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Millionen Afghanen verzweifeln im Iran: Europa vor dem nächsten Flüchtlingsstrom | report München

Von: Natalie Amiri

Stand: 01.12.2015

Millionen Afghanen verzweifeln im IranEuropa vor dem nächsten Flüchtlingsstrom

Was kaum bekannt ist: Der Iran bietet seit Jahren Unterschlupf für knapp vier Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarstaat Afghanistan. Viele Afghanen leben bereits in dritter Flüchtlingsgeneration im Iran – und meist als Bürger zweiter Klasse. Die Flüchtlingsbewegungen nach Deutschland im Sommer haben ihnen Hoffnung auf eine bessere Zukunft gemacht. Mit Kampagnen will sie die deutsche Botschaft in Kabul nun von der Flucht nach Europa abhalten. Doch lassen sich die Afghanen davon beeindrucken?

Wir sind an der Grenze zwischen Afghanistan und dem Iran. Um nach Europa zu gelangen, müssen Afghanen die streng bewachte iranische Grenze passieren – sie tun es legal und illegal.

Aus deutschen Sicherheitskreisen heißt es im Oktober, dass monatlich über 100.000 Afghanen ihre Heimat verlassen. Sie wollen über den Iran nach Europa.

Das bekommen wir sogar von offizieller iranischer Seite bestätigt.

Mohammad Ajami, Leiter der Ausländer Behörde, Khorasan Razavi: „Vor ca. fünf Monaten hat dieser neue große Schwung der Flüchtlinge begonnen. Einige hatten vor im Iran zu bleiben, aber die meisten wollten über die Türkei nach Europa.“  

Doch es sind nicht nur die Afghanen aus Afghanistan die jetzt nach Europa wollen, auch viele der vier Millionen afghanischen Flüchtlinge im Iran planen ihre Flucht. Denn im Iran sind sie unerwünscht.

Guest City – Stadt der Gäste. Klingt nach Willkommenskultur. Ist es aber nicht. Hier in diesem Camp leben seit Generationen Afghanen, geduldet von der iranischen Regierung. Ausgegrenzt von der iranischen Gesellschaft. Sie sind Bürger zweiter Klasse. Diese afghanischen Kinder hier sind bereits die dritte Generation. Sie kommen als Flüchtling auf die Welt – und bleiben es. Für sie gibt es keine Perspektive im Iran.

Mohammad Khavari ist auch in dritter Generation afghanischer Flüchtling im Iran. Jeden Tag erzählt man sich hier neue Erfolgsgeschichten von Freunden und Familie, die in den letzten Wochen in Europa angekommen sind.

Mohammad Khavari, Student: „Die junge Generation der Flüchtlinge hier hat gehofft, dass die neue Regierung unseren Zustand verbessert – aber leider ist die Situation schlimmer geworden. Sowohl die Sicherheit, als auch die wirtschaftliche Lage. Die jungen Afghanen haben hier keine Motivation mehr zu bleiben.“

Soghrah will nicht gezeigt werden. Denn auch sie hat vor zu fliehen; dorthin wo es anscheinend paradiesisch sein soll.

Soghrah: „Meine Freunde – die in Europa angekommen sind – erzählen, dass man sie dort freundlich aufnimmt und sich um sie kümmert, besonders in Deutschland. Dort gibt es bessere Arbeitsbedingungen. Die meisten die gegangen sind, waren junge Männer. Wenn die ihr Gehalt zu ihren Familien hier im Iran schicken, dann ist es natürlich sehr viel mehr, als sie hier je verdienen könnten.“

Die meisten Afghanen im Iran leben wie diese hier nicht in einem Camp, sie bewegen sich illegal im Land, verdienen ihr Brot als Tagelöhner. Laut der UN-Flüchtlingsorganisation gib es zwischen 1,5 bis 3 Millionen illegale Afghanen im Land – ohne Recht und Sicherheit. Hoffnung sehen fast alle nur in Europa. Antifluchtkampagnen der Europäer in dieser Region sollen sie jetzt vor einer Flucht ins Abendland abhalten.

Wir fragen nach, was sie über diese Kampagne in Afghanistan denken?

Tagelöhner: „Wir haben davon gehört – im Fernsehen. Ich habe gehört, man sagt uns: Flieht nicht. Aber wer akzeptiert das? Diejenigen, die fliehen wollen, haben alles verkauft. Und dann sagt man ihnen, sie sollen nicht gehen?“

Wir blicken nach Afghanistan. In Kabul hängen seit ein paar Tagen riesige Plakate in den großen Straßen der Hauptstadt. Poster, auf denen steht: „Afghanistan verlassen? Sind Sie sich sicher?“ Oder: „Afghanistan verlassen? Gründlich darüber nachgedacht?“

Hinter dieser Kampagne steckt:  die Bundesrepublik Deutschland.

Auch über die sozialen Medien unter dem Hashtag #rumoursaboutgermany will man mit Gerüchten aufräumen, dass eine Flucht nach Deutschland leicht, der Asylantrag akzeptiert werden wird.

Kann diese Kampagne überhaupt etwas bewirken?

Wir drehen heimlich in der Passbehörde in Kabul. Über 2.500 Pässe werden pro Tag beantragt für die Ausreise. Offiziell erfahren wir vom Leiter der Passbehörde:

Sayed Omar Saboor: „Für diese Massen haben wir nicht genug Beamte und technische Möglichkeiten, um dem Andrang gerecht zu werden.“

Auch Auftritte des deutschen Botschafters in Kabul im afghanischen Fernsehen gehören zu der Kampagne. Botschafter Markus Potzel erklärt auf die Nachfrage des Moderators im afghanischen Programm der deutschen Welle das Ziel der Kampagne:

Markus Potzel: „Wir wollten mit Aufhängen der Poster in den großen Städten Afghanistans eine große Menge an Personen auf die Gefahren der Flucht aufmerksam machen.“

Doch was halten die Afghanen vor Ort davon?

