Berner Zeitung| Heimlich gedreht im Reich der Zensur

Von Stefan Volk

Geheimdienst gegen Regimekritiker: Im Film «Manuscripts Don’t Burn» von Mohammad Rasoulof gehts ums schäbige Geschäft des Mordens.

Bevor der iranische Filmemacher Mohammad Rasoulof im vergangenen September vom Hamburger Filmfest nach Teheran zurückflog, verabschiedete er sich mit den Worten: «Zurück kann man immer. Es ist nur die Frage, was dann passiert.» Wenige Tage später wurden Rasoulof in Teheran Pass und Laptop abgenommen. Der Regisseur kann den Iran derzeit nicht verlassen.

In Cannes ausgezeichnet

Auslöser dieser Repressalien war wohl Rasoulofs verdeckt gedrehter Spielfilm «Manuscripts Don’t Burn», der am letztjährigen Filmfestival in Cannes ausgezeichnet worden war und jetzt in den Schweizer Kinos anläuft. Iranische Geheimpolizisten erscheinen darin als mörderische Vollzugsgehilfen eines unmenschlichen Unterdrückungsapparates. Laut Rasoulof basiert der Film auf wahren Begebenheiten.

Dutzende Oppositionelle, darunter viele Künstler und Kulturschaffende, wurden in den 1990er-Jahren von Agenten des iranischen Geheimdienstes Vevak ermordet. Diese «Kettenmorde» wurden als Unfälle, Gewaltverbrechen oder natürliche Tode kaschiert und bis heute nur unzureichend aufgeklärt. In einem umstrittenen Prozess wurden 2001 mehrere Mitarbeiter des Nachrichtendienstes wegen Mordes verurteilt. Ihr vermeintlicher Drahtzieher, der stellvertretende Informationsminister Said Emami, soll im Gefängnis Selbstmord verübt haben.

Ein sympathischer Killer

In «Manuscripts Don’t Burn» arbeitet Rasoulof diese Vorfälle nicht unmittelbar auf, die Bezüge zur Realität aber sind deutlich. Zwei Geheimdienstler verfolgen die Spuren eines verbotenen Manuskripts, das den gescheiterten Mordanschlag auf 21 regimekritische Schriftsteller und Journalisten rekonstruiert, die 1995 bei einem «Busunglück» getötet werden sollten. Einer der Vevak-Schergen sass damals hinter dem Steuer des Busses. Dass Rasoulof dem um seinen kranken Sohn besorgten Familienvater sympathische Züge abgewinnt, steigert die Brisanz seines Filmes noch. Es geht dem 41-jährigen Regisseur nicht darum, einzelne Menschen abzuurteilen, sondern verborgene Strukturen aufzudecken.

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Veröffentlicht am 2. Mai 2014 in Dokumentation, Empfehlungen, Film, Gesetze, Human Rights, Iran after Election 2013, Kultur, Medien, Meinungen, Politik und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Berner Zeitung| Heimlich gedreht im Reich der Zensur.

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