Archiv der Kategorie: Kultur

CNN-Reportage: Anthony Bourdain im Iran

Der Koch und Autor Anthony Bourdain bereist für seine TV-Reportagen alle Herren Länder und lässt sich von den Einheimischen traditionelle Gerichte zubereiten, besucht Märkte und lässt die die kulinarische Kultur des Landes zeigen und schmecken.
In seiner neuen Reportage-Reihe Parts Unknown besuchte er in einer seinenletzten Folgen den Iran.

Dabei sind schöne Bilder und eine tolle Reportage entstanden, die mich sehr an unsere Reise in den Iran im Frühjahr erinnerten. Offene und freundliche Menschen, eine atemberaubende Kultur, Verkehrs-Chaos auf den Straßen und nicht zu letzt das leckere Essen.

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Afghanische Redensarten und Volksweisheiten: „Die Ankunft des Königs führt zum Untergang des Dorfes“

Afghanistan ist ein Vielvölkerstaat und ein Land voller Redensarten und Volksweisheiten. Sie sind ein fester Bestandteil der Kultur, die jedoch vielen jungen Afghanen immer weniger geläufig ist. Der Deutsch-Afghane Noor Nazrabi hat viele Redewendungen gesammelt und jetzt ein Nachschlagewerk auf Deutsch und Dari veröffentlicht. Kathrin Erdmann stellt es vor.

Seine ganzen Ersparnisse hat Noor Nazrabi in sein Buch „Afghanische Redensarten und Volksweisheiten“ gesteckt. „Und meine ganze Liebe, deshalb habe ich auch keine Freundin“, sagt er breit lächelnd, während er in einem Hamburger Unicafé über sein erstes eigenes Werk erzählt. Der 30 Jahre alte Nazrabi arbeitet als interkultureller Trainer, hat Marketing und Kommunikation studiert und für die Buchreihe eigens den Afghanistik Verlag gegründet.

„Viele Menschen interessieren sich in Deutschland für Afghanistan, aber sie hören immer nur von Krieg und Konflikten. Doch es gibt noch viele andere Seiten, von denen ich eine der schönsten zeigen wollte“, sagt er.

Die 200 Seiten des Nachschlagewerks sind in insgesamt acht Kapitel aus den unterschiedlichen Lebensbereichen unterteilt. Es geht um Gott und den Glauben, den Menschen und die Gesellschaft, ebenso wie um den Zyklus des Lebens. Alle Sprichwörter sind alphabetisch geordnet, in Dari und lateinischer Umschrift sowie Übersetzung aufgeführt. Weil nicht alle Sprichwörter selbsterklärend sind, liefert der Autor jeweils eine Interpretation dazu.

Redensarten als pädagogische Maßnahme

Illustration von Moshtari Hilal in "Afghanische Redensarten und Volksweisheiten" von Noor Nazrabi

Anhaltend hoher Stellenwert von Sprichwörtern und Volksweisheiten in Afghanistan: „Viele Menschen glauben an die Weisheiten, handeln nach ihnen. Sie geben auch Auskunft über innerliche Befindlichkeiten“, erklärt der Autor.

So erfährt der Leser, dass die Redensart „Die Ankunft des Königs führt zum Untergang des Dorfes“ im übertragenen Sinne meint, das nicht jeder zum Regieren geeignet sei. Und er entdeckt – wenn auch erst auf den zweiten Blick – so manche Parallele zu deutschen Sprichwörtern. So sagt der Afghane zum Beispiel „Die Welt vergeht in Hoffnung essen“, was so viel bedeutet wie: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

„Redensarten werden in Afghanistan oft auch als pädagogisches Mittel eingesetzt“, fährt Noor Nazrabi fort, blättert durch das Buch und zeigt auf den Spruch „Eigentum ist wie Salzwasser“. „Das bedeutet, wenn man Geld hat, strebt man nach immer mehr, aber das ist nicht gut. Man sollte von Habgier Abstand nehmen.“

Dass Sprichwörter und Volksweisheiten in Afghanistan vor allem in der älteren Bevölkerung immer noch einen enormen Stellenwert haben, liegt aus Sicht des Autors vor allem an der schlechten Bildungssituation vieler Menschen. 70 Prozent könnten nicht schreiben und lesen, bei den Frauen seien es sogar noch mehr. „Viele Menschen glauben an die Weisheiten, handeln nach ihnen. Sie geben auch Auskunft über die innerliche Befindlichkeit einer Person“, erklärt Nazrabi.

