Archiv für den Tag 15. Oktober 2014

Tagesspiegel| Fall Reyhaneh Jabbari: Opfer-Familie will Hinrichtung junger Iranerin

von

Mord oder Notwehr? Reyhaneh Jabbari, hier im Dezember 2008 vor Gericht, hat einen Mann erstochen – nach einem Vergewaltigungsversuch.Bild vergrößern
Mord oder Notwehr? Reyhaneh Jabbari, hier im Dezember 2008 vor Gericht, hat einen Mann erstochen – nach einem Vergewaltigungsversuch. – FOTO: AFP

Die 26-jährige Reyhaneh Jabbari soll hingerichtet werden, weil sie den iranischen Geheimdienstmitarbeiter Morteza Sarbandi erstach. Der soll versucht haben, sie zu vergewaltigen. Am Mittwoch lehnte die Familie des Verstorbenen nun eine Begnadigung Jabbaris ab.

Die Familie des iranischen Geheimdienstmitarbeiters Morteza Abdolali Sarbandi will die Hinrichtung von Reyhaneh Jabbari. Die heute 26-jährige hatte Sarbandi 2007 mit einem Messer verletzt, er starb. Jabbari hatte geltend gemacht, sie habe in Notwehr gehandelt, weil Sarbandi sie vergewaltigen wollte.

Erstes Treffen zwischen Opfer-Familie und Verurteilter

Ein Teheraner Gericht verurteilte sie aber 2009 trotz großer internationaler Proteste zum Tode durch Erhängen.

Menschenrechtsorganisationen, EU-Vertreter und auch Anwälte in Iran bemängelten schwerwiegende Verfahrensfehler. Dennoch bestätigte der Oberste Gerichtshof 2014 das Urteil. Nach iranischem Recht kann nur die Familie des Verstorbenen Jabbari noch vor der Hinrichtung bewahren. Doch die lehnte am Mittwoch ab. Dies sagte der in Berlin lebende Onkel der Frau, Fariborz Jabbari, dem Tagesspiegel. Erstmals hatte es ein Treffen zwischen Jabbari selbst, ihrer Mutter und dem ältesten Sohn des Getöteten gegeben. Nach Angaben des Onkels der Verurteilten habe der Sohn die Vollmacht seiner Familie erhalten, Jabbari zu begnadigen oder den Weg für die Hinrichtung frei zu machen.

Vollständiger Artikel

FP| Pate für eine ganze Familie

Die dauerhafte Unterbringung von Flüchtlingen in Lagern schafft Probleme – das zeigen nicht zuletzt die Misshandlungsfälle in Nordrhein-Westfalen. In Chemnitz geht man andere Wege: Flüchtlinge haben eigene Wohnungen – und jetzt auch Paten.

Chemnitz. Zu duftendem Tee und Kuchen reicht Rahimeh eine Schachtel Datteln über den Wohnzimmertisch. Im Wörterbuch schlägt die 37-jährige Iranerin das deutsche Wort für die Frucht nach, die ihr als Khorma bekannt ist. Mit Gesten warnt sie den Gast, nicht zu fest zuzubeißen, wegen des Kerns. Schokolade gebe es im Iran auch, klärt Rahimehs ältester Sohn Peyman auf: „Ist aber nicht gesund.“ Zum Naschen seien Datteln besser, findet der 20-Jährige. Von seiner fünfköpfigen Familie, die im Dezember nach Chemnitz kam, ist Peyman mit seinen Deutschkenntnissen am weitesten fortgeschritten. „Das Beste an Chemnitz ist Runa. Ich weiß nicht, was wir ohne sie gemacht hätten“, sagt er.

Runa Richter sitzt auf dem Sofa und winkt ab. Sie habe nur getan, was ihre Aufgabe sei. Für den 2008 gegründeten Verein „Save me“ vermittelt die 28-jährige Germanistik-Studentin in Chemnitz Patenschaften an Flüchtlingsfamilien. „Inzwischen gibt es das in 58 Städten“ sagt sie. In Chemnitz begann das Projekt im September 2013. Bisher haben 25ausländische Familien ortskundige Paten. Ursprünglich bezog sich das Projekt allein auf die von den Vereinten Nationen zugewiesenen Resettlement-Flüchtlinge (siehe nebenstehender Beitrag). Da sich aber in Chemnitz schon weit über 70 Personen, vom Studenten bis zum Rentner, als Paten gemeldet haben, weitete man das Projekt jetzt auf Asylbewerberfamilien aus.

Für ihre iranische Familie ist Runa Richter erstmals selbst Patin. Sie erinnert sich an den Tag im Dezember, als sie sich im Chemnitzer Wohnheim zum ersten Mal begegneten: Vater Teimoor (47), Mutter Rahimeh, deren Söhne Peyman und Kamran und die sechsjährige Tochter Pegah. Da scheiterte die Kommunikation schon an der Übersetzung einfachster, fürs Leben in einer fremden Stadt aber elementarer Fragen: Wo ist ein Supermarkt? Sie ging mit „ihrer“ Familie zum Flüchtlingsrat, wo Runa Richter nebenbei jobbt. „Ich wusste, mein Chef dort spricht persisch“, sagt sie. In den ersten Wochen bedurfte es stets eines Übersetzers. „Da haben die Vermittler vom Verein In- und Ausländer sehr geholfen“, sagt sie. Inzwischen besuchen alle Familienmitglieder täglich den Sprachunterricht der Integrationskurse an der Volkshochschule.

Vollständiger Artikel

%d Bloggern gefällt das: