Archiv für den Tag 16. November 2014

CNN-Reportage: Anthony Bourdain im Iran

Der Koch und Autor Anthony Bourdain bereist für seine TV-Reportagen alle Herren Länder und lässt sich von den Einheimischen traditionelle Gerichte zubereiten, besucht Märkte und lässt die die kulinarische Kultur des Landes zeigen und schmecken.
In seiner neuen Reportage-Reihe Parts Unknown besuchte er in einer seinenletzten Folgen den Iran.

Dabei sind schöne Bilder und eine tolle Reportage entstanden, die mich sehr an unsere Reise in den Iran im Frühjahr erinnerten. Offene und freundliche Menschen, eine atemberaubende Kultur, Verkehrs-Chaos auf den Straßen und nicht zu letzt das leckere Essen.

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Ein Steilpass in die Tiefe des Sports: Volleyballkrieg

Der Iran sperrt Frauen im Sport aus und sogar ein. Sanktionen gibt es aber nur im kleinen Rahmen. Der Iran wittert eine internationale Verschwörung, kritisiert auch die kritische Haltung von Österreich.

 (Die Presse)

Der Internationale Volleyballverband (FIVB) hat in dieser Woche eine große Chance ausgelassen, hat den Ball einfach ins Netz geschlagen, statt ein noch deutlicheres Zeichen zu setzen. Der Kontrahent heißt seit Wochen Iran, im Volleyball eine große Nummer, in der Welt des Sports aber ein Problemkind. Es geht konkret um die Diskriminierung von Frauen, denn in der Islamischen Republik ist ihnen der Besuch von Fußballspielen verboten. Aber auch Volleyballspiele der Herren dürfen nicht besucht werden.

Der Versuch einer jungen Frau, Ghontscheh Ghawami, sich dem zu widersetzen, hat zur Inhaftierung geführt. Sie war in Einzelhaft, nach Angaben ihres Anwalts wurde sie inzwischen zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Da ihr das Urteil noch nicht zugestellt wurde, ist Ghawami in Hungerstreik getreten.

Der Internationale Volleyballverband hat dagegen lautstark protestiert, einen Brief an den iranischen Präsidenten geschrieben, Menschenrechtsorganisationen fordern ihre Freilassung. Wobei der Präsident des iranischen Volleyballverbandes, Reza Davarzani, sagt, Ghawamis Fall habe nichts mit Volleyball zu tun und es unfair sei, „eine Verbindung zwischen einer nicht sportbezogenen Aktivität und unserem Sport herzustellen“. Die offizielle Begründung lautet nun: „Sie hatte Kontakte mit iranischen Oppositionskreisen und wurde daher wegen Propaganda gegen das Establishment angeklagt.“

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Verstoß gegen Sanktionen: Iran auf atomarer Einkaufstour in Deutschland

Von J. C. Bockenheimer, S. Gennies, C. Böhme, H. Monath

Das iranische Atomkraftwerk Buschehr, aufgenommen 2010.Bild vergrößern
Das iranische Atomkraftwerk Buschehr, aufgenommen 2010. – FOTO: DPA

Zollfahnder registrieren weiterhin illegale Geschäfte – das belastet die internationalen Verhandlungen über das Nuklearprogramm.

Obwohl derzeit mit Hochdruck über ein Ende des Atomstreits mit dem Iran verhandelt wird, versucht Teheran offenbar immer noch, die Kontrollen zu umgehen. Nach Erkenntnissen des Zollkriminalamts (ZKA) deckte sich der Iran auch in den vergangenen Monaten mit Komponenten für sein Atomprogramm auf dem deutschen Markt ein. „Wir beobachten weiterhin strafbare proliferationsrelevante Beschaffungsaktivitäten“, sagte ZKA-Präsident Norbert Drude dem Tagesspiegel. Strohmänner und Tarnfirmen sollen in Dutzenden Fällen versucht haben, sanktionsbelegte Wirtschaftsgüter illegal aus Deutschland in den Iran zu schleusen – in einigen Fällen mit Erfolg.

