SZ| Mitten ins Herz des Irans

Auf der Spur mutiger Forscher durch die Wüste Lut, einem Labyrinth zwischen Teheran und dem Persischen Golf.

Lager in der Kalut am frühen Morgen. Langsam beginnt die Sonne zu wärmen – eine Wohltat nach kalter Nacht. Bild: SN/neubronner

Lager in der Kalut am frühen Morgen. Langsam beginnt die Sonne zu wärmen – eine Wohltat nach kalter Nacht.

Mehr als 400 Meter hohe Dünen: Die Ostsande brechen fast jeden Höhenrekord. Bild: SN/neubronner

Mehr als 400 Meter hohe Dünen: Die Ostsande brechen fast jeden Höhenrekord.

Schwer zugänglich, bizarr, kaum bekannt: die Fels- und Sandwüste Dascht-e Lut im Iran ist faszinierend. Doch diese Gegend auf eigene Faust zu queren könnte in einem Fiasko enden. Zwei fast vergessene Protagonisten hatten dies einst trotz solider Kenntnisse nur mit Glück überlebt – ihre Ausrüstung war aus heutiger Sicht bescheiden, Hunger und Durst quälten sie. Am 21. März 1937 schreibt der österreichische Arzt Alfons Gabriel: „Warum lockt den Menschen die Weite, die Ferne, das Unbekannte und Gefahrvolle? Wie haben wir uns danach gesehnt, hierherzukommen!“ Mit seiner Frau Agnes war er schon mehrmals im kaum erforschten Persien gewesen. Bei dieser Tour wollte er „durch den großen weißen Fleck auf der Landkarte Irans“ ziehen, durch jene südliche Wüste Lut, „die so lange jedes Eindringen verwehrte“. Der Guide hieß Malik Muhammad. Vier weitere Männer (Djihand, Hassan, Ibrahim und Mehdi) sowie acht Kamele zählten zum Tross. Sechs Tage nach dem Aufbruch erreichten sie erschöpft die Oase Keshit.

Die Dascht-e Lut gilt als menschenleer

Gut 75 Jahre später reist man vergleichsweise angenehm. Drei Land Rover, zwei Toyotas, Lebensmittel plus Sprit und Trinkwasser für eine Woche, dazu als Fahrer Ali Rahimi, Ali Astane, Hassan Taavighi, Babak Ghazvinian und dessen Bruder Mehrdad, der Chef von „Extreme Expeditions“ in Teheran, reduzieren das Risiko bei diesem Wüstentrip. Zumal Hassan und beide Ghazvinians während der vergangenen 15 Jahre rund 25 Mal ein Gebiet erkundet haben, das knapp doppelt so groß wie Österreich ist. Die Dascht-e Lut gilt als menschenleer. Doch wer einmal dort war, den lässt die Sehnsucht nach ihr nicht mehr los.

Rund 1000 Kilometer Asphaltstraße sind bereits abgespult, turbulente Städte wie Teheran und Yazd schrumpfen zum Nichts. In Shahdad am westlichen Rand der Lut wachsen noch Palmen, kurz vor Heiligabend blüht Oleander, alle Fahrzeuge sind betankt. „Let’s go!“, ruft Mehrdad Ghazvinian. Das Team rollt der Wüste entgegen und stößt auf Dr. Gabriels erste Route von 1933. Was der schwedische Geograf Sven Hedin „Yardang“ nannte und im Herzen des Iran „Kalut“ heißt, ähnelt aufgegebenen Siedlungen: dachlose Häuser, Minaretts oder Kamine, rostbraune Mauern, Turm neben Turm. Archäologen würden zunächst prähistorische Orte vermuten. Satellitenkameras dokumentierten jedoch, dass es sich hier um Sedimentgestein handelt, das vom Wind geschliffen wurde und als breiter Riegel von Südost nach Nordwest verläuft.

Veröffentlicht am 2. November 2014 in Iran, Reisen und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für SZ| Mitten ins Herz des Irans.

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