Die gebackene Frau

Interessant sind unter anderem die Kapitel über die Männer- und Fraueneigenschaften. Dem Mann werden Eigenschaften wie Stärke und Mut zugeschrieben, den Frauen eher Schwatzhaftigkeit.  Manches lässt einen auch schmunzeln wie zum Beispiel die Zuschreibung „gebackene“ Frau, was Nazrabi mit „kluge und intelligente“ Frau übersetzt. Im Deutschen würde man vielleicht eher sagen: eine „gestandene“ Frau.

Diskriminierende Floskeln sowie Plattitüden hat der Autor bewusst ausgeschlossen, wie es im Vorwort heißt. Dennoch gibt es einige geschlechterabwertende Sprichworte wie „Treue dem Hund, Untreue den Frauen“, ein Sprichwort über die Untreue der Frauen. Der Autor hat Redensarten wie diese entsprechend gekennzeichnet.

Für sein Werk ist der Autor extra in seine alte Heimat gereist. Er war in alten Bibliotheken, hat Professoren in Afghanistan kontaktiert und viel mit Bekannten und Verwandten gesprochen. Sein Nachschlagewerk sei in dieser Ausführlichkeit einzigartig, ist er sicher. Es ist das erste von insgesamt vier Bänden, je zwei in Deutsch-Dari und in Deutsch-Paschtu sind geplant.

„Die Kultur auch im Exil zu erhalten“

Noor Nazrabi möchte seinem Volk, das so lange im Krieg gelebt hat, damit ein Stück Identität zurückgeben. „Afghanistan ist ein Vielvölkerstaat, der sich gerade findet. Die Redensarten können dazu beitragen, sich der eigenen, gemeinsamen Kultur und Herkunft bewusst zu werden“, hofft er.

Buchautor Noor Nazrabi; Foto: Afghanistik Verlag

„Afghanistan ist ein Vielvölkerstaat, der sich gerade findet. Die Redensarten können dazu beitragen, sich der gemeinsamen Kultur und Herkunft bewusst zu werden“, hofft Noor Nazrabi.

Zugleich ist das Buch für junge Afghanen und Afghaninnen in Deutschland gedacht. „Viele haben keinen richtigen Bezug mehr zur Kultur und Heimat ihrer Eltern, weil sie selbst in Deutschland geboren und aufgewachsen sind“ und vielleicht könne sein Buch ihnen ja Lust darauf machen, sich wieder mehr damit zu beschäftigen, hofft der Deutsch-Afghane.

Lust auf Lesen macht das Buch allemal, auch weil es durch die Illustratorin Moshtari Hillal immer wieder Neues zu entdecken gibt. Mit ihren mal fein, mal fett gezeichneten Figuren, einzelnen hervorgehobenen Redewendungen in Deutsch und Dari hat das Buch etwas Uneinheitliches, so wie Afghanistan mit seinen vielen Völkern.

Ein Dankeschön an Deutschland

Der aufmerksame Leser wird an einzelnen Stellen feststellen, dass hier und da ein Wort fehlt oder vielleicht auch über den einen oder anderen Begriff stolpern, der so im Deutschen unüblich ist.

