WDR die STORY| Bei Anruf Morddrohung – Afghanische Übersetzer der Bundeswehr: 8. Dezember 2014, 22.00 – 22.45 Uhr

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Morgen, 8. Dezember 2014, 22.00 – 22.45 Uhr

Gul, Aliullah und Qyamuddin haben mal für die Bundeswehr in Afghanistan übersetzt. Und damit ihr Leben riskiert: Für die Taliban sind sie Kollaborateure des Feindes, sie erhielten Morddrohungen. Die Bundeswehr hat ihnen eine Zusage gegeben, nach Deutschland ausreisen zu dürfen. Trotzdem dauerte es Wochen, ein Visum zu bekommen und auszureisen.


Aliullah Nazary
Aliullah Nazary lebt seit Februar in Hamburg. Er macht sich große Sorgen um seine Familie, die wegen seiner Arbeit für die deutschen Truppen von den Taliban bedroht wird.

Hier angekommen, sind sie nahezu auf sich gestellt. Sie sind sicher, aber allein. Währenddessen gibt es in Afghanistan noch mehrere Hundert andere, die ihr Leben in Gefahr sehen. die story fragt: Wieso bekommen diese Helfer so wenig Hilfe?

An den Tag, der für Gul Mohammad Faiz alles veränderte, erinnert er sich noch genau: „Ich war mit meiner Familie zu Besuch im Heimatdorf meiner Frau. Auf einmal klopfte es spätabends an die Haustüre. Dort standen bewaffnete Taliban und verlangten von meiner Schwiegermutter, dass sie mich herausgibt.“ Gul Mohammad Faiz hatte sich den Unmut der Taliban zugezogen – dadurch dass er 12 Jahre lang für die ISAF-Truppen in Afghanistan als Übersetzer gearbeitet hat, meistens für die Deutschen.


Qyamuddin Shukury
Qyamuddin Shukury wartet darauf, dass sein Bruder, der auch für die Bundeswehr übersetzt hat, endlich das Visum für Deutschland bekommt. Die Wartezeit ist zermürbend: Ein gemeinsamer Freund wurde im letzten Jahr ermordet – vermutlich von Taliban.

Ähnlich ergeht es vielen afghanischen Ortskräften, die für die Bundeswehr gearbeitet haben. Mit dem Abzug der NATO-Schutztruppen aus Afghanistan zum Jahresende gewinnen die Taliban in vielen Regionen wieder mehr die Oberhand. Diejenigen, die den Truppen geholfen haben, gelten als „Verräter“ und sollen sterben.


Urkunden
Für seine Arbeit mit den deutschen Truppen hat Gul Mohammad viele Urkunden bekommen. „Die helfen mir jetzt auch nicht mehr weiter“, sagt Gul resigniert.

Gul Mohammad Faiz hatte Glück: Seine Schwiegermutter log, er sei nicht da. Er stellte eine sogenannte „Gefährdungsanzeige“ bei der Bundeswehr, durfte schließlich mit seinen sechs Kindern nach Deutschland ausreisen. So hat es Bundesinnenminister Thomas de Maizière erst im Juni versprochen: „Für den Fall, dass Sie bedroht sind – latent oder offen – bieten wir Ihnen auch Schutz in Deutschland. Darauf können sich alle verlassen.“ Doch: Ist dies tatsächlich so? Einige Übersetzer berichten uns, dass sie trotz Bedrohungen keine Ausreisezusage bekommen haben. „Wir haben große Angst. Ich habe deshalb in den letzten 40 Tagen mehrmals meine Wohnung gewechselt“, erzählt uns einer.


Junge Familie mit Baby
Guls jüngster Sohn wurde in Deutschland geboren. Er hat keine Ahnung, wie es mit der Familie weitergehen soll und ob sie jemals wieder nach Afghanistan zurückkehren können.

Wer es nach Deutschland schafft, auf den warten wieder Probleme: Seit zwei Monaten lebt Gul mit seiner Frau und den sechs Kindern in einem einzigen Zimmer in Wetter an der Ruhr. Er sucht verzweifelt eine neue Wohnung – als afghanischer Familienvater mit sechs Kindern nicht gerade einfach in Deutschland. Unterstützung von der Bundeswehr? Fehlanzeige. „Ich habe ein paar Mal versucht, anzurufen und um Hilfe zu bitten. Aber die Bundeswehr interessiert sich nicht für mich. 12 Jahre lang habe ich ihnen geholfen.
Jetzt bin ich ihnen nur noch lästig.“


Autoren: Rebecca Gudisch, Gábor Halász und Christoph Heinzle
Redaktion:
Nicole Ripperda

Quelle: WDR

Veröffentlicht am 7. Dezember 2014 in afghanische Ortskräfte, Afghanistan, Bundestag, Deutschland und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für WDR die STORY| Bei Anruf Morddrohung – Afghanische Übersetzer der Bundeswehr: 8. Dezember 2014, 22.00 – 22.45 Uhr.

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