SüdwestPresse| Irans Jugend wartet ungeduldig auf den Aufbruch

Die Staatskassen sind geplündert, der hohe moralische Anspruch der bisherigen Politriege in Teheran als Farce demaskiert. Irans Jugend blickt mit Verachtung auf die Emporkömmlinge neuerer Zeit. Eine Reportage von Martin Gehlen

MARTIN GEHLEN

„Das Selbst der Frauen“, hat sie ihren Zyklus genannt. 15 großformatige Ölbilder zeigen intime Momente vor dem Spiegel. Frauen betrachten ihre Gesichter, zupfen ihre Augenbrauen oder schminken sich die Lippen für den anbrechenden Tag. Fünf Jahre hat Nadia Shams an dieser ungewöhnlichen Serie gearbeitet. Zwei Wochen lang war sie im Oktober in der Teheraner Shirin-Galerie ausgestellt, dann kam der Anruf. „Komm, hol alles ab, das Ministerium für Kultur und islamische Führung hat Probleme damit – und wir wollen keinen Ärger.“ Nun sitzt die zierliche 25-Jährige in dem kleinen, vollgestopften Atelier, raucht, gestikuliert und schimpft mit sanfter Stimme. „Bis der Sieg des neuen Präsidenten Rohani bei uns Künstlern ankommt, das kann noch lange dauern“, sagt sie. „Ich hatte so viele Hoffnungen, und doch wieder nur die übliche Blockade.“

Nadia Shams Leidenschaft ist die Porträtmalerei, ein heikles Feld im puritanischen Sittenkodex der Islamischen Republik. „Die Bilder werben für Make-up, das ist eine im Iran unerwünschte Kultur, die nicht unsere eigene ist“, hieß die Begründung des staatlichen Zensors. Und mit diesem Verdikt sind ihre Bilder unverkäuflich im heutigen Iran, ein Land, das zusammen mit dem anderen islamischen Gottesstaat Saudi-Arabien der größte Konsument von Kosmetika in der gesamten nahöstlichen Region ist. „Ich bin doppelt benachteiligt – ich bin Frau und auch noch Künstlerin“, sagt sie bitter.

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Veröffentlicht am 4. Januar 2014 in Dokumentation, Empfehlungen, Gesetze, Human Rights, Iran Election 2013, Medien, Meinungen, Politik und mit , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für SüdwestPresse| Irans Jugend wartet ungeduldig auf den Aufbruch.

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