Archiv für den Tag 20. Mai 2011

Nasrin Sotoudeh’s Brief an ihren Sohn Nima

geschrieben auf Papiertaschentüchern. März 2011
With special thanks to Petra Plötz – for German translation International Campaign in support of Nasrin Sotoudeh facebook.com/NasrinSotoudeh

Mein lieber Nima,

es ist so schwer, Dir zu schreiben. Du bist so klein und unschuldig, dass ich es nicht übers Herz bringe, Dir zu erzählen, von wo ich Dir gerade schreibe. Wie könnte ich auch, wo Du doch keine Vorstellung hast, was ein Gefängnis bedeutet, oder eine Verhaftung. Verurteilung, Gerichtshof, Ungerechtigkeit, Zensur, Unterdrückung oder aber Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit für alle? Wie könnte ich, wenn all dies in Deinen unschuldigen Gedanken nicht existiert?

Wie kann ich zu Dir sprechen, zu Dir, als Kind und nicht als ob Du ein Erwachsener wärest? Wie kann ich Dir erklären, dass es nicht in meiner Hand liegt, zu entscheiden, zu Dir zurückzukehren. Könnte ich, würde ich sofort losfliegen, um bei Dir zu sein. Du hast Deinem Vater aufgetragen, mir zu sagen, dass ich nun meine Arbeit beenden und nach Hause kommen soll. Wie kann ich Dir sagen, dass es nicht meine Arbeit ist, die mich nicht in Deiner Nähe sein lassen wird? Das ist richtig, Nima, keine „Arbeit“ erlaubt es, mich solange von Dir fern zu halten. Keine „Arbeit“ der Welt hat das Recht, mich an den Punkt zu bringen, die Rechte meiner Kinder nicht mehr zu sehen. Keine „Arbeit“ der Welt hat das Recht zu entscheiden, dass ich in den letzten sechs Monaten meine Kinder nur ein einziges Mal für eine Stunde sehen durfte. Was soll ich Dir sagen, mein liebes Kind? Als Du mich in der letzten Woche fragtest, „Maman, wann kommst Du nach Hause?“, musste ich antworten während die wachhabenden Gefängniswärter mir gegenüber standen, „Meine Arbeit dauert noch etwas länger, ich bin erst später zurück“. Dann hast Du zum Einverständnis Deinen kleinen Kopf geschüttelt, meine Hände genommen und mit Deinen kleinen Lippen meine Hände geküsst. Lies den Rest dieses Beitrags

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