Blog-Archive

„Blau ist eine warme Farbe“: Übersetzung im Iran zugelassen

Die iranische Regierung wird von konservativen Medien kritisiert, weil sie die Übersetzung des Comic-Romans „Blau ist eine warme Farbe“ von Julie Maroh zugelassen hat. „Wie kann das Kultusministerium die Übersetzung dieses Buches erlauben?“, schrieb das Webportal „Salehin“ am Freitag.

Ein Roman, der Werbung für Homosexualität mache, sei gegen alle religiösen und moralischen Werte der iranischen Gesellschaft, hieß es in einem Leitartikel. In der Graphic Novel geht es um die Beziehung zweier Frauen. Die Verfilmung von Abdellatif Kechiche gewann 2013 in Cannes die Goldene Palme.

Auch das erzkonservative Webportal „Chamrannews“ kritisierte Kultusminister Ali Dschannati wegen der Erlaubnis, den französischen Comic-Roman zu übersetzen und zu veröffentlichen. Dschannati ist seit geraumer Zeit wegen liberalerer Kulturpolitik Zielscheibe von Hardlinern im Iran. Der Roman wurde von der im Ausland lebenden Autorin und Künstlerin Sohejla Dschodejri ins Persische übersetzt. Ihr wird nun im Iran vorgeworfen, für Homosexualität zu werben.

weiterlesen

Badische Zeitung| Wie es sich anfühlt, Flüchtling zu sein

Mehrnousch Zaeri, die als Kind mit ihrer Familie aus dem Iran floh, las beim sozialpolitischen Martinstag aus ihrem Buch.

  1. Mehrnousch Zaeri mit den beiden Schlümpfen, die ihr Leben in Deutschland begleiten. Foto: Thomas Loisl Mink

LÖRRACH. Krisen und Kriege an vielen Orten der Welt haben zur Folge, dass vermehrt Flüchtlinge nach Europa und Deutschland kommen. Wie Betroffene ihre Flucht und ihre Aufnahme erleben, darüber wissen nur wenige Bescheid. Mehrnousch Zaeri hat ein Buch darüber geschrieben, wie sie als Kind die Flucht ihrer Familie aus dem Iran nach Deutschland erlebt hat. Daraus las sie im Gemeindezentrum der Friedensgemeinde vor.

Das Diakonische Werk im Landkreis und der Evangelische Kirchenbezirk hatten zum dritten sozialpolitischen Martinstag eingeladen, da man St. Martin mit Gerechtigkeit und Teilen verbindet, wie Michael Schmitt-Mittermeier sagte. Er prangerte an, dass schon wieder von „Migrationsflut“ oder „Asylbewerberschwemme“ gesprochen werde, obwohl gerade mal rund ein Viertel so viele Flüchtlinge in Deutschland ankommen wie 1989, wo vor allem Spätaussiedler kamen.

Mit Mehrnousch Zaeri hatte man eine Frau eingeladen, die aus eigener Erfahrung als Flüchtlingskind erzählen konnte und zudem in Lörrach keine Unbekannte ist. Ihre erste Arbeitsstelle war vor Jahren die der Beraterin des Diakonischen Werkes für Flüchtlinge und Migrantinnen. Jetzt hat sie ein Buch geschrieben, das allerdings erst im Frühjahr 2016 erscheinen wird. „33 Bogen und ein Teehaus“ heißt es und erzählt in einer Reihe von Episoden Mehrnousch Zaeris Geschichte mit den Augen eines Flüchtlingskindes. Das tut sie mit sehr viel Humor, obwohl vieles daran nicht zum Lachen ist.

Vollständiger Artikel

WELT| „Möchte die Stimme derer sein, die sprachlos sind“

Die iranischstämmige Schriftstellerin Bahiyyih Nakhjavani lebt im Exil. Ihre Gedanken aber sind bei ihren verfolgten Glaubensbrüdern von den Bahai im Iran – um die macht sie sich derzeit große Sorgen.

Sie werden verfolgt, inhaftiert und in den Untergrund gezwungen – die etwa 300.000 Anhänger des Bahai-Glaubens im Iran leben unter extremem Druck. 120 Bahai sollen laut des UN-Sonderberichterstatters für Menschenrechte in iranischer Haft sitzen. Viele Anhänger des Glaubens verlassen das Land, denn auch unter der etwas moderater auftretenden Regierung von Präsident Hassan Ruhani hat sich ihre Lage bisher nicht verbessert. Die Schriftstellerin Bahiyyih Nakhjavani beobachtet die Situation der Bahai in ihrem Geburtsland mit großer Sorge. Die 66-Jährige gehört dem Glauben an, war allerdings erst drei Jahre alt, als ihre Eltern mit ihr den Iran verließen. Inzwischen lebt sie als Autorin in Frankreich. Im Jahr 2000 hat sie mit ihrem ersten Roman „Die Satteltasche“ einen internationalen Bestseller geschrieben, derzeit arbeitet sie an ihrem neuen Buch über die Diaspora. Mit der „Welt“ spricht sie über die Lage der Bahai im Iran, Heimatgefühle und den Einfluss ihres Glaubens auf ihre Arbeit.

Die Welt: Sie wurden im Iran geboren, sind in Uganda aufgewachsen und haben in den USA, Sierra Leone, Zypern, Großbritannien und Belgien gelebt. Mittlerweile wohnen Sie in Frankreich. Wie haben diese vielen Ortswechsel Ihre Arbeit als Autorin geprägt?

