Archiv der Kategorie: Frauen Frauenrechte

DW| Iran: Frauenrechtsaktivistinnen rechtswidrig in Haft

Irans Justiz hält zwei Frauenrechtsaktivistinnen rechtswidrig im Gefängnis. Bahareh Hedayat und Narges Mohammadi gehören zu den bekanntesten politischen Gefangenen des Landes. Ihre Ehemänner haben mit der DW gesprochen.

Das Evin-Gefängnis in Teheran. (Foto: FF)Das Evin-Gefängnis in Teheran

Amin Ahmadian steht am Revolutionsgericht in Teheran, als die Deutsche Welle ihn telefonisch erreicht. Er ist der Ehemann der inhaftierten Frauenrechtlerin Bahareh Hedayat (34). Seit Dezember 2009 zählt er die Tage, die seine Frau im Gefängnis sitzt. Bisher seien es 2060 Tage. „Das sind fünf Jahre und 235 Tage.“

Amin kämpft für die Freilassung seiner Frau. Sie gilt als zentrale Verbindungsfigur zwischen der Studenten- und der Frauenbewegung im Iran. Sie war Vorsitzende des Frauenkomitees für die Stärkung der Einheit (OCU). Die Studentenorganisation hat zu politischen Reformen aufgerufen und gegen Menschenrechtsverletzungen gekämpft. Nach der sogenannten „Grünen Bewegung“ 2009, die sich für mehr Freiheit im Iran einsetzte, wurde Bahareh festgenommen.

Bahareh Hedayat. (Foto: sahamnews)Bahareh Hedayat sitzt seit mehr als fünf Jahren im Gefängnis

Wenn es um politische Gefangene geht, umgeht man die Gesetze

Wegen „Propaganda gegen das System“ wurde sie zu fünf Jahren Haft verurteilt. Dazu kamen noch zwei weitere Jahre wegen „Beleidigung des religiösen Führers“ und sechs Monate wegen Beleidigung des damaligen Präsidenten, Mahmud Ahmadinedschad. Diese insgesamt siebeneinhalb Jahre würden durch das im Mai 2013 in Kraft getretene neue iranische Strafrecht aber automatisch auf fünf Jahre reduziert, sagt Amin der DW.

Denn nur die jeweils längste Haftstrafe kommt zur Anwendung, wie die prominente Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh aus Teheran erläutert. Haftstrafen würden nicht addiert, solange es sich um drei oder weniger als drei Delikte handelt, so Nasrin. „Das Strafgesetzbuch unterscheidet auch nicht zwischen politischen oder nicht politischen Straftaten.“ Die Justiz im Iran hält sich offensichtlich nicht an das Strafgesetz der Islamischen Republik. Dass Bahareh weiter in Haft ist, sei rechtswidrig, ist Nasrin überzeugt.

Nach der Einigung im Atomstreit mit dem Iran haben die Aktivisten wieder Hoffnung geschöpft, denn der Iran hatte weitere Gespräche mit der Europäischen Union über Menschenrechte angekündigt. Allerdings ist die Justiz im Iran von der reformorientierten Regierung unabhängig. Der konservative religiöse Führer Ajatollah Ali Chamenei benennt den obersten Chef der Judikative direkt, dieser wiederum alle Richter. Amin hält nicht viel von den Ankündigungen der Regierung weitere Gespräche über Menschenrechte zu führen. „Der Justizvollzug sagte mir, meine Frau bleibt hier, weil das der Teheraner Staatsanwalt empfohlen hat“, berichtet Amin.

Narges Mohammadi (2. v. l.) (Foto: Screenshot Boroumand Foundation)Narges Mohammadi (2. v. l.)

Keine ärztliche Versorgung

Baharehs Nachbarin im berüchtigten Evin-Gefängnis am nördlichen Rand der Hauptstadt Teheran ist Narges Mohammadi. Die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin ist schwer krank. Sie leidet an Lähmungserscheinungen, einer Minderung der Muskelkraft.

