Archiv für den Tag 5. Dezember 2014

Das Parlament| Henning Otte: Afghanistan-Einsatz war ein Erfolg

Eigene Anmerkung:

„Die größten Erfolge liegen darin, dass wir den internationalen Terrorismus, der 2001 von Afghanistan aus die Welt und auch Deutschland bedroht hat, zerschlagen konnten und dass das Land gleichzeitig einen Weg der zivilen Entwicklung gehen konnte“, sagte Otte im Interview mit der Wochenzeitung „Das Parlament“. Die Realität sieht leider anders aus.  Die derzeitige Sicherheitslage in #Afghanistan ist höchst gefährlich. Immer mehr Menschen denken an Flucht und verlassen das Land. Die Bundesrepublik entzieht sich auch ihrer Verantwortung gegenüber den ehemaligen Mitarbeitern, den „afghanischen Ortskräften“. Ein Bruchteil dieser höchst Gefährdeten kann in die Bundesrepublik Deutschland kommen. Verantwortung sieht anders aus.

(Lutz Bucklitsch)

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Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Henning Otte, hält den Einsatz der internationalen Staatengemeinschaft in Afghanistan seit 2001 für erfolgreich. „Die größten Erfolge liegen darin, dass wir den internationalen Terrorismus, der 2001 von Afghanistan aus die Welt und auch Deutschland bedroht hat, zerschlagen konnten und dass das Land gleichzeitig einen Weg der zivilen Entwicklung gehen konnte“, sagte Otte im Interview mit der Wochenzeitung „Das Parlament“ (Erscheinungstag 08. Dezember 2014). Es sei  gelungen, eine afghanische Armee und Polizei aufzubauen, die 350.000 Sicherheitskräfte umfassen und die nun selbst in der Lage sein sollten, das Land zu befrieden.

Man werde den afghanischen Partnern nach dem Ende des ISAF-Mandats im Rahmen der Nachfolgemission „Resolute Support Mission“ mit bis zu 850 Bundeswehrsoldaten weiterhin zur Seite stehen. „Allerdings liegt der Fokus klar auf Beratung und Ausbildung.“ Die Verantwortung für die Sicherheit im Lande liege bei der afghanischen Seite. „Die ‚Resolute Support Mission‘ ist definitiv kein Kampfeinsatz“, sagte Otte. In einem nach wie vor auch gefährlichen Umfeld müssten die Soldaten jedoch in der Lage sein, sich selbst verteidigen zu dürfen. In gewissen Gefährdungslagen könnten sie auch einen Beitrag leisten zur Sicherung und zum Schutz und gegebenenfalls zur Evakuierung von militärischen und zivilen Kräften. „Das soll aber die Ausnahme sein“, sagte der CDU-Politiker.

Das Interview im Wortlaut:

Herr Otte, zum Jahreswechsel endet mit dem ISAF-Mandat in Afghanistan der längste und umfangreichste Kampfeinsatz der Bundeswehr. Mit welcher Bilanz verlässt die Truppe das Land?
Henning Otte
: Der Einsatz der internationalen Staatengemeinschaft in Afghanistan zum Aufbau einer Sicherheitsstruktur war erfolgreich. Es liegt jetzt an Afghanistan selbst, diesen Weg weiter zu beschreiten. Hiermit werden wir die Afghanen aber nicht allein lassen. Die größten Erfolge liegen darin, dass wir den internationalen Terrorismus, der 2001 von Afghanistan aus die Welt und auch Deutschland bedroht hat, zerschlagen konnten und dass das Land damit einen Weg der zivilen Entwicklung gehen konnte. Die Infrastruktur konnte wesentlich ausgebaut, Bildungseinrichtungen aufgebaut werden, Frauen und Kinder können heute wieder an Bildung teilhaben. Und es ist gelungen, eine afghanische Armee und Polizei aufzubauen, die bis zu 350.000 Sicherheitskräfte umfassen und die nun selbst in der Lage sein sollten, das Land zu befrieden.

