Archiv für den Tag 2. November 2014

Spiegel| Eheähnliche Partnerschaften in Iran: Liebe im Untergrund

Von Mohammad Reza Kazemi

Ein Paar im Norden von Teheran: Ohne Ehe keine KinderZur Großansicht

AP

Ein Paar im Norden von Teheran: Ohne Ehe keine Kinder

Kaveh und Leila begehren gegen die Traditionen ihres Heimatlandes Iran auf: Sie verweigern sich der Heirat. Junge Leute wie sie treiben die Modernisierung voran – und nehmen das Risiko in Kauf, ausgepeitscht zu werden.

Es sah fast schon so aus, als würden Kaveh und Leila* keine gemeinsame Bleibe finden können. Zweieinhalb Monate lang suchten sie nach einer Wohnung. Dabei mangelt es in der kleinen Stadt Gorgan im Norden Irans, wo sie beisammen leben wollten, nicht an Wohnraum. Doch Kaveh log nicht, wenn er mit den Eigentümern sprach.

„Ich habe überall die Wahrheit gesagt: dass wir nicht verheiratet sind“, sagt er. „Die Makler hatten kein Problem damit – aber die Vermieter sagten immer nein.“ Nach schier endloser Suche fanden sie schließlich doch eine Wohnung, die zwar ihre Wünsche nicht erfüllte, dafür hatte aber der Besitzer Verständnis für ihren Familienstand.

Ein persisches Sprichwort besagt: Eine Braut geht im weißen Kleid in das Haus ihres Ehemannes und verlässt es ebenfalls in Weiß. Im Leichentuch. Vor allem junge Iraner sorgen dafür, dass derlei Weisheiten an Aussagekraft über die Gegenwart verlieren. Die Scheidungsrate hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, inzwischen wird etwa jede fünfte Ehe irgendwann aufgelöst.

Der Kampf um Diskretion

Vor allem aber entscheiden sich immer mehr junge Menschen statt für eine Ehe für eine eheähnliche Partnerschaft, in Iran „weiße Heirat“ genannt. Die Paare leben zusammen, ohne verheiratet zu sein. In Iran ist dies eine Straftat, das Gesetz sieht mindestens 100 Peitschenhiebe vor.

So beginnt für Menschen wie Kaveh und Leila die wichtigste Herausforderung erst nach dem Einzug in die gemeinsame Wohnung: Der Kampf um Diskretion. Zwar gibt es in Iran keine Meldepflicht bei Behörden. Aber es kommt vor, dass konservative Nachbarn die Polizei alarmieren.

Vollständiger Artikel

Iran jails British-Iranian woman who was detained for watching volleyball

British-Iranian law graduate Ghoncheh Ghavami
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Ghoncheh Ghavami has been held in Tehran’s notorious Evin Prison for 126 days.

TWITTER: @AMNESTYUK

A British-Iranian woman who was arrested in Iran after trying to attend a volleyball match has been sentenced to one year in jail, local media says, quoting her lawyer.

Ghoncheh Ghavami, a law graduate from London, was arrested in June at a Tehran stadium, where Iran’s national volleyball team was to play Italy.

The 25-year-old went on trial last month.

„According to the verdict she was sentenced to one year,“ her lawyer Alizadeh Tabatabaie was quoted in Iranian media as saying on Sunday.

He said the judge had shown him the sentence, but no reason was given for the conviction.

Iranian officials have said Ghavami was detained for security reasons unrelated to the volleyball match.

Britain said on Sunday it was worried about the case and the way Ghavami had been treated.

„We are concerned about reports that Ghoncheh Ghavami has been sentenced to 12 months in prison for ‚propaganda against the state‘,“ the foreign office said in a statement.

„We have concerns about the grounds for this prosecution, due process during the trial and Ms Ghavami’s treatment whilst in custody.“

The „Free Ghoncheh Ghavami“ Facebook page, where her friends and family campaigned for her release, features photographs of her set against the slogan: „Jailed for wanting to watch a volleyball match.“

An update on the page on Sunday appeared to corroborate the one-year sentence but bemoaned the closed-door legal process that has prevailed in the case.

„This morning Ghoncheh’s family and lawyer returned empty handed from branch 26 of revolutionary court,“ it said.

„It is not clear to her family and lawyer as to what the current legal basis of her detention is. A fair and just legal process according to Iran’s legal framework is the basic right of every Iranian citizen. Why are these rights not upheld in Ghoncheh’s case?“

Ghavami’s arrest came after female fans and women journalists were told they would not be allowed to attend the volleyball match at Azadi stadium in the capital.

National police chief General Esmail Ahmadi Moghaddam said it was „not yet in the public interest“ for men and women to attend such events together.

Women are also banned from attending football matches in Iran, with officials saying this is to protect them from lewd behaviour among male fans.

AFP

SZ| Mitten ins Herz des Irans

Auf der Spur mutiger Forscher durch die Wüste Lut, einem Labyrinth zwischen Teheran und dem Persischen Golf.

Lager in der Kalut am frühen Morgen. Langsam beginnt die Sonne zu wärmen – eine Wohltat nach kalter Nacht. Bild: SN/neubronner

Lager in der Kalut am frühen Morgen. Langsam beginnt die Sonne zu wärmen – eine Wohltat nach kalter Nacht.

Mehr als 400 Meter hohe Dünen: Die Ostsande brechen fast jeden Höhenrekord. Bild: SN/neubronner

Mehr als 400 Meter hohe Dünen: Die Ostsande brechen fast jeden Höhenrekord.

Schwer zugänglich, bizarr, kaum bekannt: die Fels- und Sandwüste Dascht-e Lut im Iran ist faszinierend. Doch diese Gegend auf eigene Faust zu queren könnte in einem Fiasko enden. Zwei fast vergessene Protagonisten hatten dies einst trotz solider Kenntnisse nur mit Glück überlebt – ihre Ausrüstung war aus heutiger Sicht bescheiden, Hunger und Durst quälten sie. Am 21. März 1937 schreibt der österreichische Arzt Alfons Gabriel: „Warum lockt den Menschen die Weite, die Ferne, das Unbekannte und Gefahrvolle? Wie haben wir uns danach gesehnt, hierherzukommen!“ Mit seiner Frau Agnes war er schon mehrmals im kaum erforschten Persien gewesen. Bei dieser Tour wollte er „durch den großen weißen Fleck auf der Landkarte Irans“ ziehen, durch jene südliche Wüste Lut, „die so lange jedes Eindringen verwehrte“. Der Guide hieß Malik Muhammad. Vier weitere Männer (Djihand, Hassan, Ibrahim und Mehdi) sowie acht Kamele zählten zum Tross. Sechs Tage nach dem Aufbruch erreichten sie erschöpft die Oase Keshit.

Die Dascht-e Lut gilt als menschenleer

Gut 75 Jahre später reist man vergleichsweise angenehm. Drei Land Rover, zwei Toyotas, Lebensmittel plus Sprit und Trinkwasser für eine Woche, dazu als Fahrer Ali Rahimi, Ali Astane, Hassan Taavighi, Babak Ghazvinian und dessen Bruder Mehrdad, der Chef von „Extreme Expeditions“ in Teheran, reduzieren das Risiko bei diesem Wüstentrip. Zumal Hassan und beide Ghazvinians während der vergangenen 15 Jahre rund 25 Mal ein Gebiet erkundet haben, das knapp doppelt so groß wie Österreich ist. Die Dascht-e Lut gilt als menschenleer. Doch wer einmal dort war, den lässt die Sehnsucht nach ihr nicht mehr los.

Rund 1000 Kilometer Asphaltstraße sind bereits abgespult, turbulente Städte wie Teheran und Yazd schrumpfen zum Nichts. In Shahdad am westlichen Rand der Lut wachsen noch Palmen, kurz vor Heiligabend blüht Oleander, alle Fahrzeuge sind betankt. „Let’s go!“, ruft Mehrdad Ghazvinian. Das Team rollt der Wüste entgegen und stößt auf Dr. Gabriels erste Route von 1933. Was der schwedische Geograf Sven Hedin „Yardang“ nannte und im Herzen des Iran „Kalut“ heißt, ähnelt aufgegebenen Siedlungen: dachlose Häuser, Minaretts oder Kamine, rostbraune Mauern, Turm neben Turm. Archäologen würden zunächst prähistorische Orte vermuten. Satellitenkameras dokumentierten jedoch, dass es sich hier um Sedimentgestein handelt, das vom Wind geschliffen wurde und als breiter Riegel von Südost nach Nordwest verläuft.
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