MIGAZIN| VERPFLICHTUNGSERKLÄRUNG: Staat muss für Flüchtling aufkommen sobald Asyl anerkannt wird

Wer eine Verpflichtungserklärung zugunsten eines Flüchtlings abgibt, muss für ihn nicht mehr aufkommen, sobald sein Antrag auf Asyl positiv beschieden wird. Das hat das Sozialgericht Detmold entschieden.

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Die Justizia © Markus Daams @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Eine evangelische Kirchengemeinde muss nach einem Gerichtsbeschluss nicht für anerkannte Flüchtlinge aus Syrien aufkommen, obwohl sie sich zuvor für deren Unterhalt verpflichtet hatte. Nach der Entscheidung des Sozialgerichts Detmold muss der Staat für das bedürftige Ehepaar zahlen, auch wenn die Kirchengemeinde Gütersloh zuvor eine Zahlungsverpflichtung eingegangen sei. Da die Antragsteller als Asylberechtigte anerkannt seien, dürften ihnen staatliche Leistungen nicht verweigert werden, heißt es in dem am Donnerstag bekanntgegebenen Urteil vom 2. April. Die Kirchengemeinde begrüßte die Entscheidung. (Az: S 2 SO 102/15 ER)

MIGAZIN| Zur Karriere und Funktion abschätziger Begriffe in der deutschen Asylpolitik

In der politischen Polemik gegen „Asylmissbrauch“ haben gefährliche Kampfbegriffe Karriere gemacht: von der Prägung in denunziatorischer Absicht über den Alltagsgebrauch bis zur Bestätigung durch lexikalische Festschreibungen. Von Prof. Klaus J. Bade

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Prof. Dr. Klaus J. Bade, ehemaliger Vorsitzender des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration © David Ausserhofer, MiG
Artikel 16, Absatz 2, Satz 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland von 1949 umfasste bewusst nur vier Worte: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“. Das war die generöse Antwort auf die Erfahrung der Aufnahme, aber auch Nichtaufnahme (z.B. in der Schweiz) der von den Nationalsozialisten Verfolgten. Das Grundrecht war bewusst so umfassend und ohne jede Einschränkung formuliert worden, trotz aller Bedenken in der intensiven Diskussion im Parlamentarischen Rat im Winter 1948/49.1 Hermann von Mangoldt (CDU) betonte ausdrücklich, „wenn wir irgend eine Einschränkung aufnehmen würden, wenn wir irgendetwas aufnehmen würden, um die Voraussetzungen für die Gewährung des Asylrechts festzulegen, dann müsste an der Grenze eine Prüfung durch die Grenzorgane vorgenommen werden. Dadurch würde die ganze Vorschrift völlig wertlos.“2

Husum| PERSISCHER ABEND : Die alte Heimat der neuen vorstellen

Parissa Abbassi lädt für Sonntag (28. Juni) zu einem Persischen Abend mit Bilderreise, Musik und Kostproben in den Husumer Speicher ein.

Mit einem „Persischen Abend“ am Sonntag, 28. Juni, möchte Parissa Abbassi im Speicher für mehr Verständnis unter den Menschen werben: „Wenn man sich kennenlernt, kann man sich auch verstehen.“ Die gebürtige Iranerin wird von 17 bis 19 Uhr über das Leben in ihrem Heimatland berichten. Seit 2013 lebt sie in Nordfriesland. Zurzeit arbeitet die
31-Jährige als Zeichenlehrerin beim Kinderschutzbund und gibt Pilates-Kurse in der Volkshochschule. Außerdem ist sie Familienlotsin für Persisch sprechende Flüchtlinge.

Am Sonntagabend lädt die junge Frau zu einer Bilderreise ein mit eigenen Fotos aus demIran und erzählt von ihrem Leben dort. Parissa Abbassi liest neue persische Gedichte und bietet Kostproben aus der Küche des Landes an. Vom grünen Norden des Iran werden ihre Gäste durch Berge und Wüsten bis in den Süden und ans Meer geführt. Neben der abwechslungsreichen Landschaft stellt sie das Alltagsleben der Menschen vor. Und Musik bringt Parissa Abbassi mit: iranischen Pop, Klassik und persische Volksmusik. Auch auf traditionelle Feste wird die junge Frau eingehen.