Immer wieder gibt es Anschläge in Afghanistan, auch die Bundesregierung räumt in ihrem Fortschrittsbericht ein, dass die Lage nicht in allen Teilen des Landes wirklich kontrollierbar ist. Kommt der Abzug der ISAF-Truppen zu früh?
Henning Otte:
Es ist ja kein vollständiger Abzug. Wir werden mit der Bundeswehr im Rahmen der ISAF-Nachfolgemission „Resolute Support Mission“ ab Januar nächsten Jahres den afghanischen Partnern weiterhin zur Seite stehen. Allerdings liegt der Fokus klar auf Beratung und Ausbildung. Die Verantwortung für die Sicherheit im eigenen Lande liegt nun bei der afghanischen Seite.

Welche konkreten Aufgaben soll die Bundeswehr übernehmen?
Henning Otte:
Deutschland soll mit bis zu 850 Soldaten im Rahmen einer international aufgestellten Mission von insgesamt 12.000 Soldaten die afghanischen Sicherheitskräfte beraten, unterstützen und ausbilden – und zwar in Nordafghanistan und in der Hauptstadt Kabul. Ziel ist es, die Erfolge bei der Schaffung effektiver Sicherheitsstrukturen zu verstetigen. Im Mittelpunkt sollen Führungsunterstützung, das militärische Nachrichtenwesen und Lagebilderstellungen, Logistik und die sanitätsdienstliche Versorgung stehen.

In seiner Zwischenbilanz deutet der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan, Michael Koch, an, dass die afghanische Luftwaffe zu schwach aufgestellt sein könnte, um regierungsfeindliche Kräfte in Schach zu halten. Wie groß schätzen Sie die Gefahr ein, dass das Land in Teilen oder sogar ganz in die Hände der Taliban zurückfallen könnte?
Henning Otte:
Das muss natürlich verhindert werden. Aber nochmals: Afghanistan und die internationale Gemeinschaft sind gegenseitige Verpflichtungen eingegangen. Und zu diesen zählt, dass Afghanistan selbst für die Sicherheit sorgt und die Staatengemeinschaft das Land auf diesem Wege unterstützt. Die Sicherheitslage ist weiterhin nicht stabil, aber dieses Problem lässt sich nicht allein militärisch lösen. Die Regierung in Kabul muss konsequent den Weg der Versöhnung und inneren Einheit gehen. Das ist sicherlich noch ein langer Weg, der aber alle Mühen wert sein sollte.

Das neue Mandat hat durchaus auch einen „robusten“ Anteil. Ist es denn richtig, vom Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan zu sprechen?
Henning Otte:
Die „Resolute Support Mission“ ist definitiv kein Kampfeinsatz. Aber in einem nach wie vor auch gefährlichen Umfeld müssen unsere Soldaten in der Lage sein, sich selbst verteidigen zu können. In gewissen Gefährdungslagen können sie auch einen Beitrag leisten zur Sicherung und zum Schutz und gegebenenfalls zur Evakuierung von militärischen und zivilen Kräften. Das soll aber die Ausnahme sein.

Wie widerstandsfähig ist die afghanische Gesellschaft gegenüber radikal-islamistischen Ideen?
Henning Otte:
Die demokratischen Präsidentschaftswahlen waren aus meiner Sicht ein sehr deutliches Zeichen für den Wunsch des größten Teils der Bevölkerung, dass das Land den guten Weg der vergangenen Jahre fortsetzen soll.

Wo sehen Sie denn die größten Herausforderungen für die neue Regierung?
Henning Otte:
Die wirtschaftliche Situation in Afghanistan ist angespannt, es müssen bessere Bedingungen für Investitionen und Arbeitsplätze geschaffen werden. Außerdem ist durch das Tauziehen um das Präsidentenamt und die späte Regierungseinsetzung Vertrauen bei den Wählern verloren gegangen. Durch gutes Regierungshandeln können Präsident Ghani und sein Kabinett hier wieder Boden zurück gewinnen.

Welche Erfahrungen lehrt die Beteiligung der Bundeswehr an ISAF?
Henning Otte:
Der Einsatz in Afghanistan war eine Zäsur. Ursprünglich und – wie sich später zeigte – fälschlicherweise sind wir anfänglich von einer Friedensmission ausgegangen und mussten feststellen, dass wir uns zwischenzeitlich in einem Krieg befinden. Für die Politik galt es damals, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Soldaten bestmöglich auszustatten. Grundsätzlich ist in Afghanistan aber auch deutlich geworden, dass Deutschland mit der Bundeswehr als Teil der Verantwortungsgemeinschaft auf dieser Welt einen wesentlichen und erfolgreichen Beitrag leisten kann zur Stabilisierung eines Landes und zum Aufbau von zivilen und wirtschaftlichen Strukturen.

