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DW| Iran: Frauenrechtsaktivistinnen rechtswidrig in Haft

Irans Justiz hält zwei Frauenrechtsaktivistinnen rechtswidrig im Gefängnis. Bahareh Hedayat und Narges Mohammadi gehören zu den bekanntesten politischen Gefangenen des Landes. Ihre Ehemänner haben mit der DW gesprochen.

Das Evin-Gefängnis in Teheran. (Foto: FF)Das Evin-Gefängnis in Teheran

Amin Ahmadian steht am Revolutionsgericht in Teheran, als die Deutsche Welle ihn telefonisch erreicht. Er ist der Ehemann der inhaftierten Frauenrechtlerin Bahareh Hedayat (34). Seit Dezember 2009 zählt er die Tage, die seine Frau im Gefängnis sitzt. Bisher seien es 2060 Tage. „Das sind fünf Jahre und 235 Tage.“

Amin kämpft für die Freilassung seiner Frau. Sie gilt als zentrale Verbindungsfigur zwischen der Studenten- und der Frauenbewegung im Iran. Sie war Vorsitzende des Frauenkomitees für die Stärkung der Einheit (OCU). Die Studentenorganisation hat zu politischen Reformen aufgerufen und gegen Menschenrechtsverletzungen gekämpft. Nach der sogenannten „Grünen Bewegung“ 2009, die sich für mehr Freiheit im Iran einsetzte, wurde Bahareh festgenommen.

Bahareh Hedayat. (Foto: sahamnews)Bahareh Hedayat sitzt seit mehr als fünf Jahren im Gefängnis

Wenn es um politische Gefangene geht, umgeht man die Gesetze

Wegen „Propaganda gegen das System“ wurde sie zu fünf Jahren Haft verurteilt. Dazu kamen noch zwei weitere Jahre wegen „Beleidigung des religiösen Führers“ und sechs Monate wegen Beleidigung des damaligen Präsidenten, Mahmud Ahmadinedschad. Diese insgesamt siebeneinhalb Jahre würden durch das im Mai 2013 in Kraft getretene neue iranische Strafrecht aber automatisch auf fünf Jahre reduziert, sagt Amin der DW.

Denn nur die jeweils längste Haftstrafe kommt zur Anwendung, wie die prominente Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh aus Teheran erläutert. Haftstrafen würden nicht addiert, solange es sich um drei oder weniger als drei Delikte handelt, so Nasrin. „Das Strafgesetzbuch unterscheidet auch nicht zwischen politischen oder nicht politischen Straftaten.“ Die Justiz im Iran hält sich offensichtlich nicht an das Strafgesetz der Islamischen Republik. Dass Bahareh weiter in Haft ist, sei rechtswidrig, ist Nasrin überzeugt.

Nach der Einigung im Atomstreit mit dem Iran haben die Aktivisten wieder Hoffnung geschöpft, denn der Iran hatte weitere Gespräche mit der Europäischen Union über Menschenrechte angekündigt. Allerdings ist die Justiz im Iran von der reformorientierten Regierung unabhängig. Der konservative religiöse Führer Ajatollah Ali Chamenei benennt den obersten Chef der Judikative direkt, dieser wiederum alle Richter. Amin hält nicht viel von den Ankündigungen der Regierung weitere Gespräche über Menschenrechte zu führen. „Der Justizvollzug sagte mir, meine Frau bleibt hier, weil das der Teheraner Staatsanwalt empfohlen hat“, berichtet Amin.

Narges Mohammadi (2. v. l.) (Foto: Screenshot Boroumand Foundation)Narges Mohammadi (2. v. l.)

Keine ärztliche Versorgung

Baharehs Nachbarin im berüchtigten Evin-Gefängnis am nördlichen Rand der Hauptstadt Teheran ist Narges Mohammadi. Die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin ist schwer krank. Sie leidet an Lähmungserscheinungen, einer Minderung der Muskelkraft.

Die 43-Jährige wurde im Mai festgenommen, zum vierten Mal. Sie hatte zuletzt die wachsende Anzahl von Hinrichtungen im Iran kritisiert. „Seit sie verhaftet wurde, hatte sie drei Schwächenanfälle erlebt“, berichtet ihr Mann Taghi Rahmani der DW. Taghi, der selbst 14 Jahre hinter Gitter verbrachte, ist empört, weil seine Frau nicht behandelt wurde. „Der Arzt hat bestätigt, dass Narges stationäre Behandlung braucht. Sonst würde sie bald völlig gelähmt sein. Und ich weiß: Falls das passiert, wird niemand dafür zu Rechenschaft gezogen.“

Das berüchtigte Evin-Gefängnis in Teheran. (Foto: Reuters)Das berüchtigte Evin-Gefängnis in Teheran

Narges hat zwei Kinder, die sie nicht besuchen dürfen. Sie leben beide mit ihrem Vater im französischen Exil. In einem Brief aus dem Gefängnis schreibt sie: „Wie die Mutter von Moses habe ich meine Kinder auf dem Nil ausgesetzt, um sie vor Tyrannen zu beschützen. Ich wünsche mir, dass sie in einem neuen Land aufgenommen werden, wo sie keine Unterdrückung erleben und ruhige Nächte finden.“

Quelle: Deutsche Welle

DW| IRAN: Protest gegen Stadionverbot für Frauen

Der iranische Volleyballverband hat Frauen den Zugang zum Länderspiel der iranischen Männermannschaft gegen die USA in Teheran offiziell verwehrt. DW-User aus dem Iran kommentieren die Entscheidung.

