Archiv der Kategorie: UNHCR

UNO-Flüchtlingshilfe| Flucht über das Mittelmeer

„Wir werden alle sterben“, dachte die 19-jährige Doaa als ihr Boot im Mittelmeer kenterte. Vier lange Tage trieb die junge Frau aus Syrien im Wasser und kämpfte ums Überleben. Sie musste mit ansehen, wie Hunderte starben – darunter auch ihr Verlobter Bassem, die Liebe ihres Lebens. Wie durch ein Wunder hat sie selbst überlebt und konnte sogar noch ein kleines Mädchen retten, das ihr von der sterbenden Mutter in die Arme gelegt wurde.

Doaas dramatische Fluchtgeschichte ist leider kein Einzelfall. Denn die Flüchtlingskrise im Mittelmeer spitzt sich weiter zu: seit Anfang des Jahres haben 137.000 Menschen das Mittelmeer überquert. Die Mehrzahl stammt aus Krisengebieten wie Syrien, Irak, Somalia oder Afghanistan. Sie suchen in Europa Schutz vor Krieg, Konflikten und Verfolgung. Doch mittlerweile sind Ankunftsländer wie Griechenland mit der hohen Anzahl der Flüchtlinge überlastet.

UNHCR ist vor Ort und

  • verteilt wichtige Hilfsgüter wie Schlafsäcke, Wasserflaschen und Hygienesets,
  • stellt Zelte zur Verfügung,
  • richtet Krankenstationen ein, um Verbrennungen, Dehydration, Infektionen und Kriegsverletzungen zu behandeln,
  • hilft den Behörden bei der Registrierung und unterstützt die Rechtsberatung für Neuankömmlinge,
  • kümmert sich speziell um Kinder und Jugendliche, die alleine geflohen sind oder deren Eltern auf der Flucht umgekommen sind.

Quelle: UNHCR

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UNHCR-Report| Weltflüchtlingszahlen 2014

Die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, war noch nie so hoch wie heute. Ende 2014 waren knapp 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Im Vergleich dazu waren es ein Jahr zuvor 51,2 Millionen Menschen, vor zehn Jahren 37,5 Millionen Menschen. Die Steigerung von 2013 auf 2014 war die höchste, die jemals im Laufe eines Jahres von UNHCR dokumentiert wurde.

Die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, war noch nie so hoch wie heute.

15 Konflikte in fünf Jahren treiben Zahlen nach oben

Der massive Anstieg wurde vor allem durch den Krieg in Syrien verursacht. 7,6 Millionen Syrer sind Binnenvertriebene, Flüchtlinge im eigenen Land, und knapp 3,9 Millionen suchten Schutz in den Nachbarländern.

Aber auch in vielen anderen Ländern kam es zu tausendfachem Flüchtlingselend. Allein in den letzten fünf Jahren sind mindestens 15 neue Konflikte ausgebrochen oder wieder entflammt. Darunter Syrien, Irak, Südsudan, Zentralafrikanische Republik, Burundi, Jemen, Ukraine und Myanmar.

„Es ist erschreckend zu beobachten, dass jene straflos bleiben, die Konflikte auslösen. Gleichzeitig scheint die internationale Gemeinschaft unfähig zur Zusammenarbeit, um Kriege zu beenden sowie Frieden zu schaffen und sichern,“ konstatiert UN-Flüchtlingskommissar António Guterres.

So dauern jahrzehntelange Instabilität und Konflikte in Afghanistan, Somalia und anderswo weiter an. Dies bedeutet, dass Millionen von Menschen weiterhin nicht zurückkehren können und immer häufiger als Flüchtlinge und Binnenvertriebene mit ungewisser Zukunft an den Rändern der Gesellschaft leben müssen. Insgesamt konnten im vergangenen  Jahr nur 126.800 Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren – die niedrigste Anzahl seit 31 Jahren.

Die meisten Flüchtlinge in armen Ländern

Selbst in Zeiten stark ansteigender Zahlen sind Flüchtlinge global sehr ungleich verteilt. Reichere Länder nehmen weit weniger Flüchtlinge auf als weniger reiche. Knapp neun von zehn Flüchtlingen (86 Prozent) befanden sich 2014 in Ländern, die als wirtschaftlich weniger entwickelt gelten. Ein Viertel aller Flüchtlinge war in Staaten,  die  auf  der  UN-Liste  der  am  wenigsten  entwickelten  Länder  zu  finden sind.

UN-Flüchtlingskommissar António Guterres mahnt deshalb: „In einer Zeit der beispiellosen Massenflucht und -vertreibung brauchen wir eine ebenso beispiellose humanitäre Unterstützung und ein erneuertes globales Bekenntnis zu Toleranz  und Schutz für Menschen auf der  Flucht vor Krieg und Verfolgung.“

UNHCR Global Trends 2014

Ausgewählte Fakten

  • Ende 2014 waren 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Dies ist die höchste Zahl, die jemals von UNHCR verzeichnet wurde.
  • Wären alle Menschen auf der Flucht Bürgerinnen und Bürger eines einzigen Landes, wäre dies die 24.-größte Nation der Welt.
  • 2014 flohen im Durchschnitt pro Tag 42.500 Menschen.
  • Einer von 122 Menschen ist entweder Flüchtling oder Binnenvertriebener.
  • 50 Prozent der Flüchtlinge weltweit sind Kinder.
  • 2014 konnten nur 126.800 Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren – die niedrigste Anzahl seit 31 Jahren.
  • 9 von 10 Flüchtlingen (86%) leben in Entwicklungsländern.
  • Die Türkei ist das Land, das weltweit die meisten Flüchtlinge (15,9 Millionen – Ende 2014) aufgenommen hat.