Soll sich die Bundeswehr im Rahmen engerer Zusammenarbeit mit den europäischen Partner auf bestimmte Fähigkeiten spezialisieren, etwa als Einsatzarmee wie in Afghanistan? Oder soll sie unter dem Stichwort „Breite vor Tiefe“ ein großes Spektrum an Fähigkeiten haben?
Henning Otte:
Die Neuausrichtung der Bundeswehr hat zum Ziel, dass wir ein breites Fähigkeitsspektrum vorhalten, um flexibel auf alle sicherheitspolitischen Herausforderungen reagieren zu können. Das können Kampfeinsätze wie in Afghanistan oder Ausbildungsmission wie gegenwärtig in Mali sein. Dort, wo es aber schon jetzt möglich ist, suchen wir Kooperationen mit unseren Partnern in Europa, um gemeinsam militärische Fähigkeiten zu stärken. Ein Beispiel ist die angestrebte Zusammenarbeit mit den niederländischen Streitkräften zum Aufbau eines gemeinsamen Panzerbataillons. Wir wollen gemeinsame europäische Fähigkeiten dort verstetigen und stärken, wo sie sich anbieten.

Was sind die  größten Versäumnisse in den 13 Jahren Kampfeinsatz am Hindukusch?
Henning Otte:
Die Politik hat sich der wirklichen Situation in Afghanistan womöglich anfangs zu zaghaft gestellt. Und sie war womöglich zu zaghaft darin, der Bevölkerung in Deutschland ein klares Lagebild darzustellen. Meine persönliche Lehre aus dem Afghanistan-Einsatz ist, mit aller Offenheit und Transparenz zu schildern, wie die Lage vor Ort ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Mit der Nachlieferung von Schutzsystemen für die Soldaten, mit der Änderung der Taktik im Rahmen des „Partnerings“, also mit gemeinsamen Operationen von Bundeswehr und afghanischer Armee, wurden dann aber die richtigen Konsequenzen gezogen.

Die Taliban haben die ISAF-Truppen nicht besiegen können. Könnten sie über die Geduld der deutschen Öffentlichkeit siegen?
Henning Otte:
Es gilt der alte Satz: Die Deutschen haben die Uhr, Afghanistan hat die Zeit. Wir müssen uns immer deutlich machen, dass in Afghanistan eine eigene Mentalität herrscht, die es zu beachten gilt. Wir wollen all die guten Ansätze unterstützen und stärken, um langfristig diesem Land eine gute Perspektive zu geben, und auch, um den afghanischen Beitrag zur Sicherheit auf dieser Erde zu unterstützen.

Quelle: „Das Parlament“  (Erscheinungstag: 08. Dezember 2014)

Deutschland| Staatsangehörigkeitsgesetz: Geändertes „Optionsmodell“ tritt noch 2014 in Kraft

Das im September 2014 verabschiedete „Zweite Gesetz zur Änderung des Staatsangehörigkeitsgesetzes“ ist am 20. November 2014 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden. Mit Inkrafttreten des Gesetzes am 20. Dezember 2014 werden die Möglichkeiten erweitert, dass in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern auf Dauer die doppelte Staatsbürgerschaft behalten können.

Das Optionsmodell sieht in der aktuellen Fassung vor, dass grundsätzlich alle jungen Erwachsenen, die neben der deutschen noch eine weitere Staatsangehörigkeit besitzen, bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres erklären müssen, ob sie die deutsche oder eine andere Staatsangehörigkeit behalten wollen. Ausgenommen von dieser Optionspflicht sind schon jetzt Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der EU oder der Schweiz, weil bei ihnen die Mehrstaatigkeit hingenommen wird.

Mit den Änderungen des § 29 des Staatsangehörigkeitsgesetzes (StAG) werden nun alle jungen Erwachsenen von der Optionspflicht ausgenommen, die in Deutschland aufgewachsen sind. „Aufgewachsen“ wird in § 29 Abs. 1a StAG so definiert, dass die Betroffenen vor der Vollendung des 21. Lebensjahres

  • sich entweder acht Jahre gewöhnlich in Deutschland aufgehalten haben, oder
  • sechs Jahre in Deutschland eine Schule besucht haben, oder
  • in Deutschland eine Schul- oder Berufsausbildung abgeschlossen haben, oder
  • „einen vergleichbar engen Bezug zu Deutschland“ haben und die Optionspflicht für sie eine besondere Härte bedeuten würde.