Das Regime in Teheran ist für die Zollfahnder dabei ein alter Bekannter, wenn es um Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz geht. Von den insgesamt 264 Ermittlungsverfahren, die 2013 und 2012 von den Zollfahndern eingeleitet wurden, hätten „mehr als zwei Drittel“ den Iran betroffen, sagt Drude. „Die Anzahl der Ermittlungsverfahren für das laufende Jahr dürfte sich in ähnlicher Größenordnung der beiden Vorjahre bewegen, insofern konstatieren wir hieraus ein gleichbleibend hohes Geschäftsinteresse.“

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Idee im Iran bekommen: „Wir gaukeln den Eiern was vor“

Eine deutsche Forscherin hat eine Methode entwickelt, mit der Fischeier geerntet werden können, ohne Störe zu töten

Nachhaltiger Kaviar. Das klingt zunächst einmal so widersinnig wie „familienfreundlicher Ferrari“, doch Angela Köhler steht in der Halle eines ehemaligen Supermarkts unweit von Bremerhaven und ist von ihrem Produkt überzeugt. Als Professorin für Meeresbiologie, Zellbiologie und Toxikologie an der Jacobs University und dem Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung steht sie inmitten ihres wohl größten Abenteuers. Sie hat ein Verfahren für die Gewinnung von Kaviar erfunden, bei dem die Störe nicht getötet werden. Ihre Firma Vivace Caviar, die sie mithilfe von Wissenschaftskollegen und Investoren aufgebaut hat, ist eine Ausgründung auf Grundlage ihrer Forschungsarbeit. Auf 7500 Quadratmetern leben hier 70 Tonnen Störe in Aquakultur, die um die sieben Tonnen Eier in ihren Bäuchen tragen. Alles Weibchen mit Chip an der Flosse, aus dem man ablesen kann, wie reif der Kaviar schon ist. Die einzigen Männer, die man hier braucht, sind die Arbeiter. Sie tragen die Störe von den abgedunkelten „Winterbecken“ in die helleren „Frühlingsbecken“, in denen sie für die Ernte des Kaviars vorbereitet werden. Das ganze passiert dann durch Bauchmassage in hochsterilen Räumen mit Desinfektionsschleusen. Danach geht es für die Störe ins „Wochenbett“, wie Angela Köhler die Aufpäppelstation für danach nennt. In den Becken gurgelt und plätschert es so laut, dass das Interview dann doch im Büro stattfinden muss………

…….

Angela Köhler:

Mein Fachbereich ist die Toxikologie. Kollegen überredeten mich, zu einem Kongress der World Sturgeon Conversation Society nach Ramsa in den Iran zu fahren. Wegen der Ölindustrie am Kaspischen Meer gibt es dort massive Umweltprobleme. Die Störbestände dort sind eigentlich am Ende wie auch in China, wo durch den Bau der Stauseen die Störe von ihren Laichgebieten abgeschnitten werden. Es gibt dort beispielsweise Untersuchungen, die belegen, dass keine Eier oder Fingerlinge mehr gefunden werden. Ich wollte im Iran etwas lernen, weil ich auch die Umweltprobleme der Störe hier in Deutschland in der Elbe kannte.

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Melika Foroutan: „Ich fühlte mich völlig aufgehoben – bis es zum Zusammenbruch kam“

Melika Foroutan
© Yves Borgwardt
VON NANA HEYMANN

In einem wiederkehrenden Traum bin ich auf der Flucht. Ich muss weglaufen, weil ich etwas getan habe, für das ich verfolgt werde. Ich muss mich verstecken und habe Angst, entdeckt zu werden. Bevor es dazu kommt, wache ich auf.

Ich denke, dieser Traum hat mit einem Erlebnis in meiner Kindheit zu tun. Ich erinnere mich daran nur noch schemenhaft, vielleicht setzt sich meine Erinnerung auch nur aus den Erzählungen meiner Familie zusammen, aber unbewusst prägt sie mich bis heute.

Ich war vier Jahre alt, als der Krieg zwischen dem Irak und dem Iran ausbrach. Unsere Familie lebte damals in Teheran. Es war September, und auf einmal fingen meine Mutter und meine Großmutter an, die Fenster unseres Hauses mit Zeitungen abzukleben. Abends gingen wir in den Keller, wobei ich nicht mit Bestimmtheit sagen kann, ob Teheran zu diesem Zeitpunkt bereits bombardiert wurde. Wir hatten auf jeden Fall Angst davor. Mir war nicht klar, was geschah, aber ich merkte, dass die Menschen um mich herum sehr angespannt waren und wir oft in den Keller gehen mussten. An einem dieser Abende gab es einen Kuchen mit Kerzen, es war mein fünfter Geburtstag.

