TA| Morgenröte über Tschadoristan

Im kulturell reichen Iran klaffen die Erwartungen und die Realität vor Ort weit auseinander. Das Land beginnt sich nun aber zu öffnen – auch dank der Touristen.

Der Höhepunkt der Reise: Isfahan ist gemäss einem persischen Sprichtwort «die Hälfte der Welt». Foto: Chromorange (Keystone)

Der Höhepunkt der Reise: Isfahan ist gemäss einem persischen Sprichtwort «die Hälfte der Welt». Foto: Chromorange (Keystone)

«Bist du noch bei Trost? Als Frau in den Iran?» Meine Reisepläne stossen in meiner Umgebung auf Unverständnis, um nicht zu sagen Entsetzen. Neben Warnungen muss ich mir auch Vorwürfe gefallen lassen: Wer in den Iran reise, unterstütze ein Regime, das Zensur ausübe, das Frauenrechte mit Füssen trete. Und das sei ja noch das Wenigste. Da sind sich die, die das Land nur vom Hörensagen kennen, einig. Doch einig sind sich auch die, die den Iran bereits bereist haben: «Wie gern kämen wir mit!»

Seit meiner letzten Iranreise sind zehn Jahre vergangen. Bei kaum einem ­andern Land klaffen Erwartungen und Realität vor Ort so weit auseinander wie beim Iran, der, obwohl eines der kulturell faszinierendsten Länder der Welt, als Reiseland weitgehend unentdeckt geblieben ist. Schuld daran sind wohl zwei Faktoren: dort die Politik mit ihren Verboten und ­Restriktionen, hier die Medien, die über den Iran einseitig berichten.

Seit dem Ende der Ära Ahmadinejad ist im Land der Mullahs eine Öffnung zu spüren. Es gibt Morgenröte über Tschadoristan. Die Veranstalter reden gar von ­einem Boom an Studien-, Kultur- und Gruppenreisen in den Iran.

Dass nun viele dieses ferne Persien mit eigenen Augen sehen und sich ein Bild machen wollen von der Realität jenseits der Schlagzeilen, ist begrüssenswert. Gilt es doch nicht nur im Iran, Schleier zu lüften, sondern im übertragenen Sinn auch bei uns. In diesem Land ist einiges anders als bei uns. Gleichzeitig ist manches anders, als viele bei uns denken.

Fünf Stunden bis ins Jahr 1393

Fünf Stunden dauert der Flug von Frankfurt nach Teheran. Oder sollte man ­sagen: vom Jahr 2014 ins Jahr 1393? Im Iran gilt der Sonnenkalender. Das muss niemanden beunruhigen. Jahreszahlen, überhaupt Zahlen, sind für jemanden, der die persische Schrift nicht lesen kann, eh nicht zu entziffern. Und genau genommen ist es noch komplizierter: Im Iran werden die Zahlen vorwärts geschrieben, während die Schreibschrift rückwärts verläuft, das heisst, von rechts nach links. Und Persisch – auch Farsi genannt – gleicht zwar dem Arabischen. Die Iraner jedoch sind keine Araber, sie haben indogermanische Wurzeln – wie auch wir.

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Veröffentlicht am 13. November 2014 in Iran, Iran Tourismus, Tourismus, Wirtschaft und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für TA| Morgenröte über Tschadoristan.

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