Archiv der Kategorie: Iran 2014

Jahresbericht zur Menschenrechtslage im Jahr 2014 (Entwicklungen und Probleme) [ID 298544]

12.03.2015UK Foreign and Commonwealth Office

Iran

Jahresbericht zur Menschenrechtslage im Jahr 2014 (Entwicklungen und Probleme) [ID 298544]

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Periodischer Bericht: Human Rights and Democracy Report 2014 – Section XII: Human Rights in Countries of Concern – Islamic Republic of Iran

DLR| LANGTUNES: Verbotener Indie-Rock aus dem Iran

Für die Band ist es fast nicht möglich, in ihrer streng religiösen Heimat aktiv zu sein

Die Rockband Langtunes aus dem Iran
Die Rockband Langtunes aus dem Iran (Parvenue Records)

Im Iran ist Rockmusik streng verboten. Wer sich nicht daran hält, dem drohen harte Strafen. Die Langtunes aus Teheran haben deshalb ihre Heimat verlassen und in Deutschland ihr Debütalbum aufgenommen.

Der erste Höreindruck täuscht. Auch wenn Langtunes mit ihren schnellen Gitarren, Synthies und rockigen Sounds nach einer britischen Indie-Rock-Band klingen, kommen die vier Musiker aus der iranischen Hauptstadt Teheran. Gesungen wird bei ihnen ausschließlich auf Englisch, erklärt Sänger Behrooz Moosavi:

„Bevor wir uns in der Underground-Szene etabliert haben, haben wir ein oder zwei Songs auf Persisch gesungen. Aber die persische Sprache ist eine sehe romantische und komplizierte Sprache. Sie versperrt uns den Weg, wenn wir uns einfach ausdrücken wollen.“

Langtunes haben sich vor fünf Jahren in Teheran gegründet, berichtet der 29-jährige Frontmann der Band, der in seiner Heimat als Software-Ingenieur arbeitet. Ausgerechnet 2009 – in dem Jahr, als es zu blutigen Auseinandersetzungen wegen der Wahlfälschung von Präsident Ahmadinedschad kam.

„Die ersten Songs von uns waren von der damaligen Stimmung im Land beeinflusst, sie waren politisch. Aber danach haben wir unseren Stil gefunden. Wir sind keine politische Band. Unsere Texte beschreiben unsere Erlebnisse im Alltag. Sie können romantisch sein und spiegeln zum Beispiel unsere Erfahrungen im Ausland wider. Für uns ist der Sound wichtiger. Wenn der Text dann dazu passt, schön, wenn nicht, sind wir nicht so empfindlich.“

Rocker werden als Satanisten beschimpft

Für Langtunes ist es fast nicht möglich, im streng religiösen Iran aktiv zu sein. In einem Land, in dem westliche Musik verboten ist. In dem Frauen nicht singen dürfen und in dem persisch singende Alternativ-Musiker nur heimlich im Untergrund existieren können. Rocker werden als Satanisten beschimpft. Eine Genehmigung für öffentliche Auftritte gibt es nicht. CDs zu veröffentlichen, erlaubt das strenge Kulturministrium „Ershad“ ebenfalls nicht. Deshalb ist die Band nach Deutschland gereist, um hier ihr Debütalbum „Teherantor“ aufzunehmen, freut sich Gitarrist Kamyar Keramati:

„Wir haben es erst gar nicht versucht zum Kulturministerium zu gehen. Wir sind überhaupt froh, dass die uns weitestgehend in Ruhe gelassen haben und nicht meckern, dass wir Rock Musik machen und uns als Satanisten beschimpfen. Wir wollten es gar nicht so weit kommen lassen. Wir sahen auch keinen Hoffnungsschimmer. Es gab Bands, die auf Persisch gesungen haben und bekamen keine Genehmigung. Was sollen wir dann sagen, mit unseren englischen Texten? Außerdem diese schnellen, provakanten Rhythmen – es hat keinen Sinn gehabt, wir haben es gar nicht versucht.“

Sänger Behrooz Moosavi bezeichnet sein Heimatland Iran als „Land der Gegensätze“. Die Situation ist paradox, denn auf der einen Seite gäbe es strenge Regeln und Gesetze, auf der anderen Seite missachten die meisten Leute diese Vorschriften. Oft geht es gut. Wenn man erwischt wird, kann es aber auch böse Folgen haben.