Abdul Raheem: „Es bringt überhaupt nichts. Es hat überhaupt keinen Sinn. Ich bin Taxifahrer. Jetzt ist es Nachmittag und ich habe noch nichts verdient. Wie kann so ein Poster uns von einer Flucht abhalten, wenn es überhaupt keine Arbeit in diesem Land gibt?  Keine Sicherheit.“

Auch im Iran will die UN-Flüchtlingsorganisation mit Aufklärung die Afghanen hier im Land vor einer Flucht nach Europa warnen.

Sograh, die Bürgerin zweiter Klasse im Iran – wie sie sich selbst nennt – erzählt uns, dass sie sich von nichts abhalten lassen wird. Von ihrem Ziel, etwas aus ihrem Leben zu machen.

Soghrah: „Ja, sie warnen uns über die Medien, dass wir eventuell aus Deutschland deportiert werden, wenn wir dort ankommen. Aber noch kein einziger der angekommen ist, hat uns das bestätigen können. Das Risiko ist es wert.“

Eine internationale Hilfsorganisation für Afghanen im Iran, die nicht genannt werden möchte, erzählt uns, dass nach den  Willkommensworten von Bundeskanzlerin Merkel im Sommer, ein Drittel der bei ihnen 1.300 registrierten afghanischen Flüchtlinge, noch in der Nacht aufgebrochen seien Richtung Deutschland.

250.000 Afghanen hat der Iran im vergangenen Jahr an der Ausreise Richtung Europa gehindert und in ihr Heimatland Afghanistan abgeschoben.

Doch wie lange wird der Iran die vielen afghanischen Flüchtlinge noch zurückhalten?

Die UN-Flüchtlingsorganisation in Teheran mahnt, dass der Sommer nur ein Warnsignal war.

Sivanka Dhanapala, Leiter UNHCR Iran: „I think there is a need, now more than ever for the international community to really invest in countries like Afghanistan and to also ensure, that they assist the countries that are hosting refugees in the immediate regions. I think this is urgently required, not only for the Syrian crisis but also for the Afghan crisis.“
Übersetzung: „Ich denke es muss jetzt – mehr denn je – von der internationalen Gemeinschaft in Länder wie Afghanistan investiert werden. Und man muss auch gewährleisten, dass die angrenzenden Länder, die die Flüchtlinge aufnehmen, Unterstützung bekommen. Ich denke, dies ist nicht nur für die syrische Krise wichtig, sondern auch für die afghanische.“

Die vielen Krisen in Afghanistan, sie haben Millionen Flüchtlinge hervorgebracht. Hunderttausende wollen nach Europa, sobald das Wetter besser wird.

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Berlin| Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan/Iran 01.2011 – 08.2015 in Berlin

Monat Afghanistan Iran
01. Nov 12 8
02. Nov 15 8
03. Nov 14 5
04. Nov 16 18
05. Nov 41 8
06. Nov 40 13
07. Nov 25 16
08. Nov 41 8
09. Nov 23 18
10. Nov 23 29
11. Nov 17 16
12. Nov 9 17
01. Dez 18 16
02. Dez 17 7
03. Dez 9 6
04. Dez 22 9
05. Dez 19 22
06. Dez 22 14
07. Dez 17 29
08. Dez 26 13
09. Dez 28 24
10. Dez 15 10
11. Dez 13 23
12. Dez 6 7
Jan 13 22 10
Feb 13 10 1
Mrz 13 22 8
Apr 13 49 53
Mai 13 68 34
Jun 13 38 15
Jul 13 26 29
Aug 13 19 13
Sep 13 42 14
Okt 13 32 22
Nov 13 24 15
Dez 13 37 9
Jan 14 17 26
Feb 14 35 11
Mrz 14 22 7
Apr 14 34 24
Mai 14 37 12
Jun 14 24 10
Jul 14 32 9
Aug 14 43 13
Sep 14 31 20
Okt 14 44 8
Nov 14 27 13
Dez 14 96 17
Jan 15 118 19
Feb 15 21 12
Mrz 15 99 26
Apr 15 69 29
Mai 15 84 15
Jun 15 93 27
Jul 15 203 19
Aug 15 336 53
 Quelle:  LaGeSo Berlin

UNO-Flüchtlingshilfe| Flucht über das Mittelmeer

„Wir werden alle sterben“, dachte die 19-jährige Doaa als ihr Boot im Mittelmeer kenterte. Vier lange Tage trieb die junge Frau aus Syrien im Wasser und kämpfte ums Überleben. Sie musste mit ansehen, wie Hunderte starben – darunter auch ihr Verlobter Bassem, die Liebe ihres Lebens. Wie durch ein Wunder hat sie selbst überlebt und konnte sogar noch ein kleines Mädchen retten, das ihr von der sterbenden Mutter in die Arme gelegt wurde.

Doaas dramatische Fluchtgeschichte ist leider kein Einzelfall. Denn die Flüchtlingskrise im Mittelmeer spitzt sich weiter zu: seit Anfang des Jahres haben 137.000 Menschen das Mittelmeer überquert. Die Mehrzahl stammt aus Krisengebieten wie Syrien, Irak, Somalia oder Afghanistan. Sie suchen in Europa Schutz vor Krieg, Konflikten und Verfolgung. Doch mittlerweile sind Ankunftsländer wie Griechenland mit der hohen Anzahl der Flüchtlinge überlastet.

UNHCR ist vor Ort und

  • verteilt wichtige Hilfsgüter wie Schlafsäcke, Wasserflaschen und Hygienesets,
  • stellt Zelte zur Verfügung,
  • richtet Krankenstationen ein, um Verbrennungen, Dehydration, Infektionen und Kriegsverletzungen zu behandeln,
  • hilft den Behörden bei der Registrierung und unterstützt die Rechtsberatung für Neuankömmlinge,
  • kümmert sich speziell um Kinder und Jugendliche, die alleine geflohen sind oder deren Eltern auf der Flucht umgekommen sind.