Die 43-Jährige wurde im Mai festgenommen, zum vierten Mal. Sie hatte zuletzt die wachsende Anzahl von Hinrichtungen im Iran kritisiert. „Seit sie verhaftet wurde, hatte sie drei Schwächenanfälle erlebt“, berichtet ihr Mann Taghi Rahmani der DW. Taghi, der selbst 14 Jahre hinter Gitter verbrachte, ist empört, weil seine Frau nicht behandelt wurde. „Der Arzt hat bestätigt, dass Narges stationäre Behandlung braucht. Sonst würde sie bald völlig gelähmt sein. Und ich weiß: Falls das passiert, wird niemand dafür zu Rechenschaft gezogen.“

Das berüchtigte Evin-Gefängnis in Teheran. (Foto: Reuters)Das berüchtigte Evin-Gefängnis in Teheran

Narges hat zwei Kinder, die sie nicht besuchen dürfen. Sie leben beide mit ihrem Vater im französischen Exil. In einem Brief aus dem Gefängnis schreibt sie: „Wie die Mutter von Moses habe ich meine Kinder auf dem Nil ausgesetzt, um sie vor Tyrannen zu beschützen. Ich wünsche mir, dass sie in einem neuen Land aufgenommen werden, wo sie keine Unterdrückung erleben und ruhige Nächte finden.“

Quelle: Deutsche Welle

DW| IRAN: Protest gegen Stadionverbot für Frauen

Der iranische Volleyballverband hat Frauen den Zugang zum Länderspiel der iranischen Männermannschaft gegen die USA in Teheran offiziell verwehrt. DW-User aus dem Iran kommentieren die Entscheidung.

Protestaufruf im Netz gegen das Besuchverbot für Frauen im Iran

Der iranische Volleyballverband hat am Donnerstag (19.06.2015), einen Tag vor dem Länderspiel der iranischen Volleyballmannschaft der Männer gegen die USA in Teheran, mitgeteilt, dass keine Frau Zutritt zur Asadi-Sporthalle bekomme, auch nicht Journalistinnen und weibliche Angestellte der Sporthalle.

Eine Mitteilung, die in den sozialen Netzwerken empörte Reaktionen auslöste: Rohanis Regierung habe wieder einmal versagt, beschweren sich viele Iraner auf Twitter, Facebook und anderen Plattformen. Die Regierung habe das Feld den islamistischen Gruppen überlassen, kommentiert eine junge Frau auf der Facebook-Seite der Farsi-Redaktion der Deutschen Welle.

Tatsächlich hatte die islamistische iranische Gruppe Volkshisbollah in der Vorwoche gewarnt, dass sie den Besuch der Frauen bei dem Länderspiel verhindern wolle, gegebenenfalls auch mit Gewalt. Begründung: „Prostitution in Sportstätten“ müsse im Keim erstickt werden!

Thema Stadionverbot für Frauen (Foto: Fars)Netzthema Stadionverbot für Frauen

Sport und Politik

„Eure Anwesenheit in Sportstätten gefährdet den Islam!“ lautet ein Kommentar dazu, den ein User auf der DW-Farsi-Facebook-Seite gepostet hat; er diskutiert mit anderen Usern, wie die Frauen unterstützt werden können.

Eine Frau meint: „Die Volleyball-Weltliga sollte dem Iran die Heimspiele absprechen.“ Und ein junger Man schlägt vor: „Das nächste Spiel zwischen Iran und USA sollte in der Türkei oder in Dubai stattfinden.“

Für den Iran könnte das Festhalten an der frauenfeindlichen Vorschrift tatsächlich sportpolitische Konsequenzen haben. Im November 2014 hatte der Volleyball-Weltverband FIVB mitgeteilt, Iran die Austragung von Wettbewerben des Weltverbandes nicht zu gestatten, solange das Stadionverbot für Frauen in Kraft sei. Anlass war die Gefängnisstrafe für die Iranerin Ghoncheh Ghavami, die wegen einer Protestaktion gegen das Stadionverbot festgenommen worden war. Die jetzigen Spiele in Teheran waren von der Sanktionsankündigung allerdings nicht betroffen, sie bezog sich vor allem auf die Austragung von Juniorenmeisterschaften.

Iran Hardliners Proteste in Teheran

Einknicken vor Konservativen

Immerhin hatte die Regierung von Präsident Rohani hatte auf Druck der FIVB und des Weltfußballverbandes Fifa im April 2015 zugesagt, auch Frauen den Zugang zu Wettkämpfen von Männern zu ermöglichen. Noch Anfang Juni hatte Schahindocht Molaverdi, die für Frauen und Familie zuständigen Vizepräsidentin in der Regierung, erklärt, eine solche offizielle Genehmigung sei beschlossen worden.

Und noch eine Woche vor dem Länderspiel Iran – USA wurde mitgeteilt, dass bis zu 500 Karten exklusiv für Frauen reserviert seien. Die Karten waren aber von der ersten Sekunde des Ticketvorverkaufs im Internet an gesperrt.

