Mannheimer Illustrator von Picasso inspiriert
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In dieser Illustration von Mehrdad Zaeri lässt sich Picassos kubistischer Ansatz herauslesen. Die Darstellung „Hohe Kultur trägt dunkle Kleidung“- ein Verweis auf Edgar Allan Poe oder Kafka? Der gebürtige Iraner, der Mannheim zur Wahl-Heimat gemacht hat, hält gern im Straßencafé Ausschau nach Geschichten zum Malen. Fotos: privat/AfP Asel
Von Christian Hoffmann
Islamische Fundamentalisten erkennen Kunstfreiheit selten an. Geht es um ihre heiligen Propheten, verstehen Muslime häufig keinen Spaß.
Mutmaßliche Blasphemie verfolgen die Gottesfürchtigen daher mit der Fatwa: dem Todesurteil. Der Mannheimer Illustrator Mehrdad Zaeri wurde im Iran geboren; der wohl strengste Gottesstaat im Nahen Osten. Als Flüchtling kam er an Heiligabend 1985 mit seinen Eltern und Geschwistern nach Deutschland. Mittlerweile genießt Mehrdad Zaeri als deutscher Staatsbürger die freiheitliche Welt.
Um zu zeichnen und nach neuen Erzählbarkeiten Ausschau zu halten, sitzt Mehrdad Zaeri bei Sonnenschein vor dem Mannheimer Café Adria. Dann schlägt er sein Skizzenbuch auf und setzt den Filzstift an. Seine Augen trinken alles, was in den Sehkreis kommt. „Mein bevorzugtes Thema ist der Mensch“, erzählt der 41-Jährige.
Und was zum Menschsein so dazugehöre: Liebe, Freude, Angst. Da Mehrdad Zaeri nach dem Abitur jahrelang als Taxifahrer arbeitete, ging der Geschichtenmaler der Kunst anfangs nur nebenbei nach. Er baute jedoch das Zeichnen stetig aus, schließlich machte er sich 2001 als Illustrator selbstständig.
Durch eine Ausstellung auf den Bildermacher aufmerksam geworden, trat die Frankfurter Büchergilde Gutenberg an ihn 2007 mit dem Auftrag heran, ein Buch zu illustrieren – dem weitere folgten. Die feinen Editionen der Büchergilde Gutenberg sprechen bibliophile Sammler an, der Verlag führt hochwertige Einbände in Pastellfarben. Ihre Wirkung verfehlen diese Bücher nicht: Aus seiner Ledertasche zieht Zaeri den rosa Gedichtband „Was es ist“ von Erich Fried. „Das Büchlein sieht aus wie eine Tafel Schokolade“, begeistert sich der findige Comicfan.
Sein Vater war ein abrückender Oppositioneller im Iran unter Ajatollah Khomeini. Deshalb musste die Familie in den freiheitsverwöhnten Westen Europas flüchten. Wie nimmt Mehrdad Zaeri die Revolution in der arabischen Welt wahr? „Einerseits ist es gut, dass sich die Völker nicht alles gefallen lassen“, bekennt der Mannheimer, der zu seiner Heimat keinen Kontakt mehr pflegt. „Andererseits wartet auf die Demonstranten oft nur eine weitere Diktatur.“
Tasten Kulturschaffende islamische Tabus ab, bedrohen Orthodoxe sie häufig mit dem Tode. Mächtige Wortführer verhängen eine Fatwa, über Schriftsteller Salman Rushdie, Karikaturist Kurt Westergaard oder aktuell den Rapmusiker Shahin Najafi. Die Kunst ist eine Disziplin, die es manchmal mit der Wirkungsmacht der Politik aufnehmen kann.
In unserer Bundesrepublik dagegen muss Zaeri keine unverhältnismäßige Zensur fürchten, seinen Filzstift darf der Formgestalter frei schwingen. Vom Stilwillen her sind Zaeris Arbeiten, seine Geisteskinder, dem Zeichentrickfilm „Persepolis“ von Marjane Satrapi nicht unähnlich.
Was der Farbpoet gelten lässt: „Wir haben ähnliche Biografien.“ Seine Fertigkeit schult er außerdem an F. K. Waechter, aber auch Picasso imponiert ihm, dessen kubistischen Ansatz man herauslesen kann.
Veröffentlicht am 12. Juni 2012 in Empfehlungen, Gesetze, Medien, Meinungen, Politik und mit Ahmadinejad, Chamenei, Deutschland, Flüchtlinge, Gesetze, Human Rights, Iran, Medien, Menschenrechte, Politik getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert.