Den kompletten Report, aus dem diese Zahlen stammen, gibt es hier zum Download: Global Trends 2014

20. Juni 2015 – WORLD REFUGEE DAY

Millionen Familien mussten ihr Zuhause verlassen. Krieg, Gewalt und Verfolgung ließen ihnen keine andere Wahl. Millionen Mütter, Väter, Schwestern, Brüder – die auch Studierende, Musikerinnen, Köche und so viel mehr sind. Flüchtlinge sind Menschen wie Du und ich, die schwierige Zeiten erleben. Bitte unterstützen Sie uns dabei, diese bemerkenswerten Menschen anderen vorzustellen…..

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Alle Geschichten hier

bpb| Flucht und Asyl: Aktuelle Zahlen und Entwicklungen

von Katrin Hirseland

Ein Blick in die Statistik bestätigt das Gefühl, das wir bei der täglichen Zeitungslektüre haben: Die Zahl der Flüchtlinge steigt – in Deutschland, in der Europäischen Union und global. Schätzungen des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) zufolge waren 2013 weltweit 51,2 Millionen Menschen auf der Flucht. 16,7 Millionen von ihnen haben aufgrund von Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen, Gewalt oder prekären Lebensbedingungen ihr Land verlassen. Rund 13 Millionen Menschen waren Mitte 2014 unter dem Mandat der UN-Flüchtlingsorganisation – das ist die höchste Zahl seit 1996. Zugleich befanden sich 1,3 Millionen Menschen in einem laufenden Asylverfahren.[1]

Tabelle: Asylerstanträge in Industrieländern 2014

Tabelle: Asylerstanträge in Industrieländern 2014
Allein in der ersten Jahreshälfte 2014 sind 5,5 Millionen Menschen geflohen – insbesondere aus den Bürgerkriegsregionen des Nahen Ostens und Afrikas, 1,4 Millionen von ihnen über die Grenzen ihres Heimatlandes.[2] Mit den Entwicklungen in Syrien und dem Nordirak haben sich die regionalen Schwerpunkte der Fluchtbewegungen verschoben: Lange war Asien die Hauptherkunftsregion von Flüchtlingen, Afghanistan dreißig Jahre lang das Land, aus dem die meisten Flüchtlinge weltweit stammten. Seit 2014 ist dies nun Syrien: Im Mai 2015 hatten fast vier Millionen syrische Flüchtlinge ihr Land verlassen und waren beim UNHCR registriert.[3] Afghanistan ist noch immer das zweitgrößte Herkunftsland mit 2,7 Millionen Menschen, die außerhalb ihres Landes Schutz suchen. Hinzu kommen unter anderem Vertriebene aus Somalia (1,1 Millionen), Sudan (670000), Südsudan (509000), Kongo (493000), Burma (480000) oder Irak (426000).

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Spiegel| Überfordertes Uno-Hilfswerk: Bedroht und verfolgt? Kommen Sie 2020 wieder

Von , Istanbul

Flüchtlinge: Im Wartestand auf ein neues LebenFotos
DPA

Latif ist 2014 aus Bagdad in die Türkei geflohen. Er wird nun jahrelang in der Illegalität leben müssen, ohne Job, ohne Geld. Grund: Das Uno-Flüchtlingshilfswerk, das die nötigen Papiere ausstellt, ist total überlastet.

Latif, 28, staunte nicht schlecht, als er in Ankara beim Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR um einen Termin bat, um als Flüchtling anerkannt zu werden. Der Iraker, ein schiitischer Muslim, war im vergangenen Jahr von Bagdad in die Türkei geflohen. Man teilte ihm schriftlich mit, er möge zur Feststellung seines Status persönlich vorsprechen – und zwar am 13. Februar 2020.

„Fünf Jahre soll ich mich nun in der Türkei durchschlagen, ohne Job!“, empört sich Latif. Er hat Glück, dass er von Ersparnissen leben kann. In Bagdad war er Mitglied einer Death-Metal-Band. Weil er mit seinen Liedern die Zustände in seiner Heimat kritisierte, wurde er bedroht. Einmal zwangen ihn Unbekannte, sich die Haare abzuschneiden. Aus Angst verließ er acht Monate lang seine Wohnung nicht mehr.

Latif gelang die Flucht in die Türkei, wo er als Asylbewerber registriert wurde. In einem zweiten Schritt muss die Uno-Behörde ihn nun interviewen, um ihn als Flüchtling anzuerkennen und über seine Zukunft in der Türkei zu entscheiden. Diese Aufgabe übernimmt das Flüchtlingshilfswerk in all jenen Ländern, in denen ihm diese Aufgabe vom Staat übertragen wurde.

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