Spiegel| Schweizer Rohstoffhändler: Dunkle Gschäftli

Von Günter Heismann

Die Schweiz ist Europas wichtigste Drehscheibe im Rohstoffhandel. Jetzt aber fürchtet das Land um sein Image – denn in der Branche herrschen raue Sitten. Auch die EU übt deshalb inzwischen Druck auf die Eidgenossen aus. Ein Beitrag aus dem Wirtschaftsmagazin „enorm“.

Glencore-Zentrale: Der Gründer hat den heutigen Rohölhandel quasi erfundenZur Großansicht

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Glencore-Zentrale: Der Gründer hat den heutigen Rohölhandel quasi erfunden

Die brisante Ladung wechselte unter größter Geheimhaltung den Besitzer. In der Straße von Malakka, der Meerenge zwischen Malaysia und Sumatra, trafen sich Ende August 2012 zwei Öltanker. Der eine war die leer fahrende „Ticen Ocean“, der andere die „Leadership“, die zuvor im iranischen Ölhafen Kharg zwei Millionen Barrel Schweröl gebunkert hatte. Von Land aus nicht zu sehen, beförderten Pumpen über lange Leitungen das Öl von der „Leadership“ auf die „Ticen Ocean“. Als sie ihre Ladung gelöscht hatte, setzte die „Leadership“ ihre Fahrt fort. Um zu verbergen, welchen Kurs das Schiff nahm, war offenbar der Transponder abgestellt, mit dem Reedereien und Behörden per Satellit feststellen können, auf welcher Position ein Schiff sich befindet.

 

Die „Ticen Ocean“ blieb einige Tage in den Gewässern vor der Küste Malaysias liegen. Dann kreuzte ein dritter Öltanker auf, die „Speranza“ der chinesischen Firma Sino Shipping Holdings. Das Schiff übernahm einen Teil des iranischen Öls und lief damit am 13. September den malaysischen Hafen Tanjung Pelepas an. Schließlich beteiligte sich ein vierter Tanker an dem Verwirrspiel: Die „Kamari I“, die unter der Flagge Panamas läuft, übernahm von der „Ticen Ocean“ das restliche Schweröl.Drahtzieher der Transaktion war laut Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters die Schweizer Handelsgesellschaft Vitol, eines der größten Unternehmen Europas. Die Geheimnistuerei hatte einen Grund: Mit dem Kauf des Schweröls umging Vitol die Handelssanktionen gegen den Iran, die von der EU und den USA am 1. Juli 2012 verhängt worden waren und den Iran zum Stopp seines Atombomben-Programms zwingen sollten. Die Schweiz hat sich dem Embargo zwar nicht angeschlossen, anrüchig sind solche Geschäfte aber allemal.

Vitol ließ keinen Trick und Kniff aus, um den umstrittenen Deal zu verschleiern. Die Ladung aus dem Iran mixte das Unternehmen vermutlich mit Schweröl aus der Nordsee, um die Herkunft zu vertuschen. Chemiker können leicht feststellen, aus welchem Ölfeld eine Charge stammt. Das gepanschte Öl wurde dann offenbar Raffinerien in China zum Kauf angeboten.

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„Eine Tochterfirma in Bahrain hat von einem nichtiranischen Geschäftspartner im Juli 2012 eine Schiffsladung Schweröl angekauft. Das Öl war iranischer Herkunft“, bestätigte eine Vitol-Sprecherin gegenüber Reuters. „Die Firmen der Vitol-Gruppe handeln nicht mehr mit Ölprodukten aus dem Iran.“

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Veröffentlicht am 16. März 2014 in Dokumente, Gesetze, Medien, Meinungen, Politik, Wirtschaft und mit , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Spiegel| Schweizer Rohstoffhändler: Dunkle Gschäftli.

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