Protestaufruf im Netz gegen das Besuchverbot für Frauen im Iran

Der iranische Volleyballverband hat am Donnerstag (19.06.2015), einen Tag vor dem Länderspiel der iranischen Volleyballmannschaft der Männer gegen die USA in Teheran, mitgeteilt, dass keine Frau Zutritt zur Asadi-Sporthalle bekomme, auch nicht Journalistinnen und weibliche Angestellte der Sporthalle.

Eine Mitteilung, die in den sozialen Netzwerken empörte Reaktionen auslöste: Rohanis Regierung habe wieder einmal versagt, beschweren sich viele Iraner auf Twitter, Facebook und anderen Plattformen. Die Regierung habe das Feld den islamistischen Gruppen überlassen, kommentiert eine junge Frau auf der Facebook-Seite der Farsi-Redaktion der Deutschen Welle.

Tatsächlich hatte die islamistische iranische Gruppe Volkshisbollah in der Vorwoche gewarnt, dass sie den Besuch der Frauen bei dem Länderspiel verhindern wolle, gegebenenfalls auch mit Gewalt. Begründung: „Prostitution in Sportstätten“ müsse im Keim erstickt werden!

Thema Stadionverbot für Frauen (Foto: Fars)Netzthema Stadionverbot für Frauen

Sport und Politik

„Eure Anwesenheit in Sportstätten gefährdet den Islam!“ lautet ein Kommentar dazu, den ein User auf der DW-Farsi-Facebook-Seite gepostet hat; er diskutiert mit anderen Usern, wie die Frauen unterstützt werden können.

Eine Frau meint: „Die Volleyball-Weltliga sollte dem Iran die Heimspiele absprechen.“ Und ein junger Man schlägt vor: „Das nächste Spiel zwischen Iran und USA sollte in der Türkei oder in Dubai stattfinden.“

Für den Iran könnte das Festhalten an der frauenfeindlichen Vorschrift tatsächlich sportpolitische Konsequenzen haben. Im November 2014 hatte der Volleyball-Weltverband FIVB mitgeteilt, Iran die Austragung von Wettbewerben des Weltverbandes nicht zu gestatten, solange das Stadionverbot für Frauen in Kraft sei. Anlass war die Gefängnisstrafe für die Iranerin Ghoncheh Ghavami, die wegen einer Protestaktion gegen das Stadionverbot festgenommen worden war. Die jetzigen Spiele in Teheran waren von der Sanktionsankündigung allerdings nicht betroffen, sie bezog sich vor allem auf die Austragung von Juniorenmeisterschaften.

Iran Hardliners Proteste in Teheran

Einknicken vor Konservativen

Immerhin hatte die Regierung von Präsident Rohani hatte auf Druck der FIVB und des Weltfußballverbandes Fifa im April 2015 zugesagt, auch Frauen den Zugang zu Wettkämpfen von Männern zu ermöglichen. Noch Anfang Juni hatte Schahindocht Molaverdi, die für Frauen und Familie zuständigen Vizepräsidentin in der Regierung, erklärt, eine solche offizielle Genehmigung sei beschlossen worden.

Und noch eine Woche vor dem Länderspiel Iran – USA wurde mitgeteilt, dass bis zu 500 Karten exklusiv für Frauen reserviert seien. Die Karten waren aber von der ersten Sekunde des Ticketvorverkaufs im Internet an gesperrt.

Rohanis Frauenbeauftragte Molaverdi (Foto: Fars)Rohanis Frauenbeauftragte Molaverdi konnte sich nicht durchsetzen

Proteste auf Netz beschränkt

Viele User der DW-Farsi-Facebook-Seite forderten die Männer auf, aus Solidarität mit den Frauen das Spiel zu boykottieren. Dieser Vorschlag löste allerdings keine Begeisterung aus. Ein DW-User meinte: „Wenn wir nicht hingehen, organisieren sich die Volkshisbollah-Anhänger in der Sporthalle und verbrennen vielleicht sogar die amerikanische Flagge, was sie sonst auf der Straße tun.“

Ein andere ist der Meinung, dass Frauen sich organisieren müssten, um Freitagabend vor Asadi-Sporthalle zu protestieren. Eine junge Frau fragt darauf hin: „Hast du vergessen, dass wir nur in den sozialen Netzwerken mutig sind?“ Angesicht der erhöhten Sicherheitsmaßen rings um die Asadi-Sporthalle, und auch wegen des politisch aufgeladenen Hintergrunds des Spiels zwischen Iran und USA, sind viele User der Meinung, dass solchen Aktionen zum Scheitern verurteilt wären. Zumindest sollen Twitter-Kampagnen wie #letwomengotostadium oder ‪#FIVBWorldLeague kurz vor Anpfiff (19 Uhr MESZ) noch einmal verstärkt werden, um Öffentlichkeit herzustellen und auf Irans Regierung Druck ausüben.

Source: Deutsche Welle

Iranischer Dokumentarfilm „No Land’s Song“ : Wiedergefundene Stimme

Es klingt nach einem kühnen Unterfangen: Im Iran, einem Land, in dem Solo-Gesänge von Frauen in der Öffentlichkeit nicht mehr erlaubt sind, beabsichtigt eine Frau, ein Konzert zu organisieren, auf dem ausschließlich Frauen auftreten. Der Dokumentarfilm „No Land’s Song“ zeigt, was bei diesem Experiment herausgekommen ist. Von Richard Marcus

Unter der Regie ihres Bruders Ayat Najafi legt die iranische Komponistin Sara Najafi in dem Dokumentarfilm „No Land’s Song“ Zeugnis ab von ihrem Kampf gegen die Bürokratie, die Intoleranz und die Angst der Regierung ihres Landes, um ihren Traum eines Konzertes von Frauen zu verwirklichen.

