Archiv für den Tag 12. November 2014

Welt| Spione aus dem Iran greifen deutsche Firmen an

Vor allem China und Russland sind bisher berüchtigt für Cyber-Attacken auf deutsche Unternehmen. Jetzt greift auch noch der Iran an. Ein Ruhetag führte den Verfassungsschutz auf seine Fährte.


Iranischer Geheimdienstchef Mahmud Alawi: Iran soll sich entschieden haben, die eigene Wirtschaftsspionage auszubauen, nachdem seine Nuklearanlagen 2008 von der Sabotage-Software „Stuxnet“ angegriffen worden waren
Foto: picture alliance/landovIranischer Geheimdienstchef Mahmud Alawi: Iran soll sich entschieden haben, die eigene Wirtschaftsspionage auszubauen, nachdem seine Nuklearanlagen 2008 von der Sabotage-Software „Stuxnet“ angegriffen worden waren

Der Eindringling kam lautlos und unbemerkt. Über Monate hinweg hatten die Mitarbeiter eines Industrieunternehmens ihre Arbeit verrichtet und nicht einmal bemerkt, dass sich Fremde am Wichtigsten zu schaffen machten, das ein Unternehmen unterhält: dem Computersystem, in dem alles Know-how gespeichert ist.

Stillschweigend bahnten sich die Täter den Weg in die IT-Infrastruktur, gezielt suchten sie nach Schwachstellen, arbeiteten sich schrittweise vor. Als die Firma im April 2014 schließlich erste „Unregelmäßigkeiten im Rechnernetz“ feststellte, hatten die Angreifer bereits ein halbes Jahr lang Zeit gehabt, um die Mitarbeiter auszuspionieren und ihre Passwörter zum Firmennetz abzufischen.

Auf der Suche nach Hilfe wandte sich das Unternehmen daraufhin an denBayerischen Verfassungsschutz, dessen Experten sogleich die Fährte aufnahmen. Mehrere Mitarbeiter des 2013 speziell für den Kampf gegen Wirtschaftsspionage gegründeten Cyber-Allianz-Zentrums (CAZ) machten sich an die Arbeit und stießen schnell auf Spuren von Software-Werkzeugen, die die Hacker genutzt hatten, um heimlich in die inneren Sphären des Unternehmens vorzudringen.

Doch wenngleich das Aufdecken professioneller Cyberangriffe wie diese für die CAZ-Experten zum Alltag gehört, sorgte dieser Fall für großes Erstaunen. Nach Recherchen von „Welt“ und „BILANZ“ führten die Spuren nicht etwa zu Hackern in China oder Russland – von wo die Mehrzahl der Cyberangriffe auf Deutschland gestartet wird. Die Täter saßen in einem Land, das bis dato nicht eben als Zentrum für Wirtschaftsspionage bekannt war: im Iran.

Am Freitag ruhen die Hacker

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Iran strahlt Propagandafilm „7 Minuten bis Tel Aviv“ aus

Israel in Reichweite iranischer Raketen

Teheran – Das iranische Staatsfernsehen will einen gegen Israel gerichteten Propagandafilm ausstrahlen. In dem Dokumentarfilm „7 Minuten bis Tel Aviv“ gehe es um die iranische Raketenindustrie, berichtete die Nachrichtenagentur MEHR am Mittwoch.

Der Titel deutet darauf hin, dass iranische Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von rund 2000 Kilometern binnen sieben Minuten Tel Aviv treffen könnten.

Seit Präsident Hassan Rohani im August 2013 sein Amt antrat, war gehofft worden, dass die anti-israelische Hetzrhetorik im Iran zurück. Sein Vorgänger, Mahmoud Ahmadinejad, hatte die Ausradierung Israels gefordert und den Holocaust infrage gestellt. Der Iran erkennt den Staat Israel nicht an und unterstützt Gruppen wie die Hamas und die Hisbollah, die Israel als Terrororganisationen eingestuft hat.