Quelle: UNHCR

profil| Der Fall Laila P.: Ein Flüchtlingsschicksal

Von und ( 11. 7. 2015 )

LAILA P.: „Sie nennen es ‚Lager‘, aber es waren eher Gefängnisse. Die Situation für uns Flüchtlinge war schrecklich.“

LAILA P.: „Sie nennen es ‚Lager‘, aber es waren eher Gefängnisse. Die Situation für uns Flüchtlinge war schrecklich.“

Die Afghanin Laila P. sollte nach Bulgarien abgeschoben werden und widersetzte sich – mit Erfolg. Sie gibt der Flüchtlingsdebatte ein Gesicht und erzählt in profil zum ersten Mal ihre beklemmende Geschichte.

Laila P. steht auf dem Flugfeld in Wien-Schwechat. Die 36-jährige Afghanin ist komplett aufgelöst, sie schreit und weint. Sie will nicht weitergehen. Zwei Polizisten nehmen sie an den Schultern und bringen sie zu den Stufen, die hinauf zum Flugzeug der AUA führen. Am unteren Ende der Treppe steht die zierliche Frau, in Tränen aufgelöst. Ans obere Ende der Treppe tritt der Kapitän. Er blickt auf Laila P. und schüttelt schließlich den Kopf. Die Maschine fliegt kurz darauf ohne die Asylwerberin nach Bulgarien. Ihre Abschiebung ist gescheitert.

An diesem Tag, dem 17. Juni, macht Laila P. Schlagzeilen. Nahezu alle heimischen Medien berichten von dem Vorfall, die „Süddeutsche Zeitung“ nennt ihn ein „kleines Wunder am Flughafen“. Die afghanische Asylwerberin hatte sich mit dem österreichischen Flüchtlingsapparat angelegt – und vorerst gewonnen. Doch wer ist diese Frau, über deren misslungene Abschiebung viel berichtet wurde, deren Leben jedoch nahezu unbekannt ist?

Laila P. ist vermutlich der Alptraum von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Sie hat ohnehin schon mehr Flüchtlinge im Land, als sie unterbringen kann. In Zelten, im Freien, in Gängen müssen Asylwerber derzeit schlafen, so stark ist der Andrang in den vergangenen Monaten. Das Letzte, was die Innenministerin jetzt noch braucht, ist eine Galionsfigur wie einst Arigona Zogaj: eine sympathische, gebildete, sozial verankerte Frau, die der Asyldebatte ein Gesicht gibt und manche gültige rechtliche Praxis infrage stellt.

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AFP| Wüste statt Wasser: Der Iran trocknet aus

Der Iran hat mit Wasserknappheit und Dürren zu kämpfen, die Stauseen des Landes sind nur zu 40 Prozent gefüllt. Gründe sind der Klimawandel und Probleme beim Wassermanagement. AFPTV hat zum Weltwassertag mit Menschen im einstigen Hamun-Feuchtgebiet im Südosten des Landes gesprochen, das in den vergangenen Jahren ausgetrocknet ist.

mdr| Dolmetscher der Bundeswehr hofft auf Asyl: „Ich habe mein Leben für die Deutschen riskiert“

Sayed Rohullah riskierte sein Leben als Dolmetscher für die Bundeswehr in Afghanistan. Beim Abzug der Truppen bot ihm Deutschland keinen Schutz. Der junge Mann machte sich allein auf den Weg und lebt jetzt in einer Massenunterkunft in Gerstungen – ohne jede Perspektive.

von Johanna Hemkentokrax und Axel Hemmerling

Ein junger Mann mit schwarzen Haaren, dunkler Jacke und weißem T-Shirt steht auf einem Weg vor einem Baum und schaut besorgt.

Sayed Rohullah beim Gespräch mit MDR THÜRINGEN in Gerstungen.

„Die hier ist von meinem Bataillon, die andere haben wir zu Weihnachten bekommen.“ Im Morgennebel vor der Gemeinschaftsunterkunft in Gerstungen hält Sayed Rohullah zwei Medaillen in die Kamera. Sie sind ihm geblieben von seinem riskanten Job als Ortskraft der Bundeswehr in Afghanistan – die Medaillen und eine Plastiktüte voll mit Dokumenten. Urkunden, Arbeitsverträge, Zeugnisse und Fotos, die ihn mit seinen deutschen Kollegen im Einsatz zeigen, sind darunter.

Ein grauer Wohnblock mit drei Etagen. Davor ein Weg und eine Wiese.

Die Gemeinschaftsunterkunft in Gerstungen.

Der 27-jährige Afghane war fünf Jahre lang Dolmetscher bei den deutschen Truppen im Rahmen des ISAF-Einsatzes. „Englisch hatte ich in der Schule und in Kursen gelernt“, sagt der junge Mann. Er hatte Abitur gemacht, ein Studium begonnen. Als die deutschen Streitkräfte Übersetzer suchten, brach er es ohne zu zögern ab. „Meine Hauptaufgabe war, die Deutschen bei den Außeneinsätzen zu begleiten“, erzählt Sayed Rohullah. „Wir fuhren in die Dörfer. Ich stellte den Kontakt mit den Menschen her, übersetzte.“ Ein lebensgefährlicher Job im unruhigen Norden Afghanistans rund um Kundus und Masar-i-Sharif, seiner Heimatstadt. Als sich die Einsatzkräfte nach und nach aus dem zerstörten Land zurückzogen, blieb er zurück und musste um sein Leben fürchten.

Keine Stelle ist zuständig

Schon 2011 geriet Sayed Rohullah ins Visier von Aufständischen – als vermeintlicher Kollaborateur, als Spion. „Sie kamen zwei Mal zu meiner Familie, als ich gerade im Einsatz war und fragten nach mir.

Auf einer Männerhand liegen ein Pass und eine Medaille.