Der Film ist auch eine Geschichtsstunde über die längst vergagenen Tage des Kabaretts und der großen Gesangsveranstaltungen in Teheran. Begleitet von Parvin Namazi, einem Sänger, der bereits vor der Islamischen Revolution aktiv war, führt uns Najafi durch die iranische Hauptstadt und zeigt uns das, was von dem ehemaligen Kabarettbezirk übrig ist. Was dort aussieht wie marode Lagerhallen, erweist sich als Überbleibsel schöner Rokoko-Theater, die sich auch in Paris befinden könnten.

Der Film führt uns in Cafés und Musikgeschäfte, wo wir ältere Männer treffen, die über die Tage vor der Revolution sprechen, als sie noch die Kabaretts besucht und den Sängern und der Musik zugehört hatten.

Es ist in diesem Zusammenhang wohl unmöglich, von Sängerinnen im Iran zu sprechen, ohne dabei Qamar-ol-Moluk Vaziri zu erwähnen. Denn in den 1920er Jahren war sie die erste Frau, die öffentlich vor einem gemischten Publikum und ohne Hidschab gesungen hat. Sie war es auch, die Najafi zu ihrem Projekt inspirierte, um den Stimmen der Frauen im Iran wieder Gehör zu verschaffen.

Zwischen erlaubten und verbotenen Klängen

Filmplakat "No Land's Song"

Rote Linien durchbrechen: Der Dokumentarfilm „No Land’s Song“ handelt von Sara Najafis Bemühungen, ihre Welt zu verändern und den Frauen ihres Landes ihre Stimme wiederzugeben.

Als Komponistin kennt sich Sara Najafi in der iranischen Musikgeschichte und mit den Verboten nach der Revolution sehr gut aus. Ironischerweise beginnen trotz der Einschränkungen und der begrenzten Möglichkeiten für Frauen jedes Jahr viermal mehr junge Frauen eine musikalische Ausbildung als Männer. Najafi spricht über einige der Schwierigkeiten, vor denen Frauen als Musikschülerinnen und -lehrerinnen stehen. Sie berichtet darüber, wie sie Unterrichtsstunden auf ausschließlich theoretischer Basis geben musste – ohne dabei tatsächlich zu singen, da sich Männer im Raum aufhielten.

Angesichts solcher Hindernisse scheint ihr Ziel, die offizielle Erlaubnis dafür zu erhalten, Sängerinnen vor einem gemischtgeschlechtlichen Publikum singen zu lassen, vergeblich und zum Scheitern verurteilt zu sein. Noch komplizierter wird ihre Mission durch ihre Entscheidung, französische Musiker teilnehmen zu lassen, darunter drei Sängerinnen aus Paris: Elise Caron, Jeanne Cherhal und Emel Mathlouthi. Die Umstrittenste von den dreien Musikern ist zweifelsohne Mathlouthi, deren Lied „Kelmti Horra“ (Meine Welt ist frei) zur Hymne der Frauen im Arabischen Frühling avancierte.

Es ist gewiss kein Zufall, dass die alten Theater in Teheran an die in Paris erinnern. Denn zwischen der französischen und der iranischen Musikszene gab es einmal starke kulturelle Verbindungen. Eines der Projektziele Najafis besteht deshalb darin, diese Verbindungen wiederzubeleben.

Leider wurden im iranischen Klima nach der Unterdrückung der „Grünen Bewegung“ Ideen, die den konservativen Status Quo erschüttern, nicht sehr gern gesehen. Wie kann man Gesetze überwinden, die auf der Idee beruhen, Frauen seien für die Handlungen von Männern verantwortlich? Najafi besucht einen religiösen Gelehrten, um die Gründe dafür herauszufinden, warum den Frauen das Singen schwer gemacht wird. Sie bekommt die Antwort, die Singstimme einer Frau könne die Gedanken der Männer vom Pfad der Tugend ablenken.

Orwellscher Alptraum

Als wäre dies nicht schlimm genug, sind ihre Gespräche mit dem Kultusministerium über das Konzert auch noch von einer bürokratischen Doppelzüngigkeit geprägt, die wohl selbst George Orwell Alpträume bereitet hätte. Diese Treffen durfte Najafi zwar nicht filmen, aber sie konnte zumindest Tonaufnahmen von dieser Begegnung machen, die die Hindernisse deutlich machen, vor die sie gestellt wurde. Zuerst sieht es so aus, als hätte ihr Projekt keine Chance. Ihr wurde gesagt, sie solle die nächste Präsidentschaftswahl abwarten: „Vielleicht werden die Dinge dann besser sein“, heißt es aus dem Off.

Und nach der nächsten Präsidentschaftswahl, die von der momentanen gemäßigten Regierung gewonnen wurde, hieß es: „Nun, das ist ein schwieriges Thema, und wir wollen den konservativen Elementen keinen Grund geben, Unruhe zu stiften“. Sie wird gebeten, Kompromisse einzugehen. Sogar ihr bereits die Erlaubnis erteilt wurde, die französischen Musiker für ein öffentliches Konzert in den Iran einzuladen, wird sie in letzter Minute ins Kultusministerium bestellt. Nachdem die Beamten eine Konzertprobe gesehen haben, ändern sie schließlich ihre Meinung darüber, das Konzert öffentlich stattfinden zu lassen. Erst als die französischen Musiker damit drohen, ohne Auftritt wieder nach Hause zu fahren, machen die Tugendwächter einen Rückzieher und lassen sie gewähren.