Als ich sieben war, mussten wir den Iran verlassen und zogen nach Deutschland. Nach unserer Ankunft hatte ich dann häufig das Gefühl, erklären zu müssen, warum ich hier bin. Es waren nicht mal feindselige Fragen, die mir gestellt wurden, oft kamen sie aus einem wirklichen Interesse heraus. Trotzdem vermittelten sie mir, dass hier zu leben für mich keine Selbstverständlichkeit war. Besonders schlimm fand ich die Bilder von meinem Land, die in den Köpfen der Menschen um mich herum existierten. Sie kannten aus den Nachrichten nur verschleierte Frauen, Revolutionswächter, finstere Männer mit Bärten. Diese Bilder standen in totalem Gegensatz zu meinen Erinnerungen. Es waren Erinnerungen, wie sie ein Kind eben hat, wenn es beschützt in einer großen Familie aufwächst. Ich fühlte mich völlig aufgehoben – bis es zum Zusammenbruch kam.

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Helfer sollten ihre Grenzen kennen

Boostedter Kirchengemeinde stellte den Arbeitskreis „Flüchtlingspartnerschaft“ vor. Außerdem wird der Verein „Willkommen in Boostedt“ gegründet.

Pastor Thomas Lemke (Mitte) begrüßt die Referenten und das Publikum im Hof Lübbe.

Pastor Thomas Lemke (Mitte) begrüßt die Referenten und das Publikum im Hof Lübbe.

Die Kirchengemeinde Boostedt hat einen Arbeitskreis „Flüchtlingspartnerschaft“ gegründet und lud am Donnerstagabend zu einer Informationsveranstaltung ein. Etwa 110 Besucher wollten mehr darüber wissen. Schließlich sollen in der Gemeinde ab 2015 bis zu 500 Flüchtlinge in vier Blöcken der Rantzau-Kaserne untergebracht werden.

„Wir wollen auf die Ängste und Sorgen reagieren, die auf der Einwohnerversammlung zutage traten, und Schritte in Richtung Flüchtlingsarbeit leisten“, erklärte Pastor Thomas Lemke. Der Arbeitskreis hatte zehn Fachreferenten eingeladen. Der Ablauf eines Asylverfahrens wurde erläutert, und ein virtueller Rundgang durch die Rantzau-Kaserne geboten.

Andrea Dallek vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein erklärte, dass im vergangenen Jahr 3756 Menschen nach Schleswig-Holstein aus Krisengebieten gekommen seien. Die Zahl werde sich in diesem Jahr vermutlich verdoppeln. Wer sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren wolle, der müsse genau wissen, wie viel Zeit er investieren und was er leisten könne. „Fragen Sie sich immer, wo Ihre Grenzen liegen“, riet Andrea Dallek und warnte davor, sich zu überfordern. Michael Frenzel von der Diakonie Altholstein machte dazu deutlich: „Der gesamte Rechtsbereich gehört in die Hände von Fachleuten.“

Pastorin Isabel Frey-Ranck aus Neumünster und Rieke Müller schilderten ihre Erfahrungen im insbesondere für Flüchtlinge offenen Café Vis-a-vis und aus der Seelsorge. Und auch Flüchtlinge kamen zu Wort. Ein Dolmetscher übersetzte die Wünsche und Bedürfnisse von mehreren iranischen Flüchtlingen. „Wir möchten ein normales Leben haben und Deutschkurse besuchen“, erklärten sie und machten auch deutlich: „Ich wünsche mir, dass ich wieder nach Hause komme.“

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Reportage: Deutschland für Anfänger – Zu Gast beim Integrationskurs: Pauken für einen Neuanfang in der Fremde

Die Gründe, warum sie hier sind, unterscheiden sich. Es sind Flüchtlinge, die aus Angst um ihr Leben hierher gekommen sind. Andere suchen einfach eine gute Arbeit oder sind der Liebe wegen ausgewandert. Sie alle eint der Wunsch nach einem Neubeginn. Bei uns, in der Fremde. Willkommen in Deutschland, willkommen in Alsfeld. Besuch in einem Integrationskurs der Volkshochschule und dem Zuhause einer Flüchtlingsfamilie aus Iran in der Alsfelder Goethestraße. 

Es ist 10.41 Uhr an einem warmen Morgen im Frühherbst, als Kursleiterin Sonja Pauli-Erler im Klassenraum Nummer 13 für ratlose Gesichter sorgt. Treffender gesagt, sind es die Vokabeln der deutschen Arbeitswelt, die in kreideweiß an der Tafel stehen. Betriebsrat und Gewerkschaft hat die charismatische, schlanke 48-Jährige mit dem Piercing in der Nase gerade angeschrieben. “Heute starten wir mit einem etwas schwierigeren Thema”, hatte sie zuvor noch im Lehrerzimmer gesagt.

Ihr gegenüber sitzen an diesem Morgen 20 Menschen aus zehn Nationen. Einige sind freiwillig in unser Land gekommen, andere, weil sie um ihr Leben fürchteten. Da wären zum Beispiel Cheryl Lynne, 52, Sekretärin aus Florida, seit zwei Jahren mit einem Deutschen verheiratet. Prince, 28, Sohn eines ehemaligen Diplomaten aus dem Kongo und derzeit Asylbewerber. Agnieszka (29) und Lukasz (31), ein junges Ehepaar aus Polen, das hofft, hier eine gute Arbeit zu finden.

Ihnen geht es ähnlich wie Zoran. Der 42-Jährige ist mit seiner Frau aus Serbien abgehauen, weil er dort selbst als Maschinenbauingenieur nicht viel Geld verdienen konnte. Ein älterer Herr aus Armenien sitzt am hinteren Ende der U-Formation, in der die Schultische aufgestellt sind. Eifrig flitzt der Bleistift über sein Heft. Warum er nach Deutschland gekommen ist, will der ehemalige Schuldirektor für sich behalten.

Die Kursleiterin: Sonja Pauli-Erler ist seit 18 Jahren im Geschäft.Die Kursleiterin: Sonja Pauli-Erler ist seit 18 Jahren im Geschäft.

Vier mal in der Woche treffen sie alle sich für vier Stunden in den Räumen der Volkshochschule bei der Stadtschule, pauken Relativpronomen, unregelmäßige Verben und unsere Kultur. Die Teilnehmer lernen also nicht nur wie wir Deutsche uns unterhalten, sondern auch, wie wir ticken, welche Werte uns wichtig sind. Vermittelt wird möglichst lebensnah. Wer mitmacht, kriegt Tipps zur Wohnungssuche, erfährt, was der nette Herr von der Arbeitsagentur gerne hören möchte oder eben an wen er sich wenden soll, wenn der Chef ihn schikaniert. Das viele der Kursabsolventen zunächst bei Burgerketten Buletten wenden, in denen allein die Artikulation des Wortes Betriebsrat ein Kündigungsgrund sein kann, ist traurige Ironie.

Für einige ist der Kurs Pflicht, für andere nicht

Einigen schreibt die Ausländerbehörde vor, an solch einem Kurs teilzunehmen. Das betrifft zum Beispiel Menschen, die ihre Aufenthaltsgenehmigung nach 2005 erhalten haben und aus Sicht der Beamten nicht genügend Deutsch können, um ihren Alltag hier geordnet zu kriegen. Für wen der Kurs Pflicht ist, der bekommt ihn bezahlt. Die meisten sind allerdings freiwillig hier. “Es hat auch keinen Zweck, jemanden zu einem Sprachkurs zu zwingen”, sagt Sonja Pauli-Erler.

Die Frage, was Ausländer an Deutschland am meisten verwirrend oder kurios finden, steht im Raum. Oft liest man von Flüchtlingen, die verwirrt sind, wenn Autos an Zebrastreifen tatsächlich anhalten. Solche Anekdoten kennt Pauli-Erler nicht. Wer in ihrem Kurs sitze, der wolle etwas erreichen – und sei in der Regel tolerant und aufgeschlossen. Da ist kein Raum für Kulturschocks. Probleme zwischen verschiedenen Nationalitäten oder Religionen habe es bislang auch noch nicht wirklich gegeben, sagt Pauli-Erler, die den Job schon seit 18 Jahren macht. In den Pausen schallen manchmal Gespräche in Polnisch oder Persisch durch das Treppenhaus. Wieder im Klassenraum, bemüht sich die Gruppe nur Deutsch zu sprechen. Die Hälfte des knapp zehnmonatigen Kurses ist schon rum.

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