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Culture| An Iranian dissident returns home

Popular filmmaker Mohammad Rasoulof has returned to Tehran from exile. In an exclusive interview, he explains why.

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Iranian director Mohammad Rasoulof
Iranian director Mohammad Rasoulof shows his green scarf — a sign of support for the country’s opposition movement — in 2009.
Rafa Rivas / AFP / Getty Images

TEHRAN — Friends and family warned Mohammad Rasoulof not to return to Tehran. The award-winning director still had a prison sentence looming over his head after being arrested during a shoot in 2010, charged with threatening national security and making propaganda against Iran’s Islamic state.

Rasoulof’s friend and collaborator, the renowned director of “White Balloon,” Jafar Panahi, who was arrested at the same time, is still under house arrest. Further, Rasoulof had just released his most uncompromising film to date. “Manuscripts Don’t Burn” — which won the International Federation of Film Critics Award at Cannes and is currentlyscreening at New York’s Museum of Modern Art — is an undisguised criticism of Iran’s feared security services, and Rasoulof’s most overtly political work yet. Still, he ignored the advice and came home.

He arrived in Tehran in September 2013, a month after the inauguration of President Hassan Rouhani. The police confiscated his passport, but have otherwise left him alone so far. Rouhani has promised to bring change to Iran, and although that change is moving slowly, things are certainly different from when Rasoulof lived here four years ago.

“When I was arrested, I was saying the exact same things as Mr. Rouhani is saying now. I wonder why nobody arrests him,” Rasoulof says with a laugh.

The 42-year-old filmmaker shuffles around his backyard in a washed-out black sweatshirt, dragging his plastic slippers along the ground with every step. When he sits back in his chair at his small working table, shaded by a tree, he can enjoy something close to silence. This is the only interview he has agreed to since his return, but he does not seem nervous. Here, sheltered from the frantic noise of Iran’s capital, Rasoulof has room to breathe. And that is exactly what many Iranian artists hope to get under Rouhani’s government.

“Of course, one has to be very stupid to think that after Rouhani’s election, the entire Islamic Republic will change,” Rasoulof says. “The important thing is that we can help move things slowly in the right direction.”

In 2010, Mohammad Rasoulof was arrested on the set of the movie he was working on about the Green Movement protests the year before. Along with his collaborator, Jafar Panahi, he was sentenced to six years in prison (later reduced to one) and a 20-year ban on filmmaking.

The two are among Iran’s most prominent directors, having won prizes at festivals in Cannes and Berlin. But whereas Panahi’s arrest was met with international outrage in the form of protest speeches and empty jury chairs at film festivals, Rasoulof did not receive the same collegial support. He is, in a sense, the forgotten martyr of the same struggle.

But he wanted it that way. Whereas Panahi smuggled movies out of the country while under house arrest, Rasoulof kept a low profile. In Iran, sentences for political prisoners are often not carried out immediately, but continue to hover menacingly over their heads indefinitely. So while waiting to serve his sentence, Rasoulof decided to go with his wife and daughter to Germany.

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SRF| «Manuscripts don’t burn»: Mord und Folter im Gottesstaat Iran

Regisseur Mohammad Rasoulof hat in Cannes einen Film gezeigt, der im Iran aufgrund der Zensur nie ins Kino kommen wird: Er handelt von der Verfolgung regimekritischer Schriftsteller in den 90ern. Aktuell wählt Iran einen neuen Präsidenten – vier Jahre nach den blutigen Protesten von 2009.

Mann läuft durch dunklen KorridorBild in Lightbox öffnen.Bildlegende:Regisseur Rasoulof schildert die Überwachungsmechanismen einer Diktatur; Szene aus dem Film «Manuscripts don’t burn». OUTNOW.CH

«Manuscripts don’t burn – Dast-Neveshtehaa Nemisoosand» ist einer jener Filme, bei denen man sich fragt, wie sie überhaupt entstehen konnten. Wie ist es möglich, die Droh-, Mord- und Überwachungsmechanismen einer Diktatur dermassen klar und offen zu schildern, wie es Mohammad Rasoulof hier tut? Lies den Rest dieses Beitrags

Spielfilm “Manuscripts don’t burn“ – Iranische Agenten als Killer

Erstmals stellt ein Spielfilm den Geheimdienst der Islamischen Republik bloß, indem er die Morde an iranischen Schriftstellern und regimekritischen Politikern vor 15 Jahren thematisiert. Stefan Buchen stellt den neuen Film des Regisseurs Mohammed Rasoulof vor.

Es geht um Mord. Das ahnt man in der ersten Szene. Ein hagerer Mann mit Vollbart und Blut an den Fingern rennt zu einem Auto, in dem ein Mann mit Bauchansatz und Lederjacke wartet. Die Szenerie verheißt nichts Gutes: staubige Einsamkeit, im Hintergrund zeichnet sich ein baufälliges Gemäuer ab. Die beiden Männer rasen davon.

Am Anfang ist alles rätselhaft. Aus welchem Motiv und in wessen Auftrag die beiden Täter handeln und wer ihre Opfer sind, das begreift man erst allmählich im neuen Film des iranischen Regisseurs Mohammad Rasoulof, der bei den Kinofestspielen in Cannes diesen Freitag (24.5.) Weltpremiere hat.

Man hätte die beiden Männer für Mafiosi halten können, die vom Baron eines Verbrechersyndikats losgeschickt wurden. Aber sie sind Agenten des staatlichen Geheimdienstes. Sie verfolgen einen inneren Feind: Schriftsteller und Intellektuelle, denen Verrat am Staat und Verbindung zum äußeren Feind zur Last gelegt werden.

Beiläufig erfährt der Zuschauer, dass es ein „Scharia-Urteil“ gibt, das dem Handeln der beiden Männer zu Grunde liegt. Aus ihrer eigenen Perspektive morden sie nicht, sondern führen legale Hinrichtungsbefehle aus.

Spiegel der Vergangenheit

Der iranische Schriftsteller Hushang Golshiri; Foto: 'iran emrooz'
Engagiert im Kampf für die Meinungsfreiheit und die Abschaffung der Zensur im Iran: Der renommierte persische Autor Hushang Golshiri war einer der Mitbegründer des iranischen Schriftstellerverbandes.Der Film „Manuscripts don’t burn“ („Dastneveshteha ne-misuzand“) greift eine zeitgeschichtliche Ereigniskette auf, die den Iran Ende der Neunziger Jahre erschütterte, aber heute in Vergessenheit geraten ist. In der Auseinandersetzung mit dem Schriftstellerverband, der als letzte Institution im autoritären Staat auf seiner politischen Unabhängigkeit beharrte und die uneingeschränkte Meinungsfreiheit einforderte, griff der Geheimdienst zu immer brutaleren Mitteln.

Einige Literaten wie Hushang Golshiri sperrte er ein, andere legte er um, wie den Dichter Mohammad Mokhtari und den Schriftsteller Mohammad Jafar Puyandeh. Das Politikerehepaar Parwaneh und Dariush Forouhar, das Kontakte in diese Szene hatte und sich geistig auf den früheren demokratischen Ministerpräsidenten Mosaddegh berief, wurde im Zuge der Mordserie im November 1998 in der eigenen Wohnung mit Dutzenden Messerstichen hingerichtet.

Keine dieser historischen Figuren wird in Rasoulofs Film exakt nachgezeichnet. Aber es wimmelt von Anspielungen auf das tatsächlich Geschehene. Im Zentrum der Geschichte steht die Erinnerung an das Attentat auf einen Bus, in dem 21 iranische Schriftsteller zu einem Kongress in Armenien unterwegs waren.

Während der Fahrt durch die Berge versucht der Fahrer, den Bus in den Abgrund zu stürzen. Er reißt das Steuer herum und springt hinaus. Aber das Attentat scheitert. Der Bus wird von einem Felsbrocken vor dem Sturz in die Tiefe bewahrt. Der Fahrer war ein Mitarbeiter des Geheimdienstes.