Sayed Rohullah zeigt seinen Pass und eine Medaille aus der Zeit in Afghanistan.

Beim zweiten Mal brachten sie ein Foto mit, dass mich mit den deutschen Soldaten zeigte“, erzählt der junge Mann. Wäre er zuhause gewesen – sie hätten ihn mitgenommen, da ist er sich sicher. Ortskräfte der ISAF werden von den Taliban als Verräter angesehen, bedroht und ermordet. Er habe sich an den Militärischen Abschirmdienst, den MAD, gewandt und um Hilfe gebeten. „Sie sagten: Wir haben kein Verfahren, um dich aufzunehmen und aus dem Land zu bringen, aber du kannst im Camp bleiben. Ich habe sechs Monate im Camp verbracht. Das war wie ein Käfig für mich.“ Als er begriffen habe, dass es keine Pläne gab, die Ortskräfte aus dem Land zu holen, habe er entschieden, Afghanistan auf eigene Faust zu verlassen.

Hilfe für die Helfer?

Mittlerweile gibt es Programme für Helfer der Bundeswehr. Rund 580 afghanische Ortskräfte, die für das deutsche Ressort, also auch die Bundeswehr tätig gewesen seien, hätten eine Aufnahmezusage bekommen, teilt das Bundesinnenministerium auf Anfrage von MDR THÜRINGEN mit.

Ein junger Mann mit dunkelbraunen Haaren steht in Solidatenuniform vor einem Panzer.

Johannes Clair beim Einsatz in Afghanistan.

Bis Mitte Februar seien aber nur rund 330 von ihnen mit ihren Familien nach Deutschland gekommen. 13 lebten mit ihren Angehörigen in Sachsen, neun in Sachsen-Anhalt und acht in Thüringen, teilt die Behörde mit.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl antwortet auf Anfrage von MDR THÜRINGEN, es hätte immer schon Ortskräfte gegeben, die auf eigene Faust, als Asylsuchende nach Deutschland gekommen seien. Ihre Chancen hier anerkannt zu werden, stünden „recht gut“, erklärt Bernd Mesovic, stellvertretender Geschäftsführer von Pro Asyl. Problematisch aber sei die Intransparenz der Prüfverfahren: Ähnliche Fälle würden zum Teil unterschiedlich entschieden.

Status: Ungeklärt

Für Sayed Rohullah gab es damals keine Chance auf ein Visum. Der 27-Jährige musste sich allein auf den gefährlichen Weg nach Deutschland machen. Die Flucht kostete ihn alle Ersparnisse. In Deutschland stellte er einen Asylantrag, landete in Gerstungen – und scheitert jetzt an der Bürokratie. Seit anderthalb Jahren lebt er hier, sein Asylstatus ist immer noch ungeklärt. „Ich habe ihnen alle Unterlagen vorgelegt“, sagt er und zeigt auf die Plastiktüte mit seinen Dokumenten. Er besucht einen Deutschkurs, träumt von einer Ausbildung, einem Beruf. „Ich bin noch jung. Ich will etwas lernen. Das ist gut für mein Leben.“ Schlimm sei die Situation im Lager, sagt er und meint den grauen Wohnblock der Unterkunft hinter sich. „Ich bin auf mich allein gestellt. Ich habe für deutsche Streitkräfte gearbeitet, mein Leben riskiert und jetzt gibt es keine Stelle, die zuständig ist, die sich kümmert.“

„Es ist einfach eine Schande“

Der einzige, der sich für Sayed Rohullah einsetzt, ist sein ehemaliger Kamerad Johannes Clair. Der Fallschirmjäger war zwei Mal in Afghanistan eingesetzt.

Eine Urkunde von Sayed Rohullah mit der Aufschrift: "Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit. ISAF 24/25 Januar bis Juli 2011." Dazu ein Foto mehrerer Soldaten vom Zug Charlie.

Eine Urkunde zeigt, dass Sayed Rohullah von Januar bis Juli 2011 bei der ISAF war.

„Das Besondere an den afghanischen Sprachmittlern ist, dass sie während der Gefechte immer neben uns waren, aber natürlich keine Waffen hatten, das heißt, sie haben sich in aller größte Lebensgefahr begeben, um mit uns zusammen zu arbeiten“, erzählt der 29-Jährige. Zusammen hätten sie viele gefährliche Situationen erlebt. Abends nach den Einsätzen hätten sie zusammen gesessen. „Roh“, hätte ihm beigebracht, Afghanistan und seine Menschen zu verstehen. Johannes Clair nennt die Situation der ehemaligen afghanischen Ortskräfte, die gezwungen seien, illegal nach Deutschland zu fliehen, eine unverschämte Schande. „Es sind Leute, die für uns ihren Kopf hingehalten haben, nicht nur für die deutschen Soldaten, sondern im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland und das er jetzt in diesem Flüchtlingsheim seit über anderthalb Jahren ist, und nichts mit seinem Fall gemacht wird, ist einfach eine Schande.“

Johannes Clair engagiert sich seit seinen Kriegseinsätzen für Flüchtlinge und die Menschen in Afghanistan. Er hat ein Buch über die Zeit in Afghanistan geschrieben, das zum Bestseller wurde, hat an einer Fernseh-Dokumentation über Flüchtlinge teilgenommen und wurde dafür mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Er klärt öffentlich über die Posttraumatische Belastungsstörung als Folge des Afghanistan-Einsatzes auf, wegen der er selbst in Behandlung ist. Nur seinem Freund Sayed konnte er bisher nicht helfen – zu hoch sind die bürokratischen Hürden.

