tagblatt| Kahve Pouryazdani: Selbstverbrennung als ein letztes politisches Signal

Mehr als hundert Gäste bei der Trauerfeier

Mehr als hundert Trauergäste verabschiedeten sich gestern von Kahve Pouryazdani. Der Exil-Iraner hatte sich am 20. Februar hinter der Stiftskirche selbst verbrannt. Beim Begräbnis auf dem Bergfriedhof war auch OB Boris Palmer anwesend. Eberhardskirchen-Pfarrer Christoph Wiborg geißelte bei der Trauerfeier die deutsche Asylpolitik.

VOLKER REKITTKE

 

Tübingen. „Es lebe die Freiheit – es leben die Menschenrechte und die Demokratie für den Iran!“ Ganz am Ende der Trauerfeier, viele waren schon gegangen, verbeugte sich Ali Hashemi ein letztes Mal am offenen Grab seines toten Freundes Kahve Pouryazdani. Er rief ihm seine Abschiedsworte auf Farsi zu. In der persischen Sprache hatten Ali Hashemi und andere Exil-Iraner zuvor bei der Beerdigung ein Lied angestimmt: „Oh Iran, du wertvolles Land.“

Am offenen Grab von Kahve Pouryazdani, der sich hinter der Tübinger Stiftskirche selbst verbrannt ...Am offenen Grab von Kahve Pouryazdani, der sich hinter der Tübinger Stiftskirche selbst verbrannt hatte, nimmt Ali Hashemi Abschied von seinem langjährigen Freund. Neben zahlreichen Exil-Iranern waren auch viele deutsche Tübinger/innen unter den mehr als hundert Trauergästen.Bild: Rekittke

„Als ich 1970 nach Reutlingen kam, waren wir erst fünf“, sagte Ali Hashemi nach der Trauerfeier. Fünf Iraner. „Heute sind wir Hunderte in Reutlingen und Tübingen – das verdanken wir dem Regime im Iran.“ Weltweit, schätzte er, leben zwei Millionen Exil-Iraner, die vor der Diktatur der Mullahs flüchteten. Einer davon war Kahve Pouryazdani, den die meisten nur unter seinem Vornamen kannten. „Er litt stark darunter, dass er seine Tochter nicht sehen konnte.“ Was mit dem jahrelangen Arbeitsverbot durch deutsche Ausländerbehörden zusammenhing. Gern hätte er sein Kind, das im Iran zurückbleiben musste, in der Türkei getroffen. Doch das Geld dafür durfte er nicht verdienen.

„Ich will arbeiten, ich bin ein guter Schweißer“, habe er immer wieder von seinem Freund gehört, sagte Mehrdad. Seinen Nachnamen will er nicht im Blatt lesen – aus Angst um seine Familienangehörigen im Iran. Kahve beschrieb er als „einen wahren Menschenrechtler“, der nie aufgehört habe, die Diktatur und die Verbrechen der Mullahs in seiner Heimat anzuprangern. „Ich war 14, als im Iran eine Katastrophe passierte“, schrieb er einmal. Die islamische Revolution von 1979 sei „ein Anschlag“ gewesen, „auf meine persönliche Freiheit und auf die aller Iraner“. Kahve protestierte auch gegen die ausländischen Unterstützer der Mullahs, prangerte etwa die Lieferung von Abhör-Technologie durch deutsche Firmen an.

Die Trauerrede von Pfarrer Christoph Wiborg im Wortlaut

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Veröffentlicht am 14. März 2014 in Aktionen, Asyl, Dokumentation, Gesetze, Human Rights, Medien, Meinungen, Politik, Urteile und mit , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für tagblatt| Kahve Pouryazdani: Selbstverbrennung als ein letztes politisches Signal.

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