Freie Presse| Zuerst der Deutschkurs, dann das Essen

Abolfazl Ghanbari kommt aus dem Iran und lernt Deutsch an der Volkshochschule. Als Christ wurde er verfolgt, darum bat er um Asyl.

Foto: Andreas Seidel

Ein Asylbewerber aus dem Iran spart sich den Inte-grationskursan der Volkshochschule vom Munde ab. Dort machen die Kurse jetzt ein Drittel aller Unterrichtseinheiten aus.

Chemnitz. Weil er an Jesus Christus glaubt, war Abolfazl Ghanbari in seiner Heimat nicht mehr sicher. „Wer im Iran mit einer Bibel erwischt wird, kann verhaftet werden“, berichtet der 32-Jährige. Er wurde als Moslem geboren und erzogen, doch vor zwölf Jahren konvertierte er zum Christentum. Doch vom Islam abzufallen, gilt im Iran als Verbrechen. Darum sind besonders Konvertiten ein Dorn im Auge der Religionspolizei. „Die Gemeinde traf sich einmal in der Woche, immer heimlich, immer in einer anderen Wohnung“, so Ghanbari, den alle „Omid“ nennen.

Als bei ihm zu Hause ein Beamter anrief und sagte, die Behörden wüssten, dass er und seine Frau Christen sind, stand für beide fest, dass es keine Alternative mehr zur Flucht gibt. Vor 19 Monaten kamen sie nach Deutschland und haben um Asyl gebeten, ohne ein einziges Wort Deutsch zu sprechen. Heute kann Omid eine Unterhaltung in der neuen Sprache führen. Sein größtes Ziel ist es, „sich in Deutschland nützlich zu machen“, er will unbedingt arbeiten, am besten in der Automobilbranche, denn dort hat er auch in Teheran gearbeitet. Er studierte Industrial Management, womit er Fach- und Führungsaufgaben in der Wirtschaft übernehmen könnte.

Um einem Arbeitsplatz näherzukommen, wartet er auf einen Aufenthaltstitel, nutzt die Zeit aber, um die Sprache zu lernen. Am 14. Januar 2013 begann er an der Volkshochschule Chemnitz (VHS) mit einem Integrationskurs, bei dem die Schüler neben der Sprache auch viel über Kultur, Politik und Geschichte lernen. Die Anzahl dieser Kurse nimmt heute ein Drittel aller Unterrichtseinheiten an der VHS ein, erklärt Sandra Wyrwal, Fachgruppenleiterin Sprachen. „Die Teilnehmer sind alle sehr motiviert.“ Viele seien gut gebildet, verfügten sogar über mehrere Universitätsabschlüsse.

Die Hauptbeweggründe, nach Deutschland zu kommen, seien bei den meisten Sicherheit und ein besseres Leben für sich und ihre Kinder. Das Motiv „viel Geld verdienen“ oder „Sozialtouristen“ erlebe sie selten.

Mittlerweile besucht Omid einen weiterführenden Kurs. Er möchte das Niveau erreichen, das auch an Universitäten akzeptiert wird. Denn, so sein Traum, vielleicht könnte er eines Tages arbeiten und parallel dazu weiter studieren.

Das Problem: Wer eine Aufenthaltsgenehmigung hat, erhält eine Förderung für den Integrationskurs, erklärt Sandra Wyrwal. Omid allerdings muss den Kurs selbst bezahlen, erhält aber eine Ermäßigung von rund 50 Prozent, die jeder beantragen kann. Beim Integrationskurs gab es täglich Unterricht, er umfasste sieben Module. Jetzt hat er noch dreimal in der Woche Unterricht, rund 150 Euro zahlt Omid pro Modul, was er in Raten tut. „Sonst könnte ich das nicht machen“, sagt er.

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Veröffentlicht am 30. Januar 2014 in Asyl, Empfehlungen, Gesetze, Human Rights, Medien, Meinungen, Politik, Urteile und mit , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Freie Presse| Zuerst der Deutschkurs, dann das Essen.

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