Rohanis Frauenbeauftragte Molaverdi (Foto: Fars)Rohanis Frauenbeauftragte Molaverdi konnte sich nicht durchsetzen

Proteste auf Netz beschränkt

Viele User der DW-Farsi-Facebook-Seite forderten die Männer auf, aus Solidarität mit den Frauen das Spiel zu boykottieren. Dieser Vorschlag löste allerdings keine Begeisterung aus. Ein DW-User meinte: „Wenn wir nicht hingehen, organisieren sich die Volkshisbollah-Anhänger in der Sporthalle und verbrennen vielleicht sogar die amerikanische Flagge, was sie sonst auf der Straße tun.“

Ein andere ist der Meinung, dass Frauen sich organisieren müssten, um Freitagabend vor Asadi-Sporthalle zu protestieren. Eine junge Frau fragt darauf hin: „Hast du vergessen, dass wir nur in den sozialen Netzwerken mutig sind?“ Angesicht der erhöhten Sicherheitsmaßen rings um die Asadi-Sporthalle, und auch wegen des politisch aufgeladenen Hintergrunds des Spiels zwischen Iran und USA, sind viele User der Meinung, dass solchen Aktionen zum Scheitern verurteilt wären. Zumindest sollen Twitter-Kampagnen wie #letwomengotostadium oder ‪#FIVBWorldLeague kurz vor Anpfiff (19 Uhr MESZ) noch einmal verstärkt werden, um Öffentlichkeit herzustellen und auf Irans Regierung Druck ausüben.

Source: Deutsche Welle

Iranischer Dokumentarfilm „No Land’s Song“ : Wiedergefundene Stimme

Es klingt nach einem kühnen Unterfangen: Im Iran, einem Land, in dem Solo-Gesänge von Frauen in der Öffentlichkeit nicht mehr erlaubt sind, beabsichtigt eine Frau, ein Konzert zu organisieren, auf dem ausschließlich Frauen auftreten. Der Dokumentarfilm „No Land’s Song“ zeigt, was bei diesem Experiment herausgekommen ist. Von Richard Marcus

Unter der Regie ihres Bruders Ayat Najafi legt die iranische Komponistin Sara Najafi in dem Dokumentarfilm „No Land’s Song“ Zeugnis ab von ihrem Kampf gegen die Bürokratie, die Intoleranz und die Angst der Regierung ihres Landes, um ihren Traum eines Konzertes von Frauen zu verwirklichen.

Der Film ist auch eine Geschichtsstunde über die längst vergagenen Tage des Kabaretts und der großen Gesangsveranstaltungen in Teheran. Begleitet von Parvin Namazi, einem Sänger, der bereits vor der Islamischen Revolution aktiv war, führt uns Najafi durch die iranische Hauptstadt und zeigt uns das, was von dem ehemaligen Kabarettbezirk übrig ist. Was dort aussieht wie marode Lagerhallen, erweist sich als Überbleibsel schöner Rokoko-Theater, die sich auch in Paris befinden könnten.

Der Film führt uns in Cafés und Musikgeschäfte, wo wir ältere Männer treffen, die über die Tage vor der Revolution sprechen, als sie noch die Kabaretts besucht und den Sängern und der Musik zugehört hatten.

Es ist in diesem Zusammenhang wohl unmöglich, von Sängerinnen im Iran zu sprechen, ohne dabei Qamar-ol-Moluk Vaziri zu erwähnen. Denn in den 1920er Jahren war sie die erste Frau, die öffentlich vor einem gemischten Publikum und ohne Hidschab gesungen hat. Sie war es auch, die Najafi zu ihrem Projekt inspirierte, um den Stimmen der Frauen im Iran wieder Gehör zu verschaffen.

Zwischen erlaubten und verbotenen Klängen

Filmplakat "No Land's Song"

Rote Linien durchbrechen: Der Dokumentarfilm „No Land’s Song“ handelt von Sara Najafis Bemühungen, ihre Welt zu verändern und den Frauen ihres Landes ihre Stimme wiederzugeben.

Als Komponistin kennt sich Sara Najafi in der iranischen Musikgeschichte und mit den Verboten nach der Revolution sehr gut aus. Ironischerweise beginnen trotz der Einschränkungen und der begrenzten Möglichkeiten für Frauen jedes Jahr viermal mehr junge Frauen eine musikalische Ausbildung als Männer. Najafi spricht über einige der Schwierigkeiten, vor denen Frauen als Musikschülerinnen und -lehrerinnen stehen. Sie berichtet darüber, wie sie Unterrichtsstunden auf ausschließlich theoretischer Basis geben musste – ohne dabei tatsächlich zu singen, da sich Männer im Raum aufhielten.

