Pendeln zwischen Frust und Hoffnung auf ein besseres Leben

Junge Iraner haben trotz guter Ausbildung in der Heimat oftmals schlechte Jobchancen / Die Flucht ins Ausland garantiert ihnen nicht immer ein besseres Leben

Iranische Jugendliche feiern nach der Stimmabgabe bei der Präsidentschaftswahl im Juni 2013. Sie erhofften sich durch Ruhani, der Ahmadinedschad als Präsident ablöste, bessere Chancen – vergeblich.

Keine Arbeit, politische Zwänge, kaum Perspektiven: Viele Jugendliche aus dem Iran verlassen ihre Heimat – und kommen unter anderem nach Deutschland. Azadeh Oveis Gharani lebt seit vier Jahren in Worms.

Nomen est omen, besagt eine lateinische Redensart. Sie bedeutet: Der Name ist ein Zeichen. Bei der Iranerin Azadeh Oveis Gharani trifft das wohl zu: Ihr persischer Vorname „Azadeh“ bedeutet so viel wie „Freidenker“. „Meine Eltern haben für mich den passenden Namen gewählt“, bestätigt Gharani und lächelt. Die 29-Jährige hat ihre Heimat hinter sich gelassen, um sich von den politischen und wirtschaftlichen Zwängen zu befreien. Außerdem war sie neugierig auf das Leben in Europa.

Seit vier Jahren lebt die Studentin in Worms, rund 4700 Kilometer von ihrer Familie entfernt. „Ich war im Iran unzufrieden“, sagt sie. Es sei schwer, dort Arbeit zu finden. Vor allem für Frauen sei die Situation im Iran nicht gerecht. Wenn ein Arbeitgeber die Wahl zwischen einem Mann und einer Frau habe, falle die Entscheidung meist zugunsten des männlichen Bewerbers. Personaler seien davon überzeugt, dass bei weiblichen Bewerbern die Prioritäten häufig bei der Familie lägen. „Viele Frauen denken auch: ,Es ist okay, wenn ich schlechter bezahlt werde‘.“ Das sei nicht fair.

Viele studieren im Ausland

Oveis Gharani ist nur eine von vielen jungen Iranern, die ihr Glück fern von der Heimat suchen. „Ich habe Freunde, die im Ausland studiert und dort geheiratet haben oder ausgewandert sind“, sagt sie. „Es gibt aber viele, die im Iran geblieben sind. Sie sind inzwischen verheiratet und haben Kinder.“

Azadeh Oveis Gharani dagegen ist noch ungebunden. Sie wurde von ihren Eltern dazu erzogen, finanziell unabhängig zu sein und ihr eigenes Geld zu verdienen, erzählt sie. Nach dem Abitur beginnt sie ein Studium der Politikwissenschaften in Teheran. „Ich war in der Politik aktiv“, erzählt sie. So nimmt sie etwa 2009 an einer Demonstration teil, als die Menschen auf die Straße gehen, um gegen die manipulierte Präsidentschaftswahl zu protestieren. Nach eineinhalb Jahren legt sie ihr Politikstudium auf Eis – und kehrt nie wieder an die Universität dort zurück. „Es gibt viele politische Gegner im Gefängnis. Zum Teil ist es gefährlich, seine Meinung zu sagen“, erzählt sie. „Das war auch einer der Gründe, warum ich mein Politikstudium nicht beendet habe.“

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Veröffentlicht am 9. Juli 2014 in 2014, Dokumentation, Empfehlungen, Gesetze, Human Rights, Iran after Election 2013, Kultur, Medien, Meinungen, Politik, Wirtschaft und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Pendeln zwischen Frust und Hoffnung auf ein besseres Leben.

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