Vor Kurzem hat der Oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, auf seinem offiziellen Twitter-Account einen Neun-Punkte-Plan zur Beseitigung des „künstlichen zionistischen Regimes“ vorgelegt. (APA)

„Rosewater“: Peiniger hören zu, wenn sie Erotisches erfahren

FRANK HERRMANN AUS WASHINGTON

Jon Stewart, legendärer Gastgeber der Fernsehsendung „The Daily Show“ in Amerika, hat einen Film gedreht. In „Rosewater“ erzählt er die wahre Geschichte des iranisch-kanadischen Journalisten Maziar Bahari, der 2009 von den Wahlen in Teheran berichten soll

Den einen Seitenhieb kann Jon Stewart sich nicht verkneifen. „Was?“, fragt er entgeistert zurück, mit theatralisch aufgerissenen Augen, als die Moderatorin im Newseum, dem Journalismusmuseum Washingtons, eine Frage stellt, mit der er nichts anfangen kann. Im Comedy-Studio sitze er ja immer vor der Kamera, bei seiner Premiere als Filmemacher sei er nun dahinter gestanden – „erfordert das nicht eine komplette Neuordnung in Ihrem Kopf?“ „Whaaat?“, antwortet Stewart und amüsiert sich über das Wort Neuordnung, so wie er Politiker zerpflückt, wenn sie eine Sprechblase an die andere reihen.

Der Kultsatiriker des liberalen Amerika, dessen bissige TheDaily Show manchem die eher seichten Abendnachrichten der Kabelsender ersetzt, hat einen Kinofilm gedreht, seinen ersten. Erzählt wird die wahre Geschichte Maziar Baharis, eines iranisch-kanadischen Journalisten, der im Juni 2009 nach Teheran fliegt, um über eine Wahl zu berichten, über das Duell zwischen dem Hardliner Mahmud Ahmadi-Nejad und seinem flexibleren Herausforderer Mir Hossein Mussawi.

Die schwierige Arbeit eines westlichen Journalisten im Iran: Gael García Bernal spielt in "Rosewater" den kanadisch-iranischen Reporter Maziar Bahari, der als Spion verdächtigt und eingesperrt wird.

vergrößern (800×568foto: ap

Die schwierige Arbeit eines westlichen Journalisten im Iran: Gael García Bernal spielt in „Rosewater“ den kanadisch-iranischen Reporter Maziar Bahari, der als Spion verdächtigt und eingesperrt wird.

Als Ahmadi-Nejad zum Sieger erklärt wird, was den Verdacht massiver Fälschung aufkommen lässt, gehen in Teheran Zehntausende auf die Straße. Bahari ist dabei, er filmt, wie Demonstranten über die Mauern einer Kaserne der Revolutionswächter zu klettern versuchen, wie Schüsse fallen und der leblose Körper eines Getroffenen im Stacheldraht hängt. Bald darauf klingeln Geheimpolizisten an der Wohnungstür seiner Mutter, um ihn abzuholen. Bahari soll bekennen, dass er spioniert, für die Amerikaner, die Briten, die Israelis, für das Magazin Newsweek, für wen auch immer.

Im Evin-Gefängnis, Teherans berüchtigtem Knast, wird er geschlagen und erniedrigt und zur Abwechslung mit Aprikosen gelockt von seinem Peiniger, der nach Rosenwasser duftet, weshalb er ihn Rosewater nennt. Es beginnt damit, dass der Mann seine Kontakte durchgeht. „Wer ist Anton Tschechow?“ „Anton Tschechow? Der Dramatiker?“ „Du sollst mir das sagen, deshalb frage ich dich. Schließlich bist du es, der sich bei diesem Facebook für ihn interessiert.“

Am Originalschauplatz konnte Stewart natürlich nicht arbeiten, sodass Amman als Alternative herhalten musste, die jordanische Hauptstadt, wo man ihn in einer Haftanstalt drehen ließ. Es war Sommer, vierzig Grad, obendrein Ramadan, Fastenmonat. „Idealbedingungen“, witzelt Stewart.

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