Angesichts solcher Hindernisse scheint ihr Ziel, die offizielle Erlaubnis dafür zu erhalten, Sängerinnen vor einem gemischtgeschlechtlichen Publikum singen zu lassen, vergeblich und zum Scheitern verurteilt zu sein. Noch komplizierter wird ihre Mission durch ihre Entscheidung, französische Musiker teilnehmen zu lassen, darunter drei Sängerinnen aus Paris: Elise Caron, Jeanne Cherhal und Emel Mathlouthi. Die Umstrittenste von den dreien Musikern ist zweifelsohne Mathlouthi, deren Lied „Kelmti Horra“ (Meine Welt ist frei) zur Hymne der Frauen im Arabischen Frühling avancierte.

Es ist gewiss kein Zufall, dass die alten Theater in Teheran an die in Paris erinnern. Denn zwischen der französischen und der iranischen Musikszene gab es einmal starke kulturelle Verbindungen. Eines der Projektziele Najafis besteht deshalb darin, diese Verbindungen wiederzubeleben.

Leider wurden im iranischen Klima nach der Unterdrückung der „Grünen Bewegung“ Ideen, die den konservativen Status Quo erschüttern, nicht sehr gern gesehen. Wie kann man Gesetze überwinden, die auf der Idee beruhen, Frauen seien für die Handlungen von Männern verantwortlich? Najafi besucht einen religiösen Gelehrten, um die Gründe dafür herauszufinden, warum den Frauen das Singen schwer gemacht wird. Sie bekommt die Antwort, die Singstimme einer Frau könne die Gedanken der Männer vom Pfad der Tugend ablenken.

Orwellscher Alptraum

Als wäre dies nicht schlimm genug, sind ihre Gespräche mit dem Kultusministerium über das Konzert auch noch von einer bürokratischen Doppelzüngigkeit geprägt, die wohl selbst George Orwell Alpträume bereitet hätte. Diese Treffen durfte Najafi zwar nicht filmen, aber sie konnte zumindest Tonaufnahmen von dieser Begegnung machen, die die Hindernisse deutlich machen, vor die sie gestellt wurde. Zuerst sieht es so aus, als hätte ihr Projekt keine Chance. Ihr wurde gesagt, sie solle die nächste Präsidentschaftswahl abwarten: „Vielleicht werden die Dinge dann besser sein“, heißt es aus dem Off.

Und nach der nächsten Präsidentschaftswahl, die von der momentanen gemäßigten Regierung gewonnen wurde, hieß es: „Nun, das ist ein schwieriges Thema, und wir wollen den konservativen Elementen keinen Grund geben, Unruhe zu stiften“. Sie wird gebeten, Kompromisse einzugehen. Sogar ihr bereits die Erlaubnis erteilt wurde, die französischen Musiker für ein öffentliches Konzert in den Iran einzuladen, wird sie in letzter Minute ins Kultusministerium bestellt. Nachdem die Beamten eine Konzertprobe gesehen haben, ändern sie schließlich ihre Meinung darüber, das Konzert öffentlich stattfinden zu lassen. Erst als die französischen Musiker damit drohen, ohne Auftritt wieder nach Hause zu fahren, machen die Tugendwächter einen Rückzieher und lassen sie gewähren.

Allen Widrigkeiten zum Trotz

Der Dokumentarfilm erzählt nicht nur die persönliche Geschichte Najafi, sondern bietet auch tiefe Einblicke in den Iran, wie wir sie nur selten zu sehen bekommen. Ja, es gibt Unterdrückung und Angst, aber ebenso lässt sich auch eine Atmosphäre der Hoffnung erkennen. Man wird gewahr, dass der Iran keine monolithische Einheit darstellt, wo alle die gleiche Meinung haben. Vielmehr handelt es sich um eine Gesellschaft unterschiedlicher Menschen mit einem feinen Gespür für ihre Identität und die Geschichte ihres Landes.

Najafi selbst ist ein wunderbares Beispiel dafür. Wenn es scheint, als seien all ihre Hoffnungen vergeblich und die Bürokratie ihres Landes übermächtig, vergießt sie zwar Tränen. Unterkriegen lässt sie sich jedoch nicht. Ihre Lebensfreude und Willenskraft ist inspirierend, und diese schöpft sie auch aus ihrer Liebe zu ihrem Land.

