Bildungsprogramm von DVV International in Afghanistan gefährdet

Das Bildungsprogramm von DVV International in Afghanistan mit über 180.000 Teilnehmenden jährlich ist aufgrund geplanter drastischer Kürzungen der öffentlichen Fördermittel in Gefahr.

Das Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, DVV International, unterhält in Zusammenarbeit mit seiner afghanischen Partnerorganisation ANAFAE (Afghan National Association for Adult Education) in Afghanistan 21 Bildungszentren und bildet jährlich über 180.000 junge Leute weiter. Mit dem so erworbenen Wissen steigen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und sie werden befähigt, einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum und für die Zukunft ihrer Familien zu leisten. Darüber hinaus nahmen seit 2003 über 21.000 Erwachsene an Alphabetisierungsprogrammen teil, davon über 80 Prozent Frauen. Seit 2010 wurden zudem über 1.200 afghanische Lehrkräfte fort¬gebildet, um eine hohe Qualität der Bildungsangebote nachhaltig zu gewährleisten.

Anfangs nur durch das Auswärtige Amt gefördert, ist seit 2010 das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) der größte Geber für das Afghanistanprogramm von DVV International. Ab 2015 wird DVV International allerdings der Zugang zu den Sondermitteln der Bundesregierung für den Wiederaufbau und die Stabilisierung Afghanistans verwehrt. Obwohl zunächst aus einem anderen Förder¬topf des BMZ noch Mittel in gleichbleibender Höhe fließen werden, nehmen diese ab 2016 so stark ab, dass jährliche Finanzierungslücken von einer Million und mehr entstehen.

Der Leiter von DVV International, Dr. Anton Markmiller, bemerkt kritisch, dass eine solche Förderpraxis im Widerspruch zur Aussage der Bundesregierung stehe, der zivile Aufbau in Afghanistan besitze eine noch höhere Priorität als die weitere militärische oder polizeiliche Kooperation. „Die geplanten Einschnitte in der Finanzierung eines bewährten und von einem einheimischen Träger durchgeführten Programms der Erwachsenenbildung kann nicht als qualifizierte Aufbauarbeit in Afghanistan bezeichnet werden“, so Markmiller. „Afghanistan wird nach Abbau der Bildungsinitiativen weitere ´verlorene Generationen` zu verzeichnen haben, was nach aller Erfahrung nicht nur in Frustration, sondern auch in Radikalisierung münden wird.“

Einschnitte werden bereits 2015 im Bereich der Alphabetisierung und der beruflichen Bildung spürbar. Das nach Absprachen mit dem deutschen Geldgeber begonnene neue Projekt eines zweijährigen Berufsbildungszentrums im formalen Bildungssektor musste kurz vor Beginn des ersten Programmdurchlaufs wieder gestoppt werden.

Durch diese sachlich nicht zu begründende Unterfinanzierung des Programms ab 2016 wird das Vertrauen der Partnerorganisation in das deutsche Engagement, aber auch das der staatlichen Partner und Zielgruppen in Afghanistan in DVV International nachhaltig gestört. Ohne dieses Vertrauen wird die Weiterführung des erfolgreichen Programms erheblich er-schwert. Auch die Erreichung einer größeren finanziellen Unabhängigkeit der afghanischen Partnerorganisation im Sinne eines „Afghan Ownership“ wird durch derart kurzfristige Entscheidungen nur noch sehr schwer möglich sein.

Das BMZ spricht in seiner Länderstrategie zu Afghanistan für 2014 bis 2017 von einem geplanten Ausbau der Zusammenarbeit mit der deutschen und afghanischen Zivilgesellschaft. Tatsächlich werden jedoch weit unter 10 Prozent der Afghanistan-Sondermittel für Aktivitäten deutscher zivilgesellschaftlicher Organisationen und ihrer afghanischen Partner eingesetzt. DVV International fordert, hier dringend Abhilfe zu schaffen, um die Wirkungen des bisherigen zivilgesellschaftlichen Engagements nicht aufs Spiel zu setzen!

DVV International ist das Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes e.V. (DVV). Der DVV vertritt die Interessen der rund 930 Volkshochschulen und ihrer Landesverbände, den größten Weiterbildungsanbietern in Deutschland. Als führende Fachorganisation im Bereich Erwachsenenbildung und Entwicklungszusammenarbeit setzt sich DVV International seit mehr als 45 Jahren für Lebenslanges Lernen ein. Das Institut arbeitet mit mehr als 200 Partnern in über 35 Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Europas.

Quelle: bildungsklick.de - macht Bildung zum Thema

Veröffentlicht am 21. Januar 2015 in Afghanistan, Aufbauhilfe, Deutschland und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Bildungsprogramm von DVV International in Afghanistan gefährdet.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: