„Rosewater“: Peiniger hören zu, wenn sie Erotisches erfahren

FRANK HERRMANN AUS WASHINGTON

Jon Stewart, legendärer Gastgeber der Fernsehsendung „The Daily Show“ in Amerika, hat einen Film gedreht. In „Rosewater“ erzählt er die wahre Geschichte des iranisch-kanadischen Journalisten Maziar Bahari, der 2009 von den Wahlen in Teheran berichten soll

Den einen Seitenhieb kann Jon Stewart sich nicht verkneifen. „Was?“, fragt er entgeistert zurück, mit theatralisch aufgerissenen Augen, als die Moderatorin im Newseum, dem Journalismusmuseum Washingtons, eine Frage stellt, mit der er nichts anfangen kann. Im Comedy-Studio sitze er ja immer vor der Kamera, bei seiner Premiere als Filmemacher sei er nun dahinter gestanden – „erfordert das nicht eine komplette Neuordnung in Ihrem Kopf?“ „Whaaat?“, antwortet Stewart und amüsiert sich über das Wort Neuordnung, so wie er Politiker zerpflückt, wenn sie eine Sprechblase an die andere reihen.

Der Kultsatiriker des liberalen Amerika, dessen bissige TheDaily Show manchem die eher seichten Abendnachrichten der Kabelsender ersetzt, hat einen Kinofilm gedreht, seinen ersten. Erzählt wird die wahre Geschichte Maziar Baharis, eines iranisch-kanadischen Journalisten, der im Juni 2009 nach Teheran fliegt, um über eine Wahl zu berichten, über das Duell zwischen dem Hardliner Mahmud Ahmadi-Nejad und seinem flexibleren Herausforderer Mir Hossein Mussawi.

Die schwierige Arbeit eines westlichen Journalisten im Iran: Gael García Bernal spielt in "Rosewater" den kanadisch-iranischen Reporter Maziar Bahari, der als Spion verdächtigt und eingesperrt wird.

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Die schwierige Arbeit eines westlichen Journalisten im Iran: Gael García Bernal spielt in „Rosewater“ den kanadisch-iranischen Reporter Maziar Bahari, der als Spion verdächtigt und eingesperrt wird.

Als Ahmadi-Nejad zum Sieger erklärt wird, was den Verdacht massiver Fälschung aufkommen lässt, gehen in Teheran Zehntausende auf die Straße. Bahari ist dabei, er filmt, wie Demonstranten über die Mauern einer Kaserne der Revolutionswächter zu klettern versuchen, wie Schüsse fallen und der leblose Körper eines Getroffenen im Stacheldraht hängt. Bald darauf klingeln Geheimpolizisten an der Wohnungstür seiner Mutter, um ihn abzuholen. Bahari soll bekennen, dass er spioniert, für die Amerikaner, die Briten, die Israelis, für das Magazin Newsweek, für wen auch immer.

Im Evin-Gefängnis, Teherans berüchtigtem Knast, wird er geschlagen und erniedrigt und zur Abwechslung mit Aprikosen gelockt von seinem Peiniger, der nach Rosenwasser duftet, weshalb er ihn Rosewater nennt. Es beginnt damit, dass der Mann seine Kontakte durchgeht. „Wer ist Anton Tschechow?“ „Anton Tschechow? Der Dramatiker?“ „Du sollst mir das sagen, deshalb frage ich dich. Schließlich bist du es, der sich bei diesem Facebook für ihn interessiert.“

Am Originalschauplatz konnte Stewart natürlich nicht arbeiten, sodass Amman als Alternative herhalten musste, die jordanische Hauptstadt, wo man ihn in einer Haftanstalt drehen ließ. Es war Sommer, vierzig Grad, obendrein Ramadan, Fastenmonat. „Idealbedingungen“, witzelt Stewart.

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Veröffentlicht am 12. November 2014 in Ahmadinejad, Ali Khamenei, Bahai, Civil Rights, Iran und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für „Rosewater“: Peiniger hören zu, wenn sie Erotisches erfahren.

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