Der Regelung vorausgegangen waren lange Verhandlungen innerhalb der Regierungskoalition. Nach Schätzung der SPD werden jährlich 35.000 bis 40.000 Personen von den Änderungen profitieren, indem sie von der Optionspflicht befreit werden. Von der Opposition und von Nichtregierungsorganisationen wird die Regelung dagegen als zu bürokratisch und als „Optionspflichtverlängerungsgesetz“ kritisiert.

Deutschland| Text der Neufassung des Asylbewerberleistungsgesetzes

Die GGUA Flüchtlingshilfe Münster hat eine Zusammenstellung der Neuerungen veröffentlicht, die sich aufgrund der kürzlich verabschiedeten Änderungen beim Asylbewerberleistungsgesetz ergeben. Die Änderungen werden voraussichtlich im Frühjahr 2015 in Kraft treten.

Die Änderungen gehen auf zwei verschiedende Gesetze zurück.

Die Textfassung des neuen AsylbLG von Claudius Voigt berücksichtigt die Änderungen durch diese beiden Gesetze und stellt sie farbig dar.

Das deutsche Asylverfahren – ausführlich erklärt

Die Prüfung von Asylanträgen gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Seine Mitarbeiter müssen bewerten, ob einem Asylantragsteller in seinem Herkunftsland Verfolgungsmaßnahmen drohen, die sein Leben oder seine Freiheit bedrohen.

Diese Broschüre informiert über einzelne Aspekte des Asylverfahrens und unterstreicht diese mit statistischen Daten. Neben der Darstellung der Zuständigkeiten gibt sie unter anderem Aufschluss über die gesetzlich vorgeschriebene Anhörung der Asylbewerber, die Entscheidungsfindung, die Verfahrensdauer aber auch über die Entwicklung der Schutzquote und die rechtlichen Folgen der Entscheidung.

BAMF| Integrationskurs weiter stark nachgefragt

Auch im ersten Halbjahr 2014 steigen die wichtigsten Kennzahlen bei der Analyse der Integrationskurszahlen. Das zeigt die neue Geschäftsstatistik für die ersten sechs Monate.

Der Integrationskurs ist nach wie vor das zentrale Instrument des Bundes zur Unterstützung des Grundspracherwerbs für Menschen mit Migrationshintergrund. Aber er ist nicht nur Sprachkurs, sondern auch Empowerment-Maßnahme, denn Integrationskursteilnehmer wenden die deutsche Sprache in ihrem Alltag häufiger an, haben mehr Kontakt zu Deutschen, nutzen häufiger deutsche Medien und geben häufiger an, in Deutschland bleiben zu wollen.

Die aktuelle Integrationskursgeschäftsstatistik liefert umfassende Zahlen zu den Entwicklungen rund um die Teilnahme am Integrationskurs. Sie verdeutlichen beispielhaft das wachsende Interesse am Integrationskurs:

Höchster Wert der Teilnahmeberechtigungen

Im ersten Halbjahr 2014 erreichte die Zahl der Teilnahmeberechtigungen zum Integrationskurs mit 100.239 ihren bisher höchsten Stand seit 2005. Das ist ein Anstieg um 27,7 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Hauptverantwortlich für den Anstieg waren die Zulassungen durch das Bundesamt, die mit 55.715 Personen um 29,3 Prozent bzw. 12.619 Fälle höher lagen als im Vergleichszeitraum 2013.

Fast die Hälfte aller neuen Teilnehmer sind EU-Bürger

Besonders gewachsen ist die Zahl der EU-Bürger, die einen Integrationskurs besuchen. Rund 46,5 Prozent aller neuen Teilnehmer stammten im 1. Halbjahr 2014 aus einem EU-Land (33.514 Personen / ohne deutsche Staatsangehörige). Die meisten von ihnen kamen aus Polen (11,1 Prozent), das seit 2012 die Türkei als Hauptherkunfstland abgelöst hat. Unter den Top 10-Herkunftsländern befinden sich mit Polen, Rumänien, Bulgarien, Italien, Griechenland, Spanien und Ungarn sieben EU-Staaten (ohne Deutschland).

