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„Blau ist eine warme Farbe“: Übersetzung im Iran zugelassen

Die iranische Regierung wird von konservativen Medien kritisiert, weil sie die Übersetzung des Comic-Romans „Blau ist eine warme Farbe“ von Julie Maroh zugelassen hat. „Wie kann das Kultusministerium die Übersetzung dieses Buches erlauben?“, schrieb das Webportal „Salehin“ am Freitag.

Ein Roman, der Werbung für Homosexualität mache, sei gegen alle religiösen und moralischen Werte der iranischen Gesellschaft, hieß es in einem Leitartikel. In der Graphic Novel geht es um die Beziehung zweier Frauen. Die Verfilmung von Abdellatif Kechiche gewann 2013 in Cannes die Goldene Palme.

Auch das erzkonservative Webportal „Chamrannews“ kritisierte Kultusminister Ali Dschannati wegen der Erlaubnis, den französischen Comic-Roman zu übersetzen und zu veröffentlichen. Dschannati ist seit geraumer Zeit wegen liberalerer Kulturpolitik Zielscheibe von Hardlinern im Iran. Der Roman wurde von der im Ausland lebenden Autorin und Künstlerin Sohejla Dschodejri ins Persische übersetzt. Ihr wird nun im Iran vorgeworfen, für Homosexualität zu werben.

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Lavat: Eine schwule Liebe im Iran

Was wäre, wenn unser Coming-out nicht in unserer westlichen Welt stattgefunden hätte? Wenn wir von Muezzins und Minaretten umgeben gewesen wären? Stefan Klemann zeichnet mit seinem Buch „Lavat“ aus dem österreichischen Homo Littera Verlag ein beeindruckendes und beklemmendes Bild genau dieser Vision.

An einem Nachmittag im Park gestehen sich die Studenten Rashno und Hamid ihr Interesse am eigenen Geschlecht. Hamid geht noch ein bisschen weiter. Er eröffnet Rashno, dass das Liebesgedicht, welches er ihm zum Lesen gab, seinen Weg nicht nur mit der Bitte um Korrektur zu ihm gefunden hat. Tief berührt reagiert dieser aber nicht ganz so wie von dem Liebenden erwartet. Zwar wird Hamid damit belohnt, das Rashno nicht sofort aufspringt und wegrennt, wie man das üblicherweise von einer Hete erwartet hätte, aber schnell setzt eine kleine Enttäuschung darüber ein, dass der begehrte Mann eben nicht die gleiche Liebe empfindet wie er selbst.

Trotzdem tut dieses Outing beider Freundschaft keinen Abbruch. Es schweißt die jungen Männer eher zusammen, die wissen, dass in ihrem Land, dem Iran, allein auf ihre Empfindungen bereits die Todesstrafe steht. So leben sie ihr Leben im Geheimen, bis es zu einer dramatischen Zuspitzung kommt.

Rashno wird auf einer Familienfeier seiner zukünftigen Braut vorgestellt. Das entsetzt ihn so sehr, dass er das Tabu seiner Gesellschaft bricht. Er rennt weg und flieht zu Hamid – in der Hoffnung, dass dieser das Chaos in seinem Leben lösen kann. Schnell wird Hamid zu einem festen Bestandteil in seinem Leben, der so sehr in seinen Mittelpunkt rückt, dass aus Freundschaft endlich Liebe wird. Eine Zeit lang ist beiden sogar ein gemeinsames Leben in einer kleinen Studentenwohnung vergönnt. Bis zu dem Tag, an dem Rashnos Familie beschließt, dass der verlorene Sohn seinen Weg zurück in die Gesellschaft finden muss oder er eben dem Schicksal überlassen werden muss, das auf jeden jungen Mann wartet, der sich dem Unsagbaren hingeben will. Der Strang!

Vollständiger Artikel

Stefan Klemann: Lavat, Homo Littera Verlag, 176 Seiten, broschiert, 12,90 €, EBook 6,49 €

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