Iran: Wer hat Angst vor einem toten Flötenspieler?


Flötenspieler Hassan Kassa‘i

Am Donnerstag, den 14. Juni 2012, ist der berühmte iranische Flötenspieler Hassan Kassa‘i in Isfahan gestorben. Er war 1927/8 zur Welt gekommen. Von politischen Bewegungen und Aktivitäten hatte er sich stets ferngehalten, aber sein Flötenspiel war unter den Iranern sehr populär. Aus diesem Grund ließ der iranische Geheimdienst nicht zu, dass die Menschen, die ihn kannten und schätzten, mit einer Trauerprozession Abschied von ihm nahmen. Deshalb raubte der Geheimdienst den Leichnam noch am selben Tag und zwang die Angehörigen, ihn in der Nacht zu begraben, damit keine große Menschenmenge zusammenfinden konnte. Eine Trauerfeier, die im Iran üblich ist, wurde auch noch zwei Tage nach dem Tod von Hassan Kassa‘i nicht zugelassen.
Der Anlass mag noch so unpolitisch sein, in einer Diktatur ist jede Menschenmenge, die nicht auf Veranlassung der Herrschenden zusammenkommt, ein Politikum.


Höre von der Flöte, wie sie erzählt,
von den Trennungen klagt,
vom Bambushain, wo sie abgesägt wurde:
von meiner Stimme bewegt
weinen Mann und Frau.
(aus einem Gedicht von Moulawi)

Source: Ali Schirasi

Veröffentlicht am 19. Juni 2012 in Gesetze, Medien, Meinungen, Politik und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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