Archiv für den Tag 2. März 2013

Iranische Filmtage in Köln Gewünscht – Toleriert – Verboten: (Neue) Räume für den iranischen Film?

Gäste:
Negar Tahsili (Regisseurin, Iran)
Loghman Khaledi (Regisseur, Iran)
Massoud Bakhshi (Regisseur, Iran)
Davoud Zare (Regisseur, Iran)

Kurator: Amin Farzanefar

In heutigen Gesellschaften spiegelt der öffentliche Raum ein Spannungsfeld zwischen dem Entfaltungswillen einzelner Individuen und einem verbindlichen Netz sozialgemeinschaftlicher Regeln wider. Er wird Begegnungsfeld von Mehrheiten und Minderheiten, Geschlechtern und Generationen. Im Iran ist die Gestaltung wie auch die Nutzung des öffentlichen Raumes von religiösen und anderen Regeln bestimmt und begrenzt. Dies zeigt sich allerorten: neben der Werbung globaler Ladenketten prangen riesige Banner mit schiitischen Heiligen, religiösen Führerfiguren und frommen Erbauungssprüchen. Die islamischen Bekleidungsvorschriften und die Geschlechtertrennung stellen zwei besonders offenkundige Aspekte dar, die den Alltag auch im äußeren Erscheinungsbild stark prägen.

Neben den vom Staat bzw. der Staatsreligion klar vorgegeben und strikt einzuhaltenden Regeln und Grenzen ist der öffentliche Raum aber auch in einem erheblichen Maß von sozialen Instanzen und Traditionen bestimmt. Vor allem die Familie, aber auch Nachbarschaft und Kollegenkreis melden Ansprüche an ihre einzelnen Mitglieder an,  mit denen sie massiv in deren Leben eingreifen und ihnen weitere Regeln und Grenzen auferlegen.

Trotz dieser staatlichen und gesellschaftlichen Einschränkungen  – und vor allem trotz Repression und Zensur – entstehen im Iran weiterhin gesellschaftskritische und aussagestarke Filme. Dies ist nur möglich, weil Filmschaffende, Autorinnen und Autoren und Kulturschaffende immer wieder neue Räume für ihre Kreativität auftun, in denen sie sich verorten und ihre Werte und Anschauungen entwickeln und verteidigen können. Mit der Schaffung neuer geistiger Lebensräume können sie gegen die vermeintliche politische Erstarrung ankämpfen.

Die an jeweils vier Tagen in Berlin und Köln vorgestellten Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilme sollen die Lebendigkeit, Vielfalt und Vielschichtigkeit der iranischen Gesellschaft aufzeigen und damit auch die iranischen Künstlerinnen und Künstler in ihrem steten Einsatz um Pluralität und Meinungsvielfalt unterstützen.

Veranstalter/in: Heinrich-Böll-Stiftung und Melanchton Akaedmie

Eine Kooperation mit Diwan – Deutsch-Iranische Begegnungen und der Filminitiative Köln

Sprache:    
Farsi mit englischen Untertiteln

Tickets
6,50 €/ erm. 5,00 € / 7.- 9.3.2013 Filmtage-Pass 20,-€
Karten an der Kinokasse
Vorbestellung: anmeldung@melanchthon-akademie.de
Vorbestellte Karten bitte 15 min vor Filmbeginn abholen.
Die Filmtage-Pass berechtigt zum freien Eintritt in alle Filmvorführungen
und gilt als Gutschein für Einzeltickets, die bis 15 min vor Filmbeginn
abgeholt werden müssen.

Information
Joachim Ziefle
Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24, 50678 Köln
Tel: 0221-931 8 030, Email: mailto: ziefle@melanchthon-akademie.de

Diwan Deutsch-Iranische Begegnungen,
Tel: 02234 688 7702
Email: info@diwan-verein.de, http://www.diwan-verein.de

Veranstaltungsorte
Donnerstag, 7. März – Sonnabend, 9. März 2013
im Filmhaus Kino, Maybachstr. 111, 50670 Köln

Sonntag, 10. März 2013
Filmforum NRW e.V. im Museum Ludwig
Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln

Programm:

Donnerstag, 7. März 2013 Filmhaus Kino

19.00 Eröffnung der Filmtage
19.30 A respectable Family
Spielfilm von Massoud Bakhshi, 2012, 87 min, OmeU
Nach 22 Jahren im Ausland wird Khosro Amini zu einem Gastsemester
in den Iran eingeladen und eckt als liberaler Freigeist überall an – beruflich
wie privat. Er will zurück, das Ausreisevisum wird nicht erteilt, dann
tauchen unbekannte Verwandte auf und Khosro erfährt von einem Erbe
des todkranken Vaters – immer kafkaesker und verschlungener wird der
Aufenthalt des Heimkehrers. Massoud Bakhshis Familien-Thriller enthält
dokumentarisches Material aus dem Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988,
behält aber auch die jüngsten Ereignisse seit 2009 im Blick.

Komplette Program:

Download Programm Köln

 

 

 

3sat: Die Busfahrerin – eine iranische Reise – Montag, 04.März , 23.25 Uhr

Dokumentarisches Roadmovie von Maysoon Pachachi, Iran 2000

Länge: 84 Minuten


Die Iranerin Massoumeh Soltan Balaghie ist wahrscheinlich die einzige Busfahrerin in der islamischen Welt. Sie ist 51 Jahre alt, verheiratet und Mutter von vier Kindern. Als ihr Mann einen Herzanfall erlitt, konnte sie nach Überwindung behördlicher Vorbehalte seine Stelle übernehmen, weil sie keinen anderen Ausweg sah, den Lebensunterhalt ihrer Familie zu sichern. Die Reisenden waren ihr gegenüber zunächst misstrauisch. Doch dies hat sich in der Zwischenzeit gelegt. Man kommt ihr mit Respekt entgegen und bewundert ihren umsichtigen Fahrstil. Zumeist fährt sie zusammen mit ihrem Mann, der sich von seiner Krankheit wieder erholt hat. Ihr großer Traum ist ein eigener Bus und damit die Unabhängigkeit.
Das dokumentarisches Roadmovie „Die Busfahrerin – eine iranische Reise“ begleitet Massoumeh Soltan Balaghie und ihren Mann auf einer ihrer Reisen von Teheran zum riesigen Ölhafen von Bandar Abbas an der Golfküste, eine Strecke, die zu den gefährlichsten in ganz Iran gehören. Diese Reise absolviert sie zweimal die Woche – 5.000 Kilometer in sechs Tagen. Die Stationen auf der Reise ergeben ein Mosaik der Iranischen Gesellschaft.

Als nächster Beitrag der Filmreihe „Frauen im Islam“ folgt am Dienstag, 5. März, um 20.15 Uhr der Spielfilm „Caramel“.

 

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