Archiv für den Tag 1. Januar 2014

Wiener Zeitung| Iran „Die Drogen machen uns kaputt“

Von Arian Faal

  • Das Suchtproblem hat die iranische Jugend fest im Griff – rund fünf Millionen Abhängige
  • Iran beschlagnahmt mehr Drogen als alle Länder in der Region zusammen.
Die Verbrennung beschlagnahmter Drogen wird im Iran groß zelebriert. - epa/Abedin Taherkenareh

Die Verbrennung beschlagnahmter Drogen wird im Iran groß zelebriert.epa/Abedin Taherkenareh

Teheran/Wien. Der Ausgangsbereich des Basars in Teheran ist an diesem Nachmittag wieder vollgestopft – mit Taxis, Straßenhändlern, die ihre heißen roten Rüben eifrig anbieten, und mit Taschendieben. „Hey, da drüben, schaut, die nehmen dem alten Mann seine Aktentasche weg. Haltet sie!“, schreit einer der Händler. Doch es ist vertane Mühe. Die Diebe sind längst über alle Berge. Meist benutzen sie ein Messer und schlitzen die Taschen ihrer Opfer innerhalb von Sekunden auf, nehmen alles mit, und ehe man sich versieht, brausen sie und ihre Komplizen auf Mopeds auch schon davon. Manchmal nehmen sie gleich die ganze Tasche mit. So ist es keine Seltenheit, dass man am Ausgang des Zentrums orientalischer Handelskunst ungewollter Zeuge von Szenen wird, die eher an einen schlechten Hollywoodfilm erinnern.

„Ja, steigen Sie ein, ich nehme Sie mit, ich muss eh in den Norden der Stadt. Wenn Sie lange hier stehen bleiben, werden Sie auch ausgeraubt.“ Hossein dämpft seine Zigarette aus. Auf den ersten Blick ist der 28-jährige Bäcker und Konditor, der sich nachmittags sein Taschengeld als freiberuflicher Taxifahrer verdient, nicht von seinen Altersgenossen zu unterscheiden. Doch auf den zweiten Blick sieht man, dass seine Augen glasig sind und seine Hände zittern.

„Man muss das Problem an der Wurzel packen. Warum gehen diese Menschen auf Raubzug? In welchen Kreisen verbringen sie ihren Alltag? Sie haben nichts zum Leben und da wissen sie sich nicht anders zu helfen, als zu stehlen und zu plündern. Wenn man einmal drin ist in dem Dilemma, gibt es kein Entrinnen mehr. Dazu noch das verfluchte Zeug. Ich will seit zehn Monaten damit aufhören, aber ich schaffe es nicht. Die verdammten Drogen machen uns junge Menschen in Teheran kaputt. Verstehen Sie? Kaputt! Ich hasse Opium, aber ich bin verloren. Ich habe nicht die Standfestigkeit, dem Zeug zu entrinnen. Dann denke ich mir wieder, was gibt es schon zu verlieren, das Leben hier bietet einem eh so wenig Genüsse und Freude, und schon bin ich wieder mitten im Delirium“, seufzt er.

Schnell fasst er sich wieder und wir fahren los. Die kryptische Stille wird schnell beendet. Hossein legt Musik des im Exil lebenden persischen Sängers Shadmehr Aghili auf. „Das ist Lebenselixier. Shadmehrs Musik beruhigt mich morgens, wenn ich in die Konditorei fahre, und abends als Taxifahrer. Sogar Shadmehr, der jetzt in Los Angeles lebt, kann nicht ohne Koks leben“, erklärt Hossein traurig. Zweimal war Hossein schon auf Entzug und musste seinen Job wechseln. Doch wirklich losgekommen ist er vom Opium nie.

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NDR| Menschenstudien und Alltagsabenteuer

Vorgestellt von Claudio Campagna

„Ich bin Ausländer. Und das ist auch gut so“ heißt das neue Buch des Hamburger Schriftstellers Mahmood Falaki – ein bisschen trotzig und an ein Bonmot des Berliner Bürgermeisters Wowereit angelehnt. Falaki ist in den frühen 80er Jahren vor dem Regime der Mullahs aus dem Iran geflohen. Inzwischen fühlt er sich in Hamburg aber heimisch. Seine Kurzgeschichtensammlung handelt von dem täglichen kleinen Aufeinanderprallen der Kulturen in dieser Stadt.

Mahmood Falaki - Ich bin Ausländer und das ist auch gut so (Buchcover) © Sujet Verlag Detailansicht des BildesAlltagserlebnisse eines Ausländers in Hamburg.30 Jahre lebt Mahmood Falaki nun schon in Deutschland. Fast so lange wie vorher im Iran. Dass viele ihn trotzdem als erstes über seine Herkunft ausfragen, daran hat er sich gewöhnt. Doch manchmal nehmen solche Gespräche doch ganz schön skurrile Formen an:

Leseprobe:

„Was für ein Landsmann sind Sie?“ fragt die 80 Jahre alte Dame auf dem U-Bahn-Sitz gegenüber.
„Ich komme aus Persien.“
„Brasilien? Aber Sie sehen nicht wie ein Indio aus.“
„Nein, Persien, Iran!“
„Ach so, Iran! Sie sind Muslim!“
„Nein!“
„Nein? Gibt es in der Türkei auch Christen?“ Lies den Rest dieses Beitrags

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