Die Tatsache, dass Najafi das scheinbar Unmögliche erreicht und nicht nur das Konzert veranstaltet, von dem sie geträumt hat, sondern sogar die Erlaubnis bekommt, es zu filmen, ist an sich schon ein wunderbares Zeichen. Aber der Film zeigt auch, dass Najafi selbst eine bemerkenswerte Persönlichkeit ist. Er veranschaulicht, was ein fest entschlossener Mensch erreichen kann, wenn er sich nur genug dafür einsetzt.

Richard Marcus

Quelle: Qantara.de 2015

Diese Frau bricht die Scharia in einer Moschee

Was Frauen, die in der iranischen Öffentlichkeit singen, blühen kann, haben wir zuletzt bei der Aktion der #happyiranians gesehen. Die Moralpolizei achtet stets drauf, dass die vorgesehenen Gesetze, die den gesellschaftlichen Verfall verhindern sollen, eingehalten werden. Frauen ist es nicht erlaubt, öffentlich zu singen. Also nicht solo, im Chor oder als Background geht schon. Und das wahnsinnige, das bei mir am ganzen Körper Gänsehaut auslöst, ist, dass diese Lady nicht nur in der Öffentlichkeit singt, sondern auch noch in einer Moschee. Die Reaktion des Aufsehers vor Ort war wohl ziemlich lässig. Er hat wohl abgewartet bis sie fertig war mit dem Gesang, um sie darauf hinzuweisen, dass das Singen für Frauen in der Moschee verboten ist. Sie wiederum fragte, ob sie es ein letztes Mal probieren dürfte und er erwiderte mit einem Augenzwinkern “Aber ein letztes Mal”.

Quelle:  – Blogrebellen

Deutschlandradio| MAHDIEH MOHAMMADKHANI: Verbotene Stimme aus dem Iran

Von Bamdad Esmaili

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Die iranische Musikerin Mahdieh Mohammadkhani mit dem Dastan Ensemble
Die iranische Musikerin Mahdieh Mohammadkhani mit dem Dastan Ensemble während ihres Kölner Konzerts. (Foto: Bamdad Esmaili)

Frauen dürfen im Iran nicht in der Öffentlichkeit singen. Das strikte Gesangsverbot gilt sogar für traditionelle Musik. Mahdieh Mohammadkhani ist im Iran durch das Internet trotzdem zum Star geworden. Die Newcomerin ist das neue Gesicht der traditionellen iranischen Musik.

Mahdieh Mohammadkhani ist grade mal 28 Jahre jung, doch als Sängerin erlebte sie schon nach zwei Jahren ihren Durchbruch. Im Iran ist die Newcomerin die zur Zeit wohl angesagteste Sängerin für traditionelle iranische Musik. Und das obwohl es in dem Land Frauen verboten ist, öffentlich zu singen, seitdem die islamische Religionsführer vor gut 36 Jahren die Macht übernahmen.

Das Gesangsverbot ist eigentlich untypisch für den Iran, denn historisch gab es vor der islamischen Revolution immer wieder Frauen, die als Sängerinnen in Erscheinung traten. Für Mahdieh Mohammadkhani bedeutete das Verbot, dass sie sich erst mit 22 Jahren entschloss, eine Karriere als Sängerin einzuschlagen.

„Das Singen war schon immer meine große Liebe. Es hat mich seit meiner Kindheit unbewusst begleitet. Ich erinnere mich, dass es mein erster Berufswunsch als Kind war, vielleicht mit vier oder fünf Jahren, Sängerin zu werden. Mit 20 habe ich mich nochmal an meinem Kindheitstraum erinnert und dachte, vielleicht kann ich ja diesen Traum verwirklichen.“

Die Musterschülerin studiert aber zunächst Architektur. Erst als Mahdieh Mohammadkhani das Studium abschließt, beginnt sie in Teheran damit, Gesangsunterricht zu nehmen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es auch Kurse für Frauen gibt, die dort traditionelle persische Musik singen. Aber in der Akademie entdeckte ich einen Kurs. Von der ersten Stunde an fühlte ich mich magisch angezogen. Diesen Gesangskurs besuche ich bis heute.“

In der Gesangslehre von Mohammad Reza Shajarian

Dort wurde Mahdieh Mohammadkhani mit allen „Dastgah´s“ – den Modi der traditionellen iranischen Musik – vertraut gemacht. Zudem erkannte der renommierten Sänger und Musiklehrer Mohammad Reza Shajarian ihr Talent . Er nahm sie in seinen begehrten Gesangs-Kursen auf. Im vergangenen Jahr schaffte Mohammadkhani mit ihrem Debütalbum „Darya Del“ und den Song „Khooshe chin“ den Durchbruch und wurde prompt zum Liebling von Fans der traditionellen iranischen Musik.