Diese Szene taucht nicht im Bild, sondern nur in den Erinnerungen der Charaktere auf. Sie ist der Resonanzraum, in den der ganze Film hineinruft. Der Schriftsteller Kasra hat das Attentat miterlebt und einen Augenzeugenbericht geschrieben. Weil er weiß, dass der Geheimdienst das Manuskript bei ihm finden und vernichten könnte, hat er Kopien bei Freunden versteckt.

Im Visier der Agenten

Der Geheimdienstagent Khosro war damals der Busfahrer. Jetzt hat er den Befehl, zusammen mit seinem Vorgesetzten sämtliche Besitzer des Manuskripts aufzuspüren und unschädlich zu machen. So soll die Veröffentlichung verhindert und die Erinnerung an das gescheiterte Bus-Attentat ausgelöscht werden.

Faraj Sarkohi; Foto: DW
„Das erste Mal in der iranischen Kinogeschichte stellt ein Film den Geheimdienst bloß“, meint der Literaturkritiker Faraj Sarkohi, der 1996 als einer der Wortführer einer Schriftsteller-Initiative gegen Zensur verhaftet und ein Jahr darauf in einem geheimen Verfahren zum Tode verurteilt wurde.“Noch nie hat es ein Regisseur gewagt, die Morde des Geheimdienstes zum Thema eines Spielfilms zu machen. Das erste Mal in der iranischen Kinogeschichte stellt ein Film den Geheimdienst bloß“, meint der Literaturkritiker Faraj Sarkohi. Er hat als einer der ersten die Endfassung des Films gesehen. „Aus der Sicht des Regimes ist das schwerwiegender, als wenn jemand schlecht über den Revolutionsführer redet.“

Tatsächlich saß Sarkohi damals in dem Bus, der beinahe in die Schlucht gestürzt wäre, und hatte einen Bericht darüber aufgeschrieben. Sarkohi überlebte nicht nur das Attentat auf den Bus, sondern auch Haft und extreme Folter in den Kerkern des Geheimdienstes. Er kam dank der Intervention von Menschenrechtsorganisationen und europäischen Regierungen frei und lebt heute in Frankfurt. Ihm und den Mordopfern setzt Rasoulofs Film ein Denkmal.

Dabei ist der Film keine Doku-Fiction. Er zerlegt die Realität und schafft sie neu, so wie es jede gute Kunst tun muss. Die Zeitebenen verschwimmen. Einerseits fühlt sich der Zuschauer in das Geschehen vor 15 Jahren zurückversetzt. Andererseits glaubt er sich in der Gegenwart, weil die Protagonisten im Film das Bus-Attentat vor 15 Jahren nicht erleben, sondern sich lediglich daran „erinnern“.

Auch die Diskussionen unter den Intellektuellen über den Sinn von Widerstand und substantieller Regimekritik im Zeitalter von Twitter und „Network-Generation“ wecken Assoziationen zum Hier und Jetzt.

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Panahi-Film in Cannes

SPON: Eingesperrt – und trotzdem im Kino präsent: Bei den Filmfestspielen von Cannes, die am 11. Mai starten, wird in einer Spezialvorführung der neue Film des gefeierten und verfolgten iranischen Regisseur Jafar Panahi gezeigt.

Schon auf der letzten Berlinale war die Solidarität mit ihm enorm, jetzt erhält der iranische Filmemacher auf einem weiteren großen europäischen Filmfestival Unterstützung: Der neue Film des zu jahrelanger Haft verurteilten Dschafar Panahi wird beim Festival in Cannes gezeigt. “In Film Nist” (“Dies ist kein Film”) sei für eine Spezialvorstellung ausgewählt worden, teilten die Organisatoren am Samstag mit. […]

NEGATIV: Zwei Filme der iranischen Regisseure Jafar Panahi und Mohammad Rasoulof erreichten in den letzten Tagen das Festival. Die Regisseure befinden sich gerade für sechs Jahre in Haft, und haben für die nächsten 20 Jahre Berufsverbot. Lies den Rest dieses Beitrags

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