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RP| Im Iran fiebern zwei Studenten mit Bayer

Leverkusen: Im Iran fiebern zwei Studenten mit Bayer

Seyyed Hossein Alavizadeh (links) und Seyyed Mohsen Alavizadeh sind leidenschaftliche Bayer-04-Fans aus dem Iran.FOTO: Hossein Alavizadeh
Leverkusen. Hossein und Mohsen verpassen kein Spiel der Werkself – obwohl sie 5000 Kilometer entfernt wohnen. Die beiden Iraner sind leidenschaftliche Anhänger der Werkself. Von ihrem Lieblingsklub haben sie sogar schon Filme gedreht. Von Christian Buhl

Mehr als 5000 Kilometer liegen zwischen der BayArena und der Stadt Sabzevar. Täglich fließen mehrere Gigabyte an Daten von Leverkusen durch Internet-Leitungen in einen kleinen Studenten-Haushalt in die Stadt im Nordosten des Irans. Auch am Samstag war das wohl so. Da saßen Hossein Alavizadeh und Mohsen Alavizadeh wieder vor dem PC-Bildschirm und haben sich das Spiel Bayer Leverkusen gegen Mainz 05 angeschaut. Das Fußball-Herz der Iraner schlägt seit Jahren für die Werkself.

Wer sind die beiden? Hossein Alavizadeh (22) studiert Veterinär-Medizin an der Garmsar Universität, etwa 80 Kilometer von Teheran entfernt. Genau wie Mohsen Alavizadeh (20) kommt er aus Sabzevar. Weil Mohsen an der Mashhad Universität für Ingenieurwissenschaften eingeschrieben ist, wohnen die beiden während des Semesters 800 Kilometer voneinander entfernt.

Seit zehn Jahren Bayer-Fans „Da haben wir zum ersten Mal den Namen Bayer Leverkusen gehört“, erzählt der 22-jährige Hossein. Damals seien sie aber noch zu klein gewesen, um etwas von Fußball zu verstehen. Aber die „tollen Spiele“ mit Bernd Schneider, Carsten Ramelow und Michael Ballack hätten die kleinen Jungs damals beeindruckt. „Und Jetzt unterstützen wir den Verein schon über zehn Jahre“, betont Hossein.

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Teheran| Einschulung 2014 Deutsche Botschaftsschule

Am 5.September war es endlich soweit! 14 stolze Schulanfänger mit vollgefüllten, selbstgebastelten Schultüten freuten sich auf die Einschulungsfeier, die liebevoll von den Grundschulkindern vorbereitet worden war. Nach den Vorführungen wurden die Erstklässler von ihren Paten und der Klassenlehrerin Frau Geigl in ihr Klassenzimmer begleitet.

Die erste Schulstunde hat allen viel Spaß gemacht!

Traditional elements shine in Iran’s modern art

Artist Gizella Varga-Sinai sits next to her painting, „Mazenderan(North 5)“ June 28, 2009. (photo by Gizella Varga-Sinai)

Gizella Varga-Sinai’s artwork doesn’t simply boast beauty, it recites poetry in volumes. Her “Kallehpaz” — one of the hundreds of paintings reflecting her love of Iran, Persian culture and everyday life — has found a permanent home at the George Pompidou Cultural Center in Paris.

Varga-Sinai has lived in Iran since 1967. Originally Hungarian, her passion for Persian culture probably exceeds most cultured Iranian artists. She speaks Farsi fluently with an elegant and poetic choice of words, yet with a perfect grasp of modern everyday literature.

The artist’s newest project is an amazing series of work exhibited in several countries and soon to be unveiled in Tehran. While working on this project, she is also passionately pursuing two other cultural projects. One is a short film for an upcoming festival in Tehran, a project she agreed to do to encourage Iranian youths to pursue the arts. She will also spend some time in the south of Iran to work on an art project about the Persian Gulf.

When asked in a telephone interview with Al-Monitor about young and rising Iranian artists, Varga-Sinai says, “We professional veterans need to work hard to keep up. There are so many promising young artists in today’s Iran. Some of them have this new hobby of meeting up and gathering in art galleries. A large number of upscale modern art galleries have sprung upon the artistic scene of Tehran over the recent year. Most exhibitions open on Fridays, when people are off work and traffic is surmountable. A lot of young artists and art lovers have set this tradition of meeting up at these art galleries. Girls doll up and boys dress impeccably, and they spend their Friday afternoons seeing art and mingling. It’s amazing.”

