Iran: Machtkampf um Chameneis Nachfolge entbrannt

14:14 06/10/2014
MOSKAU, 06. Oktober (RIA Novosti).

Iranische Medien spekulieren über den baldigen Tod des geistlichen Oberhauptes der Islamischen Republik (Rahbar), Ajatollah Ali Chamenei. Um seine Nachfolge ist offenbar ein scharfer Kampf entbrannt, vermutet die Zeitung „Kommersant“ in ihrer Montagsausgabe.

Erste Gerüchte über Chameneis kritischen Gesundheitszustand tauchten Anfang September auf. Damals gab der 75-Jährige jedoch Entwarnung und rief die Iraner auf, für seine Gesundheit zu beten.

Laut Medienberichten geht es ihm aber zunehmend schlechter. Sogar Ex-Präsident Machmud Ahmadinedschad, dessen Verhältnis zu Chamenei in den vergangenen Jahren als zerrüttet galt, besuchte den iranischen Religionsführer im Krankenhaus.

Der als liberal und prowestlich geltende politische Kurs von Präsident Hassan Rouhani scheint auf der Kippe zu stehen.

Das iranische Machtsystem sei „sehr kompliziert“, so Alexej Malaschenko, Experte vom Moskauer Carnegie-Center. „Über die Nachfolge Chameneis werden die konservativen Geistlichen, die liberalen Kräfte und die Islamische Revolutionsgarde entscheiden, auf die Chamenei großen Einfluss hat.“ Dass dieser Kampf erbittert geführt wird, weiß Chamenei offenbar selbst, denn aus dem Krankenhaus rief er die iranischen Politiker auf, ihre ideologischen Kontroversen zu überwinden und „die Einheit der Nation zu wahren“.

Seit Rouhanis Präsidentschaftswahlsieg streiten die Revolutionsgarde und die Liberalen um den außenpolitischen Kurs des Landes, vor allem in Bezug auf die Verhandlungen über Irans Atomprogramm. Die Revolutionswächter haben den 66-jährigen Ajatollah Mahmud Chaschemi Schahrudi als Chameneis Nachfolger in Stellung gebracht.

Sollte er zum geistlichen Oberhaupt berufen werden, wird Präsident Rouhani wegen seines prowestlichen Kurses wohl unter Druck gesetzt werden. Denn Schahrudi gilt als erzkonservativ, anti-liberal und Verfechter des Atomprogramms.

Die Chancen des gemäßigten Konservativen Ali Akbar Chaschemi-Rafsandschani (80 Jahre) und des liberalen Ajatollahs Sadek Laridschani sind dagegen eher gering.

Doch unabhängig von der Person wird der Nachfolger Chameneis in den nächsten Jahren keinen so großen Einfluss auf den jetzigen Kurs der Islamischen Republik haben. Experten vergleichen die aktuelle Situation mit der nach dem Tod des Anführers der Islamischen Revolution, Ajatollah Chomeini, im Jahr 1989. Damals kam Chameneis Kandidatur eher überraschend: Er war bis dahin ein unbeschriebenes Blatt in der iranischen Politik und galt als Kompromisskandidat. „Selbst wenn ein neuer Rahbar kommt, wird Irans Politik in der nächsten Zukunft konstant bleiben“, vermutet Experte Malaschenko. Rouhanis habe eine hohe Autorität, und zwar nicht nur in der Heimat, sondern auch im Ausland. „Das iranische Establishment wertet die Veränderungen unter seiner Führung positiv, darunter die Aufhebung eines Teils der anti-iranischen Sanktionen des Westens.“

„Es ist schwer vorauszusagen, wie der Machtkampf im Iran endet“, sagte der Vizeleiter des Instituts für strategische Schätzungen, Viktor Misin. „Es ist aber unwahrscheinlich, dass Teheran wieder in Isolation geraten will, nachdem es seine Bereitschaft zum Dialog gezeigt und davon profitiert hat.“

Quelle: RIA NOVOSTI

Veröffentlicht am 6. Oktober 2014 in Iran after Election 2013 und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Iran: Machtkampf um Chameneis Nachfolge entbrannt.

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