Allen Widrigkeiten zum Trotz

Der Dokumentarfilm erzählt nicht nur die persönliche Geschichte Najafi, sondern bietet auch tiefe Einblicke in den Iran, wie wir sie nur selten zu sehen bekommen. Ja, es gibt Unterdrückung und Angst, aber ebenso lässt sich auch eine Atmosphäre der Hoffnung erkennen. Man wird gewahr, dass der Iran keine monolithische Einheit darstellt, wo alle die gleiche Meinung haben. Vielmehr handelt es sich um eine Gesellschaft unterschiedlicher Menschen mit einem feinen Gespür für ihre Identität und die Geschichte ihres Landes.

Najafi selbst ist ein wunderbares Beispiel dafür. Wenn es scheint, als seien all ihre Hoffnungen vergeblich und die Bürokratie ihres Landes übermächtig, vergießt sie zwar Tränen. Unterkriegen lässt sie sich jedoch nicht. Ihre Lebensfreude und Willenskraft ist inspirierend, und diese schöpft sie auch aus ihrer Liebe zu ihrem Land.

Die Tatsache, dass Najafi das scheinbar Unmögliche erreicht und nicht nur das Konzert veranstaltet, von dem sie geträumt hat, sondern sogar die Erlaubnis bekommt, es zu filmen, ist an sich schon ein wunderbares Zeichen. Aber der Film zeigt auch, dass Najafi selbst eine bemerkenswerte Persönlichkeit ist. Er veranschaulicht, was ein fest entschlossener Mensch erreichen kann, wenn er sich nur genug dafür einsetzt.

Richard Marcus

Quelle: Qantara.de 2015

Deutschlandradio| MAHDIEH MOHAMMADKHANI: Verbotene Stimme aus dem Iran

Von Bamdad Esmaili

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Die iranische Musikerin Mahdieh Mohammadkhani mit dem Dastan Ensemble
Die iranische Musikerin Mahdieh Mohammadkhani mit dem Dastan Ensemble während ihres Kölner Konzerts. (Foto: Bamdad Esmaili)

Frauen dürfen im Iran nicht in der Öffentlichkeit singen. Das strikte Gesangsverbot gilt sogar für traditionelle Musik. Mahdieh Mohammadkhani ist im Iran durch das Internet trotzdem zum Star geworden. Die Newcomerin ist das neue Gesicht der traditionellen iranischen Musik.

Mahdieh Mohammadkhani ist grade mal 28 Jahre jung, doch als Sängerin erlebte sie schon nach zwei Jahren ihren Durchbruch. Im Iran ist die Newcomerin die zur Zeit wohl angesagteste Sängerin für traditionelle iranische Musik. Und das obwohl es in dem Land Frauen verboten ist, öffentlich zu singen, seitdem die islamische Religionsführer vor gut 36 Jahren die Macht übernahmen.

Das Gesangsverbot ist eigentlich untypisch für den Iran, denn historisch gab es vor der islamischen Revolution immer wieder Frauen, die als Sängerinnen in Erscheinung traten. Für Mahdieh Mohammadkhani bedeutete das Verbot, dass sie sich erst mit 22 Jahren entschloss, eine Karriere als Sängerin einzuschlagen.

„Das Singen war schon immer meine große Liebe. Es hat mich seit meiner Kindheit unbewusst begleitet. Ich erinnere mich, dass es mein erster Berufswunsch als Kind war, vielleicht mit vier oder fünf Jahren, Sängerin zu werden. Mit 20 habe ich mich nochmal an meinem Kindheitstraum erinnert und dachte, vielleicht kann ich ja diesen Traum verwirklichen.“

Die Musterschülerin studiert aber zunächst Architektur. Erst als Mahdieh Mohammadkhani das Studium abschließt, beginnt sie in Teheran damit, Gesangsunterricht zu nehmen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es auch Kurse für Frauen gibt, die dort traditionelle persische Musik singen. Aber in der Akademie entdeckte ich einen Kurs. Von der ersten Stunde an fühlte ich mich magisch angezogen. Diesen Gesangskurs besuche ich bis heute.“

In der Gesangslehre von Mohammad Reza Shajarian

Dort wurde Mahdieh Mohammadkhani mit allen „Dastgah´s“ – den Modi der traditionellen iranischen Musik – vertraut gemacht. Zudem erkannte der renommierten Sänger und Musiklehrer Mohammad Reza Shajarian ihr Talent . Er nahm sie in seinen begehrten Gesangs-Kursen auf. Im vergangenen Jahr schaffte Mohammadkhani mit ihrem Debütalbum „Darya Del“ und den Song „Khooshe chin“ den Durchbruch und wurde prompt zum Liebling von Fans der traditionellen iranischen Musik.

Öffentliche Konzerte darf Mahdieh Mohammadkhani wegen des Gesangsverbots im Iran bis heute nicht geben. Dennoch sorgte kürzlich ein Video im Netz für Aufregung. In dem Film war ein Auftritt der Sängerin mit dem Ensemble „Mah“ und dem Komponisten Majid Darakhshani in Teheran zu sehen. Im Beisein des iranischen Kulturministers. Die Nachricht verbreitete sich in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer: Zum ersten Mal seit 36 Jahren, traute sich eine Sängerin, das Tabu zu brechen. Mahdieh Mohammadkhani wurde im Netz als Heldin gefeiert. Doch die Meldung erwies sich schnell als falsch.

