WDR5| Sanktionen und Wirtschaftsmisere

Morgenecho-Serie: Wahlen im Iran – Wer kommt nach Ahmadinedschad?

Selten war die Islamische Republik so isoliert wie heute. Wirtschaftlich geht es dem Iran aufgrund harter Sanktionen und eklatanter Managementfehler zunehmend schlecht. Der 56-jährige Mahmoud Ahmadinedschad hat als Präsident die Geschicke Irans gelenkt. Atomprogramm, Holocaustleugnung, umstrittene Wiederwahl – wie kein iranischer Präsident vor ihm hat Ahmadinedschad nach außen und innen polarisiert.

Von Reinhard Baumgarten

Bild: Die internationalen Sanktionen zeigen im Land deutliche Wirkung. Überall steigen die Preise drastisch; Rechte: picture alliance / dpa
Steigende Preise durch Sanktionen

Die internationalen Sanktionen, der EU-Ölboykott und die Einschränkung des Geld­ver­kehrs tun weh, sagt der Politikwissenschaftler Prof. Sadegh Z. von der Uni Te­he­ran. „Ich fürchte, was auch immer die Intensionen gewesen sein mögen: die Menschen im Iran leiden, nicht das islamische Regime. Die Menschen haben keine Medizin, sie müssen das Zwei- und Dreifache dessen zahlen, was Deutsche, Ame­ri­kaner oder Afghanen zahlen. Und das ist wegen der Sanktionen“, so der Politikwissenschaftler.

„Wir haben nur noch Arme und Reiche“

Irans Ölexporte sind auf den niedrigsten Stand seit 1986 gefallen – das Land führt nur noch rund eine Million Fass pro Tag aus. Die Deviseneinnahmen des Landes sind um die Hälfte zu­rück­gegangen. Die Wirtschaft steckt IWF-Daten zufolge in einer Rezes­sion. Der Händler Ali im Bazar von Teheran spürt die Folgen am eigenen Leib. „Die Geschäfte laufen sehr mies“, sagt Ali. Der Bazar befinde sich im Dämmerzustand. „Wir können nicht gut absetzen, die Leute kaufen einfach nicht.“

Die Läden in den Bazaren Irans sind gut gefüllt. Die Kunden kommen und schauen, vergleichen Preise und gehen wieder. In Verbindung mit dem gestiegenen Dollarpreis sei die Kaufkraft ziemlich gesunken, 60 bis 70 Prozent kauften die Leute jetzt weniger, so Ali.

Vor allem Importgüter sind deutlich teurer geworden – darunter viele Medikamente für chronisch Kranke. Die finanzielle Belastung nehme bedrohliche Formen an, erklärt die 42-jährige Faranak. „Alle machen sich Sorgen. Wir haben heute nicht mehr Arm und Reich und eine Mit­telschicht. Wir haben nur noch Arme und Reiche.“

„Die Sanktionen sind kontraproduktiv“

Bild: Hunderte Menschen protestieren gegen die Sanktionen gegen Iran; Rechte: picture alliance / ZUMAPRESS.com
Proteste gegen Sanktionen

Durch die Devisenknappheit wird die Inflation angeheizt und die heimische Währung gerät unter Druck. Der iranische Rial hat seit Anfang 2012 mehr als zwei Drittel an Wert verloren. Die Sanktionen sollen die iranische Führung vom eingeschlagenen Atom­­kurs abbringen. Sie haben ihr Ziel verfehlt, urteilt Sadegh Z. von der Uni Teheran. „Die Sanktionen sind kontraproduktiv“, sagt er. „Die Sanktionen haben antiwestliche, radikale und revolutionäre Elemente innerhalb der iranischen Führung hochgebracht. Es hat den Radikalen geholfen – nicht den Moderaten, den Reformern, den Prowestlichen oder den Liberalen.“

Das Volk gerät weiter unter Druck

Mehr und mehr Zentrifugen reichern in Irans Atomanlagen Uran auf 20 Prozent an. Schätzungen zufolge dürfte das Land inzwischen an die 200 Kilogramm besitzen. „Wonach streben die westlichen Führer im Iran? Wollen sie einen Regimewechsel? Die Sanktionen haben das Regime gestärkt. Was immer die Absicht war, die Sank­tionen haben das Gegenteil erreicht“, so der Politikwissenschaftler.

Die USA haben erst vergangene Woche neue Sanktionen gegen Irans Autoindustrie verhängt und wollen Irans Handel mit Gold unterbinden. Die Führung in Teheran zeigt sich unbeeindruckt. Das Volk gerät weiter unter Druck.

Iran-Serie Teil 3: Iran vor der Wahl – Sanktionen und Wirtschaftsmisere vom 12.06.2013

 

Veröffentlicht am 15. Juni 2013 in Interview, Iran Election 2013, Medien, Meinungen, Politik und mit , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für WDR5| Sanktionen und Wirtschaftsmisere.

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