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WDR| Sitzplätze reserviert für Deutsche

Sitzplätze reserviert für Deutsche

Von Stephanie Grimme

Ein Linienbus des Essener Verkehrsunternehmens EVAG war präpariert: Nur Menschen mit deutschem Ausweis dürfen vorne sitzen. Unglaublich! Und auch nicht wahr: Es handelte sich um ein Sozial-Experiment des WDR – mit versteckter Kamera.

Sendung zum Thema

Quarks & Du | Dienstag, 25. August 2015, 21.00 Uhr | WDR-Fernsehen

Ein WDR Team von “Quarks & Du” hat heute in einem Bus der EVAG einen Test gegen Rassismus gemacht. Viele haben das provokante Projekt kommentiert. Das Ergebnis gab es gerade in der Lokalzeit Ruhr und jetzt hier: https://www.facebook.com/wdrlokalzeitruhr

Posted by WDR Lokalzeit Ruhr on Dienstag, 23. Juni 2015


Aufkleber im Bus: Diese Plätze sind für Deutsche reserviert
äuschend echt, aber nur ein Experiment

“Diese Plätze sind für Inhaber eines gütligen deutschen Personalausweises reserviert.” Diese Aufkleber waren an den Fenstern eines Busses der Linie 160 zu sehen, die von Essen-Borbeck über Rüttenscheid bis nach Essen-Stoppenberg führt. Sie waren so authentisch im typisch gelb-blauen Design der EVAG, dass sie kaum bemerkt wurden. Diejenigen, die sie bemerkten, waren aber empört. Eine Frau riss den Aufkleber ab und wollte sich bei der EVAG beschweren. Es gingen auch mehrere Beschwerde-Anrufe von anderen Fahrgästen bei der EVAG ein.

“Hier steht keiner auf!”


Menschen sitzen in einem Bus und schauen in die Kamera. Sie sind zum Teil dunkelhäutig. Daneben hängt ein Schild, dass Ausländer hinten sitzen müssen.
Alles nur ein Fake: Ausländische Fahrgäste müssen hinten sitzen

Aber das Fernsehteam der neuen Sendung “Quarks & Du” trieb es noch weiter auf die Spitze. Ein angeblicherEVAG-Kontrolleur forderte ausländische Fahrgäste auf, sich nach hinten zu setzen. Da wurden die restlichen Fahrgäste dann wach und setzten sich heftig für die Ausländer ein. “Hier setzt sich keiner weg“, sagte ein jüngere Frau, stand auf und stellte sich schützend vor die Ausländer. “Ich habe die Nazi-Zeit erlebt. Das darf nie wieder sein,” erregte sich eine ältere Dame. “Hier steht keiner auf!”

Extrem engagierte Fahrgäste

Bevor die Situationen komplett eskalierten, gab sich das Kamerateam dann aber zu erkennen und lobte die Fahrgäste für ihr mutiges Einschreiten. “Ich bin wirklich überrascht, wie engagiert die Fahrgäste reagiert haben“, sagt Regisseur Dirk Gion. Und lobte auch die EVAG. Das Fernseh-Team habe viele verschiedene Organisationen für dieses Sozial-Experiment angefragt: Supermärkte, Mensen in Universitäten und andere Verkehrsunternehmen. Alle hatten Angst, dass ein negatives Image haften bleibt. Die EVAG hat aber mitgemacht: “Wir sehen darin die Chance, unseren Mitarbeitern, die aus allen möglichen Nationen kommen, und unseren Fahrgästen klar zu machen, dass es so einen Rassismus bei uns nicht gibt,” begründet Unternehmenssprecher Olaf Frey das Ja zu der Aktion.

Weniger Rassismus?


Eine versteckte Kamera in einem Kaffeebecher
Kameramann Klaus Reinelt: Seine Kamera ist versteckt in einem Kaffeebecher

Empirischen wissenschaftlichen Methoden entspricht das Experiment nicht. Dafür wurden zu wenig Reaktionen dokumentiert. Aber wissenschaftlich begleitet wurde die Fahrt dennoch. Mit im Bus war die Rassismusforscherin Madeleine Preuß vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung in Bielefeld. “Ich bin positiv erstaunt, wie heftig die Fahrgäste reagiert haben. Das ist eine sehr extreme Situation, in der natürlich auch reagiert werden muss, weil man weiß, welche Reaktion erwartet wird.” Das hieße allerdings nicht, dass diese Menschen nicht doch auch in anderen Situationen rassistisch sein können. “Latenten Rassismus an Schulen oder am Arbeitsplatz zu erkennen und einzugreifen ist viel schwieriger.” Dennoch scheint sich in der Gesellschaft etwas bewegt zu haben. Vor 21 Jahren wurde in der Mensa der Uni Münster ein ähnliches Experiment gemacht. Ausländer und Deutsche sollten unterschiedliche Wege benutzen. Damals wurde diese Aufforderung von den meisten Deutschen klaglos akzeptiert.