Weiter hohes Niveau bei der Bestehensquote

Beim Sprachtest „Deutsch Test für Zuwanderer“ (DTZ) liegt die Bestehensquote weiterhin auf einem hohen Niveau. Im ersten Halbjahr 2014 erreichten 58,1 Prozent der Testteilnehmer das höchstmögliche Sprachniveau B1 und 33,5 Prozent immerhin das Sprachniveau A2. Damit erhielten insgesamt 91,6 Prozent aller Prüfungsteilnehmer ein Sprachzertifikat, mit dem sie ihre Lernerfolge nachweisen können. Der zum 23.04.2013 neu eingeführte skalierte Test „Leben in Deutschland“ behielt mit über 92 Prozent sein sehr hohes Bestehensniveau aus dem letzten Jahr.

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Quelle: BAMF

BAMF| „Der Schicksalsmann“, der über Asylanträge entscheidet

Thomas E. (35), ist einer von 340 sogenannten Entscheidern, die in 24 Außenstellen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge über Asylanträge entscheiden. Bisher sind 158.080 Erst- und Folgeanträge in der Bundesrepublik Deutschland in diesem Jahr gestellt worden. Bis Ende des Jahres werden es voraussichtlich insgesamt 200.000.

Thomas E. und seine 339 weiteren Kolleginnen und Kollegen sind diejenigen, die sich tagtäglich anhören, welche Fluchtgeschichten die Asylbewerberinnen und Asylbewerber in der Anhörung vortragen. ZEIT Online hat Thomas E. einen Tag lang begleitet

Links

Quelle: BAMF

BAMF| Anerkennungskultur leicht erklärt

Was steckt eigentlich hinter dem Begriff „Anerkennungskultur“? Warum ist er wichtig? Und wie kann er in der Realität umgesetzt werden? Antworten auf diese Fragen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Blickpunkt Integration“. Den Auftakt macht der Artikel „Anerkennungskultur: Was bedeutet das eigentlich?“ (S. 5/6), indem Sie die wichtigsten Hintergrundinformationen zum Begriff erhalten und erfahren, welche Maßnahmen das Bundesamt in diesem Bereich ergreift. Hierbei wird deutlich: Dreh- und Angelpunkt des Themas ist die Frage, wie Vorbehalte in der Gesellschaft gegen Vielfalt abgebaut werden können. Sozialwissenschaftlerin Dr. Naika Foroutan betont im Interview (S. 8), dass die reine Vermittlung von Wissen nicht ausreicht, um Vorurteile zu bekämpfen, sondern dass mehr auf Emotionen gesetzt werden muss. Genau mit solchen Gefühlen beschäftigt sich der Künstlerwettbewerb POETRYpolis, der seine Teilnehmer dazu aufruft, über eine Emotion in ihrer Muttersprache zu dichten, und so der Mehrsprachigkeit Wertschätzung schenkt (S. 11). Um Ansätze, die den persönlichen Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund herstellen, geht es in unseren Beiträgen zur Tagung „Anerkennungskultur vor Ort“ (S. 6/7) und der Lebenden Bibliothek (S. 10).

Zielgruppe Medien

Ebenfalls in der Rubrik Fokusthema stellen wir Ihnen den Vielfaltfinder vor, der Experten mit Migrationshintergrund an Journalisten vermittelt und dazu beiträgt, dass sich die Vielfalt der Gesellschaft in der medialen Öffentlichkeit wiederfindet. Das Thema Medien steht auch im Mittelpunkt unseres Interviews mit Ferda Ataman, die den Mediendienst Integration leitet (S. 26). Ihr Team versorgt Journalisten mit Hintergrundinformationen, damit sie differenziert über Migration und Integration berichten können.

Migrationserfahrungen erfahrbar machen

In dieser Ausgabe lernen Sie auch mehrere Projekte kennen, die uns teilhaben lassen an Erfahrungen von Menschen, die nach Deutschland ausgewandert sind. Das Café International hat diese Zuwanderungserfahrungen in einer Bilderausstellung verarbeitet (S. 24), das Stück „Tor zur Welt“ bringt sie auf eine Hamburger Theaterbühne (S. 33) und das Künstlerkollektiv migrantas verbreitet sie als Piktogramme auf Plakaten in der Stadt. Eines davon ziert das Titelblatt des Blickpunkts, eine Auswahl an weiteren Grafiken finden Sie auf der Doppelseite 28/29.

