Archiv für den Tag 18. Januar 2015

Krafthaus Zurkhaneh |Iran

Lesen Sie auch http://reisebilder.marotte.de/?p=785. Mit dem Begriff Zurkhaneh oder auch Zûr-châna (persisch ‏زور خانه‎, „Krafthaus“) wird ein Fitness- oder Kraftraum bezeichnet, der in Aserbaidschan, Iran, Irak, Türkei, Afghanistan und anderen östlichen Ländern verbreitet ist, in dem die traditionellen iranischen Kraftsportarten Varzesh-e Bastani praktiziert werden.

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Kino| SPLITTER Afghanistan

SPLITTER AFGHANISTAN erzählt fragmentarisch Geschichten zärtlicher Nähe und existentieller Not.

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Im Museum von Kabul versuchen afghanische Archäologen Splitter von jahrtausendealten Kunstwerken zusammenzusetzen, zertrümmert von den Taliban. Unwirklich wirkt dieser Versuch. Straßenszenen der zerstörten Stadt verwirren uns zwischen Neugier und Entsetzen. Das Elend des mehr als dreißig Jahre dauernden Krieges wird lebendig und tut weh.

Doch dann kommt ein Ort der Hoffnung und Hilfe. Unser Erschrecken weicht der Überraschung. Verletzte Menschen, körperliche Not, bein- und armamputierte Männer, Frauen und Kinder werden versorgt. Nicht nur mit Prothesen und Rollstühlen, auch mit Lernangeboten. Freundlich wirkt es hier, fröhlich und auch hoffnungsvoll lebendig – im Orthopädischen Zentrum, Herz des Roten Kreuzes in Kabul. Alberto, der enthusiastische Klinikchef, will an ein Wunder glauben, als es gelingt einen kleinen Jungen – Sher Achmad – zurück ins Leben laufen zu sehen. Wir reisen mit ihm in sein südafghanisches Dorf an der pakistanischen Grenze.

Der Film bringt uns Kriegsverletzte nah in ihrer beeindruckenden Überlebenskraft.

SPLITTER AFGHANISTAN ist nach TEXAS KABUL und MEIN HERZ SIEHT DIE WELT SCHWARZ der letzte Teil einer Afghanistan-Trilogie von Helga Reidemeister.

Kinostart: 22.1.2015

Iran| Einrad-Fahrer auf 5671 m, Kameramann im Krankenhaus: Interview & Video

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Ein Einrad ist kein Mountainbike, schon klar. Das was Lutz Eichholz mit seinem Einrad anstellt, hat mit Mountainbiken aber wesentlich mehr zu tun, als das, was gemeinhin bei dem Begriff „Einrad-Fahren“ in den Kopf kommt. Und ein Blick über den Tellerrand hat noch niemandem geschadet.

Lutz Eichholz aus Duisburg kommt seit fast 20 Jahren nicht vom Einrad los. Könnt ihr nicht nachvollziehen? Dann beruhigen euch seine anderen Hobbies vielleicht: Klettern, Slacklinen, Lesen und – wer hätte es gedacht – Mountainbiken. Neben einem Weltrekord auf der Slackline ist das Einrad aber ganz klar sein Steckenpferd: Alpencross, Befahrung der Zugspitze, der höchste Sprung… auf dem Einrad hat Lutz schon so einige geläufige MTB-Abenteuer mit seinem Einrad-MTB erlebt.

Auch das jüngste Projekt sollte wieder ein Rekord werden: Der bisher höchste mit einem Einrad befahrene Berg – dazu braucht es auch mit nur einem Rad schon die beachtliche Höhe von 5671 m. Genauer gesagt handelt es sich um den Mount Damavand im Iran. Sebastian Doerk, unter anderem für seine Mountainbike-Filme mit Harald Philipp oder Rob Jbekannt, war als Filmer und Fotograf dabei – und dennoch wäre der Film beinahe nicht zustande gekommen. Sebastian und Lutz haben uns ein paar Fragen beantwortet.

Interview

MTB-News.de: Hi ihr zwei! Sebastian, Einräder sind auch für Dich Neuland – wie kam es zur Kooperation?

Sebastian Doerk: Pssst, sag es keinem weiter – aber ich bin in meiner Jugend selbst Einrad gefahren… Für mich gibt es eigentlich nur einen festen Fixpunkt: Berge und Natur. Wenn Du mir dann auch noch ein kleines Abenteuer in fremden Ländern offerierst, bin ich immer im Boot… Dazu kommt, dass die politische Lage im Iran gerade so gut ist wie schon lange nicht mehr (Atomverhandlungen, eher westlich orientierter Präsident).

Es war eure erste Reise in den Iran. Für viele steht das Land nicht weit oben auf ihrer Liste der Traumziele – wie waren Eure Erlebnisse?

Sebastian: Leider hatte ich durch meinen kleinen Unfall nur eine sehr begrenzte Zeit im Iran, die Gastfreundschaft ist aber definitiv überwältigend. Die Menschen mit denen wir zu tun hatten waren extrem offen und blendend informiert, was die Weltpolitik angeht. Wie sagt man so schön: Don’t judge a book by it’s cover. Selber reisen und ein eigenes Bild machen kann ich nur empfehlen.