Öffentliche Konzerte darf Mahdieh Mohammadkhani wegen des Gesangsverbots im Iran bis heute nicht geben. Dennoch sorgte kürzlich ein Video im Netz für Aufregung. In dem Film war ein Auftritt der Sängerin mit dem Ensemble „Mah“ und dem Komponisten Majid Darakhshani in Teheran zu sehen. Im Beisein des iranischen Kulturministers. Die Nachricht verbreitete sich in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer: Zum ersten Mal seit 36 Jahren, traute sich eine Sängerin, das Tabu zu brechen. Mahdieh Mohammadkhani wurde im Netz als Heldin gefeiert. Doch die Meldung erwies sich schnell als falsch.

„Ich frage mich immer noch, wer dieses Gerücht verbreitet hat. Denn es war nicht so. Wir haben für eine gemeinnützige Organisation ein kostenloses, privates Konzert gegeben. Da wurde auch das Video aufgenommen. Danach wurde dieses Gerücht verbreitet“

Kritiker werden eingeschüchtert

Über das Gesangsverbot spricht Mahdieh Mohammadkhani noch immer nur sehr vorsichtig. Denn die Regierung in Teheran nutzt jede Gelegenheit, um ihre Kritiker einzuschüchtern. Erst vor Kurzem wurde Mohammadkhanis Förderer, der Musiker Majid Derakhshani, am Flughafen an der Ausreise gehindert. Sein Pass wurde ihm abgenommen. Eine offizielle Begründung gab es nicht, aber der Verdacht liegt nahe, dass das Regime Derakhshanis Engagement für iranische Sängerinnen bestraft.

Immer wieder hat er sich kritisch in ausländischen Medien über die Lage weiblicher Musikerinnen im Iran geäußert. Derakhshani hat außerdem eine Band gegründet, in der nur Frauen spielen. Tar-Spieler Hamid Motebassem, der lange in Deutschland gelebt hat, ist zur Zeit mit seinem Ensemble Dastan gemeinsam mit Mahdieh Mohammadkhani auf Europatour.

Hamid Motebassem: Sie hat eine sehr saubere Stimme, die Intonationen sind perfekt. Und das ist eine Schande für eine Nation, dass die Frauen still bleiben müssen. Aber indem wir mit einer Sängerin arbeiten, fördern wir auch die Frauen im Iran.“

Mahdieh Mohammdkhani ist trotz des Gesangsverbotes zum neuen Star der persischen Musikszene geworden. Weil sie keine CDs verkaufen darf und ihre Musik auch nicht im Radio gespielt wird, wurde sie vor allem dank des Internets und ihrer Musikvideos im Iran bekannt. Um ein weiteres Zeichen gegen die Unterdrückung iranischer Künstlerinnen zu setzen, hat die junge Frau vor kurzem das Frauen Ensemble „Shahnava“ gegründet. Ihr größter Wunsch? In ihrer Heimat aufzutreten.

„Ich glaube, jede Frau wünscht sich das. Dass sie frei und ungehemmt das, wofür ihr Herz schlägt, was ihre größte Leidenschaft im Leben ist, ausüben kann. Mir geht es genauso. Ich wünsche mir, dass ich eines Tages im Iran singen darf und jeder diese klassische iranische Musik hören kann.“

Am Sonntag, dem 18. Januar 2015, singt Mahdieh Mohammadkhani mit dem Dastan Ensemble ab 18:00 Uhr live in Münster.

Quelle: Deutschlandradio

Vorerst keine Verschärfung von Kopftuchzwang im Iran

Wächterrat schmettert Gesetz als verfassungswidrig ab

Im Iran ist ein umstrittenes Gesetz zur Verschärfung des Kopftuchzwangs im Wächterrat gescheitert. Es wurde zur Nachbesserung an das Parlament zurücküberwiesen.

Das einflussreiche konservative Gremium, das Gesetze auf ihre Übereinstimmung mit dem Islam und der Verfassung überprüft, wertete 14 der 24 Punkte des Gesetzes als verfassungswidrig, wie ein Sprecher der Nachrichtenagentur Irna sagte. Das Gesetz sollte der Bassidsch-Miliz mehr Rechte bei der Überprüfung und Durchsetzung der Kleiderordnung geben.