I ask Varga-Sinai about the current condition of the arts in Iran, and whether she has observed any notable developments under the presidency of Hassan Rouhani. She replies, “During [Mahmoud] Ahmadinejad’s presidency, pretty much everything in the artistic sphere was on hold. There was no activity. Over the past year, however, fresh blood is running into the veins of modern arts and artistic events in Iran. A lot has already evolved, and much is changing for the better.”

Varga-Sinai recently unveiled her travel book on Georgia, about her first trip to the country. She tells me she found it a great experience. She says, “Although the country is so close to Iran and I travel so much, I had never been there before. I love the post-socialist freedom that has brought about so many artistic virtues in Georgia, particularly among the youth. I related to that entire ambience.”

Gizella Varga-Sinai was born in Budapest at the height of World War II. The story of her life, family and upbringing is a one-of-a-kind tale spiced with everlasting longing to discover the East and yearning to decode the West. She moved to Vienna and then to Iran with her renowned filmmaker husband, Khosrow Sinai, and eventually called Tehran her home and herself Gizella Varga-Sinai.

Varga-Sinai is an artist I know well, and I have lived through the decade of not seeing her by following her artwork. She is a true artist who lives art, practices painting and preaches poetry distant from the conventional narcissism and negativity of many artists. She’s modest and cheerful and ever ready to explore and experience. So when she gathers this all into a collection reflecting her worldwide travels throughout the years, accentuating elements that have affected her work, the collection becomes a must-see.

“The last bit I’ve added to the bits and pieces symbolizing my life over the years is a copy of my national card [a relatively recent addition to Iranians’ personal identification documents]. The strong point of this exhibition is that it could be folded up and then spread out fairly easily. So it’s quite portable, although showing it with all the installation along with it requires ample space.”

In this new collection of Varga-Sinai’s art, you see her wearing slip-on shoes and carrying her brown suitcase with a maple leaf on it. She is placing her belongings and her faith in the suitcase en route to Vienna from Budapest, on the „Viennese Waltz,“ the name of the train running over the Danube between Budapest and Vienna. At an exhibition in Budapest, her daughter played her as a young aspiring dreamer. She herself was, of course, the eternal dreamer, present in the exhibition as the Varga-Sinai of today. She says she would love to show her recent work in the United States and is open to invitations to exhibit the collection.

Varga-Sinai calls herself a „Hungarian wanderer in Iran,“ which is the title of her newest batch of artwork as well. She knows Iran very well, and always speaks of the Iranian cultural, literary and natural elements that have helped shape her work over the years. She used to visit Hungary more often, when her mother was alive. In recent years and in the wake of her mother’s passing, however, she has been visiting her homeland less frequently, and has been staying more in Iran — her other and beloved homeland, as she calls it.

One of Varga-Sinai’s new creations is what she refers to as her „magical veil.“ On it, she has printed pictures of herself over the years and in the countries where she has lived, and elaborated on them with symbols of those countries and those eras. Her passport photo (in a socialist Hungarian passport, symbolizing her country as she left it), her picture combined with the lion-and-sun symbol of the Iranian flag before the revolution, and a copy of her Iranian national card are among the images. I ask her the reason she chose a white veil to collect all these symbols and elements. Varga-Sinai replied, “It bears a feeling of home, of Iran and my love of Iran. Traditional Iranian women still wear a white veil with a colored floral print when they want to go outside the house in the yard, or to run a quick errand nearby. This is the familiar veil, the chador. And mine bears its imprinted magic of the years and times.”

Gizella Varga-Sinai is an artistic phenomenon. Once, years ago, she told me, “Hungarians used to be nomads, and I think that may be the root of my passion for the East, and for Iran. Who knows? Perhaps, in another life, I was born and bred in Iran.”

Source: AL-Monitor

Für ein Jahr „freiwillig unters Kopftuch“

Vor der Abreise: In ihrer Leeraner Wohnung wartete Hilke Jabbarian zwischen gepackten Koffern und zahlreichen Büchern über den Iran auf ihren Abflug. Bild: Ortgies

Vor der Abreise: In ihrer Leeraner Wohnung wartete Hilke Jabbarian zwischen gepackten Koffern und zahlreichen Büchern über den Iran auf ihren Abflug. Bild: Ortgies

VON PETRA HERTERICH

Hilke Jabbarian aus Leer unterrichtet jetzt an der deutschen Botschaftsschule in Teheran. Die 58-Jährige ist seit rund einer Woche im Iran. Es war immer ihr Traum, die Kultur vor Ort kennenzulernen.