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Standard| 2000 Euro für den Schlepper

REPORTAGE | KRASIMIR YANKOV AUS SOFIA, KAZANLAK, DORTMUND UND GELNHAUSEN

Viele syrische Flüchtlinge nutzen Bulgarien als Sprungbrett ins Herz Europas – obwohl sie laut EU-Verordnung dort bleiben müssten

Die letzten Worte des Rufes zum Gebet gingen im Straßenlärm unter, als das Taxi an einem warmen Abend anhielt. Ali Najaf blickte sich um und trat auf die gepflasterte Straße. Seine tiefbraunen Augen glitten über die Stände und Geschäfte des Frauenmarkts, eines quirligen Orts in der bulgarischen Hauptstadt Sofia.

Die Gegend ist bei Migranten aus dem Nahen Osten sehr beliebt, und Ali brauchte nicht lange, um jemanden zu finden, der seine beiden Muttersprachen, Kurdisch und Arabisch, beherrschte.

„Werden von hier aus Flüchtlinge nach Deutschland gebracht?“, fragte Ali leise zwei Männer, die auf der Treppe eines Secondhandladens herumstanden. Sie nickten in Richtung Tür, und Ali trug sein Gepäck in das Haus. Die gesamten Habseligkeiten seiner Familie waren in zwei Rucksäcken, einem kleinen Koffer und einer Einkaufstasche verstaut. Ali, seine Mutter, sein Bruder und seine zwei Schwestern machten sich wieder einmal auf den Weg.

Ali ist ein magerer, 25-jähriger kurdischer Student. Sein Vater starb, als er noch ein kleiner Bub war und in Rojava lebte, wie die Kurden den syrischen Teil ihres Heimatlandes nennen. Seine Englischkenntnisse haben ihn zum Oberhaupt der Familie gemacht, und er ist bemüht, zuversichtlich und kontrolliert zu wirken.

  • Ali ist ein kurdischer Student, den seine Englischkenntnisse zum Chef der Familie machten.fotos: krasimir yankov

    Ali ist ein kurdischer Student, den seine Englischkenntnisse zum Chef der Familie machten.

  • Aisha und Farid Hajjar sind tiefgläubige Syrer, die ebenfalls nicht zurückwollen.fotos: krasimir yankov

    Aisha und Farid Hajjar sind tiefgläubige Syrer, die ebenfalls nicht zurückwollen.

In Syrien studierte Ali Erdöltechnik in der Stadt Homs. Im Sommer 2013 wollte er nach Abschluss der Semesterprüfungen in seine Heimatstadt zurückkehren, als maskierte Kämpfer seinen Bus aufhielten.

„Sie befahlen allen Männern auszusteigen und drohten damit, unsere Kehlen durchzuschneiden, wenn wir ihnen nicht sagten, was sie wissen wollten. Aber ich konnte mit ihren Fragen nichts anfangen“, erinnerte sich Ali.

Nach fünf Tagen in Gefangenschaft wurden die jungen Männer freigelassen. Später wurde das Versteck der Kämpfer von Flugzeugen bombardiert und ihr Anführer getötet. Die Gruppe verdächtigte Ali und die anderen, dem syrischen Regime verraten zu haben, wo es zuschlagen sollte.

„Sie setzten ein Kopfgeld auf uns aus. Deshalb mussten wir fortgehen“, erzählte Ali.

Fluchtartig verließ die Familie Syrien mithilfe eines Freundes, der sie über die Grenze in die Türkei und dann mit dem Bus nach Istanbul brachte, wo sie etwa einen Monat verbrachten. Ende 2013 führte ein Schlepper die Familie zur bulgarischen Grenze und zeigte ihnen eine alte Holzfällerroute durch den Wald – ein Weg in die EU.

Stacheldraht

Zu jener Zeit, als sich die Lage für Flüchtlinge in der Türkei zusehends verschlechterte, überquerten tausende Syrer und andere Asylsuchende denselben 30 Kilometer langen Landstrich. Das Gebiet nahe dem bulgarischen Grenzposten Lesowo ist hügelig und bewaldet, was eine Personensuche mit Wärmebildkameras schwierig macht.

Der Zustrom aber verebbte, als mehr als 1000 Polizeibeamte zur Bewachung der Grenze eingesetzt wurden. Im Juli 2014 ließ die Regierung dort außerdem einen Stacheldrahtzaun errichten. Innerhalb weniger Wochen wurde die Situation so schlimm, dass alle Zentren überfüllt waren, bis zu 20 Menschen schliefen in einem Raum.

Nachdem sie ihre Asylanträge gestellt hatten, wurden Ali und seine Familie in das Flüchtlingslager Harmanli überstellt, eine etwa 60 Kilometer von der Grenze entfernt gelegene, verlassene Kaserne, die man zur Entlastung der überfüllten anderen Lager hastig instand gesetzt hatte.

Da die Gebäude schmutzig, feucht und desolat waren, wurden die Flüchtlinge zunächst in Militärzelten und umfunktionierten Containern ohne Toiletten, Wasser oder Strom untergebracht.“So lebten wir zwei Wochen“, erzählte Ali und zeigte Fotos und Videos auf seinem Handy.

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