Freitag| Wo steht der Iran heute?

Marktliberalisierung Ein nicht ganz neuer neoliberaler Kurs verändert den Iran und seine Beziehung zum Westen. Eine gute Entwicklung? Interview mit dem Exiljournalisten Soheil Asefi. (Auszug)

Ein Nutzerbeitrag von Sönke Paulsen

Der in Berlin lebende Soheil Asefi ist unabhängiger Journalist und Analytiker in Fragen des Irans und des Nahen Ostens. Asefi wurde  in Teheran geboren und begann sehr früh mit dem Schreiben von Artikeln. Er arbeitete für eine Vielzahl von Medien und Publikationen und schrieb Kolumnen über Politik und Geschichte, sowohl für Printmedien als auch online. 2007 wurde er verhaftet und verbrachte drei Monate im Gefängnis Evin in Teheran, die meiste Zeit seiner Inhaftierung verbrachte er in Einzelhaft im berüchtigten Trakt 209. Er kam gegen Kaution frei und verließ vor einigen Jahren den Iran – nachdem er zehn Jahre für große iranische Medien gearbeitet hatte. Unter dem Schutz des Writers in Exile-Programms des PEN-Zentrums Deutschland kam er als Gast der Stadt Nürnberg nach Deutschland.  Soheil Asefi ist Preisträger des Hermann-Kasten-Preises der Stadt Nürnberg. Seine Artikel erschienen in Publikationen wie „Monthly Review”, „Counterpunch” und „Media with Conscience‘. Zudem ist er Redaktionsmitglied von  Journalists in Exile (JIE), einem von Reporter ohne Grenzen betriebenen Blog. (He can be reached onTwitter.)

Das Interview wurde von Sönke Paulsen (Berlin) geführt.

Soheil, Sie haben viel über die neoliberale Wirtschaftspolitik des Irans in den letzten Jahren geschrieben. Dennoch haben religiöse Stiftungen, die Bonyads, immer noch die Kontrolle über 80% der iranischen Wirtschaft. Wie stehen sie zu einer neuen Phase wirtschaftlicher Privatisierung und welche Interessenslagen sehen Sie, die sich gegen diesen Kurs der Marktliberalisierung richten?

S.A:Ich möchte die Frage etwas erweitern, denn die Bonyads werden zu einem großen Teil von Mitgliedern und ehemaligen Mitgliedern der Iranischen Revolutionsgarden beherrscht. Die IRGC (Army of the Guardians of the Islamic Revolution) wurde 1979 gegründet. Es waren schiitische Militärs, die, loyal gegenüber Khomeni , gewissermaßen zu Prätorianern des klerikalen Regimes wurden und dieses gegen die Opposition schützte und auch gegen das traditionelle iranische Militär, das eine Bedrohung für das Regime darstellte.

Verstehe, aber wie bekamen die Revolutionsgarden diese ökonomische Macht?

S.A:Man kann es einfach ausdrücken. Nachdem sie im Krieg gegen den Irak in die iranische Armee integriert wurden, kamen sie schnell in eine Führungsrolle und kontrollierten überdies zunehmend die Geheimdienste, waren zuständig für den Grenzschutz und somit auch in der Lage, die internationalen Warenströme und Kapitalflüsse zu kontrollieren. Es gab schlicht niemanden, der sie begrenzte oder anders ausgedrückt, sie hatten im klerikalen Iran keine Konkurrenz. In den neunziger Jahren kontrollierten sie sogar den Schwarzmarkt, einschließlich des verbotenen Alkoholhandels.

Die Garden kontrollieren weiterhin militärische Schlüsselpositionen, was bis zum Raketenprogramm und dem Atomprogramm des Iran geht. Als dann die Privatisierung von strategisch wichtigen Unternehmen, beispielsweise Öl-Firmen, politisch beschlossen wurde, war klar, dass damit keine Internationalisierung gemeint war. Die Unternehmen gingen an die gesellschaftliche Gruppe, die einerseits loyal gegenüber dem Klerus war und andererseits über die nötige wirtschaftliche Kompetenz verfügte, und das waren die Garden!

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Veröffentlicht am 8. November 2014 in Bonyads, Iran 2014, Iranischen Revolutionsgarden, Pasdaran, Wirtschaft und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Freitag| Wo steht der Iran heute?.

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