Archiv der Kategorie: Film

Sudabeh Mortezais fulminanter Durchbruch

MACONDO

MACONDO / Bild: Freibeuter Film 

Sudabeh Mortezai mied die Filmakademie, um sich ihre Kreativität zu bewahren. Ihr erster Spielfilm „Macondo“ gilt schlichtweg als Meisterwerk.

 (Die Presse)

In Ludwigsburg als Tochter iranischer Einwanderer geboren, in Teheran aufgewachsen, mit zwölf nach Wien gekommen und beim Film gelandet. Dazwischen liegen Matura, das Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Wien und eine zweijährige Filmausbildung an der University of California in Los Angeles. „Dort habe ich elementare Dinge über das Filmemachen gelernt – und zwar quer durch alle Bereiche“, blickt Drehbuchautorin und Regisseurin Sudabeh Mortezai zurück.

„Alles andere habe ich mir im Wesentlichen selbst beigebracht. Ich bin Autodidaktin und bin mir nicht sicher, ob mir das rigide System einer Filmschule nicht sogar meine Kreativität ausgetrieben hätte.“ 2006 folgt ihre erste abendfüllende Dokumentation „Children of the Prophet“, die hervorragende Kritiken bekommt und in ganz Österreich im Kino läuft. Der zweite Dokumentarfilm „Im Bazar der Geschlechter“, der die im Iran weitverbreitete Praxis der Zeitehe beleuchtet, avanciert 2009 europaweit zum Festivalerfolg und ebnet Mortezai den Weg zum ersten Langspielfilm „Macondo“, der am 14. November ins Kino kommt und den vorläufigen Höhepunkt in der Karriere der 46-Jährigen markiert.

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Galerie-Hopping in Teheran mit der Künstlerin Homa Arkani

Es sind sieben Stationen mit der Metro von Karaj nach Teheran Ekbatan, und freitags sind hauptsächlich Menschen unterwegs, die einen Ausflug machen. Was bei uns der Sonntag ist, ist im Iran der Freitag. Trockene Hitze drückt sich von außen an die Scheibe des Zuges, während Peter und ich im wohl klimatisierten, gemischten Abteil (meist steigen Frauen und Männer in getrennte Abteile ein) sitzen und beobachten, wie wir beobachtet werden.

Karaj_Metro

Wir sind auf dem Weg zu einem Treffen mit Homa Arkani. Eine grandiose Künstlerin, wie ich finde, die es schafft mit ihrer fotorealistischen Malerei, die tragische Komödie ihrer Generation einzufangen. Es sind meist Frauen, die wiehybride Gestalten die westliche Kultur mit ihrer lokalen Tradition vermischen.
Aufmerksam geworden bin ich über das Netz. Irgendwo hab ich ihre Bilder gesehen und war direkt gefangen und überwältigt. Ich musste sie sehen, sie sprechen.

Die siebte Station. Ekbatan. Draußen auf der Straße stehen erwartungsvoll Taxis in einer Reihe und rufen uns ihre Fahrtrichtungen entgegen. Ich versuche Homa zu entdecken. Etwas weiter die Straße hinauf steht eine kleine, zarte Person in einem Rock und Ballerinas, neben einem weißen Auto (irgendwie gibt es in Teheran auffällig viele weiße Autos). Wir begrüßen uns, wie es in Iran üblich ist; drei Küsse auf die Wangen und mein Lächeln im Gesicht wird breiter.
Gespannt, welchen Plan sie sich für unseren gemeinsamen Nachmittag ausgedacht hat, stiegen wir in ihr Auto und fuhren los in Richtung City.

Der Freitag in Teheran ist das Ereignis für die Kunstszene. Zahlreiche Galerien öffnen ihre Türen und Homa hatte drei Galerien für uns raus gesucht.
Es dauerte nicht lange und wir verwickelten uns in ein tiefes Gespräch über uns unser Leben – sie in Teheran, ich in Berlin. „Schau mal,“ sie deutete auf der Autobahn auf einen Wagen, der an uns vorbei fuhr. „So was gibt es viel hier. Der Fahrer tätowiert von oben bis unten und auf der Rückscheibe klebt ein Koranvers.“  Sie lächelte. Da war sie wieder; die Tragik in der Komödie.

 

blumen

Ich hielt mit Fragen Wie ist es als Malerin in Iran zu arbeiten? oder Hattest du schon mal Schwierigkeiten mit dem Staat zunächst inne. Ich kenne die Antwort. Wer hier lebt, findet sich damit ab, dass es ein Doppelleben gibt. Dinge, die gesagt werden dürfen und Dinge, die dich in Schwierigkeiten bringen. Selbstzensur fängt beim Rausgehen aus der Haustür an. Dann gibt es Grauzonen, in denen es möglich ist sich so zu bewegen, dass niemand offensichtlich was dagegen sagen kann.

Norden_Teheran

Wir fuhren die erste Galerie im Norden Teherans, der hauptsächlich mit luxuriösen Hochhäusern bestückt ist, an.
Entlang einer hohen Mauer liefen wir zum Haupteingang der Ariana Art Gallery.„Diese Galerie gibt es erst seit einigen Monaten und sie ist sehr besonders, da wir solch eine freie und große Fläche noch nie hatten.“ Bereitete mich Homa bereits vor der Tür vor.