Seit der iranischen Revolution 1979 gilt für Frauen und Männer eine strenge Kleiderordnung, die für Frauen ein Kopftuch vorschreibt, das Haare und Hals bedeckt, sowie weite Kleidung, die bis zu den Füßen und den Handgelenken reicht. Diese Bestimmungen werden von einer Moralpolizei durchgesetzt, die Frauen ermahnen und bestrafen kann, wenn diese ihrer Ansicht nach falsch gekleidet und schlecht verhüllt sind. Die Kleidervorschriften treffen aber besonders in den größeren Städten seit Jahren auf Ablehnung und Widerstand.

Konservative Politiker und Geistliche fordern regelmäßig eine Verschärfung der Gesetze und der Kontrollen, um gegen bunte und lockersitzende Kopftücher oder zu enge oder zu kurze Mäntel vorzugehen. Der moderate Geistliche Hassan Ruhani versprach bei seiner Wahl zum Präsidenten im Juni 2013, sich für mehr soziale und kulturelle Freiheit einzusetzen. Im Oktober distanzierte er sich von der Gesetzesinitiative und betonte, beim Kampf gegen „Laster“ sollte sich die Gesellschaft nicht allein auf die Frage des Kopftuchs konzentrieren.

Quelle: AFP/Reuter/DPA

Ein Steilpass in die Tiefe des Sports: Volleyballkrieg

Der Iran sperrt Frauen im Sport aus und sogar ein. Sanktionen gibt es aber nur im kleinen Rahmen. Der Iran wittert eine internationale Verschwörung, kritisiert auch die kritische Haltung von Österreich.

 (Die Presse)

Der Internationale Volleyballverband (FIVB) hat in dieser Woche eine große Chance ausgelassen, hat den Ball einfach ins Netz geschlagen, statt ein noch deutlicheres Zeichen zu setzen. Der Kontrahent heißt seit Wochen Iran, im Volleyball eine große Nummer, in der Welt des Sports aber ein Problemkind. Es geht konkret um die Diskriminierung von Frauen, denn in der Islamischen Republik ist ihnen der Besuch von Fußballspielen verboten. Aber auch Volleyballspiele der Herren dürfen nicht besucht werden.

Der Versuch einer jungen Frau, Ghontscheh Ghawami, sich dem zu widersetzen, hat zur Inhaftierung geführt. Sie war in Einzelhaft, nach Angaben ihres Anwalts wurde sie inzwischen zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Da ihr das Urteil noch nicht zugestellt wurde, ist Ghawami in Hungerstreik getreten.

Der Internationale Volleyballverband hat dagegen lautstark protestiert, einen Brief an den iranischen Präsidenten geschrieben, Menschenrechtsorganisationen fordern ihre Freilassung. Wobei der Präsident des iranischen Volleyballverbandes, Reza Davarzani, sagt, Ghawamis Fall habe nichts mit Volleyball zu tun und es unfair sei, „eine Verbindung zwischen einer nicht sportbezogenen Aktivität und unserem Sport herzustellen“. Die offizielle Begründung lautet nun: „Sie hatte Kontakte mit iranischen Oppositionskreisen und wurde daher wegen Propaganda gegen das Establishment angeklagt.“

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Stemmen bis Iran sich öffnet

Mahana Jami ganz oben - auf dem Tehraner Fernsehturm. Foto: privat.Mahana Jami ganz oben – auf dem Tehraner Fernsehturm. Foto: privat.

Sie trägt Highheels im Rollstuhl und träumt davon, im BMW laut singend durch ihre strengreligiöse Heimatstadt zu cruisen. Die Iranerin Mahana Jami, gelähmte Gewichtheberin, begeistert das Land mit Stärke und Optimismus. Ein Portrait von Anna Leli. 

Mahana Jamis Händedruck ist fest entschlossen. So große, kräftige Hände hätte man an der zierlichen jungen Frau mit dem sorgfältig auffällig geschminkten Gesicht kaum erwartet. Ihr Kopftuch – im Iran sind Frauen verpflichtet sich das Haar zu bedecken – trägt sie streng gebunden. Ihr Lachen aber zeigt eine Prise Ungestüm. In der revolutionären, Islamischen Republik Iran kann das der Moralpolizei leicht mal als unsittlich auffallen. Doch das herausfordernde Lachen passt zu Mahana: immerhin ist sie iranische Meisterin in einer herausfordernden Disziplin.  Wir treffen uns in einem der großen Teheraner Parks. Die Grünflächen sind im Iran vielerorts Symbole für gewisse Freiräume vom streng-religiösen Regime: Frauen dürfen hier Fahrrad fahren, Pärchen treffen sich. Seit letztes Jahr Präsident Hassan Rouhani den strengen Ahmadinedschad ablöste, sind auch die Kontrollen der Moralpolizei viel seltener geworden.

