N24| Hartes Hundeleben im Iran: Große Ratten mit wedelnden Schwänzen

In der islamischen Tradition werden Katzen hoch geschätzt, Hunde gelten dagegen als verpönt. Streunende Tiere werden kurzerhand niedergeschossen. Doch einen Lichtblick gibt es für die Tiere.

Der beste Freund des Menschen ist im Iran alles – bloß kein Hund. Konservative sehen die Haltung der Tiere als eine verachtenswerte westliche Sitte, städtische Angestellte schießen streunende Hunde nieder. Aber vor den Toren der Hauptstadt Teheran haben Hunderte von glücklichen Welpen in einem Tierheim Gnade gefunden – und eine wachsende Zahl Iraner fängt an, die Vierbeiner zu lieben.

In der islamischen Tradition werden Katzen hoch geschätzt, viele Muslime stellen Futter für die freilebenden Tiere vor ihre Türen. Hunde gelten dagegen als öffentliches Ärgernis, als übergroße Ratten mit wedelnden Schwänzen.

In der Islamischen Republik Iran haben konservative Abgeordnete sogar schon ein Verbot, zumindest aber eine stark beschränkte Haltung von Hunden gefordert – ähnlich wie für andere vermeintlich westliche Gefahren wie Musik oder Mode.

„In unserer Gesellschaft sind Hunde die verletzlichsten Tiere“, sagt Ali Sani, Leiter des Wafa-Tierheims, das im Jahr 2004 gegründet wurde und bis heute die einzige lizenzierte Einrichtung dieser Art im Iran ist. Mehr als 500 Tiere finden dort Zuflucht, Pflege und Zuwendung. „Die Hunde, die hierher gebracht werden, sind eine städtische Umgebung gewohnt, hatten Probleme und brauchten Hilfe“, sagt Sani. Die Einrichtung rettet streunende Hunde, die andernfalls Gefahr liefen, abgeschossen zu werden.

Gassi gehen ist verboten

Aber auch ihre Artgenossen, die als Haustiere gehalten werden, haben es nicht besonders gut. Gassi gehen in der Öffentlichkeit ist verboten, auch dürfen die Tiere ihre Köpfe nicht aus Autofenstern halten. Gerade haben 30 Abgeordnete eine Eingabe unterzeichnet, mit der gassigehende Hundehalter mit umgerechnet knapp 3000 Euro Geldbuße und 74 Peitschenhieben bestraft werden sollen. Es ist nicht der erste Vorstoß dieser Art, der letzte fand jedoch keine Mehrheit.

Der Streit über Hunde ist Teil des Kulturkriegs im Iran. Die Wurzeln liegen in der Revolution von 1979, als der prowestliche Schah gestürzt wurde. Konservative Politiker und Geistliche haben versucht, ihre Version einer islamischen Gesellschaft umzusetzen und jeglichen westlichen Einfluss zu verbannen.

Doch diese Bemühungen stoßen immer häufiger auf Widerstand, besonders bei jüngeren, städtischen und relativ wohlhabenden Iranern. Die Hundehalter-Demografie trug auch dazu bei, dass im vergangenen Jahr der relativ moderate Präsident Hassan Ruhani gewählt wurde.

„Halter bringen ihre Hunde manchmal in die Öffentlichkeit, in Busse zum Beispiel, oder sie lassen den Hund seinen Kopf aus dem Auto halten und ihn anderen zeigen. Das ist inakzeptabel“, sagt Mohammed Ismail Kowsari, einer der Unterzeichner des Entwurfs für schärfere Strafen.

„Was uns dazu gebracht hat, ein solches Gesetz zu entwerfen, war die steigende Zahl derjenigen, die ihre Hunde beim Spazierengehen in der Öffentlichkeit zeigen“, fügt der Abgeordnete an. Die reine Haltung von Hunden, so schränkt er ein, solle allerdings nicht kriminalisiert werden – so lange die Tiere im Haus bleiben.

Das Tierheim hat sich bislang aus der Debatte herausgehalten und tritt nicht für das öffentliche Gassi gehen ein. Sani sagt, die Behörden würden die Arbeit des Heims grundsätzlich unterstützen, vor allem weil es die streunenden Tiere fange, sie kastriere oder sterilisiere.

Hundefriseur im Iran

Homa Raschid, ein Hundefriseur, sagt, dass das Heim von der Arbeit Freiwilliger und von Spenden lebe – was nicht einfach ist in einer Zeit, da das Land noch immer unter den internationalen Sanktionen wegen seines Atomprogramms leidet.

„Wir versuchen, die Menschen zu überzeugen, dass sie spenden“, sagt er. „Aber sie zur Hilfe zu bewegen, ist eine sehr schwierige Aufgabe. Die meisten sagen: Wieso sollen wir Hunden helfen, solange es Menschen gibt, die Hilfe brauchen?“

Zudem ist es für das Heim nicht einfach, ein neues Zuhause für die Tiere zu finden. Nur rund sechs Hunde werden jeden Monat adoptiert. Die meisten Iraner ziehen, so wie viele Hundebesitzer in anderen Ländern auch, reinrassige Tiere den Promenadenmischungen aus dem Tierheim vor.

Das Wafa-Heim will das ändern. „Wir wollen den Menschen zeigen, dass die heimatlosen Hunde, die sie in den Straßen und Gassen sehen, unsere besten Freunde sein können“, sagt Afsaneh Sarrin, die für die Adoptionen zuständig ist.

Und die 20 Jahre alte Mahtab Seinali, die ebenfalls im Tierheim hilft, träumt von einer Zukunft, in der Hunde in Teheran zum ganz normalen Stadtbild gehören und nicht in Wohnungen eingesperrt sind oder als Wachhunde eingesetzt werden.

„Ich denke, es wäre großartig, wenn es einen Ort gäbe, wo Hunde miteinander spielen können; einen Ort, wo Hundebesitzer allein mit ihren Haustieren spazieren gehen können“, sagt sie und knuddelt dabei ihren Boxer William.

Quelle: N24.de

Veröffentlicht am 11. Dezember 2014 in Civil Rights, Hundeverbot, Iran und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für N24| Hartes Hundeleben im Iran: Große Ratten mit wedelnden Schwänzen.

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