„Einmal wollten wir mit Freundinnen zu einer Party. Wir hatten unsere Instrumente dabei gehabt und auch Alkohol. Unterwegs wurden wir angehalten und als sie unsere Gitarren und die Wodkaflasche entdeckt hatten, wurden wir verhaftet. Auch unser Aussehen und wie wir uns anziehen regt sie auf.“

Neun Monate Haft und 160 Peitschenhiebe

Bass-Spieler Garen und Behrooz Moosavi wurden zu neun Monaten Haft und 160 Peitschenhieben verurteilt. Weil sie ihre Freundinnen dabei hatten und in einer nichtehelichen Beziehung lebten, Alkohol dabei hatten und zu westlich aussahen. Allerdings wird die Strafe erst dann vollzogen, wenn sie erneut erwischt werden. Unter solchen Umständen können die Langtunes in der geheimen Indie-Rock-Szene im Iran nicht musizieren. Übers Internet verbreiten sie ihre Musik und schicken ihre Demo-CDs an Festivalorganisatoren. Vor drei Jahren kamen sie dann das erste Mal nach Deutschland, erinnern sich Gitarrist Kamyar und Sänger Behrooz.

Behrooz: „Wir spielten auf einem Festival. Das Jahr danach wurden wir schon für 17, 18 Gigs gebucht. Immer mehr Menschen kannten uns, die Promoter haben uns weiterempfohlen. Unser Netzwerk wurde immer größer und größer. Diesen Sommer wurden wir für 27 Konzerte gebucht.“

Kamyar: „In Deutschland gibt es die meisten Festivals im Sommer. Dann hat uns jetzt ein Label hier unter Vertrag genommen. Was wollen wir mehr? Ich glaube wir sind jetzt soweit, dass wir von Deutschland aus durchstarten können.“

Tatsächlich gelten die Indie-Rocker aus dem Iran als Exoten. Immerhin touren Sie mit ihren Künstlervisa auf europäischen Festivals. Anfang Januar werden die Langtunes wieder in den Iran gehen. Die ersten Früchte ihres Erfolgs scheinen die vier Musiker mittlerweile in Deutschland zu ernten:

„Wenn man mir sagt, dass ich morgen sterben würde, dann bin ich nicht traurig. Ich sage, ich habe meine Arbeit getan und bin glücklich. Klar, gerne würden wir noch viel Geld verdienen und vor Tausenden im Stadion spielen. Aber ich denke, alle meine Wünsche sind jetzt wahr geworden und ich lebe jetzt in meinem Traum.“

Quelle:Deutschland Radio Kultur

Iran Press Review – 01.12.2014

  • Reuel Marc Gerecht writes in The Weekly Standard: “Predictably, President Barack Obama and Supreme Leader Ali Khamenei have decided to extend again the Joint Plan of Action, the interim nuclear deal they concluded in November 2013. Unlike the last extension, which was for four months, this one is for seven months; the “political” parts of the deal, Secretary of State John Kerry assures us, should be done by March, while further “technical and drafting” details may take until July. This is an odd situation: Obama agreed to the first, shorter extension last July, when little progress on the big issues had been made. Yet after 10 rounds of negotiations and numerous side meetings, in which, per Secretary Kerry, “progress was indeed made on some of the most vexing challenges that we face,” we now need a longer extension? This is necessary, the secretary suggests, because the great progress made is just so “complex” that it requires, as he put it, an “incredible amount of rigorous technical analysis of concepts.”
  • Benjamin Weinthal writes in The Jerusalem Post: “Since the world powers reached an interim agreement to slow down Iran’s nuclear weapons program last year, there has been an astonishingly fast-paced change by some European countries and institutions to ignore the Islamic Republic’s wretched human rights record. Put simply, a topsy-turvy situation is unfolding where an abnormal regime in Tehran is being mainstreamed as normal.”
  • Emanuele Ottolenghi wrote in Real Clear World: “The deadline for a nuclear deal came and went Monday with no agreement – just a seven-month extension of the interim agreement. Public comments by Western and Iranian officials, as well as media reports, suggest that enough progress has been made since Iran and the six world powers signed the interim agreement in Geneva last year to justify carrying on talking. After 11 years of inconclusive negotiations, there is only one possible final outcome: Unless the West folds to Iran’s demands, there is no chance that an agreement will be reached.”

