FP| Pate für eine ganze Familie

Die dauerhafte Unterbringung von Flüchtlingen in Lagern schafft Probleme – das zeigen nicht zuletzt die Misshandlungsfälle in Nordrhein-Westfalen. In Chemnitz geht man andere Wege: Flüchtlinge haben eigene Wohnungen – und jetzt auch Paten.

Chemnitz. Zu duftendem Tee und Kuchen reicht Rahimeh eine Schachtel Datteln über den Wohnzimmertisch. Im Wörterbuch schlägt die 37-jährige Iranerin das deutsche Wort für die Frucht nach, die ihr als Khorma bekannt ist. Mit Gesten warnt sie den Gast, nicht zu fest zuzubeißen, wegen des Kerns. Schokolade gebe es im Iran auch, klärt Rahimehs ältester Sohn Peyman auf: „Ist aber nicht gesund.“ Zum Naschen seien Datteln besser, findet der 20-Jährige. Von seiner fünfköpfigen Familie, die im Dezember nach Chemnitz kam, ist Peyman mit seinen Deutschkenntnissen am weitesten fortgeschritten. „Das Beste an Chemnitz ist Runa. Ich weiß nicht, was wir ohne sie gemacht hätten“, sagt er.

Runa Richter sitzt auf dem Sofa und winkt ab. Sie habe nur getan, was ihre Aufgabe sei. Für den 2008 gegründeten Verein „Save me“ vermittelt die 28-jährige Germanistik-Studentin in Chemnitz Patenschaften an Flüchtlingsfamilien. „Inzwischen gibt es das in 58 Städten“ sagt sie. In Chemnitz begann das Projekt im September 2013. Bisher haben 25ausländische Familien ortskundige Paten. Ursprünglich bezog sich das Projekt allein auf die von den Vereinten Nationen zugewiesenen Resettlement-Flüchtlinge (siehe nebenstehender Beitrag). Da sich aber in Chemnitz schon weit über 70 Personen, vom Studenten bis zum Rentner, als Paten gemeldet haben, weitete man das Projekt jetzt auf Asylbewerberfamilien aus.

Für ihre iranische Familie ist Runa Richter erstmals selbst Patin. Sie erinnert sich an den Tag im Dezember, als sie sich im Chemnitzer Wohnheim zum ersten Mal begegneten: Vater Teimoor (47), Mutter Rahimeh, deren Söhne Peyman und Kamran und die sechsjährige Tochter Pegah. Da scheiterte die Kommunikation schon an der Übersetzung einfachster, fürs Leben in einer fremden Stadt aber elementarer Fragen: Wo ist ein Supermarkt? Sie ging mit „ihrer“ Familie zum Flüchtlingsrat, wo Runa Richter nebenbei jobbt. „Ich wusste, mein Chef dort spricht persisch“, sagt sie. In den ersten Wochen bedurfte es stets eines Übersetzers. „Da haben die Vermittler vom Verein In- und Ausländer sehr geholfen“, sagt sie. Inzwischen besuchen alle Familienmitglieder täglich den Sprachunterricht der Integrationskurse an der Volkshochschule.

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Veröffentlicht am 15. Oktober 2014 in Asyl, Bahai, Civil Rights, Dokumentation, Empfehlungen, Gesetze, Human Rights, Iran, Medien, Meinungen und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für FP| Pate für eine ganze Familie.

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