Archiv für den Tag 21. Dezember 2014

Landau| Nach langer Odyssee in einer neuen Welt – mit traumatischen Erlebnissen im Gepäck

Die Geschichte eines 16-jährigen Afghanen und sein Kampf ums Überleben

Autor: Stefan Wimberger
Symbolbild: Paul Knecht/dpa

Symbolbild: Paul Knecht/dpa

Über Tadschikistan und Russland nach Deutschland. Zu Fuß. Getrennt von der Familie. In quälender Ungewissheit. Für zahlreiche Menschen ist Deutschland zum Zufluchtsort geworden. Längst nicht alle haben dieses Ziel erreicht. Anita Skobl von der Rummelsberger Diakonie und Gruppenleiterin Christina Able erzählen von der rund 6.000 Kilometer weiten Flucht eines afghanischen Jugendlichen vor der Todesangst – und von zwei Mythen.

„Hallo“, grüßt ein etwas schüchtern wirkender junger Mann im Westflügel des Seniorenheims an der Dr.-Godron-Straße. Er trägt einen grauen Pullover, eine Jeanshose und Turnschuhe. Seine Augen sind beinahe ebenso rabenschwarz wie sein Haar. Seit circa eineinhalb Monaten nennt der Junge die insgesamt 225 Quadratmeter fassenden Räumlichkeiten im ehemaligen Schwesternschülerwohnheim sein Zuhause. Der Gebäudetrakt bietet sechs Zimmer für je zwei Personen sowie Aufenthaltsräume. Zwölf Jungen im Alter von zwischen 14 und 17 Jahren aus Afghanistan und Syrien leben derzeit hier. Sie haben es nach Deutschland geschafft, ihre einstige Heimat hinter sich gelassen. Und sie alle haben eine Geschichte zu erzählen – von einer leidvollen Reise.

Traumatische Erlebnisse im Gepäck

„Die Clearing-Stelle soll – wie der Name schon sagt – die familiären Umstände und das weitere Vorgehen klären“, sagt Anita Skobl, Regionalleiterin für Süd- und Ostbayern der Rummelsberger Diakonie, einem Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirche mit 30-jähriger Erfahrung im Umgang mit Flüchtlingen. „Die Aufenthaltsdauer in der Erstaufnahmestelle sind circa zehn Wochen“, informiert Gruppenleiterin Christina Able. Danach werde mit dem Jugendamt ein Bericht erarbeitet und entschieden, wie es weitergeht.

Die Nintendo Wii hat den Adventskranz fürs Erste auf den Schrank verdrängt: Im Gruppenraum verbringen die jungen Asylbewerber einen Großteil ihrer Freizeit. Um die Identität der Jugendlichen zu schützen, wurden sie von hinten fotografiert. (Foto: S. Wimberger)

Die Nintendo Wii hat den Adventskranz fürs Erste auf den Schrank verdrängt: Im Gruppenraum verbringen die jungen Asylbewerber einen Großteil ihrer Freizeit. Um die Identität der Jugendlichen zu schützen, wurden sie von hinten fotografiert. (Foto: S. Wimberger)

„Besonders wichtig sind der Deutsch-Unterricht, aber auch das Erlernen praktischer Dinge des alltäglichen Lebens“, hebt Anita Skobl hervor. Erste Deutsch-Grundlagen wie „guten Morgen“ und „wie geht’s?“ beherrschen die Jungen bereits. Für den Unterricht hat die Mittelschule Räume zur Verfügung gestellt. „Wir machen viele lebenspraktische Dinge“, sagt Christina Able. „Zum Beispiel haben wir mal Straßenschilder fotografiert, damit die Jungen mit den deutschen Verkehrszeichen vertraut werden.“ Neben der schulischen werde auch großer Wert auf die psychologische Betreuung gelegt. Denn der Großteil der jungen Asylbewerber ist durch seine Erlebnisse traumatisiert.

Hamburg| Nicht nur Weihnachten: Flüchtlinge helfen Armen

Flüchtlinge wollen nicht immer nur Hilfe annehmen, sondern auch etwas geben. In der Bahrenfelder Luthergemeinde verteilen sie Lebensmittel an Arme. Auch die Bundesregierung findet das Projekt gut.