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BZ.at| Wasser teurer als Benzin – Eindrücke einer Iran-Reise

Während die westliche Welt um ein Atomabkommen mit dem Iran ringt, besuchten 28 österreichische Jungbauern das Land.
Die österreichischern Jungbauern mit Vertretern der iranischen Landwirtschaft © Jungbauern/Alena

Die österreichischern Jungbauern mit Vertretern der iranischen Landwirtschaft © Jungbauern/Alena
Wieder einmal stand in den vergangenen Tagen und Wochen das umstrittene Atomprogramm des Iran im Zentrum des Interesses der Weltöffentlichkeit. Internationale Chefdiplomaten, darunter die Außenminister der USA, John Kerry, Deutschlands, Frank-Walter Steinmeier, Russlands, Sergej Lawrow, Frankreichs, Laurent Fabius, Chinas, Wang Yi, und die EU-Beauftragte Catherine Ashton, rangen mit Irans Außenminister Mohammad-Javad Zarif zu Wochenbeginn in Wien erneut um eine Lösung in der Atomfrage.
Hintergrund des Streits sind die Bestrebungen des Iran in der Atompolitik, dem der Westen vorwirft, diese nicht nur für rein zivile Zwecke, wie vom Iran behauptet, sondern für den Bau von Kernwaffen benutzen zu wollen. Das ist auch der Grund für die gegen den Iran verhängten Wirtschaftssanktionen. Der Iran ist eines der weltweit bedeutendsten Förderländer für Erdöl. Die Sanktionen setzen dem Land entsprechend schwer zu. Lenkt der Iran bei seinem Atomprogramm ein, so stellen die EU und die USA Lockerungen der Sanktionen in Aussicht. Da die Gespräche in Wien keine Einigung brachten, wurde die Frist für die Verhandlungen bis 30. Juni 2015 verlängert.
Fernab dieser Verhandlungen besuchte eine Gruppe österreichischer Jungbauern kürzlich den Iran. Einer der stärksten Eindrücke für die Jungbauern war das Problem des Irans mit der Wasserversorgung. Der starke Wassermangel sowie das hohe Erdölvorkommen führen dazu, dass ein Liter Wasser mit zehn Cent mehr kostet als ein Liter Treibstoff, der schon ab sechs Cent zu haben ist.
Vor Ort erhielten die österreichischen Jungbauern Einblick in die iranische Landwirtschaft. © Jungbauern/Alena

Vor Ort erhielten die österreichischen Jungbauern Einblick in die iranische Landwirtschaft. © Jungbauern/Alena

Das Land in Eckdaten

Im Iran leben etwa 77 Mio. Menschen. 60 Prozent (%) der Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre. Rund 1,2 Mio. Menschen leben als Nomaden, die Schafe und Ziegen halten. 25 % der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft und in der landwirtschaftlichen Produktion tätig. Hauptexportprodukte sind neben dem Erdöl Teppiche, Pistazien, Datteln, Zitrusfrüchte und Reis.
Das Land ist 4,5 mal größer als Deutschland. Rund 55 % der Landesfläche sind Wüste und Steppe. 14 Mio. ha werden landwirtschaftlich genutzt, davon werden etwa acht Mio. ha bewässert. Die biologische Landwirtschaft hat auch im Iran Einzug gehalten und so werden aktuell circa 90.000 ha biologisch bewirtschaftet.
99 % der Bevölkerung sind Muslime, davon 90 % Schiiten. Durch den großen Einfluss der schiitischen Geistlichkeit und der Anwendung der Scharia (göttliches Gesetz) sind besonders Frauen in den meisten Rechtsbereichen benachteiligt. Von der strengen Kleidervorschrift bis hin zu Berufsverboten.
Die Regenzeit ist von Februar bis April, und es regnet durchschnittlich 300 mm pro Jahr bei 300 Sonnentagen. Der Iran ist ein Land, in dem die Ressource Wasser sehr knapp ist und vor allem zur Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen eingesetzt wird. Ein erheblicher Teil des dafür benötigten Wassers wird aus den Grundwasserreserven entnommen. Die Folge daraus ist das rasante Absinken des Grundwasserspiegels von Jahr zu Jahr. Ein Hektar Ackerland kostet 120 Euro.

