Frankfurt| Uraufführung: Goethes „Hegire“ – gesungen in persischer Sprache

Zum Abschluss der Ausstellung „Goethes Hidschra. Reisen in den Orient. Reisen in Texte“ findet am Freitag (11. Juli) um 18 Uhr in der Rotunde des IG-Farben-Hauses ein ungewöhnliches persisches Konzert statt: Auf dem Programm der öffentlichen Finissage steht die Uraufführung von Goethes ‚Hegire’, gesungen in persischer Sprache und begleitet von persischen Instrumenten.

Außerdem hält Dr. Saeid Edalatnejad, der in Teheran lehrt und auch Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin war, einen Vortrag über Dialogformen auf dem Gebiet der Enzyklopädie: „The Dialogue between West and East: The Phenomenon of Enzyclopaedia“. Dabei geht es um die Systematisierung des Wissens über islamische Kulturen und die Besonderheiten der neuen Enzyklopädie über den schiitischen Islam und iranische Studien, die in Teheran derzeit erarbeitet wird.

Das persische Orchester ‚Saba’ tritt unter der Leitung von Firouz Mizani auf; außerdem wirken mit: Mahyar Bahrami (Tombak – Trommel), Sadegh Naee (Ney – Flöte aus Bambus), Farhad Anusch (Oud – Laute und Gesang), Aref Ebrahimpour (Kamanche – Kniegeige), Farhad Danai (Santur – eine Art Zither). Neben Goethes „Hegire“ sind auch Werke der persischen Dichtkunst und Mystik zu hören. Die Hamburger Musiker werden zudem ihre Instrumente vorstellen und einige Erklärungen zu den Besonderheiten der Vertonungen und der Aufführungspraxis geben.

Goethe schrieb das Gedicht „Hegire“ 1814, also genau vor zweihundert Jahren. Er wählte die französische Übersetzung des arabischen Wortes „Hidschra“, das auf die Auswanderung des Propheten Muhammads von Mekka nach Medina weist, zur Eröffnung für seinen West-östlichen Divan. Goethe eignete sich den Orient durch Texte, Dichtung, aber auch kalligrafische Übungen an. Das Projekt „Goethes Hidschra“ unter Leitung der Frankfurter Religionswissenschaftlerin Prof. Dr. Catherina Wenzel stellt Goethes Beschäftigung mit den Religionen und das interkulturelle Potenzial des Divans zum „Doppeljubiläum“ von Hegire (1814) und Gründung der Goethe-Universität (1914) in den Mittelpunkt.

Die Schriftkunstausstellung, die zunächst im Frankfurter Goethe-Haus und seit dem 22. Juni in der Rotunde auf dem Campus Westend zu sehen ist, zeigt sowohl die schriftkünstlerische Auseinandersetzung der Gruppe „lettera“ mit Texten von Goethe und Hafis als auch Arbeiten des iranischen Kalligrafen Jamshid Sharabi zur persischen Übersetzung von Goethes „Hegire“. Die Übersetzung, die auch als Grundlage für die Uraufführung am Freitag verwandt wird, stammt von Dr. Hossein Khadjeh Zadeh, der auch am Freitag anwesend ist. Er studierte in Teheran und Deutschland, lehrt gegenwärtig in Deutschland und hat sich als Übersetzer von deutscher Literatur und Dichtung ins Persische einen Namen gemacht.

Auch diese Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Professur für Religionswissenschaften der Goethe-Universität und dem Projekt „Kunst baut Brücken – Morgenland trifft Abendland“ konzipiert und organisiert. Zu dem gesamten Veranstaltungszyklus „Goethes Hidschra“ gehören neben der Ausstellung und mit ihrem Rahmenprogramm auch Seminare und Vorlesungen: So hielt im letzten Wintersemester die Literaturwissenschaftlerin und Direktorin des Frankfurter Goethe-Hauses, Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken ein Seminar zu Goethes „West-östlicher Divan“; Prof. Dr. Catherina Wenzel eine Vorlesung zu „Christlich-islamische Begegnungen in Europa, Konflikte, Apologetik, Dialoge“. In diesem Sommersemester haben Prof. Dr. Fateme Rahmati, Zentrum für Islamische Studien, und Prof. Dr. Catherina Wenzel gemeinsam ein Seminar zu „Goethes Beschäftigung mit dem Islam und der Religion Zarathustras“ angeboten.

Die Ausstellung und die Veranstaltungsreihe werden überwiegend finanziert aus den zentralen Mitteln für das Universitätsjubiläum, weitere Sponsoren und Kooperationspartner sind die Kulturabteilung der iranischen Botschaft in Deutschland, die Hafis-Gesellschaft Verein für Kulturdialog, das Frankfurter Goethe-Haus und die Freunde und Förderer der Universität.

Informationen: Prof. Dr. Catherina Wenzel, Professur für Religionswissenschaften, Fachbereich Evangelische Theologie, Campus Westend, ca.wenzel@em.uni-frankfurt.de, (069) 798-32755

Quelle: idw

Veröffentlicht am 9. Juli 2014 in 2014, Aktionen, Empfehlungen, Gesetze, Kultur, Literatur, Medien, Musik, Politik, Veranstaltungen und mit , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Frankfurt| Uraufführung: Goethes „Hegire“ – gesungen in persischer Sprache.

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