Mittelbayerische| Teppichhändlerin mit goldener Stimme

Mahin Mahboob hätte im Iran Sängerin werden können. Heute ist sie Regensburgs einzige Teppichhändlerin. Zum Laden kam sie wie die Jungfrau zum Kind

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Bild weiterAuftritt in Persien: Mahin Mahboob (mit Mikro) gewann unterm Schah-Regime einen landesweiten Gesangswettbewerb.  Foto: Mahboob

Auftritt in Persien: Mahin Mahboob (mit Mikro) gewann unterm Schah-Regime einen landesweiten Gesangswettbewerb. Foto: Mahboob

VON HELMUT WANNER, MZ 

REGENSBURG. Eine fast lebensgroße Madonna in der Auslage eines Teppichladens, das von einer Perserin geführt wird – das gibt es unter Gottes Himmel nur in der Goldenen Bären Straße.

In der Tiefe des Raumes sitzt Mahin Mahboob, geboren am 19. April 1954 in Hamadan, Iran. Sie hat sich sogar ihren Schreibtisch unter einen Herrgottswinkel gebaut. Zwei barocke Engel schweben über ihr. Sie mag das einfach so. Mit ihrem weiblichen Sondergeschmack hat Mahin Mahboob als einzige Frau in der islamischen Männerwelt des Orientteppichhandels überlebt. Wie kam sie zum Handel mit Perserteppichen? „Wie die Jungfrau zum Kind“, sagt sie. Steinig war ihr Weg.

Sie hatte andere Träume. Mahin war mit 18 Jahren die Gewinnerin eines landesweiten Gesangswettbewerbs. Sie durfte beim Schah in Ramsar am Kaspischen Meer Urlaub machen. Ein Foto zeigt sie als 18-Jährige im Park des Pahlawi-Ferienhauses in Minirock, weißen Sommerstiefeln, schwarzweißer Sonnenbrille und schwarzweißem Hut.

Im Leben kam sie zweimal zu spät

Mahin Mahboob ist die Frau, die in ihrem Leben zweimal zu spät kam. Beim ersten Mal schrieb man das Jahr 1977. Nach einem vierjährigen Aufenthalt in Bayern packte sie mit ihrem Mann einen Lkw mit Anhänger und fuhr 6000 Kilometer von Regensburg zurück nach Teheran. Kaum war sie zurück in der Heimat, lief der Schah weg. Reza Pahlawis Zeit lief ab, es endete die goldene Zeit ihrer Jugend.

Ihr um 15 Jahre älterer Mann verwandelte sich unter ihren staunenden braunen Augen vom weltläufigen Geschäftsmann mit Laden in der Obermünsterstraße zum in sich gekehrten frommen Bartträger und Moscheegänger von Teheran. Vier Jahre zuvor hatte er die unschuldige 18-Jährige Abiturientin im weißen Mercedes zur Hochzeit gefahren, eine Woche, nachdem er sie kennengelernt hatte. Da war sie einmal zu schnell.

Beim zweiten Mal Zuspätkommen war sie 39 Jahre alt. Als sie mit ihren Kindern nach Deutschland zurückkehrte, musste sie etwas feststellen, was in Deutschland nur Migranten öffentlich feststellen dürfen. „Das ist nicht mehr das Deutschland, das ich kannte.“ Vier Jahre nach der Wende waren die Grenzen offen. Mahin Mahboob: „Als ich meine Kinder in die Schule schickte, waren da nur noch zwei Deutsche in der Klasse.“ Die Iranerin ist das Gegenteil eines Armutsflüchtlings. „Ich habe den puren Luxus verlassen“, sagt sie bei einer Tasse schwarzen Tees aus dem Samowar und einem Stück letzten Osterbrots vom Arnulfsbäcker. Sie hatte ein Haus im Norden Teherans, nahe beim ehemaligen Schah-Palast. Das war mit dänischen Designer-Möbeln ausgestattete und mit Teppichen ausgelegt. Mahin Mahboob bewegte sich auf 360 Quadratmetern Wohnfläche in drei Etagen, genoss einen schönen großen Garten mit Swimmingpool. Mahin war ein bunter Vogel. Aber die Liebe war aus dem goldenen Käfig entflogen. Als Grund nennt sie Entfremdung und unterschiedliche „Ideologie“. Sie spricht das Wort französisch aus. „Mein Mann ging am Freitag zum Beten. Ich fuhr mit den Kindern nach Dizin zum Skifahren. Wir wussten nicht mehr, über was wir reden sollten.“ Dizin ist eines von 40 höchstgelegenen Skigebieten der Welt. Der Schnee soll auf 3600 Metern Höhe von besonderer Qualität sein.

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Veröffentlicht am 12. April 2014 in Gesetze, Human Rights, Medien, Musik, Politik und mit , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Mittelbayerische| Teppichhändlerin mit goldener Stimme.

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