Leer – Die Sehnsucht nach dem Iran war schon lange da. Diese Neugier auf das Leben dort, die Kultur, die Menschen. Jetzt wurde sie gestillt: Vor rund einer Woche ist Hilke Jabbarian aus Leer Richtung Teheran aufgebrochen. Die Lehrerin wird dort ein Jahr lang in der deutschen Botschaftsschule unterrichten. Inzwischen ist sie angekommen: „Ich bin hier wunderbar aufgenommen worden“, schreibt sie in einer ersten Mail an die OZ.

Viele Vorträge hat sie in Deutschland zum Thema Iran gehalten, ein Buch über den Schleier geschrieben. Und jetzt: „Jetzt gehe ich selber ein Jahr lang freiwillig unters Kopftuch“, sagte sie vor ihrer Abreise lachend. Sie habe gar nicht damit gerechnet, dass sie die Stelle an der Botschaftsschule bekommen würde. Es habe so viele Bewerbungen gegeben. „Als die Zusage kam, habe ich mich unheimlich gefreut“, sagt die 58-Jährige.

Alle Klassen seien mit I-Pads ausgestattet

Ihre Familie – darunter ihre zwei erwachsenen Kinder – hätten gratuliert: „Sie wussten ja alle, dass das immer mein Traum war“, sagt Jabbarian. Seit dem Studium habe sie sich mit dem Iran beschäftigt – nun arbeitet sie dort. „Ich unterrichte eine dritte Klasse mit zehn Schülern – davon können die Lehrer in Deutschland nur träumen“, berichtet Jabbarian. Sie gibt die Fächer Deutsch, Sachkunde und Ethik. Auch eine Koch-AG hat sie geplant: „In Ostfriesland habe ich oft persisch gekocht – hier mache ich das umgekehrt.“

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Berlin| PRESSEFREIHEIT IM IRAN – ZWISCHENBILANZ DES HOFFNUNGSTRÄGERS ROHANI

                 

 

PRESSEFREIHEIT IM IRAN – ZWISCHENBILANZ DES HOFFNUNGSTRÄGERS ROHANI

 

Es diskutieren:

  • MARKUS LÖNING, ehemaliger Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung 
  • FARHAD PAYAR, Chefredakteur von Transparency for Iran 
  • WALTER POSCH, Iran-Experte und stellvertretender Forschungsgruppenleiter der Stiftung Wissenschaft und Politik

Moderation:

CHRISTOPH DREYER, Pressereferent und Iran-Experte bei Reporter ohne Grenzen 

DIENSTAG, 30. SEPTEMBER 2014 18:30 Uhr

MAGNUS-HAUS, AM KUPFERGRABEN 7, 10117 BERLIN-MITTE

 

als Hassan Rohani bei der Präsidentenwahl im Iran vor gut einem Jahr schon im ersten Wahlgang mit über 50 Prozent der Stimmen gewählt wurde, war dies eine echte Überraschung.

Mit Rohani an der Spitze des Landes keimten Hoffnungen auf Reformen in der Islamischen Republik Iran auf. Das seit Jahrzehnten autoritär regierte Land verweigert seiner Bevölkerung systematisch grundlegende Menschenrechte wie Presse- und Meinungsfreiheit. Gegen Andersdenkende geht die Regierung mit Einschüchterung und Gewalt vor. Die Demonstrationen im Spätsommer 2009 haben gezeigt, wie stark der Drang nach Freiheit und Mitbestimmung in der jungen iranischen Gesellschaft ist. Die Proteste haben aber auch verdeutlicht, zu welchen Maßnahmen das Regime zu greifen bereit ist, wenn es sein Macht- und Meinungsmonopol bedroht sieht. So gehört der Iran zu den Ländern, aus denen Reporter ohne Grenzen in den vergangenen Jahren die meisten Hilfsanfragen verfolgter Journalistinnen und Journalisten bekommen hat. 

