Idee im Iran bekommen: „Wir gaukeln den Eiern was vor“

Eine deutsche Forscherin hat eine Methode entwickelt, mit der Fischeier geerntet werden können, ohne Störe zu töten

Nachhaltiger Kaviar. Das klingt zunächst einmal so widersinnig wie „familienfreundlicher Ferrari“, doch Angela Köhler steht in der Halle eines ehemaligen Supermarkts unweit von Bremerhaven und ist von ihrem Produkt überzeugt. Als Professorin für Meeresbiologie, Zellbiologie und Toxikologie an der Jacobs University und dem Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung steht sie inmitten ihres wohl größten Abenteuers. Sie hat ein Verfahren für die Gewinnung von Kaviar erfunden, bei dem die Störe nicht getötet werden. Ihre Firma Vivace Caviar, die sie mithilfe von Wissenschaftskollegen und Investoren aufgebaut hat, ist eine Ausgründung auf Grundlage ihrer Forschungsarbeit. Auf 7500 Quadratmetern leben hier 70 Tonnen Störe in Aquakultur, die um die sieben Tonnen Eier in ihren Bäuchen tragen. Alles Weibchen mit Chip an der Flosse, aus dem man ablesen kann, wie reif der Kaviar schon ist. Die einzigen Männer, die man hier braucht, sind die Arbeiter. Sie tragen die Störe von den abgedunkelten „Winterbecken“ in die helleren „Frühlingsbecken“, in denen sie für die Ernte des Kaviars vorbereitet werden. Das ganze passiert dann durch Bauchmassage in hochsterilen Räumen mit Desinfektionsschleusen. Danach geht es für die Störe ins „Wochenbett“, wie Angela Köhler die Aufpäppelstation für danach nennt. In den Becken gurgelt und plätschert es so laut, dass das Interview dann doch im Büro stattfinden muss………

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Angela Köhler:

Mein Fachbereich ist die Toxikologie. Kollegen überredeten mich, zu einem Kongress der World Sturgeon Conversation Society nach Ramsa in den Iran zu fahren. Wegen der Ölindustrie am Kaspischen Meer gibt es dort massive Umweltprobleme. Die Störbestände dort sind eigentlich am Ende wie auch in China, wo durch den Bau der Stauseen die Störe von ihren Laichgebieten abgeschnitten werden. Es gibt dort beispielsweise Untersuchungen, die belegen, dass keine Eier oder Fingerlinge mehr gefunden werden. Ich wollte im Iran etwas lernen, weil ich auch die Umweltprobleme der Störe hier in Deutschland in der Elbe kannte.

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Veröffentlicht am 16. November 2014 in Iran, Kaviar, Umwelt und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Idee im Iran bekommen: „Wir gaukeln den Eiern was vor“.

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