungen Männern mit zwei Kindern und einem ungleichen, befreundeten Männerpaar. Sie alle flüchten aus dem Iran und dem Irak und landen in der türkischen Hauptstadt, wo sie, die Freiheit vor Augen, in einem wenig vertrauenswürdigen Hotel tagtäglich auf den positiven Bescheid auf ihre Asylanträge warten. Hoffnung und zugleich Ungewissheit charakterisieren diese erzwungene Pause auf dem Weg in ihre Unabhängigkeit.

Ali und sein Freund Merdad riskieren ihr Leben, um Alis Nichte Azy und seinen Neffen Arman aus dem Iran in den Westen zu schmuggeln und dann nach Wien zu bringen, wo die Eltern der beiden Kinder politisches Asyl gefunden haben. Nach einer atemberaubenden Flucht quer durch den Iran und einer lebensgefährlichen Wanderung über die schneebedeckten Berge an der Westgrenze landen sie endlich in der Türkei. Auch das Ehepaar Lale und Hassan nimmt mit ihrem Sohn Kian mit auf den beschwerlichen Weg über die Berge. Von einem betrügerischen Schlepper hinters Licht geführt, entgehen die Drei nur um Haaresbreite ihrer Verhaftung und schaffen es mit knapper Not über die Grenze. Zusammen mit anderen iranischen Flüchtlingen stranden sie in einem schäbigen Hotel in Ankara und lernen dort zwei Freunde kennen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: den kurdischen Lebenskünstler und chronischen Optimisten Manu und den gebildeten, geradlinigen und schwerblütigen politischen Aktivisten Abbas. Für einen Augenblick scheint die Freiheit tatsächlich erreicht zu sein. Doch dann beginnt eine zermürbende Zeit des Wartens. Der Willkür der türkischen Behörden ausgeliefert, ständig bedroht durch den iranischen Geheimdienst, konfrontiert mit dem Dahinschmelzen der Ersparnisse, die wegen des Arbeitsverbots nicht aufgefüllt werden können, versammeln sich die Flüchtlinge zu Hunderten vor dem UHNCR-Gebäude und warten auf ihre Anerkennung als Asylanten und auf die Weiterreise in ein Aufnahmeland. Wer mit seinem Antrag scheitert wird abgeschoben – möglicherweise in den Tod.

Arash T. Riahi wurde im Iran geboren und ist als Kind mit seinen Eltern nach Österreich geflüchtet. Im Film verarbeitete er seine eigenen Erfahrungen und andere Flüchtlingserlebnisse. Bis “Ein Augenblick Freiheit” seine fesselnde Dramatik fand, brauchte es 14 Drehbuchfassungen. 
Der Regisseur wurde zuvor mit Dokumentarfilmen bekannt. “Die Souvenirs des Herrn X” porträtiert eine schrullige österreichische Amateurfilmerszene und wurde 2004 in Chicago mit der Silver Plague ausgezeichnet. Für seinen zweiten Kino-Dokumentarfilm “Exile Family Movie” erhielt er den Max Ophüls Preis. Sein nunmehr erster Spielfilm eröffnet dem Regisseur neue Perspektiven. “Obwohl alles beim Spielfilm gestellt ist, kann man manchmal zu einer radikaleren Form von Wahrheit kommen”. 
Obwohl die Flüchtlinge zur Untätigkeit verdammt sind, überschlagen sich die Ereignisse im Film. Eine gehörige Portion Humor trägt dazu bei, dass man das Geschehen in seiner Tragik aushalten kann. Aber der Humor ist hauptsächlich dazu da, das Publikum in die Geschichte hinein zu ziehen. “Wenn Menschen lächeln, öffnet sich ihr Kopf”, sagt Riahi, der mit “Ein Augenblick Freiheit” seinen Anspruch ans Kino verwirklicht hat: “Wenn ich ins Kino gehe, möchte ich, dass mich ein Film nicht kalt lässt, er soll möglichst viele Sinne ansprechen.”

Regie: Arash T. Riahi
Drehbuch: Arash T. Riahi
Kamera: Michi Riebl
Musik: Karuan Marouf
Schnitt: Karina Ressler
Darsteller: Navid Akhavan (Ali)Pourya Mahyari (Merdad)Kamran Rad (Kian)Payam Madjlessi (Hassan)Sina Saba (Arman)Said Oveissi (Abbas)Fares Fares (Manu)Elika Bozorgi (Azy),Behi Djanati Ataï (Lale)
Produktion: Les Films Du LosangeWEGA-FilmARTE FWDR
Produzent: Veit HeiduschkaMargaret MenegozMichael Katz

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Veröffentlicht am 17. März 2012 in Empfehlungen, Film, Gesetze, Medien, Meinungen, Politik und mit , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 1 Kommentar.

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