„Ich frage mich immer noch, wer dieses Gerücht verbreitet hat. Denn es war nicht so. Wir haben für eine gemeinnützige Organisation ein kostenloses, privates Konzert gegeben. Da wurde auch das Video aufgenommen. Danach wurde dieses Gerücht verbreitet“

Kritiker werden eingeschüchtert

Über das Gesangsverbot spricht Mahdieh Mohammadkhani noch immer nur sehr vorsichtig. Denn die Regierung in Teheran nutzt jede Gelegenheit, um ihre Kritiker einzuschüchtern. Erst vor Kurzem wurde Mohammadkhanis Förderer, der Musiker Majid Derakhshani, am Flughafen an der Ausreise gehindert. Sein Pass wurde ihm abgenommen. Eine offizielle Begründung gab es nicht, aber der Verdacht liegt nahe, dass das Regime Derakhshanis Engagement für iranische Sängerinnen bestraft.

Immer wieder hat er sich kritisch in ausländischen Medien über die Lage weiblicher Musikerinnen im Iran geäußert. Derakhshani hat außerdem eine Band gegründet, in der nur Frauen spielen. Tar-Spieler Hamid Motebassem, der lange in Deutschland gelebt hat, ist zur Zeit mit seinem Ensemble Dastan gemeinsam mit Mahdieh Mohammadkhani auf Europatour.

Hamid Motebassem: Sie hat eine sehr saubere Stimme, die Intonationen sind perfekt. Und das ist eine Schande für eine Nation, dass die Frauen still bleiben müssen. Aber indem wir mit einer Sängerin arbeiten, fördern wir auch die Frauen im Iran.“

Mahdieh Mohammdkhani ist trotz des Gesangsverbotes zum neuen Star der persischen Musikszene geworden. Weil sie keine CDs verkaufen darf und ihre Musik auch nicht im Radio gespielt wird, wurde sie vor allem dank des Internets und ihrer Musikvideos im Iran bekannt. Um ein weiteres Zeichen gegen die Unterdrückung iranischer Künstlerinnen zu setzen, hat die junge Frau vor kurzem das Frauen Ensemble „Shahnava“ gegründet. Ihr größter Wunsch? In ihrer Heimat aufzutreten.

„Ich glaube, jede Frau wünscht sich das. Dass sie frei und ungehemmt das, wofür ihr Herz schlägt, was ihre größte Leidenschaft im Leben ist, ausüben kann. Mir geht es genauso. Ich wünsche mir, dass ich eines Tages im Iran singen darf und jeder diese klassische iranische Musik hören kann.“

Am Sonntag, dem 18. Januar 2015, singt Mahdieh Mohammadkhani mit dem Dastan Ensemble ab 18:00 Uhr live in Münster.

Quelle: Deutschlandradio

Vorerst keine Verschärfung von Kopftuchzwang im Iran

Wächterrat schmettert Gesetz als verfassungswidrig ab

Im Iran ist ein umstrittenes Gesetz zur Verschärfung des Kopftuchzwangs im Wächterrat gescheitert. Es wurde zur Nachbesserung an das Parlament zurücküberwiesen.

Das einflussreiche konservative Gremium, das Gesetze auf ihre Übereinstimmung mit dem Islam und der Verfassung überprüft, wertete 14 der 24 Punkte des Gesetzes als verfassungswidrig, wie ein Sprecher der Nachrichtenagentur Irna sagte. Das Gesetz sollte der Bassidsch-Miliz mehr Rechte bei der Überprüfung und Durchsetzung der Kleiderordnung geben.

Seit der iranischen Revolution 1979 gilt für Frauen und Männer eine strenge Kleiderordnung, die für Frauen ein Kopftuch vorschreibt, das Haare und Hals bedeckt, sowie weite Kleidung, die bis zu den Füßen und den Handgelenken reicht. Diese Bestimmungen werden von einer Moralpolizei durchgesetzt, die Frauen ermahnen und bestrafen kann, wenn diese ihrer Ansicht nach falsch gekleidet und schlecht verhüllt sind. Die Kleidervorschriften treffen aber besonders in den größeren Städten seit Jahren auf Ablehnung und Widerstand.

Konservative Politiker und Geistliche fordern regelmäßig eine Verschärfung der Gesetze und der Kontrollen, um gegen bunte und lockersitzende Kopftücher oder zu enge oder zu kurze Mäntel vorzugehen. Der moderate Geistliche Hassan Ruhani versprach bei seiner Wahl zum Präsidenten im Juni 2013, sich für mehr soziale und kulturelle Freiheit einzusetzen. Im Oktober distanzierte er sich von der Gesetzesinitiative und betonte, beim Kampf gegen „Laster“ sollte sich die Gesellschaft nicht allein auf die Frage des Kopftuchs konzentrieren.

Quelle: AFP/Reuter/DPA

Ein Steilpass in die Tiefe des Sports: Volleyballkrieg

Der Iran sperrt Frauen im Sport aus und sogar ein. Sanktionen gibt es aber nur im kleinen Rahmen. Der Iran wittert eine internationale Verschwörung, kritisiert auch die kritische Haltung von Österreich.

 (Die Presse)

Der Internationale Volleyballverband (FIVB) hat in dieser Woche eine große Chance ausgelassen, hat den Ball einfach ins Netz geschlagen, statt ein noch deutlicheres Zeichen zu setzen. Der Kontrahent heißt seit Wochen Iran, im Volleyball eine große Nummer, in der Welt des Sports aber ein Problemkind. Es geht konkret um die Diskriminierung von Frauen, denn in der Islamischen Republik ist ihnen der Besuch von Fußballspielen verboten. Aber auch Volleyballspiele der Herren dürfen nicht besucht werden.