Das Sozial-Experiment wird am 25. August um 21 Uhr im WDR-Fernsehen in der neuen Fernsehsendung “Quarks & Du” ausgestrahlt.

Quelle. WDR

Iran| Women on the Front Line

From Sharia law to Women’s rights. How have women managed to fight back in the heart of a bitterly theocratic state? Who are these women? What are their stories? Women on the Front Line tries to answer these questions by talking to women’s rights activists who have been in the thick of struggle for gender equality in Iran. The film, the first of its kind, is the brainchild of Sheema Kalbasi, the Iranian poet and human rights activist. Written by Sheema Kalbasi and Hossein Fazeli and directed by Hossein Fazeli, the film combines on-camera interviews with theatrical segments to arrive at a subjective take on the struggle of women’s rights activists in Iran.

WHEN YOU DON`T EXIST ( DEUTSCH)

S.O.S. Europa: Setzen Sie ein Zeichen und fordern Sie einen besseren
Schutz für Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen!
Jetzt mitmachen: http://www.amnesty.de/sos-europa

Tausende Menschen aus Afrika fliehen jährlich über das Mittelmeer nach
Europa aus Angst vor Haft, Misshandlung und Folter, oder weil ihnen in
ihrer Heimat kein Leben in Würde möglich ist. Mindestens 1500
Flüchtlinge kamen dabei 2011 ums Leben.

Viele starten die gefährliche Überquerung in Libyen. Damit die
Flüchtlingsboote Europa gar nicht erst erreichen, arbeitet Italien eng
mit der neuen libyschen Regierung zusammen. In einem Geheimabkommen
vereinbarten die beiden Länder im April 2012, Flüchtlinge auf hoher See
abzufangen und nach Libyen zurückzuschicken. Auch dort drohen ihnen
Haft und Folter.

Beteiligen Sie sich an der Online-Petition von Amnesty International
und fordern Sie Italien auf, diese Zusammenarbeit mit Libyen zu
beenden: http://www.amnesty.de/sos-europa

Weitere Informationen auf: http://www.whenyoudontexist.eu

Quelle: Amnesty International

Iran Features Heavily in the Latest WikiLeaks From Saudi Arabia

Written by Mahsa Alimardani

Iran and Saudi Arabia have long challenged each other for geopolitical influence in the region, most recently during the 'proxy war' in Yemen. Wikimedia image.

The new trove of WikiLeaks covering documents from Saudi Arabia’s Ministry of Foreign Affairs speak to a preoccupation with their regional rival Iran.

So far, 23 documents from the cache are daily briefs from the ministry on Iran.

Social media users have also noted the focus on Iran in the cables. Of the 60,000 documents leaked so far, around 1,500 reference Iran or Iranian in English and Arabic. As more analysis of the documents emerge, the Foreign Ministry’s specific concerns in relation to Iran become apparent.

Some Saudi Arabian social media users have claimed the leaks as an Iranian hack; however, others have been quick to pour cold water on these claims.

Source: Global Voices - Citizen media stories from around the world

Friedensforscher fordern: Deutschland muss mehr Verantwortung für den Frieden übernehmen – jenseits militärischen Engagements

Friedensgutachtens 2015 in Berlin vorgestellt

Bonn International Center for Conversion (BICC) – Pressemitteilung – 9. Juni 2015 –  Im „Friedensgutachten 2015“, das am 9. Juni 2015 in Berlin vorgestellt wird, appellieren Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen von fünf deutschen Friedens- und Konfliktforschungsinstituten an die Bundesregierung, mehr Verantwortung für den Frieden zu übernehmen. Sie sprechen sich für eine präventive Außenpolitik und gegen eine vorrangig militärische Konfliktbearbeitung aus.