Gesteht der Iran unter der Präsidentschaft Rohanis seinen Bürgerinnen und Bürgern mehr Meinungsfreiheit zu und lockert die Zensur der Medien? Mit welchen Unterstützern und Widersachern muss Präsident Rohani bei entsprechenden Reformen rechnen? Kann Präsident Rohani die großen Erwartungen erfüllen, die viele Iraner in ihn und seine Ankündigungen für mehr Respekt vor den Menschenrechten gesetzt haben? Wir laden Sie herzlich zu einem informativen Diskussionsabend ein!

Für die Anmeldung folgen Sie bitte diesem link: https://shop.freiheit.org/#!/events/id/odeuk

Crystal meth, skinny jeans and underground bloggers — it’s the Iran you never see

Credit: Morteza Nikoubazl/Reuters

Women gaze at jewelery displayed at an international fair in Tehran.

Life in Iran’s capital Tehran might seem stodgy — think angry ayatollahs, black chadors and mobs exhorting „Death to America.“ That’s real, but so is the less visible side of Tehran: the illicit drugs, hipster fashion and outraged bloggers.

That side of the city is on display in City of Lies: Love, Sex, Death and the Search For Truth in Tehran, the latest book from Iranian author Ramita Navai.

Navai introduces us to a handful of unlikely Tehran residents. They’re composite characters, because sharing personal details with a reporter is still a very risky business in Tehran. „The regime does not want outsiders to see Iran in all its glory and all its color,“ Navai says.

But they’re all based in fact, she insists. The book starts with the story of a man whom Navai calls Dariush, a man in his 20s who leaves a comfortable life in the US to join the underground opposition in Iran — for love.

He bungles his attempt to assassinate a local police chief, resulting in what Navai describes as „a comedy of errors.“ We meet others, including Leyla, a beautiful working-class woman who falls into prostitution and meets her end in a hangman’s noose.

Navai says that flawed individuals leading these sorts of lives — neither good nor evil — are rarely seen in reporting about Iran. „It has social problems and the regime wants to hide some of the social problems,“ she says.

But, true to Navai’s theme, even the regime has nuance. „The regime can also be quite liberal about some of its social problems,“ she says. „So, for example, the regime has got quite liberal attitudes toward drug rehabilitation. There are crystal meth drug rehab centers, there are needle exchange centers, methadone centers. Condoms are given out to prostitutes.“

The complexities and contradictions of life in Iran forces many Tehran residents to lead double lives. They show public faces to please authorities and live private lives that are far different.

Navai argues that people who live in Tehran need to live a lie to survive. She describes meeting civil servants, for example, who pretended to pray in the office, despite their limited knowledge of the Koran.

But she also sees changes, in part due to Tehran’s growing youth culture. „They are striving to live a life that’s more true to themselves,“ she says. „I think you can see this in a real sexual awakening that’s happening in Tehran that spans all social classes. Young people are kind of behaving in a freer way as regards to sex and as regards to relating to each other. And I think this will have a trickle-down effect.“

She admits that she lives the lie, as well: „You lie about going to parties, you lie about alcohol being consumed at parties, you have to lie about certain people you may hang out with.“ But she’s hopeful the changing culture will change her need to lie: „I think this will mean — hopefully, maybe I’m being optimistic — but fewer lies.“

In a certain way, though, Navai sees the lies as „a very positive thing because [Iranians] are so obsessed with being true to themselves — you know, it’s really part of our culture, it’s in all our poetry, it’s in our literature — they are intent on living the lives that they want to live, even if that means they have to lie to do so.“

Source: PRI World

“Halal Hyperspace”: A Guide to Iran’s Irksome Internet

In many countries across the globe, going online is hassle-free, but not in Iran. Though the country has been connected to the internet since the mid-1990s, citizens have consistently fought the government to hold onto their virtual freedoms. They deal with a range of hurdles, including low bandwidth, slow connection speeds, extensive filtering and, in some cases, requirements to register personal information with the state in order to get online. Iranian content providers have had to make do with a limited service and to find ways to reverse censorship online.