Der Versuch einer jungen Frau, Ghontscheh Ghawami, sich dem zu widersetzen, hat zur Inhaftierung geführt. Sie war in Einzelhaft, nach Angaben ihres Anwalts wurde sie inzwischen zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Da ihr das Urteil noch nicht zugestellt wurde, ist Ghawami in Hungerstreik getreten.

Der Internationale Volleyballverband hat dagegen lautstark protestiert, einen Brief an den iranischen Präsidenten geschrieben, Menschenrechtsorganisationen fordern ihre Freilassung. Wobei der Präsident des iranischen Volleyballverbandes, Reza Davarzani, sagt, Ghawamis Fall habe nichts mit Volleyball zu tun und es unfair sei, „eine Verbindung zwischen einer nicht sportbezogenen Aktivität und unserem Sport herzustellen“. Die offizielle Begründung lautet nun: „Sie hatte Kontakte mit iranischen Oppositionskreisen und wurde daher wegen Propaganda gegen das Establishment angeklagt.“

Vollständiger Artikel

Frauenrechte in Afghanistan: Anlass zur Hoffnung

Trotz vieler Defizite ist für Frauen in Afghanistan in den vergangenen Jahren viel erreicht worden. Es ist jedoch fraglich, ob diese Errungenschaften auch nach 2014 bewahrt und ausgebaut werden können. Von Gabriel Dominguez

Auf dem Gebiet der Frauenrechte hat Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes 2001 große Fortschritte gemacht. Die Gleichheit von Mann und Frau ist in der Verfassung festgeschrieben. Mehr als 2,8 Millionen Mädchen gehen zur Schule, Frauen stellen knapp 30 Prozent der Abgeordneten in der Nationalversammlung.

Die ehemalige Regierung Karzai hatte das internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau (CEDAW) unterzeichnet und 2009 das afghanische Gesetz über die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen in Kraft gesetzt. Letzteres stellt nicht nur Vergewaltigung, Misshandlung und andere Gewaltanwendung gegen Frauen unter Strafe, sondern beispielsweise auch Zwangsheiraten, Kinderehen, den Kauf beziehungsweise Verkauf von Frauen zur Streitschlichtung.

Gesetze sind eine Sache, eine andere ist ihre Verwirklichung im Alltag. Hier setzt die Kritik von UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay an. Sie bilanzierte im Dezember 2013, dass das Gesetz über Gewalt gegen Frauen nur zäh und stockend umgesetzt werde. Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte seien zurückhaltend bei der Anwendung der gesetzlichen Instrumente zum Schutz der Frauen.

Täter können auf „verständnisvolle Justiz“ rechnen

Die Strafverfolgungsbehörden griffen häufig zum Instrument der Schlichtung, anstatt die vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten zum Schutz der Frauen auszuschöpfen, sagen Kritiker wie Sari Kuovo vom Afghanistan Analysts Network. „Die Täter erhalten die Gerechtigkeit, die sie selbst für richtig halten, vorausgesetzt, sie haben die richtigen Beziehungen und Telefonnummern.“ Die Expertin spricht von einer „korrupten und von der Politik abhängigen Justiz“.

Der ehemalige afghanische Präsident Hamid Karzai; Foto: Reuters

Erster Schritt zur Stärkung der Frauenrechte: Das vom früheren Präsidenten Hamid Karzai 2009 erlassene Gesetz zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen stellte erstmals Vergewaltigung, Gewalt in der Familie und Zwangsheirat unter Strafe.

Das Parlament verabschiedete einen Gesetzentwurf, der es Zeugen praktisch verbietet, gegen Verwandte auszusagen, die wegen Gewalt oder sonstiger Vergehen gegen Frauen vor Gericht stehen. Erst nach internationaler Kritik an dem „Anti-Frauen-Gesetz“ ordnete der frühere Präsident Karzai Änderungen an dem Gesetzentwurf an.

„Diskriminierende Praktiken“

Obwohl sich der Westen beim Sturz der Taliban auch die Frauenrechte auf die Fahnen geschrieben habe, bleibe Afghanistan eine patriarchalische Gesellschaft, konstatiert Sari Kuovo. „Die Entscheidungen über das Leben der Frauen hängt weitgehend vom Willen der Väter und Ehemänner ab“, so Kuovo. Ihre Einschätzung entspricht derjenigen von Phumzile Mlambo-Ngcuka, Executive Director der Organisation UN Women.

Sie sieht Frauen in Afghanistan auf allen Gebieten im Hintertreffen, ob Bildung, Arbeitsmarkt oder Politik, Grund seien „weit verbreitete diskriminierende kulturelle Praktiken.“ Der Südafrikanerin zufolge sind fast 90 Prozent aller Afghaninnen Opfer von Gewalt geworden, wobei Gewalt physisch, psychisch, sexuell, wirtschaftlich oder gesellschaftlich aufgefasst wird. In jüngster Zeit seien Morde und Drohungen gegen hochrangige afghanische Regierungsmitarbeiterinnen hinzugekommen.

Errungenschaften in Gefahr

Rula Ghani; Foto: Esmat Mohib

Hoffnungsträgerin Rula Ghani? Nach der Präsidentschaftswahl vom vergangenen September zieht mit Rula Ghani erstmals seit Langem wieder eine First Lady in den afghanischen Präsidentenpalast, die ihre Rolle selbstbewusst ausfüllen will. Ihr Interesse gilt insbesondere den Frauen- und Kinderrechten in Afghanistan.