Im Nahen und Mittleren Osten sollten sich Deutschland und EU als Vermittler einsetzen. Terrorismusbekämpfung dürfe keine vorschnelle Begründung für Waffenlieferungen und die „Ertüchtigung“ von Autokratien sein. Sie fordern, auf kommerzielle Rüstungsexporte an Staaten außerhalb von EU und NATO ebenso zu verzichten wie auf Kampfdrohnen. Angesichts der Ukrainekrise empfehlen sie die Verstärkung der diplomatischen Bemühungen und warnen vor den Folgen militärischer Aufrüstung. Von der EU verlangen die Herausgeber der Studie, mit einer menschenwürdigen Flüchtlingspolitik Verantwortung an ihren Außengrenzen zu übernehmen.

Verantwortungsvolle Außenpolitik muss präventiv sein
Will Deutschland mehr Verantwortung übernehmen, muss es auf eine präventive Außenpolitik setzen. Der Königsweg hierfür: eine Stärkung der Bereiche Zivile Krisenprävention, externe Demokratieförderung und Entwicklungszusammenarbeit. Hier bestehe allerdings erheblicher Nachbesserungsbedarf, so die Wissenschaftler. Demokratie lasse sich nicht von außen verordnen. Deshalb empfehle es sich, offene und inklusive Reformprozesse, die aus den Gesellschaften selbst kommen, zu unterstützen. Dafür müsse der Austausch mit zivilgesellschaftlichen Gruppen in den Ländern verstärkt werden. Eine verantwortungsvolle Politik muss aber auch den Handlungsspielraum für demokratische und soziale Reformen in Ländern des globalen Südens vergrößern, mahnt das Friedensgutachten:
„Deutschland und Europa sollten ihre Außenhandelspolitiken verändern, die unmittelbar negative soziale und politische Folgen für den globalen Süden haben, und darauf drängen, dass die Finanzmärkte und internationalen Kapitalströme stärker reguliert werden“.

Verantwortung für gemeinsame Sicherheit in Europa
Angesichts der angespannten Beziehungen zwischen Russland und EU/NATO warnen die Forscher ausdrücklich vor einer Aufrüstung auf westlicher Seite. Dies könne die Situation eskalieren lassen. Vielmehr fordern sie ein Umdenken: gemeinsame Sicherheit müsse angestrebt und hierfür verstärkt auf Kooperation und Diplomatie gesetzt werden. „Wir schlagen eine friedenspolitische Neuorientierung der EU gegenüber ihren östlichen Nachbarn einschließlich Russlands vor, die einerseits auf kooperative Strukturen setzt, zugleich aber auch die russische Annexion der Krim als klare Verletzung internationaler Verträge erachtet.“ Die Wissenschaftler appellieren an die Bundesregierung, den NATO-Russland-Rat wiederzubeleben. Weiterhin müsse ein neues Abkommen zur konventionellen Rüstungskontrolle in Angriff genommen werden. Der Verzicht auf die Stationierung einer NATO-Raketenabwehr in Tschechien und Polen sende ein wichtiges Signal an Russland. Der Abbau von Sanktionen könne als positiver Anreiz in Aussicht gestellt werden, wenn Russland sich in entsprechendem Maße für die Deeskalation in der Ukraine einsetze.

Verantwortung heißt, humanitäre Hilfe leisten
Waffenlieferungen an die Ukraine halten die Gutachter für nicht zielführend. Verantwortung übernehmen müsse die EU mit dringend notwendiger Wirtschaftshilfe für das krisengeschüttelte Land und einer sofortigen Aufstockung humanitärer Hilfe für die notleidende Zivilbevölkerung. Auch im Nahen und Mittleren Osten gelte es, Verantwortung für Menschenleben zu übernehmen. Der Islamische Staat lasse sich von außen nicht ohne hohen militärischen Einsatz unter Einschluss von Bodentruppen einhegen, konstatiert das Gutachten. Den Grausamkeiten des IS dürfe dennoch nicht tatenlos zugesehen werden. Zum Schutz von Zivilisten könnte die Einrichtung von Schutzonen im Rahmen einer humanitären Intervention nach den Grundsätzen der Schutzverantwortung erwogen werden. Dies sei aber in umkämpften Gebieten riskant und böte nur zeitweise Sicherheit. Die Wissenschaftler plädieren für die Möglichkeit, Zufluchtsuchende in akuter Notlage per Luftbrücke zu evakuieren.