Sluggish Speed

Iran has one of the slowest internet access speeds in the world. According to a 2010 report by Mehrnews, a Persian news agency, Iran ranked 144 out of 152 countries in terms of connection speed, placing it behind Venezuela, Nigeria, Bolivia, Iraq and Paraguay. A report by Akamai Technologies in 2013 verified that Iran’s average connection speed of 6.3 megabytes per second is slower than in countries such as Afghanistan and Yemen, where internet infrastructures are traditionally less robust than Iran’s.

According to one internet user, Ashkan from Rasht, the provincial capital of Gilan in northwestern Iran, trying to send and receive emails can be frustrating and extremely time consuming. “Many times I’ve had to wait about 40 minutes to send or receive email through Gmail“, he says. „It really shatters your nerves. It’s simply ridiculous to have to wait another 40 minutes for email when you need to do things on the internet. Of course it’s gotten much better nowadays and the wait is more like five minutes, but I still can’t check email on my phone, as I don’t trust the government. Unrestricted internet would really give me renewed confidence.”

It’s a sentiment with which President Hassan Rouhani can relate. Last week, as part of a response to one ayatollah’s claims that high-speed internet is haram, he joked that it was easy to fall asleep while waiting for articles to download. 

Technical Bottlenecks

Many customers assume that by paying for faster internet, they will receive a higher-quality service. But the reality in Iran is very different. Public access to specialized features like photo chats and video streaming have only improved incrementally. The slow bandwidth, inadequate fiber optic cables and the mismanagement of infrastructure also limit user access. Watching a YouTube video is possible on relatively low bandwith but because there is a high rate of packet loss— sets of information fail to process and send data to requested locations — in Iran even the most basic services are adversely affected.

According to data published by Global Traceroute, the “latency” or the delay in sending and receiving packets is worse in Iran than in Iraq, Lebanon, Egypt, Saudi Arabia and even Palestine. Critics argue that the Iranian government intentionally pursues policies that limit how freely the Iranian people can access various sites online.

Preposterous Pricing

Despite all its limitations, by global standards, accessing the internet in Iran is very expensive. On average, Iranians pay 50 times more for broadband than the average world price. Website Net Index estimates it costs on average $871 a month in Iran to have the best access. A 256K internet service costs twice as much in Iran as it does in the United Arab Emirates, three times more than in Egypt and 12 times more than Turkey.

Many argue that government policy is the biggest barrier to a service that could potentially be widely available, high quality and reasonably priced. In a world where quick communication is essential to economic growth, this could drastically infringe on the country’s development.

Extensive Filtering

State filtering of websites is commonplace. An unpredictable, inexact strategy for controlling what people actually access, nonetheless it is widely used by government authorities and accepted among internet users as an unavoidable part of going online in Iran. Websites that fall victim to this kind of censorship include anything from independent news sites, blogs, human rights websites, social networking tools such as Facebook and Twitter and even sites that discuss less controversial topics like technology, the arts and sport.

Internet user Neema, based in Tehran, explains: “There are numerous news sites on Iran and the rest of the world that get blocked by the state. Things like Facebook, the BBC, Twitter, Iranian UK, YouTube and Radio Farda in particular. That’s why I bought a VPN [virtual private network] when I was a student living outside Iran.”

The government began censoring in 2002 and since then has become very skilled at stopping citizens from visiting sites of which it doesn’t approve. Prior to the contested election of 2009, the government blocked certain sites using keywords, HTTP-host blocking, DNS (Domain Name System)-blocking, or even simply blocked a site’s full address. After 2009, the government stepped up its efforts, blocking ports and sites based on the format of the files. This has, however, brought the added consequence of blocking both so-called “guilty” and “innocent” sites.

According to a study by J. Alex Halderman, an assistant professor of computer science and engineering at the University of Michigan, Iranian internet users cannot access about 50 percent of art sites, 40 percent of those covering social issues, 30 percent of all news sites and 20 percent of sport sites.