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Quelle: BAMF

Ein Altenheim als Flüchtlingspate

Hückelhoven: Ein Altenheim als Flüchtlingspate

Flüchtlinge sind im Altenzentrum ehrenamtlich tätig. Hier starten sie zu einer Runde mit Bewohnerinnen. Mit dabei Markus Lowis (l.) und Monika Kelzenberg (2.v.r.) von der Heimleitung sowie Sozialamtsleiter Heinz-J. Schmitz (4.v.l.).FOTO: Laaser
Hückelhoven. Das Evangelische Altenzentrum Hückelhoven übernimmt eine Vorbildfunktion. Es bindet Flüchtlinge in seine Arbeit ein, sie fassen mit an und helfen den Bewohnern. Im Gegenzug gewinnen sie viele Kontakte. Integration im Alltag.Von Daniela Drüker

Das evangelische Altenzentrum in Hückelhoven engagiert sich seit 2013 für Flüchtlinge. Unter dem Motto „learning by doing“ möchte das Altenzentrum zeigen, dass eben auch Institutionen ihren Beitrag als Pate für Flüchtlinge leisten können. Momentan arbeiten vier Flüchtlinge ehrenamtlich dort und helfen in allen Bereichen, wo sie nur können.

Sotudeh Yarohammadi (28) kam 2012 zusammen mit ihrer Mutter Mandana Vaksi Moghaddam (50) und ihrem Partner Nariman Mohajerian (29) aus dem Iran nach Deutschland, um in Freiheit leben zu können. Um sich besser in Deutschland zurechtfinden zu können und die deutsche Sprache erlernen, fragte das junge Paar im Altenheim an, ob es eine ehrenamtliche Beschäftigung ausüben könne.

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In­ter­na­tio­na­ler Tag des Eh­ren­am­tes – DANKE an alle Mitstreiter

Erklärung des Bundesministerium des Innern:

Würdigung der Bedeutung des Ehrenamtes für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Gemeinwesen

Seit 1986 wird auf Beschluss der Vereinten Nationen (UN) in jedem Jahr der 5. Dezember als Internationaler Tag des Ehrenamtes begangen. Das Ehrenamt hat eine große Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für das Funktionieren des Gemeinwesens in den unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft. „Wir können die gesellschaftlichen Herausforderungen nur gemeinsam durch Staat, Wirtschaft und Bürgergesellschaft bewältigen und sind deshalb auf Menschen angewiesen, die für andere Verantwortung übernehmen und einen Beitrag für unsere Gemeinschaft leisten. Ich danke allen Ehrenamtlichen, die sich im Verein, in einer Organisation oder im direkten Kontakt für andere Menschen einsetzen. Diese Menschen leisten beispielsweise im THW, im Sport oder im Integrationsbereich viel für unser gesellschaftliches Miteinander und bereichern so unser Zusammenleben.
Unsere Gesellschaft braucht dieses Engagement“, so der Bundesinnenminister zum UN-Welttag des Ehrenamtes.

Der Zivil- und Bevölkerungsschutz wird überwiegend vom Ehrenamt getragen.1, 7 Millionen Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit in den Freiwilligen Feuerwehren, den großen Hilfsorganisationen oder beim Technischen Hilfswerk. Ohne die Freiwilligen könnte diese für uns alle wichtige Arbeit nicht geleistet werden.

Im Sport findet sich zahlenmäßig der höchste Anteil der ehrenamtlich Enga-gierten:
In über 91.000 Sportvereinen mit 27 Millionen Mitgliedern sind über 8 Millionen ehrenamtlich engagiert. Überdies werden im gemeinsamen Sporttreiben Vorurteile überwunden und im sportlichen Wettbewerb soziale Kompetenz auch für den Alltag erprobt.

Das seit 25 Jahren geförderten Programm „Integration durch Sport – IdS“ des Deutschen Olympischen Sportbundes bietet mit Unterstützung von Ehrenamtlichen bundesweit vielfältige sportliche Aktivitäten an, die sich speziell an Zugewanderte richten oder von diesen selbst angeboten werden. Das Bundesministerium des Innern fördert Integrationsprojekte. So erhalten etwa zehn Migrantenorganisationen eine Strukturförderung zur Professionalisierung und Vernetzung ihres ehrenamtlichen Engagements.