Arian_Galerie

Und tatsächlich, wir betraten einen Garten, indem ich eine Leichtigkeit spürte. So fühlt es sich an, wenn man eine Grauzone betritt.  Der Wind wehte direkt unsere Kopftücher vom Kopf. Am liebsten hätte ich es abgenommen. Aber ich denke, damit wäre niemanden etwas Gutes getan. Diese Grauzonen stehen unter Beobachtung, sie werden zugelassen, aber wenn sich daraus ein Aufstand gegenüber vorherrschender Moral bilden sollte, werden sie gleich wieder geschlossen.

Der große Garten und die Menschen darin versprühten eine Energie, die mich nach zwei Wochen Aufenthalt, wieder tief durchatmen ließ. Vieles war so, wie ich es aus Deutschland kenne; Menschen, in gelassener Stimmung, die sich unterhalten. Keine Hektik, kein Lärm, kein Stress und saubere Luft.

Nilo_Homa

Homa: “Es ist ein Ventil für die Menschen hier. Es hilft davor, dass die Stimmung nicht überkocht.”
Ich:”Aber wenn sie wollten, könnten sie, das hier schließen?”
Homa: “Ja natürlich.”

Ehebett

Die Ausstellung behandelte auf sehr unterhaltsame und anspruchsvolle weise, gesellschaftliche Themen, die nicht offen angesprochen werden können: Zensur, Frau sein in einem von Männern dominierten Gesellschaft, Ehe, die Vermischung der traditionellen Kultur mit modernen Einflüssen. Inszeniert wurden die Themen nach den Vorgaben der islamischen Richtlinien.

weiblichkeit

Draußen auf dem Hof nahmen wir uns etwas Zeit, bevor es weiter ging. Ein Erfrischungsgetränk und der Blick auf die weiteren Besucher, die uns kurz nach Berlin versetzen. Lange, zottelige Haare bei den Männern, blaugefärbte Haare einer Frau, die Kontrast zu ihrem zitronengelben leichten Tuch auf dem Kopf bieten und T-Shirts mit Message:

needwifi

Peter und ich verließen die Galerie mit einem sehr guten Gefühl und tiefer Dankbarkeit, dass Homa uns diesen Ort gezeigt hat. Gespannt auf die nächsten Stationen, machten wir uns wieder auf dem Weg in den älteren Teil des nördlichen Teherans, wo wir die  Aaran Art Gallery und die Homa Art Gallery besuchten.

Galerie_Eingang

Wohnhäuser, deren Keller zu einer Ausstellungsfläche umgebaut wurde, die aber nicht weniger imponierend war. Abgesehen von den großartigen Malereien, die wir zu Gesicht bekamen, waren wir hier von dem stylischen Ambiente angetan.

pool

 

Die vorletzte Station: Khaneh Honarmandan

Zum Anbruch der Dunkelheit, kam auch die Schließzeit der Galerien. Wir waren aber noch nicht müde und Homa beschloss uns mit ins Khaneh Honarmandan – zu Deutsch Das Haus der Künstler – zu nehmen. Zum ersten Mal sahen wir ein vegetarisches Restaurant auf unserer Reise und nach langer Zeit wieder Menschen, die Deutsch sprachen.

khaneh_honarmandan

Für Peter war das großartig, war er doch sehr gefangen, weil viele sehr wenig bis gar kein Englisch sprachen. Leider kam es nicht, dazu, dass wir mit ihnen ein Gespräch führen konnten. Unser Tisch war weiter weg und es gab noch vieles, was wir Homa noch fragen wollten:

Peter: “Ist es schwer für dich deine Kunst hier auszustellen?
Homa: “Es gibt viele Vorgaben, an die man sich halten muss. Eine offizielle Stelle, die für kulturelle Belange zuständig ist, prüft Ausstellungen vor der offiziellen Eröffnung und urteilt, ob was gezeigt werden kann oder nicht. Bei meinen letzten Ausstellungen wurden einige meiner Bilder zensiert, weil einmal das Bein von einer Frau, die sich sonnt, nicht bedeckt war, dann ein anderes, weil eine Szene mit drei Frauen im Auto gezeigt wurde (siehe Bild unten), deren dargestelltes Verhalten einer schlechten kulturellen Erziehung entsprach.”

adad-bede1

Ich:”Was macht das mit dir und welche Auswirkungen hat das auf deine Arbeit?”
Homa:”Die Zensur und die Einschränkungen sind der Motor für meine Kreativität. Ich weiß nicht, wie ich mit uneingeschränkter Freiheit arbeiten würde. Aber deshalb möchte ich gerne ins Ausland, um das auszuprobieren. Der Blick von außen, wie du es hast. Das würde mich sehr interessieren.”
Ich, mit einem grinsen: “So viel anders sind wir nicht.”

