Wiesbadener Kurier| Ein Jahr mit Abdi und Mursal

Sind jetzt Klassenkameraden: Der 17-jährige Abdi und die 19-jährige Mursal in der Kerschensteiner Schule.<br />
	Foto: wita/Paul Müller

Sind jetzt Klassenkameraden: Der 17-jährige Abdi und die 19-jährige Mursal in der Kerschensteiner Schule.
Foto: wita/Paul Müller

Von Anke HollingshausWIESBADEN – Zwischen den beiden Orten, an denen sie geboren wurden, liegen mehr als 4000 Kilometer. Jetzt sitzen sie in einer Klasse in der Wiesbadener Kerschensteiner Schule. Beide leben zwar verschieden, aber Mursal und Abdi haben etwas gemeinsam. Sie sind Flüchtlinge und erst vor Kurzem hier angekommen. Wir werden sie ein Jahr lang begleiten und einmal im Monat darüber berichten, wie sich ihr Leben hier gestaltet. Heute stellen wir Mursal und Abdi erstmal vor.

Mursal ist 19 Jahre alt. Sie kommt aus der afghanischen Hauptstadt Kabul und lebt jetzt mit ihren Eltern und ihren beiden kleineren Brüdern in der Asylbewerberunterkunft in der Mainzer Straße.

Warten auf die Schule

Afghanistan hat die Familie am 22. August 2014 verlassen. Über Dubai und die Türkei landeten sie schließlich in Hamburg. Die Familie hat ihre Heimat mit dem Flugzeug verlassen. Warum? „We want to live in a save place“, sagt die junge Frau. „Wir möchten an einem sicheren Ort leben.“

Noch unterhalten wir uns mit Mursal auf Englisch, aber ebenso wie Abdi streut auch sie ab und zu schon einige deutsche Wörter ein. Abdi ist 17 Jahre alt. Er kommt aus Somalia und war ein Jahr und vier Monate unterwegs, bevor er nach Deutschland kam. Abdi ist allein. Er ist ohne seine Familie hier. Im Amtsdeutsch heißt das, er ist ein unbegleiteter minderjähriger Flüchtling. Seine Flucht führte ihn von Somalia über Kenia, Äthiopien, den Iran, die Türkei und weitere Stationen schließlich nach Deutschland. Abdi lebt jetzt in einer Asylbewerberunterkunft in Niedernhausen. Er wird, weil er minderjährig ist, betreut und hat einen gerichtlichen Vormund. Und eine Sozialpädagogin kümmert sich um ihn. Jeden Morgen treffen sich die beiden in der Klasse 10 BVJ 1e. Ihr Ziel: Möglichst schnell möglichst gut Deutsch lernen. Und das klappt schon recht gut. Mursal hatte Glück, denn zwischen ihrer Ankunft hier in Wiesbaden und dem Besuch der Kerschensteiner Schule in der Wettiner Straße ist nicht viel Zeit vergangen. Abdi musste sieben Monate warten, bis endlich ein Platz frei war. „It was boring“, sagt er leise und lächelt. Um so motivierter ist er jetzt.

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Veröffentlicht am 9. Dezember 2014 in Ahmadinejad, Asyl und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Wiesbadener Kurier| Ein Jahr mit Abdi und Mursal.

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