Leipzig| Dokumentarfilm „No Land’s Song“: Gegen die Zensur ein Solo singen

Beyoncé tut es, Lady Gaga tut es und Helene Fischer tut es auch. All diese Frauen stehen auf der Bühne und singen. Soweit, so normal. Doch dass Frauen auf der Bühne etwas solistisch vortragen, das ist in anderen Ländern gar nicht so normal.
Ayat Najafi bei mephisto97.6
Ayat Najafi – der Regisseur des Films „No Land’s Song“.
Felicitas Förster
30.10.2014 – 16:39
  Kultur

„No Land’s Song“: 30. Oktober, 22.15 Uhr, Cine Star 4; 31. Oktober, 17 Uhr, Schaubühne Lindenfels; 1. November, 10.45 Uhr, Cine Star 4. Weitere Informationen auf der Webseite des DOK Leipzig .

Im Iran ist es Frauen untersagt, öffentlich solistisch zu singen. Sängerinnen haben es dort dementsprechend schwer. Von der Unterdrückung der weiblichen Stimme handelt der Dokumentarfilm “No Land’s Song”. Er begleitet eine junge Komponistin, die ein besonderes Konzert auf die Beine stellen will. Besonders deshalb, weil bei dem Konzert nur Frauen singen sollen. Der Film ist im Rahmen des DOK-Festivals nun auch in Leipzig zu sehen. Die Regie geführt hat Ayat Najafi. Er ist in Teheran aufgewachsen und lebt mittlerweile in Berlin.

Ayat Najafi im Gespräch mit mephisto97.6-Moderatorin Anne Eichhorn

In „No Land’s Song“ begleitest du eine Komponistin, die ein Konzert organisieren will, bei dem Frauen solistisch singen sollen. Diese Komponistin heißt Sara Najafi und ist keine Geringere als deine Schwester. Was hast du gedacht, als deine Schwester dir von ihrem Vorhaben erzählt hat?

Es ist besser zu sagen: Wir haben diese Idee zusammen entwickelt. Wir beide wollten dieses Konzert machen und ich habe gedacht, dass man mit einem Film dieses Konzert unterstützen kann. Wir haben also gleichzeitig angefangen. Sie hat sich um die Musiker gekümmert und auch um die Zensur, also um die gesamte Organisation des Konzertes. Ich wiederrum habe versucht, mit dem Film diese Geschichte zu erzählen.

Die Kamera war also von Anfang an dabei. Wie haben sich denn die Dreharbeiten gestaltet?

Wir hatten zwei Pläne. Der erste Plan war, alles mitzunehmen, was passiert. Das heißt, wir mussten immer bereit sein. Manchmal musste Sara sofort ins Kulturministerium kommen und da blieb uns nichts anderes übrig, als auch sofort aufzubrechen. Diese Situationen konnte man nicht planen. Der zweite Plan war unser Drehbuch. Dabei haben wir einige Momente geplant, zum Beispiel in das alte Theater oder in den Musikladen zu gehen und damit ein Bild von der Musikszene im Iran zu zeigen. Natürlich haben wir auch die Proben für das Konzert geplant, die in Teheran und in Paris stattfanden.

Gab es denn größere Einschränkungen, mit denen ihr während der Arbeit zurechtkommen musstet?

Also eigentlich kann man überall drehen. Aber man muss wissen, wie. Ich kann aber leider nicht meine Tricks verraten. Wenn ich das sagen würde, könnte ich nicht mehr im Iran arbeiten. Also tatsächlich durften wir nur im Kulturministerium nicht drehen, aber das darf man ja in Deutschland auch nicht. Etwas anderes war viel wichtiger: Die Leute wussten nicht immer, dass wir filmen, obwohl wir es ihnen hätten sagen können. Aber sie hätten sich dann anders verhalten. Sie hätten sich mehr kontrolliert und politisch korrekt gesprochen. Jetzt im Film sprechen sie frei, ohne Selbstzensur. Sie sagen einfach, was sie wollen.

Für welches Publikum ist der Film bestimmt?

Wir können den Film im Iran nicht zeigen. Er ist also für ein internationales Publikum bestimmt. Das können auch Iraner sein. Ehrlich gesagt: Wer geht denn schon ins Kino, um einen Dokumentarfilm zu sehen? Es ist im Iran genau so wie in Deutschland: Es gibt nur wenige Leute, die sich Dokumentarfilme anschauen. Es gibt natürlich diese Möglichkeiten wie das DOK Leipzig, bei dem man viele Zuschauer für den Dokumentarfilm gewinnen kann. In Teheran gibt es auch so ein Festival. Aber „No Land’s Song“ ist eigentlich nicht für den Iran bestimmt. Meine Hoffnung ist, dass die Iraner später den Film auf DVD sehen können oder dass er in einem Fernsehsender läuft, den man auch im Iran sehen kann. Genau so wie bei „Football undercover“, meinem ersten großen Film. Den kennen auch einige Menschen im Iran.

Du hast dich früh für Schauspiel interessiert, später hast du Bühnenbild studiert. Deine Schwester ist Komponistin. Kommt ihr denn auch einer Künstlerfamilie?

Ja. Mein Vater ist Architekt und ein großer Filmliebhaber und meine Mutter ist Musikerin.

Das heißt, die Kunst hat immer eine große Rolle bei euch in der Familie gespielt?

Sie hat eigentlich die einzige Rolle in unserer Familie gespielt.

Mit neunzehn Jahren hast du eine Jugendtheatergruppe in Teheran gegründet. Wie hat das funktioniert?

