HEUTE: 3sat – Kennwort Kino: Teheran ist überall

22:25
Stereo-Ton16:9 Format

Monothema: Inside Iran

Kennwort Kino: Teheran ist überall

Kinobilder einer Stadt

Film von Maik Platzen

Erstausstrahlung

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Die Berlinale 2011 stand ganz im Zeichen des iranischen Kinos: „Nader und Simin – Eine Trennung“ von Regisseur Asghar Farhadi gewann den „Goldenen Bären“ und Farhadis Darsteller-Ensemble wurde auch noch kollektiv mit den „Silbernen Bären“ für die besten schauspielerischen Leistungen geehrt. Doch gab es in Berlin nicht nur Grund zum Feiern: Der Regisseur Jafar Panahi wurde kurz zuvor in Teheran zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt. Während die Berlinale Panahis Gesamtwerk noch einmal zeigte, organisierte Panahis Freund und Regie-Kollege Rafi Pitts eine Protestkundgebung am 11. Februar, dem 32. Jahrestag der iranischen Revolution. Bereits seit einiger Zeit schlägt das Kino aus dem Iran wieder hohe Wellen. Junge Filmemacher haben sich vom Image der beschaulichen neorealistischen Filme ihrer Vorgänger emanzipiert und verleihen vor allem der urbanen und westlich geprägten Jugend eine Stimme. Zu ihnen zählt auch Rafi Pitts, dessen Film „Zeit des Zorns“ während der Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 in Teheran spielt, oder auch Bahman Ghobadi. Dessen Film „No One Knows About Persian Cats“ hatte 2009 auf dem Filmfestival von Cannes Premiere. In semi-dokumentarischen Bildern porträtiert Ghobadi die Underground-Musikszene Teherans und fängt die Träume und Sehnsüchte der iranischen Jugend in bislang nicht gesehener Offenheit ein. Die Folge war der endgültige Bruch mit den offiziellen Stellen in Teheran. Seither lebt und arbeitet Ghobadi im Exil. Zwar zählt sich keiner der Filmemacher zu jener iranischen „Grünen Bewegung“, die gegen den Wahlsieg von Präsident Ahmadinedschad protestierte. Doch ihre Filme, die das Politische im sozialen Miteinander finden, finden starke Bilder für die Absurdität der Repression und verfolgen die Überlebensstrategien ihrer Protagonisten mit engagierter Anteilnahme.
„Kennwort Kino: Teheran ist überall“ stellt einige der wichtigsten Vertreter des neuen iranischen Kinos vor und befragt sie zu ihrer derzeitigen Lebens- und Arbeitssituation.

Genau zwei Jahre nach den Präsidentschaftswahlen im Iran und den anschließenden Massendemonstrationen und Protestaktionen zeigt 3sat bis 19. Juni die Reihe „Inside Iran“. Eine Auswahl von aktuellen Spiel- und Dokumentarfilmen jüngerer iranischer Regisseure – vielbeachtet auf internationalen Filmfestivals – vermittelt einen authentischen Eindruck von der jungen Generation in Iran, von ihrer künstlerischen und gesellschaftlichen Identität unter den Beschränkungen des Systems. Als nächster Beitrag dieser Reihe folgt im Anschluss, um 22.55 Uhr, der Dokumentarfilm „Salaam Isfahan.“

 

22:55
Stereo-Ton16:9 Format

Monothema: Inside Iran

Salaam Isfahan

Dokumentarfilm von Sanaz Azari, Iran/Belgien 2010

Länge: 59 Minuten

Erstausstrahlung

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Für ihren Debütfilm „Salaam Isfahan“ kehrt die in Belgien lebende Filmemacherin Sanaz Azari in ihre iranische Heimatstadt Isfahan zurück. In der Zeit um die Wiederwahl des ultrakonservativen und umstrittenen Staatspräsidenten Ahmadinedschad begegnet sie Menschen auf der Straße, die ihren alltäglichen Besorgungen nachgehen. Unter dem Vorwand, sie fotografieren zu wollen, sucht Azari das Gespräch mit ihnen. Viele haben im Kontext der Wahlen Angst, sich ablichten zu lassen oder ihre Meinung frei zu äußern. Trotzdem entlockt Azari in einigen kurzen Gesprächen Aussagen zu den Wünschen, Träumen, politischen Ansichten, Lebensphilosophien und alltäglichen Erlebnissen der Einwohner Isfahans. So entsteht langsam ein Mosaik, in dem Männer und Frauen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen zu Wort kommen. Der Film endet in den Wirren der beginnenden Demonstrationen um die Wahlmanipulation durch Präsident Ahmadinedschad und liefert ein einzigartiges Porträt einer Nation im Umbruch.
Ursprünglich hatte Regisseurin Sanaz Azari geplant, einen Film über den Alltag der Einwohner Isfahans zu drehen. Im Zuge der manipulierten Wahlergebnisse und der blutigen Proteste der Folgewochen wurde das Projekt jedoch zum politischen Seismografen. Azaris Team musste beim Ausbruch der Krisensituation das Land verlassen, doch die junge Regisseurin blieb, um weiter zu filmen. Von Straßenschlachten und Großdemonstrationen ist in ihrem Film nichts zu sehen, und trotzdem sind die ruhigen, teilweise träumerischen Bilder und die Gespräche über Hoffnungen und Träume der Passanten durchdrungen von der politischen Unruhe, die sie umgibt. Der brisante Film wurde beim Dokumentarfilm-Festival „Visions du Réel“ in Nyon mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Als nächster Film der Reihe „Inside Iran“ folgt am Mittwoch, 15. Juni, um 22.25 Uhr, „No One Knows About Persian Cats“.

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Veröffentlicht am 14. Juni 2011 in Empfehlungen, Film, Medien und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für HEUTE: 3sat – Kennwort Kino: Teheran ist überall.

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