„Ich kann an nichts anderes denken“

Eine Therapie gibt es für Sayed Rohullah in Gerstungen nicht. Einmal, während eines Einsatzes, fuhr das Fahrzeug, in dem er saß auf eine Mine. Der Anschlag hatte schwerwiegende Folgen. Seitdem leidet der junge Mann unter Herzproblemen. Die Ärzte rieten ihm, im Sinne seiner Gesundheit abzuschalten, an etwas anderes zu denken, sich nicht zu belasten. Mehr nicht. „Was soll ich machen?“, fragt Sayed Rohullah an diesem Morgen in Gerstungen, lächelt hilflos und zeigt auf das Heim hinter sich. „Ich sitze hier bloß herum, habe keine Aufgabe. Ich kann an nichts anderes denken. Hier ist nichts.“

Seine Familie musste in Afghanistan den Wohnort wechseln. Zu groß war die Gefahr. Er fühle sich im Stich gelassen, sagt er und hält dabei die Plastiktüte mit den Dokumenten fest. Sie sind seine Lebensversicherung, sein Beweis, dass er für deutsche Truppen sein Leben riskiert hat, auch, wenn ihm das in Deutschland nicht weiterhilft.

Quelle: MDR

Deutschland| Die Einsamkeit des Übersetzers – In Bitburg kämpft der ehemalige Bundeswehr-Helfer aus Kabul allein

(Bitburg/Kabul.) In Afghanistan hat er als Übersetzer für die Bundeswehr gearbeitet, die Taliban sehen ihn seitdem als Feind. Jetzt hat Mohammad Osman Arefi Zuflucht in Bitburg gesucht – doch er findet keine Arbeit. Und er fühlt sich von dem Arbeitgeber im Stich gelassen, für den er auf den Straßen Kabuls sein Leben riskiert hat.
  • Mohammed Osman Arefi in seinem spärlich eingerichteten neuen Zuhause in Bitburg.Foto: Eileen Blädel
Der Flug von Afghanistan nach Deutschland war für Mohammad Osman Arefi eine Reise vom Krieg in den Frieden – aber auch in eine Welt, die von einer neuen Angst vor der Zukunft geprägt ist: Fernab seiner Heimat ist der 52-Jährige, der jahrelang als Übersetzer für die Bundeswehr in Kabul im Dienst war, in Bitburg auf der Suche nach Arbeit – und das bislang vergeblich.

Bildungsprogramm von DVV International in Afghanistan gefährdet

Das Bildungsprogramm von DVV International in Afghanistan mit über 180.000 Teilnehmenden jährlich ist aufgrund geplanter drastischer Kürzungen der öffentlichen Fördermittel in Gefahr.

Das Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, DVV International, unterhält in Zusammenarbeit mit seiner afghanischen Partnerorganisation ANAFAE (Afghan National Association for Adult Education) in Afghanistan 21 Bildungszentren und bildet jährlich über 180.000 junge Leute weiter. Mit dem so erworbenen Wissen steigen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und sie werden befähigt, einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum und für die Zukunft ihrer Familien zu leisten. Darüber hinaus nahmen seit 2003 über 21.000 Erwachsene an Alphabetisierungsprogrammen teil, davon über 80 Prozent Frauen. Seit 2010 wurden zudem über 1.200 afghanische Lehrkräfte fort¬gebildet, um eine hohe Qualität der Bildungsangebote nachhaltig zu gewährleisten.

Anfangs nur durch das Auswärtige Amt gefördert, ist seit 2010 das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) der größte Geber für das Afghanistanprogramm von DVV International. Ab 2015 wird DVV International allerdings der Zugang zu den Sondermitteln der Bundesregierung für den Wiederaufbau und die Stabilisierung Afghanistans verwehrt. Obwohl zunächst aus einem anderen Förder¬topf des BMZ noch Mittel in gleichbleibender Höhe fließen werden, nehmen diese ab 2016 so stark ab, dass jährliche Finanzierungslücken von einer Million und mehr entstehen.

Der Leiter von DVV International, Dr. Anton Markmiller, bemerkt kritisch, dass eine solche Förderpraxis im Widerspruch zur Aussage der Bundesregierung stehe, der zivile Aufbau in Afghanistan besitze eine noch höhere Priorität als die weitere militärische oder polizeiliche Kooperation. „Die geplanten Einschnitte in der Finanzierung eines bewährten und von einem einheimischen Träger durchgeführten Programms der Erwachsenenbildung kann nicht als qualifizierte Aufbauarbeit in Afghanistan bezeichnet werden“, so Markmiller. „Afghanistan wird nach Abbau der Bildungsinitiativen weitere ´verlorene Generationen` zu verzeichnen haben, was nach aller Erfahrung nicht nur in Frustration, sondern auch in Radikalisierung münden wird.“

Einschnitte werden bereits 2015 im Bereich der Alphabetisierung und der beruflichen Bildung spürbar. Das nach Absprachen mit dem deutschen Geldgeber begonnene neue Projekt eines zweijährigen Berufsbildungszentrums im formalen Bildungssektor musste kurz vor Beginn des ersten Programmdurchlaufs wieder gestoppt werden.

Durch diese sachlich nicht zu begründende Unterfinanzierung des Programms ab 2016 wird das Vertrauen der Partnerorganisation in das deutsche Engagement, aber auch das der staatlichen Partner und Zielgruppen in Afghanistan in DVV International nachhaltig gestört. Ohne dieses Vertrauen wird die Weiterführung des erfolgreichen Programms erheblich er-schwert. Auch die Erreichung einer größeren finanziellen Unabhängigkeit der afghanischen Partnerorganisation im Sinne eines „Afghan Ownership“ wird durch derart kurzfristige Entscheidungen nur noch sehr schwer möglich sein.

Das BMZ spricht in seiner Länderstrategie zu Afghanistan für 2014 bis 2017 von einem geplanten Ausbau der Zusammenarbeit mit der deutschen und afghanischen Zivilgesellschaft. Tatsächlich werden jedoch weit unter 10 Prozent der Afghanistan-Sondermittel für Aktivitäten deutscher zivilgesellschaftlicher Organisationen und ihrer afghanischen Partner eingesetzt. DVV International fordert, hier dringend Abhilfe zu schaffen, um die Wirkungen des bisherigen zivilgesellschaftlichen Engagements nicht aufs Spiel zu setzen!