Von Bernhard Sprengel

Foto: dpa

Flüchtlinge verteilen Lebensmittel an Arme

Flüchtling Me. sortiert auf dem Luthercampus Lebensmittel

Hamburg. „Die sind einfach so mittendrin“, sagt Pastor Björn Begas über die Rolle von Flüchtlingen in seiner Hamburger Gemeinde. Die Luthergemeinde liegt im Stadtteil Bahrenfeld, unweit einer riesigen Containersiedlung für mehr als 1300 Asylbewerber. Dort zu leben empfand H. Be. als „Katastrophe“. Die 31 Jahre alte Englischlehrerin aus dem Iran verbrachte fünf Monate in dem Lager, zusammen mit ihrem Mann Reza M. Sie berichtet von Konflikten unter den vielen Bewohnern, Lärm, Enge, verdreckten Toiletten, Streit ums Essen. „Ich habe jeden Tag geweint.“

Jetzt steht sie in einer Begegnungsstätte auf dem Luthercampus, packt Brotlaibe in Tüten ab und strahlt. Zusammen mit gut einem Dutzend anderer Helfer aus Deutschland, Afghanistan, Brasilien und weiteren Ländern bereitet sie die wöchentliche Lebensmittelausgabe für etwa 500 Bedürftige im Stadtteil vor. Brot, Obst, Konserven und anderes sind Spenden zweier Supermärkte und einer Bäckerei. Auch die Hamburger Tafel gibt von ihren Lebensmittelspenden etwas dazu.

25 Ehrenamtliche helfen bei der Essensausgabe

Zweieinhalb Stunden vor Öffnung der Ausgabe werden im „Café Käthe“ Sessel und Sofas zur Seite geschoben und lange Tische aufgestellt. Die Helfer schleppen Kartons mit Obstgläsern oder Fertigbackwaren aus dem Keller und packen sie aus. Es braucht viele Handgriffe, bis sich die erste Gruppe Bedürftiger bedienen kann. Einige der insgesamt 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter gehören selbst zu diesem Kreis und wollen etwas zurückgeben.

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In diesen Tagen…

weihnachten 2014 4

Liebe Mitglieder, liebe Freunde und Mitstreiter,

nun neigt sich das Jahr 2014 dem Ende entgegen. Das möchten wir zum Anlass nehmen, Ihnen/Euch für die wundervolle Hilfe und Unterstützung zu danken. Die letzten Monate waren sicherlich für uns alle sehr arbeitsintensiv und an manchen Tagen wirklich aufreibend.

Die anhaltende Diskussion in unserem Land über den Zuzug von Flüchtlingen, die zahlreichen Übergriffen auf Flüchtlingsheime, das alles sind nur die Eckpunkte der Arbeit. Die intensive, persönliche Betreuung vieler Flüchtlinge im gesamten Bundesgebiet runden das Hilfsangebot für die betreuten afghanischen und iranischen Flüchtlinge ab.

Gleichzeitig konnten wir jedoch eine deutliche Zunahme von Zivilcourage und ehrenamtlichem Engagement für Flüchtlinge beobachten. Solche positiven Kräfte gilt es im kommenden Jahr 2015 zu fördern, um dem versteckten und offen zutage tretenden Rassismus in unserer Gesellschaft entgegenzutreten.

Auch weiterhin werden wir in zahlreichen Gremien, Arbeitskreisen, Landtags-, wie auch Bundestagsausschüssen aktiv mitwirken. Weiterhin werden wir die Belange und Interessen der Flüchtlinge auch gegenüber den beteiligten Ministerien, wie dem Auswärtigen Amt, dem Bundesinnenministerium und den zuständigen Landesministerien vertreten. Auch an die Mitarbeiter all dieser öffentlichen Einrichtungen gilt unser Dank für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Daher hoffen wir, dass Sie/Ihr uns auch im nächsten Jahr unterstützen werden/werdet. Gemeinsam kämpfen wir weiterhin dafür, dass die Gleichberechtigung von Flüchtlingen vorangetrieben wird.

Das beste Mittel, jeden Tag zu beginnen, ist:
Beim Erwachen daran zu denken,
ob man nicht wenigstens einem Menschen an diesem Tage
eine Freude machen kann.
(Friedrich Nitzsche)

Wir wünschen all unseren Freundinnen, Kolleginnen und Unterstützerinnen besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins Jahr 2015!

Prof. Dr. Hajo Funke / Farin Fakhari / Lutz Bucklitsch

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