Mit Blick auf die Demografieentwicklung in Deutschland gehören die Erschließung neuer Potenziale für ehrenamtliches Engagement, die gezielte Förderung des Ehrenamtes sowie die Verstärkung der Helferbindung und Helfergewinnung zu den wichtigsten Aufgaben, vor der die Bundesregierung in diesem Bereich steht. Daher braucht es mehr denn je eine Anerkennung des Ehrenamtes, um die bereits Aktiven in ihrem Engagement zu unterstützen und ihren Dienst an der Gemeinschaft zu würdigen. Mit dem UN-Welttag wird dieser Aspekt jährlich neu ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gerückt und der Dank an die vielen ehrenamtlich Tätigen öffentlich ausgedrückt.

Anmerkung:

An dieser Stelle möchten wir, die Flüchtlingshilfe Iran e.V. 2010, allen Mitstreitern, Helfern, Ehrenamtlichen außerordentlich DANK sagen, für die wundervolle Unterstützung unserer Vereinsarbeit. Wir sagen DANKE bei der Integration, Betreuung, Begleitung unserer Schützlinge. Ohne die Hilfe aller Mitstreiter wäre das alles nicht möglich.

Prof. Dr. Hajo Funke – Farin Fakhari – Lutz Bucklitsch

Abendblatt| Der Mann, der den Safran nach Deutschland holt

Christoph Hantke importiert das edle Gewürz aus dem Iran. Fälschungen, Preisschwankungen und Sanktionen gegen die islamische Republik machen den Handel zur Herausforderung

Von Bob Geisler

 

Hamburg. Der Herbst ist die Erntezeit im Nordosten Irans. Hunderttausende von Krokussen blühen dann auf den kargen Feldern rund um die zweitgrößte Stadt Maschhad. In mühsamer Handarbeit sammeln Erntehelfer die violetten Blüten des Crocus sativus und bringen sie zu den Zwischenhändlern, wo Frauen mit geübten Griffen die aromatisch duftenden, tiefroten Narbenschenkel aus den Blüten zupfen. Was bei diesem aufwendigen Prozess übrig bleibt, ist eines der teuersten und edelsten Gewürz der Welt: Safran. Etwa 80.000 Blüten sind notwendig, um gerade einmal ein Kilo des roten Goldes zu gewinnen. Daher die exorbitant hohen Preise, zu denen die Spezerei hierzulande verkauft wird.

Christoph Hantke ist schon mehrmals bei der Safranernte im Iran dabei gewesen. Jeweils im Frühjahr und im Herbst reist der Hamburger Gewürzhändler in den Mittleren Osten, um die Qualität seiner bestellten Waren zu überprüfen. Mit dem Flugzeug landet er dann in Teheran und steigt in eine wenig Vertrauen erweckende, kleinere Maschine um, die ihn in den nordöstlichen Bundesstaat Razavi-Chorasan bringt. Dort lässt er sich dann zu seinem langjährigen, iranischen Geschäftspartner kutschieren.

„Im Normalfall wäre ich auch jetzt vor Ort“, sagt Hantke, während er auf einem schlichten, weißen Sofa in seinem Geschäft Safran- und Vanillehandel Pütter unweit der S-Bahn-Haltestelle Rissen sitzt. „Ich bin aber gerade zum zweiten Mal Vater geworden“, erzählt der 38-Jährige mit einem Lächeln. „Das geht natürlich vor.“

Seit nunmehr sieben Jahren handelt Hantke schon mit Safran und anderen edlen Gewürzen wie Vanille, Zimt oder Muskat. In dieser Zeit hat sich der zurückhaltende, fast hagere Mann zu einem der wenigen Experten für das rote Gold in Hamburg entwickelt. 200 Kilo importiert er jährlich und verkauft Fasern oder Pulver in Kleinstmengen von 0,5 bis zehn Gramm dann weiter auf der eigenen Internetseite oder über Feinkostgeschäfte wie Oschätzchen. Auch Spitzenköche aus dem Hotel Louis C. Jacob oder dem Landhaus Scherrer schwören auf die Qualität des Hamburgers.

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