Bahiyyih Nakhjavani: Ich habe einige Dinge beobachtet, die mich schockiert haben. Solche Empörung treibt mich sehr stark an, und sie bringt mich dazu, schreiben zu wollen. Ein anderes Mal habe ich etwas gesehen, das Mitgefühl bei mir ausgelöst hat. Dann möchte ich die Stimme derer sein, die selbst sprachlos sind. Das ist ebenfalls ein starker Antrieb für mich, zu schreiben. Ich denke aber, im tiefsten Inneren sind all diese verschiedenen Erfahrungen, das Reisen, der Aufbruch und das Bestreben, irgendwo sesshaft zu werden, eine Metapher für jeden Versuch eines Autors, etwas zu schreiben. Jede weiße Seite ist wie ein neues Land.

Die Welt: Im Alter von drei Jahren haben Sie den Iran bereits verlassen. Fühlen Sie sich trotzdem als Perserin?

Nakhjavani: Die Auswanderung war keine bewusste Entscheidung. Obwohl wir im Ausland lebten, haben wir eine Art persischen Stempel aufgedrückt bekommen.Uganda, wo ich aufgewachsen bin, war britisches Protektorat. Die Hauptstadt Kampala war in drei Sektoren unterteilt: Es gab Inder, Afrikaner und Europäer, die Briten. Wir als persische Familie passten nicht in diese Struktur. Deswegen waren wir dann Perser. Ich will keine Klischees nennen, aber wenn man in einer persischen Familie aufgewachsen ist, dann hat man diesen Geruch in der Nase und dann ist da natürlich noch die Sprache.

Vollständiger Artikel

Bilder der Revolution

Die iranische Graphic Novel „Zahra’s Paradise“

In Iran im Juni 2009 verabredeten sich eine Million Iraner im Internet. Sie demonstrierten gegen Mahmud Ahmadinedschad und gegen die gefälschten Präsidentschaftswahlen. Das Internet trägt den Protest in die Welt. Jeder kann jetzt sehen, wie der Gottesstaat zuschlägt. Doch die schlimmsten Bilder sind die, die man nicht sieht. Die zeigt die Internet-Graphic Novel „Zahra’s Paradise“, das Tagebuch einer Suche nach verschwundenen Kindern im Iran.

"Zahra's Paradise" war ursprünglich ein iranischer Comic-Blog im Internet. © Knesebeck

"Zahra's Paradise" war ursprünglich ein iranischer Comic-Blog im Internet. © Knesebeck

Amir, ein Exil-Iraner und Journalist, und Khalil, ein Araber, haben „Zahra’s Paradise“ entwickelt und ins Netz gestellt. „Auch wenn wir nicht mehr im Iran leben, sind wir im ständigen Kontakt mit unseren Familien“, sagt Amir. „Unsere Familien wissen, dass wir sie nie im Stich lassen. In den vergangenen 30 Jahren haben wir gemeinsam der Islamischen Republik widerstanden. Wir wollen nicht, dass unsere Kultur getötet wird. Dagegen kämpfen wir an, genauso wie gegen das Lügen, das Morden, das Vergewaltigen. Unser Comic ‚Zahra’s Paradise‘ ist ein Zeichen unserer Solidarität mit der grünen Revolution.“

Internet als Sprachrohr der Revolution

Im Netz wurde die Graphic Novel zum vielbeachteten Phänomen. Sie startete vier Tage nach dem Wahlbetrug mit 14.000 Klicks täglich. Jetzt erscheint sie in elf Sprachen als Buch. Jasmin Tabatabai verfolgt das Comic-Tagebuch seit 2010. „All diese Bilder, die uns 2009 so aufgebracht und die grüne Bewegung ins Ausland gebracht haben, hat es letzten Endes wegen des Internets gegeben. 1986 zum Beispiel wussten wir alle, wie die Islamische Republik tickt, es war eigentlch bekannt. Ich sage ‚eigentlich‘, denn wenn dir die Bilder fehlen, kannst du dir den Mund fusselig reden. Das kommt nicht so an.“
Lies den Rest dieses Beitrags

Teheran im Bauch

Oldenburger Lokalteil: Mathias Kopetzki, Jahrgang 1973, wuchs in Hude auf und machte in Oldenburg sein Abitur. Erst nach und nach entschlüsselte er das Geheimnis seiner Herkunft. Sein leiblicher Vater ist Iraner und nahm irgendwann, als Mathias längst erwachsen war, Kontakt zu seinem Sohn auf. Über diese späte Begegnung mit seinem Vater und seiner Familie in Teheran hat Mathias das Buch “Teheran im Bauch – Wie meines Vaters Land mich fand” geschrieben, das am 25. April erscheint. Der Oldenburger Lokalteil druckt einen Auszug mit Lokalkolorit.

Der Wind blies mir in den Mantel und auf dem Bahnhofsvorplatz roch es nach Schnee. Saeed trug einen Parker, hatte einen buschigen Schnurrbart.  Seine Halbglatze glänzte mir entgegen, da er die Mütze abnahm, um mich zu begrüßen. Offensichtlich kannte er mein Aussehen. Am liebsten wäre ich umgekehrt.
,,Salaam, Mathias!”, rief er und drückte mich an sich.
Er stank nach Rauch und Schweiß. Mehr aus Höflichkeit erwiderte ich seine Umarmung.
Er starrte mich an. ,,Ich habe dich sofort erkannt, du siehst deinem Vater sehr ähnlich – wie bei ihm wachsen deine Augenbrauen zusammen! Im Iran ein Zeichen männlicher Schönheit!” Lies den Rest dieses Beitrags

%d Bloggern gefällt das: