Galerie-Hopping in Teheran mit der Künstlerin Homa Arkani

Es sind sieben Stationen mit der Metro von Karaj nach Teheran Ekbatan, und freitags sind hauptsächlich Menschen unterwegs, die einen Ausflug machen. Was bei uns der Sonntag ist, ist im Iran der Freitag. Trockene Hitze drückt sich von außen an die Scheibe des Zuges, während Peter und ich im wohl klimatisierten, gemischten Abteil (meist steigen Frauen und Männer in getrennte Abteile ein) sitzen und beobachten, wie wir beobachtet werden.

Karaj_Metro

Wir sind auf dem Weg zu einem Treffen mit Homa Arkani. Eine grandiose Künstlerin, wie ich finde, die es schafft mit ihrer fotorealistischen Malerei, die tragische Komödie ihrer Generation einzufangen. Es sind meist Frauen, die wiehybride Gestalten die westliche Kultur mit ihrer lokalen Tradition vermischen.
Aufmerksam geworden bin ich über das Netz. Irgendwo hab ich ihre Bilder gesehen und war direkt gefangen und überwältigt. Ich musste sie sehen, sie sprechen.

Die siebte Station. Ekbatan. Draußen auf der Straße stehen erwartungsvoll Taxis in einer Reihe und rufen uns ihre Fahrtrichtungen entgegen. Ich versuche Homa zu entdecken. Etwas weiter die Straße hinauf steht eine kleine, zarte Person in einem Rock und Ballerinas, neben einem weißen Auto (irgendwie gibt es in Teheran auffällig viele weiße Autos). Wir begrüßen uns, wie es in Iran üblich ist; drei Küsse auf die Wangen und mein Lächeln im Gesicht wird breiter.
Gespannt, welchen Plan sie sich für unseren gemeinsamen Nachmittag ausgedacht hat, stiegen wir in ihr Auto und fuhren los in Richtung City.

Der Freitag in Teheran ist das Ereignis für die Kunstszene. Zahlreiche Galerien öffnen ihre Türen und Homa hatte drei Galerien für uns raus gesucht.
Es dauerte nicht lange und wir verwickelten uns in ein tiefes Gespräch über uns unser Leben – sie in Teheran, ich in Berlin. „Schau mal,“ sie deutete auf der Autobahn auf einen Wagen, der an uns vorbei fuhr. „So was gibt es viel hier. Der Fahrer tätowiert von oben bis unten und auf der Rückscheibe klebt ein Koranvers.“  Sie lächelte. Da war sie wieder; die Tragik in der Komödie.

 

blumen

Ich hielt mit Fragen Wie ist es als Malerin in Iran zu arbeiten? oder Hattest du schon mal Schwierigkeiten mit dem Staat zunächst inne. Ich kenne die Antwort. Wer hier lebt, findet sich damit ab, dass es ein Doppelleben gibt. Dinge, die gesagt werden dürfen und Dinge, die dich in Schwierigkeiten bringen. Selbstzensur fängt beim Rausgehen aus der Haustür an. Dann gibt es Grauzonen, in denen es möglich ist sich so zu bewegen, dass niemand offensichtlich was dagegen sagen kann.

Norden_Teheran

Wir fuhren die erste Galerie im Norden Teherans, der hauptsächlich mit luxuriösen Hochhäusern bestückt ist, an.
Entlang einer hohen Mauer liefen wir zum Haupteingang der Ariana Art Gallery.„Diese Galerie gibt es erst seit einigen Monaten und sie ist sehr besonders, da wir solch eine freie und große Fläche noch nie hatten.“ Bereitete mich Homa bereits vor der Tür vor.

Arian_Galerie

Und tatsächlich, wir betraten einen Garten, indem ich eine Leichtigkeit spürte. So fühlt es sich an, wenn man eine Grauzone betritt.  Der Wind wehte direkt unsere Kopftücher vom Kopf. Am liebsten hätte ich es abgenommen. Aber ich denke, damit wäre niemanden etwas Gutes getan. Diese Grauzonen stehen unter Beobachtung, sie werden zugelassen, aber wenn sich daraus ein Aufstand gegenüber vorherrschender Moral bilden sollte, werden sie gleich wieder geschlossen.

Der große Garten und die Menschen darin versprühten eine Energie, die mich nach zwei Wochen Aufenthalt, wieder tief durchatmen ließ. Vieles war so, wie ich es aus Deutschland kenne; Menschen, in gelassener Stimmung, die sich unterhalten. Keine Hektik, kein Lärm, kein Stress und saubere Luft.

Nilo_Homa

Homa: “Es ist ein Ventil für die Menschen hier. Es hilft davor, dass die Stimmung nicht überkocht.”
Ich:”Aber wenn sie wollten, könnten sie, das hier schließen?”
Homa: “Ja natürlich.”

Ehebett

Die Ausstellung behandelte auf sehr unterhaltsame und anspruchsvolle weise, gesellschaftliche Themen, die nicht offen angesprochen werden können: Zensur, Frau sein in einem von Männern dominierten Gesellschaft, Ehe, die Vermischung der traditionellen Kultur mit modernen Einflüssen. Inszeniert wurden die Themen nach den Vorgaben der islamischen Richtlinien.

weiblichkeit

Draußen auf dem Hof nahmen wir uns etwas Zeit, bevor es weiter ging. Ein Erfrischungsgetränk und der Blick auf die weiteren Besucher, die uns kurz nach Berlin versetzen. Lange, zottelige Haare bei den Männern, blaugefärbte Haare einer Frau, die Kontrast zu ihrem zitronengelben leichten Tuch auf dem Kopf bieten und T-Shirts mit Message:

needwifi

Peter und ich verließen die Galerie mit einem sehr guten Gefühl und tiefer Dankbarkeit, dass Homa uns diesen Ort gezeigt hat. Gespannt auf die nächsten Stationen, machten wir uns wieder auf dem Weg in den älteren Teil des nördlichen Teherans, wo wir die  Aaran Art Gallery und die Homa Art Gallery besuchten.

Galerie_Eingang

Wohnhäuser, deren Keller zu einer Ausstellungsfläche umgebaut wurde, die aber nicht weniger imponierend war. Abgesehen von den großartigen Malereien, die wir zu Gesicht bekamen, waren wir hier von dem stylischen Ambiente angetan.

pool

 

Die vorletzte Station: Khaneh Honarmandan

Zum Anbruch der Dunkelheit, kam auch die Schließzeit der Galerien. Wir waren aber noch nicht müde und Homa beschloss uns mit ins Khaneh Honarmandan – zu Deutsch Das Haus der Künstler – zu nehmen. Zum ersten Mal sahen wir ein vegetarisches Restaurant auf unserer Reise und nach langer Zeit wieder Menschen, die Deutsch sprachen.

khaneh_honarmandan

Für Peter war das großartig, war er doch sehr gefangen, weil viele sehr wenig bis gar kein Englisch sprachen. Leider kam es nicht, dazu, dass wir mit ihnen ein Gespräch führen konnten. Unser Tisch war weiter weg und es gab noch vieles, was wir Homa noch fragen wollten:

Peter: “Ist es schwer für dich deine Kunst hier auszustellen?
Homa: “Es gibt viele Vorgaben, an die man sich halten muss. Eine offizielle Stelle, die für kulturelle Belange zuständig ist, prüft Ausstellungen vor der offiziellen Eröffnung und urteilt, ob was gezeigt werden kann oder nicht. Bei meinen letzten Ausstellungen wurden einige meiner Bilder zensiert, weil einmal das Bein von einer Frau, die sich sonnt, nicht bedeckt war, dann ein anderes, weil eine Szene mit drei Frauen im Auto gezeigt wurde (siehe Bild unten), deren dargestelltes Verhalten einer schlechten kulturellen Erziehung entsprach.”

adad-bede1

Ich:”Was macht das mit dir und welche Auswirkungen hat das auf deine Arbeit?”
Homa:”Die Zensur und die Einschränkungen sind der Motor für meine Kreativität. Ich weiß nicht, wie ich mit uneingeschränkter Freiheit arbeiten würde. Aber deshalb möchte ich gerne ins Ausland, um das auszuprobieren. Der Blick von außen, wie du es hast. Das würde mich sehr interessieren.”
Ich, mit einem grinsen: “So viel anders sind wir nicht.”

Gespraech_homa_niloufar

 

Letzte Station: Ekbatan

Auf dem Weg nach Ekbatan fuhren wir an dem Tor der Freiheit vorbei. Ein unbeschreibliches Gefühl, nach solch einem Tag, der mir gezeigt hat, dass diese Kultur weder mir noch meinem deutschen Mann fremd ist. Veränderung ist ein Prozess, der nicht über das Knie gebrochen werden kann, selbst, wenn dies mit der Würde der Menschen passiert, sobald sie an der Oberfläche, oberhalb der unterirdischen Räume nach Luft schnappen wollen.

azadi

 

Quelle:

@nielow „Nix zu sehen – Kultur-Curry aus dem Feld“ Erzählt Geschichten, die ihr begegnen. Aus dem Netz, der Nachbarschaft, aus Berlin, Deutschland oder aus ihrer alten Heimat Iran.

Es sind sieben Stationen mit der Metro von Karaj nach Teheran Ekbatan, und freitags sind hauptsächlich Menschen unterwegs, die einen Ausflug machen. Was bei uns der Sonntag ist, ist im Iran der Freitag. Trockene Hitze drückt sich von außen an die Scheibe des Zuges, während Peter und ich im wohl klimatisierten, gemischten Abteil (meist steigen Frauen und Männer in getrennte Abteile ein) sitzen und beobachten, wie wir beobachtet werden.

Karaj_Metro

Wir sind auf dem Weg zu einem Treffen mit Homa Arkani. Eine grandiose Künstlerin, wie ich finde, die es schafft mit ihrer fotorealistischen Malerei, die tragische Komödie ihrer Generation einzufangen. Es sind meist Frauen, die wiehybride Gestalten die westliche Kultur mit ihrer lokalen Tradition vermischen.
Aufmerksam geworden bin ich über das Netz. Irgendwo hab ich ihre Bilder gesehen und war direkt gefangen und überwältigt. Ich musste sie sehen, sie sprechen.

Die siebte Station. Ekbatan. Draußen auf der Straße stehen erwartungsvoll Taxis in einer Reihe und rufen uns ihre Fahrtrichtungen entgegen. Ich versuche Homa zu entdecken. Etwas weiter die Straße hinauf steht eine kleine, zarte Person in einem Rock und Ballerinas, neben einem weißen Auto (irgendwie gibt es in Teheran auffällig viele weiße Autos). Wir begrüßen uns, wie es in Iran üblich ist; drei Küsse auf die Wangen und mein Lächeln im Gesicht wird breiter.
Gespannt, welchen Plan sie sich für unseren gemeinsamen Nachmittag ausgedacht hat, stiegen wir in ihr Auto und fuhren los in Richtung City.

Der Freitag in Teheran ist das Ereignis für die Kunstszene. Zahlreiche Galerien öffnen ihre Türen und Homa hatte drei Galerien für uns raus gesucht.
Es dauerte nicht lange und wir verwickelten uns in ein tiefes Gespräch über uns unser Leben – sie in Teheran, ich in Berlin. „Schau mal,“ sie deutete auf der Autobahn auf einen Wagen, der an uns vorbei fuhr. „So was gibt es viel hier. Der Fahrer tätowiert von oben bis unten und auf der Rückscheibe klebt ein Koranvers.“  Sie lächelte. Da war sie wieder; die Tragik in der Komödie.

 

blumen

Ich hielt mit Fragen Wie ist es als Malerin in Iran zu arbeiten? oder Hattest du schon mal Schwierigkeiten mit dem Staat zunächst inne. Ich kenne die Antwort. Wer hier lebt, findet sich damit ab, dass es ein Doppelleben gibt. Dinge, die gesagt werden dürfen und Dinge, die dich in Schwierigkeiten bringen. Selbstzensur fängt beim Rausgehen aus der Haustür an. Dann gibt es Grauzonen, in denen es möglich ist sich so zu bewegen, dass niemand offensichtlich was dagegen sagen kann.

Norden_Teheran

Wir fuhren die erste Galerie im Norden Teherans, der hauptsächlich mit luxuriösen Hochhäusern bestückt ist, an.
Entlang einer hohen Mauer liefen wir zum Haupteingang der Ariana Art Gallery.„Diese Galerie gibt es erst seit einigen Monaten und sie ist sehr besonders, da wir solch eine freie und große Fläche noch nie hatten.“ Bereitete mich Homa bereits vor der Tür vor.

Arian_Galerie

Und tatsächlich, wir betraten einen Garten, indem ich eine Leichtigkeit spürte. So fühlt es sich an, wenn man eine Grauzone betritt.  Der Wind wehte direkt unsere Kopftücher vom Kopf. Am liebsten hätte ich es abgenommen. Aber ich denke, damit wäre niemanden etwas Gutes getan. Diese Grauzonen stehen unter Beobachtung, sie werden zugelassen, aber wenn sich daraus ein Aufstand gegenüber vorherrschender Moral bilden sollte, werden sie gleich wieder geschlossen.

Der große Garten und die Menschen darin versprühten eine Energie, die mich nach zwei Wochen Aufenthalt, wieder tief durchatmen ließ. Vieles war so, wie ich es aus Deutschland kenne; Menschen, in gelassener Stimmung, die sich unterhalten. Keine Hektik, kein Lärm, kein Stress und saubere Luft.

Nilo_Homa

Homa: “Es ist ein Ventil für die Menschen hier. Es hilft davor, dass die Stimmung nicht überkocht.”
Ich:”Aber wenn sie wollten, könnten sie, das hier schließen?”
Homa: “Ja natürlich.”