DVV International ist das Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes e.V. (DVV). Der DVV vertritt die Interessen der rund 930 Volkshochschulen und ihrer Landesverbände, den größten Weiterbildungsanbietern in Deutschland. Als führende Fachorganisation im Bereich Erwachsenenbildung und Entwicklungszusammenarbeit setzt sich DVV International seit mehr als 45 Jahren für Lebenslanges Lernen ein. Das Institut arbeitet mit mehr als 200 Partnern in über 35 Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Europas.

Quelle: bildungsklick.de - macht Bildung zum Thema

mdr| Asylverfahren | Bundesländer entscheiden unterschiedlich

Ob ein Asylantrag positiv oder negativ beschieden wird, darüber entscheiden die Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Die 24 Außenstellen in den Bundesländern arbeiten alle nach bundeseinheitlichen Regeln. Und dennoch stehen die Chancen für Menschen aus ein und derselben Herkunftsnation in den Bundesländern ganz verschieden.

von Elisabeth Ihme, MDR INFO

Asylbewerber warten auf einem Flur

Ist es Glückssache, ob der Antrag eines Asyl-Bewerbers positiv entschieden wird? Immerhin werden die Bewerber zentral auf die Bundesländer verteilt. Und die Chancen auf einen positiven Bescheid sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. Blicken wir exemplarisch auf die Anträge von afghanischen Asylbewerbern. Bernd Mesovic von der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl nennt Zahlen von 2014: „Das ist ja verwunderlich, weil es geht um die Interpretation von Bundesgesetzen. Wir haben etwa das Land Brandenburg in dem etwa 57 Prozent aller Verfahren von afghanischen Antragstellern negativ entschieden werden. Und auf der anderen Seite ein Bundesland wie Thüringen, in dem die Außenstellen nur in etwa 19 Prozent der entschiedenen Fälle den Asylbewerber aus Afghanistan ablehnen.“

Unterschiedliche Asylbewerber

In einem ähnlich niedrigen Bereich lag die Ablehnungsquote 2014 in Sachsen und in Sachsen-Anhalt. Hingegen in Schleswig-Holstein und Hamburg war sie mehr als doppelt so hoch. Manfred Schmidt, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, erklärt die Unterschiede so: „Es kann sein, dass wir unterschiedliche Asylbewerber haben. Bei pakistanischen Asylbewerbern hängt es stark davon ab, ob die einer bestimmten Ethnie, einer bestimmten Religionsgemeinschaft, wie der Ahmadiyya, angehören.“ Und bei irakischen Flüchtlingen sei die Chance von Menschen aus dem umkämpften Süden größer als für solche aus dem etwas ruhigeren Norden.

Grüne fordern weniger Spielraum

Das die mehr oder weniger chancenreichen Flüchtlinge in verschiedenen Bundesländern leben, hält Luise Amtsberg, Bundestagsabgeordnete der Grünen, für abwegig: „Wir haben ja teilweise Ablehnungen von über 40 Prozent und in einem anderen Bundesland nur 20 bei bestimmten Nationalitäten. Ich glaube, dass es einen Spielraum gibt. Vielleicht müsste man darüber nachdenken im Interesse des Asylsuchenden, diesen Spielraum enger zu fassen.“ Auch Bernd Mesovic von Pro Asyl meint, die Erfolgschancen sollten eigentlich deutschlandweit einheitlich sein. Er vermutet, dass sich ein restriktiveres Vorgehen gegenüber bestimmten Nationalitäten bei Mitarbeitern des Bundesamtes einschleifen könnte.

Sind die Behörden überlastet?

Auch Überlastung könnte eine Rolle spielen. Mesovic: „Hier habe ich den Eindruck, dass durch die große Zahl von Asylanträgen, die beim Bundesamt hängen, ich glaub, der Rückstand ist inzwischen nah bei 170.000 unbearbeiteten Asylanträgen, in vieler Hinsicht mit heißer Nadel genäht wird.“ Bundesamts-Präsident Schmidt weist das von sich. Die Mitarbeiter des Bundesamtes würden regelmäßig geschult. Zudem würden ihre Entscheidungen regelmäßig überprüft: „Es ist nicht aus der Statistik einfach abzulesen, dass die Entscheidungspraxis im Bundesamt, dass es willkürliche Entschidungen sind. Weil wir werden im Falle von  ablehnenden Entscheidungen gerichtlich überprüft. Wir haben eine Quote vor den Verwaltungsgerichten, wo wir bestätigt werden bei 86 bis 90 Prozent.“

Genauere Überprüfung notwendig

Menschenrechtler Mesovic fordert, Entscheidungen über Asylanträge müssten im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge genauer überprüft werden. Am besten nach dem 4-Augen-Prinzip. Die Behörde müsse dafür sorgen, dass die Entscheidungen über Asylanträge in allen Bundesländern tatsächlich nach den gleichen Kritierien erfolgt.

Ein somalischer Flüchtling hält eine Aufenthaltsgestattung in den Händen.

AsylverfahrenBundesländer entscheiden unterschiedlich

In Mitteldeutschland haben Asylbewerber aus Afghanistan dreimal bessere Chancen anerkannt zu werden als etwa in Brandenburg. Woher kommt das? [Audio]

Quelle: MDR

Informationen zur Aufnahme von Personen in Deutschland, die als Ortskräfte in Afghanistan für deutsche Behörden tätig waren

In einem Informationsblatt gibt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ein Überblick über das Verfahren zur Aufnahme der afghanischen Ortskräfte und ihrer Familien in Deutschland.

Logo vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Informationen des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge)Größere Abbildung anzeigen

Welchen Aufenthaltsstatus und -titel werden Sie in Deutschland erhalten?

