BZ.at| Wasser teurer als Benzin – Eindrücke einer Iran-Reise

Während die westliche Welt um ein Atomabkommen mit dem Iran ringt, besuchten 28 österreichische Jungbauern das Land.
Die österreichischern Jungbauern mit Vertretern der iranischen Landwirtschaft © Jungbauern/Alena

Die österreichischern Jungbauern mit Vertretern der iranischen Landwirtschaft © Jungbauern/Alena
Wieder einmal stand in den vergangenen Tagen und Wochen das umstrittene Atomprogramm des Iran im Zentrum des Interesses der Weltöffentlichkeit. Internationale Chefdiplomaten, darunter die Außenminister der USA, John Kerry, Deutschlands, Frank-Walter Steinmeier, Russlands, Sergej Lawrow, Frankreichs, Laurent Fabius, Chinas, Wang Yi, und die EU-Beauftragte Catherine Ashton, rangen mit Irans Außenminister Mohammad-Javad Zarif zu Wochenbeginn in Wien erneut um eine Lösung in der Atomfrage.
Hintergrund des Streits sind die Bestrebungen des Iran in der Atompolitik, dem der Westen vorwirft, diese nicht nur für rein zivile Zwecke, wie vom Iran behauptet, sondern für den Bau von Kernwaffen benutzen zu wollen. Das ist auch der Grund für die gegen den Iran verhängten Wirtschaftssanktionen. Der Iran ist eines der weltweit bedeutendsten Förderländer für Erdöl. Die Sanktionen setzen dem Land entsprechend schwer zu. Lenkt der Iran bei seinem Atomprogramm ein, so stellen die EU und die USA Lockerungen der Sanktionen in Aussicht. Da die Gespräche in Wien keine Einigung brachten, wurde die Frist für die Verhandlungen bis 30. Juni 2015 verlängert.
Fernab dieser Verhandlungen besuchte eine Gruppe österreichischer Jungbauern kürzlich den Iran. Einer der stärksten Eindrücke für die Jungbauern war das Problem des Irans mit der Wasserversorgung. Der starke Wassermangel sowie das hohe Erdölvorkommen führen dazu, dass ein Liter Wasser mit zehn Cent mehr kostet als ein Liter Treibstoff, der schon ab sechs Cent zu haben ist.
Vor Ort erhielten die österreichischen Jungbauern Einblick in die iranische Landwirtschaft. © Jungbauern/Alena

Vor Ort erhielten die österreichischen Jungbauern Einblick in die iranische Landwirtschaft. © Jungbauern/Alena

Das Land in Eckdaten

Im Iran leben etwa 77 Mio. Menschen. 60 Prozent (%) der Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre. Rund 1,2 Mio. Menschen leben als Nomaden, die Schafe und Ziegen halten. 25 % der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft und in der landwirtschaftlichen Produktion tätig. Hauptexportprodukte sind neben dem Erdöl Teppiche, Pistazien, Datteln, Zitrusfrüchte und Reis.
Das Land ist 4,5 mal größer als Deutschland. Rund 55 % der Landesfläche sind Wüste und Steppe. 14 Mio. ha werden landwirtschaftlich genutzt, davon werden etwa acht Mio. ha bewässert. Die biologische Landwirtschaft hat auch im Iran Einzug gehalten und so werden aktuell circa 90.000 ha biologisch bewirtschaftet.
99 % der Bevölkerung sind Muslime, davon 90 % Schiiten. Durch den großen Einfluss der schiitischen Geistlichkeit und der Anwendung der Scharia (göttliches Gesetz) sind besonders Frauen in den meisten Rechtsbereichen benachteiligt. Von der strengen Kleidervorschrift bis hin zu Berufsverboten.
Die Regenzeit ist von Februar bis April, und es regnet durchschnittlich 300 mm pro Jahr bei 300 Sonnentagen. Der Iran ist ein Land, in dem die Ressource Wasser sehr knapp ist und vor allem zur Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen eingesetzt wird. Ein erheblicher Teil des dafür benötigten Wassers wird aus den Grundwasserreserven entnommen. Die Folge daraus ist das rasante Absinken des Grundwasserspiegels von Jahr zu Jahr. Ein Hektar Ackerland kostet 120 Euro.

Veröffentlicht am 28. November 2014 in Iran 2014, Tourismus, Wirtschaft und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für BZ.at| Wasser teurer als Benzin – Eindrücke einer Iran-Reise.

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