Verantwortung an Europas Grenzen übernehmen
Klare Worte finden sich im Gutachten für den Umgang mit Geflüchteten an den EU-Außengrenzen: Dort lassen die europäischen Staaten Schutzsuchende faktisch ertrinken. Es müssen legale und sichere Reisewege für Geflüchtete geschaffen werden, anstatt die Infrastruktur der Schlepper mit militärischer Gewalt zu bekämpfen. Die Wissenschaftler fordern die Abschaffung der Dublin-III-Regelung, wonach jenes EU-Land, das ein Flüchtling als erstes betreten hat, für das Asylverfahren zuständig ist. „Gelänge es der Bundesregierung, auf eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik an Europas Außengrenzen hinzuwirken und für bessere Aufnahmebedingungen im eigenen Land zu sorgen, hätte sie außenpolitische Verantwortung tatsächlich ernst genommen.“

Verantwortung als Vermittler übernehmen
Im Nahen und Mittleren Ostens sollte sich der Westen mit Einmischungen und Parteinahme generell stärker zurückhalten als bislang, empfiehlt das Friedensgutachten. Es verweist auf die instabilen Nachkriegsordnungen, die westliche Interventionen in der Region hinterlassen haben. Die militärische Unterstützung der kurdischen Milizen halten die Friedensforscher für fragwürdig. Sie sei zwar nachvollziehbar, insofern sie das Leben unmittelbar bedrohter Zivilisten zu retten versuche. Der Preis dafür sei aber das Risiko einer unkontrollierten Weiterverbreitung der gelieferten Waffen. Auch Waffenlieferungen an vermeintliche „Stabilitätsanker“ wie zum Beispiel Saudi-Arabien lehnen sie ab. Ein Treibsatz der bewaffneten Konflikte in der Region sei die politische Praxis, den „Feind meines Feindes“ zu unterstützen – mit der Folge von Stellvertreterkriegen. „Die Bundesregierung sollte deutsche Rüstungsexporte an diese autoritären Staaten unverzüglich und ausnahmslos einstellen. Eine gute, an der Entschärfung der saudisch-iranischen Rivalität orientierte Begründung für derartige[nbsp]Waffengeschäfte gibt es nicht“, mahnen sie. Außenpolitische Initiativen des Westens sollten sich auf diplomatische Vermittlungsbemühungen zwischen den regionalen Kontrahenten beschränken. Im israelisch-palästinensischen Konflikt empfiehlt das Friedensgutachten der Bundesregierung, ihre Unterstützung der Zweistaatenlösung zu bekräftigen, indem sie dem Beispiel Schwedens folgt und Palästina bilateral als Staat anerkennt.

Das Friedensgutachten 2015 ist ein Gemeinschaftsprodukt der fünf führenden deutschen Institute für Friedens- und Konfliktforschung. Die Herausgeberinnen und Herausgeber
Dr. Janet Kursawe vom Institut für Entwicklung und Frieden (dieses Jahr federführend),
Dr. Margret Johannsen vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg,
Dr. Claudia Baumgart-Ochse von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung,
Dr. Marc von Boemcken vom Bonn International Center for Conversion und
PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner von der Forschungsstätte der ev. Studiengemeinschaft
umreißen in ihrer „Stellungnahme“ die wichtigsten sicherheits- und friedenspolitischen Fragen. Der diesjährige Schwerpunkt lautet„Verantwortung für den Frieden“. Weitere Einzelanalysen beschäftigen sich mit Friedensprozessen und aktuellen Brennpunkten.

Das Friedensgutachten 2015 erscheint im LitVerlag Berlin, br., 240 S., 12.90 EUR, ISBN 978-3-643-13038-9

AI| EU kann und muss mehr Flüchtlinge aufnehmen

Amnesty International anlässlich des Weltflüchtlingstags

Amnesty International – Pressemitteilung – 18.06.2015 – Anlässlich des Weltflüchtlingstags (20.6.) fordert Selmin Çalışkan, die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Konsequenzen aus den weltweit ansteigenden Flüchtlingszahlen zu ziehen und deutlich mehr Flüchtlinge aufzunehmen, statt weiter auf Abschottung zu setzen.

