TV Tipp ARD: Ware Mensch – Der Kampf gegen Schleuserbanden

Montag, 17.9.2012, 22:50 Uhr ARD

Jahr für Jahr reisen 400.000 Menschen illegal in den Schengen-Raum ein, oft mit Hilfe von Schleuserbanden. Zehn Milliarden US-Dollar fließen dabei in die Taschen der Banden – ein lukrativer globalisierter Menschenhandel. Deutschland, Skandinavien, Großbritannien, Belgien, Frankreich, aber auch die nordischen Länder sind die bevorzugten Ziele für die „Ware Mensch“.

Die Dokumentation begleitet die Sondereinheit der Bundespolizei „Bexbach“, die ausschließlich im verdeckten Bereich der Schleuserkriminalität ermittelt, spricht mit Betroffenen, die ihre Schleusung bereits erlebt und erlitten haben. Sie berichtet von Flüchtlingen in Istanbul und von einem Grenzfluss, über den viele von ihnen ihre Reise in das „gesegnete Europa“ antreten.
Während der Leiter der Sondereinheit Bundespolizei, Jörg Wettlaufer, seinen Kampf gegen die Schleuser in Deutschland antritt, machen sich jeden Monat 5000 Geschleuste auf den Weg über den türkisch-griechischen Grenzfluss Evros in die „Festung Europa“. In Istanbul sprechen die Autoren mit dem in seiner Heimat Sudan verfolgten Ali und erfahren die Motive für seine Flucht; 5.000 Euro wird diese kosten. Das Filmteam begleitet den Bürgermeister Ibrahim Kilic, aus dem Grenzdorf Karakasim an den Evros, wo immer wieder Flüchtlinge bei der Überquerung ums Leben kommen.
In Frankfurt sind Wettlaufer und seine Kollegen erfolgreich. In der S-Bahn können sie einen Schleuser festnehmen, der Frauen in Nigeria per Voodoo-Zauber gefügig macht und sie dann zur Prostitution nach Deutschland schaffen lässt. Einige Tage später geht den Bundespolizisten ein „großer Fisch“ ins Netz. Nach monatelangen Observationen und Telefonabhöraktionen können sie eine vietnamesische „Residentin“ dingfest machen. Als „Residenten“ bezeichnen sich „die Häuptlinge“ oder Clanchefs der Schleuserbanden, die in den jeweiligen Regionen oder Ländern Schleusungen organisieren und mit Hilfe von Scheinehen illegal legalisieren.
In Köln sprechen die Autoren mit der Iranerin Mitra Khaltbari. Vor zwei Jahren kam die in ihrer Heimat politisch verfolgte Journalistin mit einem gefälschten Pass vom Iran über Istanbul nach Deutschland. Sie erzählt von den Stationen ihrer Schleusung und dass man das Trauma der Flucht sein Leben lang mit sich herumträgt. Die Autoren sprechen mit ihr über ihre neue Heimat Deutschland.
In Warschau dokumentiert der Film die Arbeit von Frontex-Chef Klaus Roesler. Er erklärt die pragmatische Leitlinie des europäischen Grenzschutzes: „Migration kann nicht durch Grenzschutz aufgehalten werden.“ Im ICE nach Berlin sagt Jörg Wettlaufer: „Schleusern geht es immer um den finanziellen Profit, nicht um die Menschen.“
Mitra Khalatbari, die ehemals Geschleuste, hierzu: „Es ist richtig, dass die Art wie ich geflüchtet bin nicht gut war, aber meine Flucht war nicht die Schuld der Schleuser. Es ist einfach ihr Job und für mich sind sie respektvolle Menschen, die vielen in ihrer Not helfen, Menschen, denen Schlimmes in ihrer Heimat hätte zustoßen können.“ Und dann ganz ruhig aber bestimmt: „Meine Flucht hat sich gelohnt, weil ich am Leben bin.“
Der Film „Ware Mensch“ ist denen nahe gekommen, die fliehen und denen, die es verhindern sollen.

Veröffentlicht am 15. September 2012 in Empfehlungen, Film, Gesetze, Medien, Meinungen, Politik und mit , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für TV Tipp ARD: Ware Mensch – Der Kampf gegen Schleuserbanden.

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