The Freedom House Freedom on the Net report,  published in 2013, looked at internet freedom across 70 countries. It placed Iran bottom of the list, ranking it below Uzbekistan, Ethiopia, Syria, China and Cuba.

Who does the Filtering?

Government bodies such as the Supreme Council for Cyberspace, the Task Force for Identifying Criminal Content, the Islamic Republic Cyber Army and the Cyber Police of the security forces, none of which are accountable to the public, choose which sites the public isn’t allowed to access. The Supreme Council for Cyberspace, the highest decision-making body when it comes to internet use, was set up in 2012 on the orders of Ayatollah Khamenei, the Supreme Leader.

The Supreme Council for Cyberspace, which works closely with the Task Force for Identifying Criminal Content, decides which content is “legal” and does so by looking at whether sites include information that either goes against social norms, against Islamic teachings, poses a threat to national security or which provides tutorials on how to bypass government filters.

Filter Loopholes

Despite the vast resources the Iranian government allocates each year to boost its filtering power, the Iranian people have devised a number of ways to overcome these limitations. The most common methods include using a VPN (Virtual Private Network), installing filter-breaking applications like Ferry Gate that are developed outside of the country by groups fighting government censorship, or using the URL of proxy servers that have yet to be detected by the government.

According to another report by Freedom House, VPN is the most effective tool for bypassing filters as it’s easier to use and faster than other methods. It is estimated that in 2013 the market in Iran for VPNs was worth about $120 million.

Who’s Really Losing out?

The Islamic Republic has implemented a multi-faceted and complex strategy to censor the internet. But this merely shows how terrified the authorities are of a fast and freely available service. And, while filtering these websites may be temporarily extending how long the Iranian elite remains in power, it isn’t stopping the Iranian people from going online and finding ways to counteract filtering.

The problem is that the world today is so dependent on the internet that a country cannot develop to its full potential without it. Therefore, until the regime changes its approach, Iranian society will continue to pay the price, developing at a much slower rate than it should be and ultimately falling behind.

Source: IranWire

Spiegel| Netzstreit in Iran: „Dieses Internet verdirbt unsere Jugend“

Von

Iranerinnen im Internetcafé: Twittern nur mit Proxy-ServerZur Großansicht

Getty Images

Iranerinnen im Internetcafé: Twittern nur mit Proxy-Server

Die Iraner sollen schneller surfen, so will es Präsident Rohani mit seiner Internet-Offensive. Die Konservativen sind empört. Sie fürchten eine verdorbene Jugend – und oppositionellen Widerstand aus den sozialen Netzwerken.

Teheran – Mal eben mit dem Handy ein Foto machen und es rasch twittern – hierzulande für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit. Bald soll das auch für Millionen in Iran möglich sein. Präsident Hassan Rohanihat in der vergangenen Woche entschieden, den Zugang zum schnellen, mobilen Internet massiv auszuweiten.

 

Bisher durfte nur ein einziger Anbieter 3G-Verbindungen anbieten. Nun haben auch die beiden wichtigsten Mobilfunkunternehmen 3G- und sogar 4G-Lizenzen erhalten.

Auch zu Hause dürfen die Iraner schneller surfen: Rohanis Regierung hat den Internetanbietern erlaubt, die Datentransfer-Geschwindigkeit auf 10 Megabits pro Sekunde zu erhöhen. Neben der Zensur war bisher die Drosselung der Geschwindigkeit ein Weg der Hardliner, den Einfluss des Internets zu beschränken.

Für den Präsidenten ist es ein großer Erfolg im Richtungsstreit mit den Konservativen. Rohani will den Menschen im Iran mehr Eigenverantwortung zugestehen. Die Hardliner dagegen glauben, nur durch strenge Überwachung die öffentliche Sittsamkeit garantieren zu können. Sie untergraben Rohanis Bemühungen, wo sie nur können.

Das iranische Parlament hatte über den Internetausbau schon Rohanis Kommunikationsminister einbestellt und verlangt, die Netzgeschwindigkeit wieder zu drosseln. Die Religiösen mahnen: Die Verbreitung von „schmutzigen Bildern und Videos“ über das Internet könnte die jungen Menschen verderben.

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