Freitag| Wo steht der Iran heute?

Marktliberalisierung Ein nicht ganz neuer neoliberaler Kurs verändert den Iran und seine Beziehung zum Westen. Eine gute Entwicklung? Interview mit dem Exiljournalisten Soheil Asefi. (Auszug)

Ein Nutzerbeitrag von Sönke Paulsen

Der in Berlin lebende Soheil Asefi ist unabhängiger Journalist und Analytiker in Fragen des Irans und des Nahen Ostens. Asefi wurde  in Teheran geboren und begann sehr früh mit dem Schreiben von Artikeln. Er arbeitete für eine Vielzahl von Medien und Publikationen und schrieb Kolumnen über Politik und Geschichte, sowohl für Printmedien als auch online. 2007 wurde er verhaftet und verbrachte drei Monate im Gefängnis Evin in Teheran, die meiste Zeit seiner Inhaftierung verbrachte er in Einzelhaft im berüchtigten Trakt 209. Er kam gegen Kaution frei und verließ vor einigen Jahren den Iran – nachdem er zehn Jahre für große iranische Medien gearbeitet hatte. Unter dem Schutz des Writers in Exile-Programms des PEN-Zentrums Deutschland kam er als Gast der Stadt Nürnberg nach Deutschland.  Soheil Asefi ist Preisträger des Hermann-Kasten-Preises der Stadt Nürnberg. Seine Artikel erschienen in Publikationen wie „Monthly Review”, „Counterpunch” und „Media with Conscience‘. Zudem ist er Redaktionsmitglied von  Journalists in Exile (JIE), einem von Reporter ohne Grenzen betriebenen Blog. (He can be reached onTwitter.)

Das Interview wurde von Sönke Paulsen (Berlin) geführt.

Soheil, Sie haben viel über die neoliberale Wirtschaftspolitik des Irans in den letzten Jahren geschrieben. Dennoch haben religiöse Stiftungen, die Bonyads, immer noch die Kontrolle über 80% der iranischen Wirtschaft. Wie stehen sie zu einer neuen Phase wirtschaftlicher Privatisierung und welche Interessenslagen sehen Sie, die sich gegen diesen Kurs der Marktliberalisierung richten?

S.A:Ich möchte die Frage etwas erweitern, denn die Bonyads werden zu einem großen Teil von Mitgliedern und ehemaligen Mitgliedern der Iranischen Revolutionsgarden beherrscht. Die IRGC (Army of the Guardians of the Islamic Revolution) wurde 1979 gegründet. Es waren schiitische Militärs, die, loyal gegenüber Khomeni , gewissermaßen zu Prätorianern des klerikalen Regimes wurden und dieses gegen die Opposition schützte und auch gegen das traditionelle iranische Militär, das eine Bedrohung für das Regime darstellte.

Verstehe, aber wie bekamen die Revolutionsgarden diese ökonomische Macht?

S.A:Man kann es einfach ausdrücken. Nachdem sie im Krieg gegen den Irak in die iranische Armee integriert wurden, kamen sie schnell in eine Führungsrolle und kontrollierten überdies zunehmend die Geheimdienste, waren zuständig für den Grenzschutz und somit auch in der Lage, die internationalen Warenströme und Kapitalflüsse zu kontrollieren. Es gab schlicht niemanden, der sie begrenzte oder anders ausgedrückt, sie hatten im klerikalen Iran keine Konkurrenz. In den neunziger Jahren kontrollierten sie sogar den Schwarzmarkt, einschließlich des verbotenen Alkoholhandels.

Die Garden kontrollieren weiterhin militärische Schlüsselpositionen, was bis zum Raketenprogramm und dem Atomprogramm des Iran geht. Als dann die Privatisierung von strategisch wichtigen Unternehmen, beispielsweise Öl-Firmen, politisch beschlossen wurde, war klar, dass damit keine Internationalisierung gemeint war. Die Unternehmen gingen an die gesellschaftliche Gruppe, die einerseits loyal gegenüber dem Klerus war und andererseits über die nötige wirtschaftliche Kompetenz verfügte, und das waren die Garden!

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