Das war sehr schwierig. Aber man muss wissen, dass die Kulturszene im Iran sehr aktiv und dynamisch ist. Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Position des Kulturministeriums und der offiziellen Position der Kunst im Iran. Was wir in der Universität lernen, darf man im Iran eigentlich nicht machen. Wir lernen nichts über die Zensur, sondern wir machen, was wir wollen. Es gibt natürlich einen Untergrund und es gibt die Berge. Ich habe alle meine Proben in den Bergen gemacht. Da kommt niemand, um uns zu beobachten. Auch die meisten unserer Aufführungen fanden im Untergrund statt oder zuhause oder in kleinen Ateliers in der Uni. So haben wir gelernt. Seit den fünfziger Jahren herrscht ja im Iran die Diktatur. Erst war es die Diktatur des Shahs, dann die Diktatur der Mullahs. Beide haben ihre Regeln, aber die Künstler haben sich trotzdem durchgesetzt. Man sieht iranische Filme im Ausland, man sieht iranisches Theater und man hört iranische Musik … Die iranischen Künstler haben es geschafft, auf diese internationale Ebene zu kommen.

Eure Dozenten haben euch also empfohlen, in den Untergrund zu gehen?

Klar. Die haben das selber gemacht. Die meisten haben auch im Ausland studiert und sind dort mit internationalen Künstlern in Kontakt gekommen. Es gibt auch sehr viele Austauschprojekte. Das Theaterfestival in Teheran ist sehr aktiv. Dort kommen unter anderem viele Theatergruppen aus Deutschland hin. Auch die Staatstheater, wie zum Beispiel das Berliner Ensemble, kommen nach Teheran und machen Projekte mit iranischen Künstlern. Also diese Dynamik gibt es. Aber die Zensur gibt es natürlich auch. Das ist ein alter Kampf.

Was könnt ihr mit eurer Kunst erreichen, wenn sie versteckt bleiben muss?

Das ist nicht alles versteckt. Die Theaterszene in Teheran ist groß. Wenn man in Teheran ins Theater gehen will, muss man sich erst mal fragen, wohin man will, denn es gibt sehr viel. Wir Künstler lernen im Untergrund, aber später spielen wir vor Publikum. Wir benutzen die Spielräume. Viele iranische Filmer, die im Ausland erfolgreich sind, sind auch offiziell im Iran in den Kinos, wie „Nader und Simin, eine Trennung“ von Asghar Farhadi, der bei der Berlinale den Goldenen Bär gewonnen hat und später den Oscar. Dieser Film hat einen riesigen Erfolg im Iran und er läuft dort in der gleichen Fassung wie in Deutschland. Was ich sagen will: Es gibt Spielräume, die die Künstler nutzen können. Aber ich war nie jemand, der diese Spielräume benutzen wollte. Deswegen habe ich den Iran verlassen. Jetzt versuche ich, freier zu arbeiten und das internationale Publikum anzusprechen.

Wie steht denn das iranische Publikum der Kulturpolitik der Regierung gegenüber?

Dafür ist die letzte Szene in meinem Film ein gutes Beispiel. Dort sieht man, wie stark das Publikum im Iran so ein Projekt unterstützt.

Quelle: mephisto 97.6 – Lokalradio der Universität Leipzig

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Moderatorin Anne Eichhorn im Gespräch mit Ayat Najafi, Teil 1
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Moderatorin Anne Eichhorn im Gespräch mit Ayat Najafi, Teil 2

Light in Babylon| Die Frauen aus Teheran – RIP Reyhaneh Jabbari


Trotz internationaler Appelle ist im Iran am Samstag die 26-jährige Reyhaneh Jabbari nach fünf Jahren in der Todeszelle hingerichtet worden. Sie war wegen Mordes an dem Geheimdienstmitarbeiter Morteza Abdolali Sarbandi verurteilt worden, der sie als Innenarchitektin engagiert hatte und versucht haben soll, sie seiner Wohnung zu vergewaltigen. Die Gruppe Light in Babylon gedachte gestern mit ihrem Titel Die Frauen aus Teheran an Reyhaneh Jabbari.

Die Frauen aus Teheran
sie verdecken ihr Gesicht nicht
sie verbergen ihr Lächeln nicht
sie geben ihre innere Schönheit preis

und das alles auf eine solch familiäre liebevolle Art,
dass es in mir Gefühle weckt, die ich einst vergessen hatte
und wenn du hörst wie sie singen
und wenn du lauschst wie sie singen

meine Mutter könnte eine von ihnen sein
sie pflegte es, mir Geschichten zu erzählen
trotz ihres traurigen Anblicks
konnte ich immer ein Lächeln auf ihren Lippen ablesen

und das alles auf eine solch familiäre liebevolle Art,
dass es in mir Gefühle weckt, die ich einst vergessen hatte
und wenn du hört wie sie singen
und wenn du lauschst wie sie singen

la la la.la..
La la la la

die Frauen aus Teheran
sie verdecken ihr Gesicht nicht
sie verbergen ihr Lächeln nicht
sie geben ihre innere Schönheit preis

und das alles auf eine solch familiäre liebevolle Art,
dass es in mir Gefühle weckt, die ich einst vergessen hatte
und wenn du hört wie sie singen
und wenn du lauschst wie sie singen

meine Mutter könnte eine von ihnen sein
sie pflegte es, mir Geschichten zu erzählen
trotz ihres traurigen Anblicks
konnte ich immer ein Lächeln auf ihren Lippen ablesen

und eines Tages werde ich dort sein
ich werde wie ein ausländischer Vogel im Himmel über dem Iran fliegen
ich werde meinen Hals ausstrecken
meine Flügel weiten
und für dich Teheran singen

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