„Die aktuellen Zahlen zu Flüchtlingen weltweit dürfen die Staats- und Regierungschefs nicht nur erschüttern und betroffen machen: Europa muss sich endlich zum Flüchtlingsschutz bekennen und aktiv deutlich mehr Menschen aufnehmen“, sagt Çalışkan. Knapp 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, davon etwa ein Drittel außerhalb des eigenen Landes. Dies ist die höchste Zahl, die der UNHCR seit dem 2. Weltkrieg registriert hat. „Es nützt nichts, in dieser Situation den Kopf in den Sand zu stecken. Europa darf die Augen nicht vor der Realität verschließen: Angesichts von Verfolgung, Krisen und zunehmenden bewaffneten Konflikten werden auch nach Europa mehr Flüchtlinge kommen. Die Nachbarländer allein können den Schutz der Menschen nicht leisten. Das gegenwärtige Gezerre um die Aufnahme von Flüchtlingen innerhalb der EU ist eines Friedensnobelpreisträgers unwürdig. Statt Aufregung brauchen wir echte Solidarität in Europa. Statt der tödlichen Abschottungspolitik brauchen wir endlich mehr legale und sichere Zugangswege für Flüchtlinge nach Europa.“

Als eine Maßnahme fordert Amnesty von der EU, deutlich mehr Flüchtlinge in sogenannten Resettlement-Programmen aufzunehmen. „Wenn einer von 122 Menschen weltweit vertrieben oder auf der Flucht ist, dann ist es an der Zeit, Resettlement- und humanitäre Aufnahmeprogramme für Flüchtlinge erheblich auszubauen, den Familiennachzug zu hier lebenden Flüchtlingen zu erleichtern und die Visapolitik zu liberalisieren. Fast eine Million Resettlement-Plätze und humanitäre Aufnahmemöglichkeiten sind nach UN-Angaben derzeit für die Aufnahme von Flüchtlingen erforderlich, und diese Zahl wird jedes Jahr weiter steigen. Europa bietet derzeit nur etwa 5.000 Resettlement-Plätze an und auch mit gerade einmal einer halben Million Asylanträge im vergangenen Jahr bleibt Europa weit hinter seinen Möglichkeiten und Verpflichtungen zurück. Die europäische Untätigkeit angesichts der weltweiten Flüchtlingskrise ist tödlich. Diese Krise ist eine der wichtigsten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, aber die Europäische Union hat bislang kläglich versagt.“

Amnesty fordert auch in einer Petition an die Bundeskanzlerin mehr sichere und legale Zugangswege nach Europa.

Das Thema „Zugang nach Europa – Aufnahme in Deutschland“ behandelt Amnesty zusammen mit anderen Organisationen am 22. und 23.9. auf dem 15. Berliner Symposium zum Flüchtlingsschutz. Den jüngsten Amnestybericht zur globalen Flüchtlingskrise ist hier zu finden.

Quelle:

VORURTEILE| ECHTE FLÜCHTLINGE LESEN ECHTE TWEETS.

Als Asylbewerber mit iPhone gratis im Vier-Sterne-Hotel leben? Nie arbeiten, da die Existenz in Deutschland ohnehin gesichert ist? Kostenlose Kleidung, Essen…? Die Wahrheit sieht anders aus. Vorurteile helfen nicht. Wir schon. Mach mit. http://www.katholisch.de/fluechtlinge

Die Realität

Stammtischparolen verbreiten sich am schnellsten in den sozialen Netzwerken. Asylanten leben im Sternehotel und kriegen alles bezahlt, heißt es da. Je plakativer die Aussage, desto höher die Zahl der „Likes“. Was aber steckt wirklich hinter diesen gängigen Klischees? Antworten kennt Gisbert von Haugwitz, Leiter des Kölner Flüchtlingswohnheims Vorgebirgstraße.

Die Schicksale

60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. 471.762 davon stellten seit 2013 einen Asylantrag in Deutschland. Während Politik und Gesellschaft über Unterbringung und Verteilung diskutieren, versuchen die Flüchtlinge hier Fuß zu fassen. So wie Sean aus Sri Lanka, der mit seinen fünf Jahren schon so viel erlebt hat, dass es für ein ganzes Leben reicht.

Die Standorte

Es gehört zum christlichen Selbstverständnis, Menschen aufzunehmen und ihnen zu helfen, wenn sie in Not geraten sind und zwar unabhängig von ihrer Religion und ihrer Herkunft. Deutschlandweit sind daher unzählige katholische Gemeinden, Gruppen und Verbände für Flüchtlinge im Einsatz. Dieser Artikel stellt zeigt die große Vielfalt dieser Projekte und Initiativen.

Quelle: Katholisch.de ist das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland

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