Gespraech_homa_niloufar

 

Letzte Station: Ekbatan

Auf dem Weg nach Ekbatan fuhren wir an dem Tor der Freiheit vorbei. Ein unbeschreibliches Gefühl, nach solch einem Tag, der mir gezeigt hat, dass diese Kultur weder mir noch meinem deutschen Mann fremd ist. Veränderung ist ein Prozess, der nicht über das Knie gebrochen werden kann, selbst, wenn dies mit der Würde der Menschen passiert, sobald sie an der Oberfläche, oberhalb der unterirdischen Räume nach Luft schnappen wollen.

azadi

 

Quelle:

@nielow „Nix zu sehen – Kultur-Curry aus dem Feld“ Erzählt Geschichten, die ihr begegnen. Aus dem Netz, der Nachbarschaft, aus Berlin, Deutschland oder aus ihrer alten Heimat Iran.

Es sind sieben Stationen mit der Metro von Karaj nach Teheran Ekbatan, und freitags sind hauptsächlich Menschen unterwegs, die einen Ausflug machen. Was bei uns der Sonntag ist, ist im Iran der Freitag. Trockene Hitze drückt sich von außen an die Scheibe des Zuges, während Peter und ich im wohl klimatisierten, gemischten Abteil (meist steigen Frauen und Männer in getrennte Abteile ein) sitzen und beobachten, wie wir beobachtet werden.

Karaj_Metro

Wir sind auf dem Weg zu einem Treffen mit Homa Arkani. Eine grandiose Künstlerin, wie ich finde, die es schafft mit ihrer fotorealistischen Malerei, die tragische Komödie ihrer Generation einzufangen. Es sind meist Frauen, die wiehybride Gestalten die westliche Kultur mit ihrer lokalen Tradition vermischen.
Aufmerksam geworden bin ich über das Netz. Irgendwo hab ich ihre Bilder gesehen und war direkt gefangen und überwältigt. Ich musste sie sehen, sie sprechen.

Die siebte Station. Ekbatan. Draußen auf der Straße stehen erwartungsvoll Taxis in einer Reihe und rufen uns ihre Fahrtrichtungen entgegen. Ich versuche Homa zu entdecken. Etwas weiter die Straße hinauf steht eine kleine, zarte Person in einem Rock und Ballerinas, neben einem weißen Auto (irgendwie gibt es in Teheran auffällig viele weiße Autos). Wir begrüßen uns, wie es in Iran üblich ist; drei Küsse auf die Wangen und mein Lächeln im Gesicht wird breiter.
Gespannt, welchen Plan sie sich für unseren gemeinsamen Nachmittag ausgedacht hat, stiegen wir in ihr Auto und fuhren los in Richtung City.

Der Freitag in Teheran ist das Ereignis für die Kunstszene. Zahlreiche Galerien öffnen ihre Türen und Homa hatte drei Galerien für uns raus gesucht.
Es dauerte nicht lange und wir verwickelten uns in ein tiefes Gespräch über uns unser Leben – sie in Teheran, ich in Berlin. „Schau mal,“ sie deutete auf der Autobahn auf einen Wagen, der an uns vorbei fuhr. „So was gibt es viel hier. Der Fahrer tätowiert von oben bis unten und auf der Rückscheibe klebt ein Koranvers.“  Sie lächelte. Da war sie wieder; die Tragik in der Komödie.

 

blumen

Ich hielt mit Fragen Wie ist es als Malerin in Iran zu arbeiten? oder Hattest du schon mal Schwierigkeiten mit dem Staat zunächst inne. Ich kenne die Antwort. Wer hier lebt, findet sich damit ab, dass es ein Doppelleben gibt. Dinge, die gesagt werden dürfen und Dinge, die dich in Schwierigkeiten bringen. Selbstzensur fängt beim Rausgehen aus der Haustür an. Dann gibt es Grauzonen, in denen es möglich ist sich so zu bewegen, dass niemand offensichtlich was dagegen sagen kann.

Norden_Teheran

Wir fuhren die erste Galerie im Norden Teherans, der hauptsächlich mit luxuriösen Hochhäusern bestückt ist, an.
Entlang einer hohen Mauer liefen wir zum Haupteingang der Ariana Art Gallery.„Diese Galerie gibt es erst seit einigen Monaten und sie ist sehr besonders, da wir solch eine freie und große Fläche noch nie hatten.“ Bereitete mich Homa bereits vor der Tür vor.

Arian_Galerie

Und tatsächlich, wir betraten einen Garten, indem ich eine Leichtigkeit spürte. So fühlt es sich an, wenn man eine Grauzone betritt.  Der Wind wehte direkt unsere Kopftücher vom Kopf. Am liebsten hätte ich es abgenommen. Aber ich denke, damit wäre niemanden etwas Gutes getan. Diese Grauzonen stehen unter Beobachtung, sie werden zugelassen, aber wenn sich daraus ein Aufstand gegenüber vorherrschender Moral bilden sollte, werden sie gleich wieder geschlossen.

Der große Garten und die Menschen darin versprühten eine Energie, die mich nach zwei Wochen Aufenthalt, wieder tief durchatmen ließ. Vieles war so, wie ich es aus Deutschland kenne; Menschen, in gelassener Stimmung, die sich unterhalten. Keine Hektik, kein Lärm, kein Stress und saubere Luft.