  • In Deutschland wird Ihnen eine Aufenthaltserlaubnis zur Wahrung politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland nach § 22 Satz 2 des deutschen Aufenthaltsgesetzes (AufenthG) gewährt.
  • Die Aufenthaltserlaubnis wird auf längstens drei Jahre befristet und kann auch über diesen Zeitraum hinaus verlängert werden, wenn die Gründe aus denen sie erteilt wurde, weiterhin gegeben sind.
  • Nach sieben Jahren legalen Aufenthaltes in Deutschland können Sie einen unbefristeten Aufenthaltstitel (Niederlassungserlaubnis) erhalten, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind (z.B. ausreichendes eigenes Einkommen, ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache).
  • Nach acht Jahren legalen Aufenthaltes können Sie die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen. Eine der Bedingungen, die erfüllt sein müssen, sind ausreichendes finanzielles Ein-kommen sowie ausreichende deutsche Sprachkenntnisse. Bei erfolgreicher Teilnahme an den Integrationskursen kann die Wartezeit auf sieben Jahre verkürzt werden.

Welche Rechte und Pflichten sind mit Ihrer Aufenthaltserlaubnis verbunden?

Mit Ihrer Aufenthaltserlaubnis erhalten Sie verschiedene Rechte in Deutschland:

Das Recht auf Aufnahme einer Erwerbstätigkeit

  • Ihre Aufenthaltserlaubnis beinhaltet das uneingeschränkte Recht zur Erwerbstätigkeit.
  • Bitte beachten Sie, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland sehr anspruchsvoll ist. Es gibt nicht viele Arbeitsmöglichkeiten für Personen ohne qualifizierten Schul- oder Berufsabschluss.
  • Um in Deutschland Arbeit finden zu können, werden Sie so schnell wie möglich die deutsche Sprache lernen müssen. Dies ist unerlässlich, um Arbeit in Deutschland finden zu können.
  • Ihre örtliche Agentur für Arbeit bzw. das für Sie zuständige Jobcenter wird Sie bei Ihrer beruflichen Qualifizierung und Arbeitssuche unterstützen.

Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen

  • Unter bestimmten Bedingungen können in Deutschland Ihre im Ausland erworbenen Schul-, Universitäts- und Fachhochschulabschlüsse anerkannt werden. Die offizielle Anerkennung Ihrer Diplome wird Ihnen die Arbeitssuche erleichtern. Sollten Sie im Besitz derartiger Zeugnisse oder Dokumente sein, ist es notwendig, diese nach Deutschland mitzubringen.

Sozialleistungen

  • Wenn Sie erwerbsfähig sind, haben Sie einen Anspruch auf die so genannte Grundsicherung für Arbeitssuchende. Sie erhalten also so lange finanzielle Unterstützung, bis Sie einen Arbeitsplatz gefunden haben. Wenn Sie vorübergehend oder dauerhaft nicht in der Lage sind, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, besteht ebenfalls die Möglichkeit, bestimmte Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie auf Grund Ihres Alters, wegen der Betreuung kleiner Kinder oder wegen einer Erkrankung nicht arbeiten können.
  • Der Grundbetrag für Einzelpersonen beläuft sich auf ungefähr 364,00 € pro Einzelperson, zusätzlich können Kosten für Unterkunft und Heizung sowie grundlegender medizinischer Behandlung gewährt werden. Auch wenn sich dies nach hohen Geldbeträgen anhören mag, dürfen Sie nicht außer Acht lassen, dass die Lebenshaltungskosten in Deutschland sehr hoch sind.

Kindergarten und Schulbesuch für Ihre Kinder

  • Ihre Kinder werden in Deutschland zur Schule gehen. Die Schulpflicht beginnt in der Regel im Alter von sechs Jahren. Öffentliche Schulen sind kostenfrei.
  • Für Kinder von Zuwanderern wird häufig eine spezielle Förderung angeboten, die ihnen den Einstieg in das deutsche Schulsystem erleichtern soll.
  • Für kleinere Kinder gibt es Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Wir empfehlen Ihnen, Ihre Kinder in diese Einrichtungen zu schicken, da sie dort auf einfache Weise die deutsche Sprache lernen können. In der Regel werden sie dadurch später in der Schule erfolgreicher sein.

Familiennachzug

  • Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bemüht sich, dass Ihre engsten Familienangehörigen mit nach Deutschland gebracht werden. Es kann jedoch sein, dass sich weitere Ihrer Familienangehörigen in einem anderen Staat oder im Heimatland aufhalten. Im Allgemeinen kann die Familienzusammenführung ein langwieriger und komplizierter Prozess sein.
  • Die Regeln des Familiennachzuges sind sehr streng. Dieser ist grundsätzlich nur für Ehegatten und minderjährige Kinder möglich. Für andere Familienangehörige besteht diese gesetzliche Möglichkeit nicht bzw. nur in eng begrenzten Ausnahmefällen.
  • Die Voraussetzungen für die Familienzusammenführung sind im Allgemeinen: ausreichendes eigenes finanzielles Einkommen für Sie und Ihre Familienangehörige (für zwei Personen ist dies gewöhnlich ungefähr 1.600 €), ausreichend vorhandener Wohnraum in Deutschland für Sie und die Familienangehörigen sowie bei Ehegatten und Kindern über 16 Jahren bereits im Heimatland vorhandene deutsche Sprachkenntnisse. In den ersten Jahren nach der Ankunft in Deutschland wird die Erfüllung dieser Kriterien sehr schwer zu erreichen sein.

Ihre ersten Tage in Deutschland: Wo werden Sie in Deutschland untergebracht?