Ehebett

Die Ausstellung behandelte auf sehr unterhaltsame und anspruchsvolle weise, gesellschaftliche Themen, die nicht offen angesprochen werden können: Zensur, Frau sein in einem von Männern dominierten Gesellschaft, Ehe, die Vermischung der traditionellen Kultur mit modernen Einflüssen. Inszeniert wurden die Themen nach den Vorgaben der islamischen Richtlinien.

weiblichkeit

Draußen auf dem Hof nahmen wir uns etwas Zeit, bevor es weiter ging. Ein Erfrischungsgetränk und der Blick auf die weiteren Besucher, die uns kurz nach Berlin versetzen. Lange, zottelige Haare bei den Männern, blaugefärbte Haare einer Frau, die Kontrast zu ihrem zitronengelben leichten Tuch auf dem Kopf bieten und T-Shirts mit Message:

needwifi

Peter und ich verließen die Galerie mit einem sehr guten Gefühl und tiefer Dankbarkeit, dass Homa uns diesen Ort gezeigt hat. Gespannt auf die nächsten Stationen, machten wir uns wieder auf dem Weg in den älteren Teil des nördlichen Teherans, wo wir die  Aaran Art Gallery und die Homa Art Gallery besuchten.

Galerie_Eingang

Wohnhäuser, deren Keller zu einer Ausstellungsfläche umgebaut wurde, die aber nicht weniger imponierend war. Abgesehen von den großartigen Malereien, die wir zu Gesicht bekamen, waren wir hier von dem stylischen Ambiente angetan.

pool

 

Die vorletzte Station: Khaneh Honarmandan

Zum Anbruch der Dunkelheit, kam auch die Schließzeit der Galerien. Wir waren aber noch nicht müde und Homa beschloss uns mit ins Khaneh Honarmandan – zu Deutsch Das Haus der Künstler – zu nehmen. Zum ersten Mal sahen wir ein vegetarisches Restaurant auf unserer Reise und nach langer Zeit wieder Menschen, die Deutsch sprachen.

khaneh_honarmandan

Für Peter war das großartig, war er doch sehr gefangen, weil viele sehr wenig bis gar kein Englisch sprachen. Leider kam es nicht, dazu, dass wir mit ihnen ein Gespräch führen konnten. Unser Tisch war weiter weg und es gab noch vieles, was wir Homa noch fragen wollten:

Peter: “Ist es schwer für dich deine Kunst hier auszustellen?
Homa: “Es gibt viele Vorgaben, an die man sich halten muss. Eine offizielle Stelle, die für kulturelle Belange zuständig ist, prüft Ausstellungen vor der offiziellen Eröffnung und urteilt, ob was gezeigt werden kann oder nicht. Bei meinen letzten Ausstellungen wurden einige meiner Bilder zensiert, weil einmal das Bein von einer Frau, die sich sonnt, nicht bedeckt war, dann ein anderes, weil eine Szene mit drei Frauen im Auto gezeigt wurde (siehe Bild unten), deren dargestelltes Verhalten einer schlechten kulturellen Erziehung entsprach.”

adad-bede1

Ich:”Was macht das mit dir und welche Auswirkungen hat das auf deine Arbeit?”
Homa:”Die Zensur und die Einschränkungen sind der Motor für meine Kreativität. Ich weiß nicht, wie ich mit uneingeschränkter Freiheit arbeiten würde. Aber deshalb möchte ich gerne ins Ausland, um das auszuprobieren. Der Blick von außen, wie du es hast. Das würde mich sehr interessieren.”
Ich, mit einem grinsen: “So viel anders sind wir nicht.”

Gespraech_homa_niloufar

 

Letzte Station: Ekbatan

Auf dem Weg nach Ekbatan fuhren wir an dem Tor der Freiheit vorbei. Ein unbeschreibliches Gefühl, nach solch einem Tag, der mir gezeigt hat, dass diese Kultur weder mir noch meinem deutschen Mann fremd ist. Veränderung ist ein Prozess, der nicht über das Knie gebrochen werden kann, selbst, wenn dies mit der Würde der Menschen passiert, sobald sie an der Oberfläche, oberhalb der unterirdischen Räume nach Luft schnappen wollen.

azadi

 

 

 Quelle: NILOFAR

 

Veröffentlicht am 11. Juli 2014 in Dokumentation, Empfehlungen, Film, Gesetze, Human Rights, Interview, Kultur, Medien, Meinungen, Politik, Video und mit , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Galerie-Hopping in Teheran mit der Künstlerin Homa Arkani.

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