Nilo_Homa

Homa: “Es ist ein Ventil für die Menschen hier. Es hilft davor, dass die Stimmung nicht überkocht.”
Ich:”Aber wenn sie wollten, könnten sie, das hier schließen?”
Homa: “Ja natürlich.”

Ehebett

Die Ausstellung behandelte auf sehr unterhaltsame und anspruchsvolle weise, gesellschaftliche Themen, die nicht offen angesprochen werden können: Zensur, Frau sein in einem von Männern dominierten Gesellschaft, Ehe, die Vermischung der traditionellen Kultur mit modernen Einflüssen. Inszeniert wurden die Themen nach den Vorgaben der islamischen Richtlinien.

weiblichkeit

Draußen auf dem Hof nahmen wir uns etwas Zeit, bevor es weiter ging. Ein Erfrischungsgetränk und der Blick auf die weiteren Besucher, die uns kurz nach Berlin versetzen. Lange, zottelige Haare bei den Männern, blaugefärbte Haare einer Frau, die Kontrast zu ihrem zitronengelben leichten Tuch auf dem Kopf bieten und T-Shirts mit Message:

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Peter und ich verließen die Galerie mit einem sehr guten Gefühl und tiefer Dankbarkeit, dass Homa uns diesen Ort gezeigt hat. Gespannt auf die nächsten Stationen, machten wir uns wieder auf dem Weg in den älteren Teil des nördlichen Teherans, wo wir die  Aaran Art Gallery und die Homa Art Gallery besuchten.

Galerie_Eingang

Wohnhäuser, deren Keller zu einer Ausstellungsfläche umgebaut wurde, die aber nicht weniger imponierend war. Abgesehen von den großartigen Malereien, die wir zu Gesicht bekamen, waren wir hier von dem stylischen Ambiente angetan.

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Die vorletzte Station: Khaneh Honarmandan

Zum Anbruch der Dunkelheit, kam auch die Schließzeit der Galerien. Wir waren aber noch nicht müde und Homa beschloss uns mit ins Khaneh Honarmandan – zu Deutsch Das Haus der Künstler – zu nehmen. Zum ersten Mal sahen wir ein vegetarisches Restaurant auf unserer Reise und nach langer Zeit wieder Menschen, die Deutsch sprachen.

khaneh_honarmandan

Für Peter war das großartig, war er doch sehr gefangen, weil viele sehr wenig bis gar kein Englisch sprachen. Leider kam es nicht, dazu, dass wir mit ihnen ein Gespräch führen konnten. Unser Tisch war weiter weg und es gab noch vieles, was wir Homa noch fragen wollten:

Peter: “Ist es schwer für dich deine Kunst hier auszustellen?
Homa: “Es gibt viele Vorgaben, an die man sich halten muss. Eine offizielle Stelle, die für kulturelle Belange zuständig ist, prüft Ausstellungen vor der offiziellen Eröffnung und urteilt, ob was gezeigt werden kann oder nicht. Bei meinen letzten Ausstellungen wurden einige meiner Bilder zensiert, weil einmal das Bein von einer Frau, die sich sonnt, nicht bedeckt war, dann ein anderes, weil eine Szene mit drei Frauen im Auto gezeigt wurde (siehe Bild unten), deren dargestelltes Verhalten einer schlechten kulturellen Erziehung entsprach.”

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Ich:”Was macht das mit dir und welche Auswirkungen hat das auf deine Arbeit?”
Homa:”Die Zensur und die Einschränkungen sind der Motor für meine Kreativität. Ich weiß nicht, wie ich mit uneingeschränkter Freiheit arbeiten würde. Aber deshalb möchte ich gerne ins Ausland, um das auszuprobieren. Der Blick von außen, wie du es hast. Das würde mich sehr interessieren.”
Ich, mit einem grinsen: “So viel anders sind wir nicht.”

Gespraech_homa_niloufar

 

Letzte Station: Ekbatan

Auf dem Weg nach Ekbatan fuhren wir an dem Tor der Freiheit vorbei. Ein unbeschreibliches Gefühl, nach solch einem Tag, der mir gezeigt hat, dass diese Kultur weder mir noch meinem deutschen Mann fremd ist. Veränderung ist ein Prozess, der nicht über das Knie gebrochen werden kann, selbst, wenn dies mit der Würde der Menschen passiert, sobald sie an der Oberfläche, oberhalb der unterirdischen Räume nach Luft schnappen wollen.

azadi

 

 

 Quelle: NILOFAR

 

CLOSED CURTAIN – DIRECTED BY JAFAR PANAHI AND KAMBOZIA PARTOVI

Iranian dissident/filmmaker Jafar Panahi (THE WHITE BALLOON, THE MIRROR, THIS IS NOT A FILM) lives under house arrest and is banned from movie-making. CLOSED CURTAIN, his most recent non-film, made in secret, combines documentary and fictitious elements. A screenwriter goes into hiding with his dog after the regime declares dogs “impure” and bans them from walking in public (this is an actual law). In the darkened rooms of a seaside villa, a Pirandello-inspired drama unfurls with Panahi sometimes playing himself, acting out his most melancholy fantasies as both neighbors and strangers appear and disappear with eerie regularity, much as you would expect them to in any society in which the absurd has become the norm.

IRAN • 2013 • 106 MINS. • IN FARSI WITH ENGLISH SUBTITLES • VARIANCE FILMS

Berner Zeitung| Heimlich gedreht im Reich der Zensur

Von Stefan Volk

Geheimdienst gegen Regimekritiker: Im Film «Manuscripts Don’t Burn» von Mohammad Rasoulof gehts ums schäbige Geschäft des Mordens.

Bevor der iranische Filmemacher Mohammad Rasoulof im vergangenen September vom Hamburger Filmfest nach Teheran zurückflog, verabschiedete er sich mit den Worten: «Zurück kann man immer. Es ist nur die Frage, was dann passiert.» Wenige Tage später wurden Rasoulof in Teheran Pass und Laptop abgenommen. Der Regisseur kann den Iran derzeit nicht verlassen.

In Cannes ausgezeichnet

Auslöser dieser Repressalien war wohl Rasoulofs verdeckt gedrehter Spielfilm «Manuscripts Don’t Burn», der am letztjährigen Filmfestival in Cannes ausgezeichnet worden war und jetzt in den Schweizer Kinos anläuft. Iranische Geheimpolizisten erscheinen darin als mörderische Vollzugsgehilfen eines unmenschlichen Unterdrückungsapparates. Laut Rasoulof basiert der Film auf wahren Begebenheiten.

Dutzende Oppositionelle, darunter viele Künstler und Kulturschaffende, wurden in den 1990er-Jahren von Agenten des iranischen Geheimdienstes Vevak ermordet. Diese «Kettenmorde» wurden als Unfälle, Gewaltverbrechen oder natürliche Tode kaschiert und bis heute nur unzureichend aufgeklärt. In einem umstrittenen Prozess wurden 2001 mehrere Mitarbeiter des Nachrichtendienstes wegen Mordes verurteilt. Ihr vermeintlicher Drahtzieher, der stellvertretende Informationsminister Said Emami, soll im Gefängnis Selbstmord verübt haben.

Ein sympathischer Killer

In «Manuscripts Don’t Burn» arbeitet Rasoulof diese Vorfälle nicht unmittelbar auf, die Bezüge zur Realität aber sind deutlich. Zwei Geheimdienstler verfolgen die Spuren eines verbotenen Manuskripts, das den gescheiterten Mordanschlag auf 21 regimekritische Schriftsteller und Journalisten rekonstruiert, die 1995 bei einem «Busunglück» getötet werden sollten. Einer der Vevak-Schergen sass damals hinter dem Steuer des Busses. Dass Rasoulof dem um seinen kranken Sohn besorgten Familienvater sympathische Züge abgewinnt, steigert die Brisanz seines Filmes noch. Es geht dem 41-jährigen Regisseur nicht darum, einzelne Menschen abzuurteilen, sondern verborgene Strukturen aufzudecken.

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RBB| fernOST – Durch den Iran + Turkmenistan

Jugend im iranischen Kino – Generation des Zwiespalts

„Darband“ und „Sar be Mohr“ sind zwei neue iranische Spielfilme, die tiefe Einblicke in die modernen Lebenswelten junger Iraner eröffnen und ihre Zerrissenheit in der Islamischen Republik verdeutlichen. Massoud Schirazi hat die beiden Filme in Teheran gesehen.

Das iranische Kino ist in Europa seit vielen Jahren ein Publikumsliebling unter den Fans des innovativen Weltkinos. Iranische Filme werden für ihre authentische Darstellung der meist widersprüchlichen Lebensrealitäten gelobt, wie zuletzt Asghar Farhadis erfolgreiches Drama „Nader und Simin“. Viele iranische Filme feierten wegen ihrer Gesellschaftskritik internationale Erfolge und entfalteten dabei manchmal auch eine schablonenhaft Wirkung – zum Beispiel, wenn es um die Situation der Frau in der Islamischen Republik ging.

Doch gibt es bis heute zahlreiche beachtliche Filmproduktionen, die es nicht auf die Preistribünen internationaler Kinofestivals schaffen. Zwei davon, die im vergangenen Winter in den Teheraner Kinos gezeigt wurden, setzen sich mit einem Thema auseinander, das bisher wenig Aufmerksamkeit erfahren hat: der Zusammenprall von westlicher und iranischer Kultur und die Zerrissenheit vieler junger Menschen im Iran.

Der Name „Darband“ steht in Teheran für Spaß, Ausgelassenheit und den Geschmack von Freiheit. Die Bergschlucht am nördlichen Stadtrand ist der Lieblingsausgehort von Pärchen, hippen Teheraner Cliquen und jungen Familien. „Darband“ heißt auch der neue Film von Parviz Shabazi, einem bisher wenig bekannten Regisseur, der auf dem iranischen „Fajr“-Filmfestival im letzten Jahr für diesen Film den „kristallenen Simorgh“ gewonnen hat.

Gegensätzliche Lebenswelten

„Darband“ ist ein sorgsam inszeniertes Drama, dessen Protagonistin eine Studienanfängerin ist, die nach dem Gymnasium nach Teheran zieht: Naznin stammt vom Land, nur 80 Kilometer von Teheran entfernt, und kommt doch wie aus einer anderen Welt. Als sie erfährt, dass das Uniwohnheim keine freien Plätze mehr hat, mietet sie sich ein Zimmer in der Wohnung einer Teheraner Parfümverkäuferin.

 

Filmplakat "Sar be Mohr"; Foto: Massoud Schirazi

Es ist ein Paradox, was in „Sar be Mohr“ auf den Punkt gebracht wird: Religiosität ist in der Islamischen Republik bei weiten Teilen der jungen Generation zu einem Tabu geworden.

Schon während der ersten Unterhaltung der beiden jungen Frauen werden ihre unterschiedlichen Lebensweisen und Entwürfe deutlich: Sahar spricht im Teheraner Slang-Farsi, Naznin ist höflich-distanziert, tastet sich langsam an die Großstadt heran.

In ihrem neuen Zuhause wird Naznin mit einer anderen Realität konfrontiert: Sahars Nächte sind lang und voll lauter Musik. Ihre Freunde gehen in der Wohnung ein und aus, es wird Wasserpfeife geraucht, man gibt sich cool und fährt mit schnellen Autos durch die Stadt. Naznin dagegen kommt nicht zum Lernen und gerät mit Sahar aneinander, die – wie sich bald herausstellt – hohe Schulden hat und mit ihrem Gläubiger eine sexuelle Beziehung eingegangen ist. Da sie nicht zahlen kann, wird sie schließlich verhaftet.

Die unbefangene Naznin versucht nun, Sahar zu helfen und gerät dabei zwischen die Fronten. Am Ende wird sie so weit in die Spirale von Intrigen und Egoismus hineingezogen, dass sie selbst vor Sahars Dilemma gestellt und von Geldeintreibern verfolgt wird. Sahar ist selbst ist inzwischen nach Europa ausgewandert.

Kontrollverlust

„Darband“ reflektiert das Leben einer Generation, der im Streben nach einer Art von „amerikanischem Lebensstil“ die Orientierung abhanden gekommen ist und sich von Moral und Ethik entfernt hat. Die Ehrlichkeit eines jungen Menschen, der behütet und traditionell aufgewachsen ist, kann in diesem Umfeld nicht überleben. Eine iranische Filmkritik versteht Teheran im Film „Darband“ als eine „hyper-entwickelte, moderne Großstadt (…), deren Bewohner sich untereinander ähneln – und jeder, der nicht dazugehört, ist zum Untergang verdammt.“

Ein weiterer Streifen, der im Winter über Teherans Leinwände lief, ist „Sar be Mohr“ (mit dem englischen Titel „The Sealed Secret“) des Regisseurs Hadi Moghadamdast. „Mohr“ ist der runde Gebetsstein, auf den die Schiiten zum Gebet ihren Kopf legen. „Sar be Mohr“ ist ein Wortspiel, denn es bedeutet sowohl „Kopf auf den Mohr(-Stein)“ und hat gleichzeitig die Konnotation von einem „intimen Geheimnis“.

„Sar be Mohr“ handelt vom unruhigen Dasein einer jungen Frau namens Saba, die von Leila Hatemi (bekannt aus „Nader und Simin“) gespielt wird. Saba verbringt einen Großteil ihrer Zeit im Internet und breitet in einem Onlineforum ihr Leben aus. Rat für ihre Probleme sucht sie bei virtuellen Freunden – denn in der realen Welt fühlt sie sich nicht zuhause.

Zu Beginn von „Sar be Mohr“ reist Saba aufs Land zu ihrer blinden Schwester. Sie will alles unternehmen, um ihr das Leben leichter zu machen. Schnell wird aber deutlich, dass diese mit ihrem Leben trotz Blindheit zufriedener ist als die sehende Saba.

Ein Motiv zieht sich durch Sabas Alltag – sie ist tief religiös, kann ihre Religiosität aber in der säkularisierten Umgebung von Freunden und Familie nicht offen ausleben. Viele Szenen spielen in Sabas Teheraner Wohnung. Sie wendet sich in Tränen verzweifelt und verschämt an Gott, betet um Mut und darum, dass sie eine Arbeit findet. Als sie zu einem Job als Hostess eingeladen wird, ertönt während des Vorstellungsgesprächs der Gebetsruf. Saba erstarrt, wird still, und jäh aus dem Hier und Jetzt gerissen – ein Vorgang, der sich im Film mehrfach wiederholt. Ihr Wunsch, beten zu gehen, erntet beim Gegenüber Spott und Unverständnis.

Zerrissenheit zwischen Innen und Außen

Sabas Drang zur Frommheit findet in ihrem sozialen Umfeld kein Verständnis. Letztendlich scheitert sie an der Zerrissenheit zwischen Innen und Außen – ein Konflikt, mit dem viele junge Iraner konfrontiert sind. Der einzige Ort, an dem sie sich selbst zeigen kann, bleibt das Internet. Sie scheitert sowohl im Umgang mit Freunden als auch in einer Beziehung, die wegen Sabas starker Introvertiertheit nicht zustande kommen kann.

Es ist ein Paradox, was in „Sar be Mohr“ auf den Punkt gebracht wird: Religiosität ist in der Islamischen Republik bei weiten Teilen der jungen Generation, vor allem in Teheran, zu einem Tabu geworden. Die Coolness, das schnelle Leben am urbanen Puls der Zeit und an der Kultur des Westens – diese unausgesprochenen sozialen Normen verbieten es heute in Teheran vielen jungen Menschen, den religiösen Traditionen der Elterngeneration zu folgen.

„Darband“ und „Sar be Mohr“ sind zwei Filme, die dem außenstehenden Betrachter einen neuen Blickwinkel auf das Leben junger Iraner eröffnen. Sie zeugen von den gesellschaftlichen Spaltungen im städtischen Iran, die nicht immer nach klaren Linien verlaufen. Das iranische Kino bleibt das vielleicht kritischste Medium in der Islamischen Republik und wird dabei auch zu einem Spiegel, den es den iranischen Kinobesuchern vorhält.

Massoud Schirazi

 

Quelle: Qantara.de

ZDFinfo| Luxusleben während der Diktatur | Samstag, 12. April 2014, 17.15 Uhr

ZDFinfo zeigt Doku über Israelis in Teheran während des Schah-Regimes

Sie waren Ausländer in Teheran, hatten lukrative Berufe, enge Geschäftsbeziehungen und lebten im Wohlstand: Die Israelis genossen in den 1960er und 1970er Jahren eine besondere Beziehung zum persischen Schah und dessen diktatorischer Herrschaft. Doch dann folgte die Revolution und sie mussten aus dem Iran flüchten. ZDFinfo zeigt am Samstag, 12. April 2014, 17.15 Uhr, in „Luxusleben in der Diktatur“, wie Tausende Israelis zur damaligen Zeit in Teheran lebten. Mit seltenem Archivmaterial und exklusiven Interviews zeigt die Dokumentation eine wenig bekannte Seite der Islamischen Revolution 1979.

Bis zu mehrere tausend Dollar verdienten die Israelis dank der Waffengeschäfte und den besonderen Finanzverbindungen. Der Schah bewunderte Israel hauptsächlich wegen seiner militärischen Erfolge. Nach dem Sechs-Tage-Krieg, in dem die Israelis sieben arabische Armeen in sechs Tagen besiegten, wurde dem Schah klar, dass es sich lohnte, auf die Karte „Israel“ zu setzen. Darüber hinaus initiierte der Schah das Atomwaffenprogramm, um gegenüber dem Irak stark zu sein.

Viele Israelis in der Dokumentation bezeichnen ihren Aufenthalt in Teheran als die glücklichste Zeit ihres Lebens. Für viele Perser dagegen war es alles andere als eine schöne Zeit rund um die 1970er Jahre. Denn im Land gab es weder Freiheit, geschweige denn demokratische Verhältnisse, noch gleiche Lebensstandards. Das Schah-Regime brach zusammen und ein noch viel schlimmerer Diktator kam an die Macht: Ayatollah Khomeini.

http://info.zdf.de

Kino-Empfehlung| ZWISCHEN WELTEN

zwischen_welten_web

ein Film von

Feo Aladag

mit

Ronald Zehrfeld, Mohsin Ahmady,

Saida Barmaki, Abdul Salam Yosofzai, Felix Kramer

und Burghart Klaußner

Inhalt

Bundeswehrsoldat Jesper (Ronald Zehrfeld) meldet sich erneut zum Dienst in das krisengeschüttelte Afghanistan und erhält mit seiner Truppe den Auftrag, einen Außenposten in einem kleinen Dorf vor dem wachsenden Einfluss der Taliban zu schützen. Dabei wird der junge Afghane Tarik (Mohsin Ahmady) als Dolmetscher zur Seite gestellt. Jesper versucht mit Tariks Hilfe, das Vertrauen der Dorfgemeinschaft und der verbündeten afghanischen Milizen zu gewinnen – doch die Unterschiede zwischen den beiden Welten sind groß. Er steht immer wieder im Konflikt zwischen seinem Gewissen und den Befehlen seiner Vorgesetzten. Als Tarik, der von den Taliban bedroht wird, weil er für die Deutschen arbeitet, seine Schwester in Sicherheit bringen will, geraten die Dinge außer Kontrolle.

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Bundeswehrsoldat Jesper (Ronald Zehrfeld) versucht mit der Hilfe des Dolmetschers Tarik (Mohsin Ahmady) ein afghanisches Dorf vor dem Einfluss der Taliban zu schützen.

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Welt| „Ich bin eine Vollblut-Tussi“ – Comedy-Hoffnung Enissa Amani über Perser, Stefan Raab und Vorurteile

Neben ihr klingt Heidi Klums Stimme wie ein Nebelhorn. Das hat Enissa Amani einmal selbst über sich gesagt – und es stimmt. Piepsiger geht kaum. Lustiger aber auch nicht. Die Deutsch-Perserin Enissa Amani ist die Newcomerin in der deutschen Comedy-Szene. Sie ist hübsch, witzig, clever und absolut nicht auf den Mund gefallen. Im Iran geboren, in Frankfurt aufgewachsen ist Enissa Amani prädestiniert dafür, über beide Kulturen Witze zu machen. Und genau damit spielt sie bei ihren Auftritten. Im Gespräch erzählt die ehemalige Miss Westdeutschland was sie mit Lenins Geliebter teilt und wie sie Nouruz verbringt.

Die Welt:

Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Enissa Amani:

Ich beschreibe mich oft als Vollblut-Tussi. Manche sagen zwar, ich tue mir damit Unrecht, aber ganz objektiv gesehen bin ich eine Frau, die gerne Frau ist. Gleichzeitig komme ich aus einem sehr belesenen Elternhaus. Meine Mutter ist Ärztin, mein Vater hat Literatur und Philosophie studiert.

Ich bin also auch mit Büchern aufgewachsen.

Was bedeutet Ihr Vorname?

Ich bin benannt nach Inessa Armand, einer russischen Kommunisten französischer Herkunft. Meine Kindheit war sehr sozialistisch geprägt. Es gibt einen Film über Lenin, „Der Zug“, der von Lenins Leben im Exil handelt. Inessa Armand war wohl Lenins heimliche Geliebte – man kann also sagen, dass ich nach Lenins Affäre benannt bin.

Sind Sie Moderatorin, Miss oder Comedian?

Ich bin Moderatorin und Comedienne. Ich habe über die Comedy gestartet, mache mittlerweile aber auch Moderationsprojekte. Ich bin sehr froh, dass ich so schnell bereits von dem leben kann, was ich als Künstlerin mache.

Wo möchten Sie noch hin?

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Die Wut einer ganzen Generation

Interview mit dem iranischen Filmemacher Reza Dormishian

Die Wut einer ganzen Generation

Reza Dormishians Spielfilm „Asabani Nistam!“ handelt von der Frustration iranischer Jungendlicher während der Regierungszeit Ahmadinedschads. Obwohl der Film Publikumsliebling beim diesjährigen iranischen Fajr-Filmfestival war, wurde er trotzdem aus dem Wettbewerb entfernt. Darüber hat sich Igal Avidan mit dem Regisseur unterhalten.

Wie erklären Sie sich den Unmut Ihres Protagonisten in „Asabani Nistam“ („Ich bin nicht wütend!“)?

Reza Dormishian: Sein Unmut korrespondiert mit der zunehmenden Frustration junger Iraner in den letzten acht Jahren.

Welchen Stellenwert hatte die grüne Protestbewegung und der Widerstand gegen Ahmadinedschad für Navid und seine Freunde im Sommer 2009?

Dormishian: Navid ist ein sehr friedlicher Mensch, der auch während der Demonstrationen darum bemüht war, die Gewalt zu stoppen. Er wurde schließlich vom Studium ausgeschlossen, weil er an einer Demonstration teilnahm und das Auto eines Professors mit Farbe beschmierte. Er verändert sich. Nach einer Weile beginnt er, seine Mitmenschen zu hassen und sie zusammenzuschlagen.

Viele Studenten im Iran müssen aufgrund ihrer Einstellungen oder ihrer Aktivitäten das Studium abbrechen – ein Erbe der früheren Regierung. Doch jetzt hat der neue Bildungsminister angeordnet, 400 ehemaligen Studenten die Rückkehr an die Universität zu erlauben. Studieren ist ein Grundrecht.

Navids Freunde raten ihm auszureisen, aber seine Freundin Setareh will im Land bleiben. Wie sehr beschäftigt die junge Generation im Iran heute das Thema Auswanderung?

Dormishian: Auswanderung ist derzeit wohl eines der meist diskutierten Themen unter jungen Iranern. Sie fragen sich, ob es sich angesichts der zahlreichen Probleme im Iran überhaupt noch lohnt, im Land zu bleiben oder dem Land endgültig den Rücken zu kehren. Ich habe in dieser Frage bislang gezögert.

Baran Kosari and Navid Mohammadzadeh in einer Filmszene aus "Asabani Nistam!"

Genug von den politischen und gesellschaftlichen Zwängen in der Islamischen Republik: In „Asabani Nistam!“ schlägt Navids Frustration in Aggression um. Das Lebensgefühl einer Jugend ohne Zukunft bestimmt den Tonfall von Reza Dormishians zweitem Film.

Und was hält Sie noch im Iran?

Dormishian: Ich möchte im Iran Filme machen und sie dort zeigen. Es ist sehr wichtig für mich, mein Land im Ausland zu präsentieren und über meine Mitmenschen Filme zu drehen, die ich ja am besten kenne. Daher habe ich diesen Film im Iran gedreht und alle notwendigen Genehmigungen erhalten. Eines Tages werde ich diesen Film gewiss auch im Iran zeigen – allen Widerständen zum Trotz.

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