Iranische Hauptstadt zieht um?

Iranische Hauptstadt zieht um?

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STIMME RUSSLANDS Das iranische Parlament hat für die Verlagerung der Hauptstadt gestimmt. Eine der Kandidaten-Städten ist Parand, das 35 Kilometer südwestlich von Teheran liegt. Für die Verlagerung sprachen sich 110 der 177 Abgeordneten. Nun muss eine spezielle Kommission gebildet werden, die diese Frage entscheiden soll.

Als einer der wichtigsten Gründe betrachtet man im iranischen Parlament die Überbevölkerung Teherans, wo zurzeit ca. 12 Millionen Menschen leben. Auch die Umwelt in der Metropole wird zunehmend belastet. Allerdings könnte das Ganze nichts als ein Manöver sein, um die Aufmerksamkeit der Bürger von wichtigen außenpolitischen Problemen abzulenken, meint Sergej Serjogitschew vom Nahostinstitut:

„Wegen der Sanktionen entwickeln sich dort vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, aber keine Großunternehmen. Es gibt nicht so viele umweltbelastende Betriebe. Was die Überbevölkerung angeht, so könnte man die Stadt vergrößern und die Menschen in die Vorstädte umsiedeln. Höchstwahrscheinlich ist dieser Beschluss mit dem Wunsch verbunden, die Aufmerksamkeit von wichtigeren Sachen abzubringen. Das große Projekt wird nicht realisiert, dafür wird man es überall besprechen. Dies wird die Menschen für ein paar Monate beschäftigen, damit sie nicht an Syrien und Hisbollah denken.“

Die Geschichte kennt viele erfolgreiche Beispiele der Hauptstadtverlagerung. So war Almaty bis 1997 die Kasachstans Hauptstadt. Da die Stadt von Bergen umringt ist, war es unmöglich, ihre Grenzen auszudehnen. Deswegen wurde die Stadt Aqmola zum politischen und ökonomischen Zentrum gemacht und zu Astana umbenannt, was auf Kasachisch so viel wie „Hauptstadt“ bedeutet. Damals führte der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew die günstige Lage der neuen Hauptstadt als das wichtigste Argument für die Verlagerung an:

„Die Stadt liegt faktisch im geografischen Zentrum Kasachstans und ist eine große Verkehrsdrehscheibe. Ihre Einwohnerzahl beträgt 330.000 Menschen bewohnt und kann laut dem vorliegenden Generalplan auf 400.000 vergrößert werden. Außerdem verfügt die Stadt über sichere Kommunikations- und Versorgungssysteme.“

Es war nicht leicht, Menschen zu überzeugen, massenhaft den Heimatort zu verlassen und in eine fremde, damals noch wenig entwickelte Stadt zu ziehen. In den 15 Jahren seines Bestehens hat sich Astana ums Mehrfache vergrößert und von Grund auf verändert.

In einigen Ländern zieht man dagegen vor, kleine Städte zur Hauptstadt zu machen. Die Schaffung eines Regierungszentrums helfe laut Experten die Probleme zu vermeiden, von denen häufig Metropolen geplagt werden. Davon zeugt das Beispiel Kanadas. Im 19. Jahrhundert erlangte Ottawa, das damals höchstens 8.000 Einwohner zählte, den Rang einer Hauptstadt. Die Wahl sei auf einen Kompromiss zwischen zwei ethnischen Gemeinschaften Kanadas zurückzuführen, sagt Wladimir Roschankowski von der analytischen Abteilung des Unternehmens Nord-Kapital:

„In Kanada gibt es zwei Gemeinschaften: eine Englisch- und eine Französischsprachige. Historisch kam es zu einem Widerstand zwischen Toronto und Montreal. Daher war die Verlagerung der Hauptstadt nach Ottawa ein Versuch, Neutralität wiederherzustellen, damit keine der Seiten gekränkt war. Außerdem ist Ottawa im Vergleich zu Québec, ganz zu schweigen von Montreal und Toronto, eine kleine Stadt. Deswegen denke ich, dass solche Lösungen eigentlich Sinn machen, bis sich um die Regierungsbauten herum eine eigene Infrastruktur zu entwickeln beginnt.“

1960 wurde die brasilianische Hauptstadt in eine kleine, extra dafür gebaute Stadt im Zentralteil des Landes verlegt. Diese Maßnahme habe geholfen, die Region zu entwickeln und Migrationsströme neuauszurichten. Gerade deswegen hat sich die lokale Bevölkerung um fast Zehnfaches vergrößert und übersteigt heute zweieinhalb Millionen Menschen, um die Stadt herum entstanden Satellitenstädte.

Quelle: STIMME Russlands

Veröffentlicht am 29. Dezember 2013 in Medien, Meinungen, Politik und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Bonn hat auch gut funktioniert.

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