  • Nach Ihrer Ankunft in Deutschland werden Sie in der Regel von Vertretern des Bundeslandes, in dem Sie Aufnahme gefunden haben, oder von Mitarbeitern der zuständigen Kommune in Empfang genommen, sofern Ihre Einreisedaten bekannt sind.
  • Nach Ankunft in der Kommune wenden Sie sich bitte unmittelbar an die für Sie zuständige Ausländerbehörde. Die Ausländerbehörden sind für aufenthalts-, ausländer- und passrechtliche Maßnahmen zuständig.
  • Ihre Unterbringung in dem Bundesland kann auch – zumindest vorläufig – in einer Gemeinschaftsunterkunft erfolgen.
  • Sofern Sie Sozialleistungen erhalten, dürfen Sie sich in der Regel lediglich in dem Ihnen zugewiesenen Bundesland aufhalten. Wenn Sie eine Arbeit finden und nicht länger Sozialleistungen beziehen, können Sie in ein beliebiges anderes Bundesland innerhalb Deutschlands umziehen.
  • Wenn Sie nicht im Besitz von Identitätspapieren aus Ihrem Heimatland sind, wird es in einigen Fällen notwendig sein, dass Sie sich an die in Deutschland befindliche Botschaft Ihres Heimatstaates wenden müssen, um die entsprechenden Papiere zu erhalten. Wenn das nicht notwendig ist, erhalten Sie ein deutsches Passersatzpapier. Solange Sie keine gültigen Identitätsdokumente besitzen, können Sie nicht außerhalb Deutschlands reisen.

Das Leben in Deutschland

  • Entscheidend ist, dass Sie die Möglichkeiten erkennen und die Chancen nutzen, die Ihnen der Neubeginn in Deutschland bietet.
  • Ein Neubeginn in einem fremden Land wird mit großen Herausforderungen für Sie und Ihre Familie verbunden sein.
  • Je besser Sie das Land kennen und verstehen lernen, desto leichter wird es Ihnen fallen, diese Herausforderungen zu meistern. Sie werden dabei unterstützt, sich dauerhaft und erfolgreich in die Gesellschaft zu integrieren. Dieses Ziel kann jedoch nur mit Ihrer tatkräftigen Mitwirkung erreicht werden. Besonders wichtig ist, dass Sie die deutsche Sprache lernen und Sie sich mit den wesentlichen Grundlagen des Staates, der Kultur, Geschichte und Rechtsordnung vertraut machen.

Dazu stehen verschiedene Angebote für Sie bereit:

Migrationsberatung

Ein erstes Integrationsangebot bilden die Dienste der Migrationsberatung. Die Mitarbeiter der Migrationsberatung verschaffen sich in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen einen Überblick über Ihre individuelle Situation und erarbeiten dann gemeinsam mit Ihnen zielgerichtete Vorgehenspläne. Sie geben Antworten auf Ihre Fragen und helfen bei Problemen. Bei der Ausländerbehörde sowie bei der Kommunalverwaltung Ihres zukünftigen Wohnortes kann man Ihnen genaue Auskünfte zu den Beratungsdiensten geben.

Integrationskurse

  • Für Sie besteht die Möglichkeit im Rahmen verfügbarer Kursplätze einen Integrationskurs zu besuchen. Wenn Sie über keine ausreichenden Deutschkenntnisse verfügen oder staatliche Leistungen im Rahmen der Grundsicherung für Arbeitssuchende erhalten, können Sie unter Umständen durch die Ausländerbehörde oder den Träger der Grundsicherung zu einem Integrationskurs verpflichtet werden.
  • Der Integrationskurs dauert zwischen sechs bis neun Monaten und kann als Vollzeit- oder Teilzeitkurs besucht werden.
  • Dieser besteht aus einem Sprachkurs mit 600 Unterrichtsstunden und einem Orientierungskurs mit 60 Unterrichtsstunden.
  • Im Sprachkurs lernen Sie, sich auf Deutsch in allen wichtigen Bereichen des Alltags zurechtzufinden. Wenn Sie schnell lernen, können Sie auch einen Intensivkurs belegen, der lediglich aus 400 Stunden mit Sprachtraining und 30 Stunden Orientierungskurs besteht.
  • Es werden auch Sonderkurse für Analphabeten, Frauen, Eltern und Jugendliche angeboten. In diesen Kursen werden zusätzliche Themen behandelt. Diese Spezialkurse bestehen gewöhnlich aus 900 Stunden Sprachtraining und 60 Stunden im Orientierungskurs.
  • So werden im Elternkurs Informationen zum deutschen Schul- und Kinderbetreuungssystem vermittelt. Dadurch wird Ihnen die Unterstützung Ihrer Kinder erleichtert. Die speziellen Integrationskurse für Frauen richten sich insbesondere an solche, die aus familiären oder kulturellen Gründen keinen allgemeinen Integrationskurs besuchen können. Im Kurs werden inhaltliche Schwerpunkte wie Erziehung und Ausbildung der Kinder, Orientierung im Alltag sowie Perspektiven für den Einstieg in den Berufsalltag behandelt.
  • Im sogenannten Orientierungskurs werden Ihnen Kenntnisse der Rechtsordnung, der Kultur und der Geschichte Deutschlands vermittelt. Sie erhalten Informationen über das Leben in der deutschen Gesellschaft, unter anderem über das demokratische System und die Werte, die in Deutschland von grundlegender Bedeutung sind. Auch diese Kenntnisse sind ein wichtiger Baustein für das Verständnis der Gesellschaft, der Sie dann angehören.
  • Der Integrationskurs endet mit den Tests zum Sprach- und Orientierungskurs. Wenn Sie diesen Test erfolgreich bestehen, werden Sie eine Urkunde erhalten. Diese Urkunde wird Ihnen als Nachweis Ihrer erworbenen Kenntnisse bei der Arbeitssuche nützlich sein.

Es ist notwendig, dass Sie sofort nach der Einreise mit der Teilnahme an einem Integrationskurs beginnen. Nur so kann eine gute Integration und Aufnahme in die deutsche Gesellschaft gelingen. Wenden Sie sich bitte für weitere Informationen an Ihre zuständige Ausländerbehörde.

Quelle: BAMF

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