„Sind Sie nicht…?“ Ein Spaziergänger erkennt die 31-jährige Mahana. Seit sie vor zwei Jahren zur Primetime im iranischen Fernsehen gezeigt wurde, passiert ihr das öfter. Da hatte sie gerade allein mit der Kraft ihrer Arme den Milad Tower erklommen: 1.866 Stufen auf das Wahrzeichen Teherans. Mahana ist vom Rumpf abwärts gelähmt. Ihre Beine, die heute in strassbesetzten Highheels im Rollstuhl stehen, tragen sie keinen Zentimeter seit sie im Alter von zwei Jahren an Polio erkrankte. „Als Kind waren alle Stufen für mich unüberwindbare Hindernisse. Dann habe ich begriffen, dass sie eigentlich Herausforderungen sind“, sagt Mahana und strahlt. „Ich hab mir Stufen zum Lebensmittelpunkt gemacht.“

Mit 27 wog sie 75 Kilogramm und stemmte 113

Mahana wuchs als Waise auf, die Eltern gaben das Mädchen ab, als sie an Polio erkrankte. Sie ging auf öffentliche Schulen, kein bisschen barrierefrei. Und sie wollte weiter lernen auch als sie den Lehrern zu schwer wurde, um sie jeden Tag die 169 Stufen bis zum Klassenzimmer hinaufzutragen. Also begann sie, die Treppen selbst zu erklimmen – kraft ihrer Arme. „Ich habe begriffen: Ich musste aufhören, die Defizite zu sehen und auf meine eigenen Fähigkeiten vertrauen,“ erzählt sie. Mit 18 Jahren stellte sie den iranischen Rekord im Rollstuhlrennen auf. Mit 19 begann sie, Gewichte zu heben. Mit 27 wog sie 75 Kilogramm und stemmte 113. So wurde sie ein bisschen bekannt – und zu einer Persönlichkeit nationalen Interesses für Iran. Als Einladungen zu internationalen Wettbewerben kommen, reden ihr staatliche Beamte ins Gewissen: Ginge sie ins Ausland, könne das Probleme geben; bliebe sie, werde man sie im Iran fördern. Sie blieb, doch die versprochene Förderung erfüllte sich nie. „Ich bin stolz, Iranerin zu sein! Aber ich kann der ganzen Welt ein Vorbild sein!“, sagt die junge Frau energisch. Optimismus, sagt sie, ist ihr Leben.

Tatsächlich ist Mahana nur zu Besuch in Teheran: Morgen hat sie einen Termin im Innenministerium. Sie möchte nach Dubai reisen zu einem Wettbewerb für Menschen mit Behinderung: Sie soll die 60 Etagen des berühmten segelförmigen Burj al Arab erklimmen. Preisgeld 40.000 US Dollar. Bislang stellten sich die iranischen Behörden quer: Man fürchtet, Mahana könnte sich aus dem Iran absetzen. Doch die Sportlerin setzt auf die Gunst der Stunde: Seit Präsident Rouhani im Amt ist, stehen die politischen Zeichen auf Öffnung – und Mahana hofft auf die Ausreisegenehmigung. Das Preisgeld wäre ihr Ticket in eine bessere, selbstbestimmte Zukunft.

Mahana ist quasi mittellos. Sie hat einen Studienplatz für Chemie an der Universität von Mashhad ergattert und kommt dort kostenlos im Wohnheim unter. Die Großstadt Mashhad im Nordosten Irans ist bekannt für ihre religiöse Strenge. „Mein Traum ist es, reich zu werden. Dann kaufe ich mir einen dicken Mercedes, behindertengerecht, dreh die Musik auf und kurble die Fenster runter und cruise singend durch Mashhad!“ Singen in der Öffentlichkeit ist Frauen im Iran verboten, aber: „Wenn ich reich bin, dann kann ich alles tun“, lacht Mahana. Jetzt heißt es hoffen darauf, dass es weitergeht mit der Öffnung des Landes. Bis dahin trainiert sie weiter: acht Stunden täglich Gewichte stemmen, ganz allein.

Anmerkung der Redaktion: Die Begegnung mit Mahana Jami fand im Sommer 2014 statt. Ob die Ausreise klappte und Mahana das Preisgeld bekam, ließ sich nicht mehr nachverfolgen.

Quelle: 

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